Da ich selbst auf der Suche nach einem neuen Wagen nicht genug an Vergleichen und Eindrücken bekommen kann, möchte ich mich an einer Zusammenfassung versuchen und euch teilhaben lassen.
Was sind wir in den letzten 5 Jahren gefahren? Subaru Outback 2.5i (Bj. 2020), Tesla Model Y Dual Motor (2022, nur wenige Monate), Polestar 2 LR Dual Motor (2022, nur wenige Monate), Mercedes C300e T-Modell (seit 2023). Ich fahre vorausschauend zügig, aber auch gern mal (sehr) schnell, wenn es die Verkehrssituation erlaubt. Gesucht wird ein neuer Familienwagen, der in den Außenmaßen dennoch halbwegs praktikabel bleibt und nicht wie ein i5 Touring überall überhängt oder breit wie ein Bus ist (Polestar 3 & 4). Die Tests in der Chronologie:
1) Mercedes-Benz GLC 400 4Matic:
Die kürzeste der Probefahrten, weil wir uns schnell einig waren, dass es nicht der GLC wird. Dabei finde ich ihn optisch echt gut und hatte nur ob des Preises und der Größe Bedenken.
Kosten: Zunächst mal ist er mit Abstand der teuerste Kandidat (BLP mit realistischer Wunschausstattung ca. 86-88k EUR). Für 22kW und 400V jeweils extra Geld zu verlangen ist schon ein starkes Stück. Dafür ist er von den getesteten Fahrzeugen aber auch zugegeben deutlich der am besten und wertigsten verarbeitete Wagen.
Ergonomie & Bedienung: Ich hatte beim letzten Service schon mal probegesessen und der Eindruck, dass die Mittelkonsole im Beinbereich zu weit heraussteht, hat sich bei mir leider verfestigt. Dabei bin ich eigentlich eher ein Sitzriese. Es gibt endlich wieder ein paar Rädchen am Lenkrad! Das riesige Display sieht imposant aus, ist aber für uns einfach nur ein Gimmick, weil es keinen Mehrwert bringt. Die Bedienung ging leicht von der Hand, wobei wir ehrlich gesagt auch durch unsere C-Klasse wenig Starthilfe brauchten. Die Sitze waren sehr bequem. Keine Idee, wie sich das mit dem Hyperscreen bei Nacht anfühlt.
Platzangebot und Übersichtlichkeit: Für so ein riesiges Fahrzeug fühlt man sich doch ziemlich eingebaut. Das kann man mögen, ist bei unserer C-Klasse ja auch so, aber bei den Außenmaßen hat es sich für uns falsch angefühlt. Die Übersichtlichkeit ist okay, ich fand den hier EX60 später besser. Ohne HUD finde ich den Tacho nicht ideal zu lesen, bin aber auch vom HUD der letzten Jahre verwöhnt.
Ausstattung: Der GLC bietet ein HUD, welches aber im Testwagen leider nicht verbaut wurde. Die Massagesitze haben wir in der C-Klasse auch und fanden sie hier sehr angenehm und nochmal verbessert. Das 4D-Burmester Soundsystem klingt gut und wir haben nicht viel mit rumgespielt, aber mit den Standard-Einstellungen klang es nahe an unserem derzeitigen Burmester System. Mit mehr Einstellungen ginge da sicher mehr.
Fahrgefühl: Super ist schon mal, dass der Wagen sehr leise ist und wirklich sehr schnell sprintet. Er gleitet mit dem Luftfahrwerk, jedoch, und damit war er fix raus, ist er uns trotz des Sportmodus einfach zu bootig zum Fahren. Er wippt immer wieder nach. Meiner Frau und dem Nachwuchs wurde komisch auf der kurzen (45 Minuten) Fahrt. Die Fahrhilfen waren unauffällig, nur das Gepiepse mit der Tempowarnung ist etwas nervig und blinkt sehr auffällig. Was natürlich auch Sinn der Sache ist. Der lange Druck auf das Rädchen am Lenkrad oder auf das Symbol des Displays schaltet den Kram wieder aus. Die 2 Gänge sind spürbar, wenn man z.B. aus der Baustelle raus beschleunigt und der Wagen bei ca. 110 km/h schaltet.
Abschließende Gedanken: Für den aufgerufenen Preis ist der GLC leider nichts für uns. An das "bootige" Gefühl kann man sich bestimmt gewöhnen, aber trotz des tollen Fahrzeugs hat sich kein "Haben-Will"-Gefühl eingestellt. Das ist natürlich super subjektiv und wenn Geld keine Rolle spielt, dann bekommt man hier ein gewaltiges Auto.
2) Mercedes-Benz CLA Shooting Brake 250+ (Wunsch wäre der 350er gewesen):
Der CLA SB ist quasi das Pendant unserer C-Klasse nach unserem Eindruck. Platztechnisch definitiv vergleichbar, im Kofferraum sogar überlegen. Dazu sogar noch der üppige Frunk. Deshalb hatten wir den Guten auch über Nacht, um uns damit vertraut zu machen.
Kosten: Der günstigste und kompakteste Kandidat im Bunde und somit der Wunsch meiner Frau. In der gewünschten Ausstattung bei ca. 75k-76k EUR und damit auch dort vergleichbar mit unserer C-Klasse. Die Leasingraten sind deutlich günstiger als beim GLC und auch EX60.
Ergonomie & Bedienung: Die 3 Screens sind genauso gut wie der Hyperscreen des GLC. ABER: Der Beifahrer spiegelt sich quasi die ganze Zeit in seinem Display. In unserem Fall wurde das als negativ wahrgenommen. Ansonsten ist alles da wo es sein soll und funktioniert. Weitere negative Punkte: Das untere Touchbedienfeld der Mittelkonsole mutet unfassbar billig an. Die Getränkehalter halten nur an jeweils einer Seite fest und damit unzureichend.
Platzangebot und Übersichtlichkeit: Der Kofferraum ist wie gesagt größer als beim C300e T-Modell, ansonsten sind die Türausschnitte merklich kleiner und die Frontscheibe ist erstaunlich nahe vor einem. Damit haben wir die Wärmestrahlung stärker gespürt als bei den anderen Fahrzeugen. Für uns und den Nachwuchs war definitiv genug Platz. Nur Erwachsene haben hinten sicher keinen Spaß. Leichte Abstriche im Vergleich bei den Sitzen, die zwar gut, aber nicht so gut wie bei den anderen Kandidaten waren.
Ausstattung: Wieder kein HUD dabei und auch nur die Standard-Anlage, die jedoch überrascht hat. Die Massage ist ein Witz (die Lordosestütze wird quasi abwechselnd aufgepumpt oder so). Es gibt keine Sitzbelüftung. Das Entertainment System ist ausreichend flott. Wir konnten hier das automatische Parken testen und das hat wirklich außerordentlich gut geklappt. Coole Sache, wenn man es braucht oder einen schlechten Tag hat.
Fahrgefühl: Einfach gut. Keine Sänfte, aber verbindlich und mit viel Vertrauen zu fahren. Der 250+ ging schon gut vorwärts, so dass man EIGENTLICH nicht mehr bräuchte. Dabei ist er super sparsam gewesen. Auf dem Heimweg mit Stau, auf dem Rückweg Vollgas bis 210km/h, brauchte er auf 141 km schlappe 15.6 kWh/100km. Auf der Landstraße leiser als meine C-Klasse, auf der Autobahn subjektiv gesehen minimal lauter. Einzig die 2-Gänge sehe ich etwas kritisch, da je nach Fahrzustand durchaus unterschiedliche Drehmomente zu spüren waren. Geschaltet wurde auch früher als beim GLC.
Abschließende Gedanken: An der Stelle waren wir eigentlich schon ziemlich auf den CLA SB eingeschossen, auch weil eben günstiger, sparsam und im Grunde komplett ausreichend. In aqua-mint mit passenden Felgen auch irgendwie ganz cool.
3) Volvo EX60 P10 Ultra:
Wer gerade spitz auf den Wagen ist, hat sicher schon so einige Videos und Tests gesehen. Kurzum: Ich kann den Testern größtenteils absolut recht geben. Meine Frau wusste schon kurz nach dem Einsteigen, dass es bei uns der Volvo werden würde. Ich war mir nach 10 Kilometern sicher.
Kosten: Im Vergleich preislich die Mitte bei den Leasingraten, BLP um die 78-79k EUR. Außer Massagesitzen und HUD ist dann quasi alles dabei. Ich hoffe nur, dass die Leasingraten jetzt nicht noch anziehen bei der so großen Nachfrage.
Ergonomie & Bedienung: Markenfremd, daher erstmal ungewohnt, haben wir uns schnell zurechtgefunden. Das Menü ist ziemlich eingänglich. Anfangs fand ich es schwierig, dass die Navigation auf dem großen Display so weit rechts ist (links ist die Medienanzeige), aber erstens kann man das auch in den Vollscreenmodus packen, und zweitens ist die Kartendarstellung und Navianweisung im Tachodisplay super ablesbar und höher als üblich platziert. Ich vermisse das HUD nicht. Das hätte ich nicht erwartet. Man sitzt sehr bequem, alles ist da, wo es sein muss. Die automatische Rekuperation hat wie in den beiden anderen Wagen hervorragend funktioniert. Noch genialer: Statt akustischer Warnung kann man bei Geschwindigkeitsüberschreitungen (die Schilder werden ja auch mal falsch gelesen, bei der Testfahrt 1x passiert) ein diffuses Gaspedal konfigurieren. Der Wagen fährt in erster Instanz die vermeintlich vorgeschriebene Geschwindigkeit, und durch stärkeres Durchdrücken des Pedals überwindet er dann diese Einstellung irgendwann und man fährt schneller. Kein Gebimmel oder sonst was. Das klappte sehr organisch und ich finds klasse. Wüsste nur zu gerne, ob der Tacho wirklich GPS genau ist, denn ansonsten dackelt man überall mit 3-5km/h zu wenig rum und die Leute brüskieren sich. Ich bin jetzt kein notorischer Zuschnellfahrer (seit Jahren kein Foto bekommen, noch nie einen Punkt gehabt), aber manchmal zeigen die Systeme schlicht die falsche Geschwindigkeit an und dann nervt das Gebimmel. Super Lösung von Volvo.
Platzangebot und Übersichtlichkeit: Sehr gute Übersichtlichkeit und tolle Kameras. Leider waren die Parkkameras nur bei sehr langsamer Fahrt aktivierbar, was besser sein könnte. Beispiel: Man will aus dem flüssigen Verkehr raus einparken und die Kameras bereits aktivieren. Beim Mercedes geht es ab 30 km/h. Die Beinfreiheit und das Gefühl von Raum sind dem GLC & CLA SB für uns deutlich überlegen. So soll das sein. Schade, dass der Frunk nicht so groß ist und die Entriegelung nicht wie beim GLC von außen funktioniert. Laut Verkäufer soll zumindest die Öffnung per App noch folgen.
Ausstattung: Positiv aufgefallen sind die tollen Sitze mit Nappa Leder, bei denen die Sitzbelüftung hervorragend funktioniert hat. Der Park-Pilot ist leider noch nicht ausgerollt, soll aber dieses Jahr noch über OTA kommen. Was uns dann doch überrascht hat, ist die Vehemenz des Bowers & Wilkins Soundsystems. Zugegeben haben wir hier im Vergleich zum GLC Einstellungen vorgenommen. Dafür wurden wir aber auch mit einem herausragenden Klang belohnt. Zusammen mit dem super leisen Fahrzeug kam hier ein deutliches "Haben-will"-Gefühl

Gemini war leider noch nicht aktiviert.
Fahrgefühl: Im Sprint legt er anfangs sachte zu, packt dann aber um so mehr drauf und zwingt ein Grinsen ins Gesicht. Dabei ist der Wagen unfassbar leise. An die maximal 180 km/h muss ich mich sicher gewöhnen, aber es ist ja immerhin auch sicherer so. Dieses Tempo erreicht er in sehr kurzer Zeit und man merkt es einfach nicht. Bei der Autobahnabfahrt musste ich mehr denn je auf den Tacho schauen. Die Dämpfereinstellungen sind sehr deutlich abgegrenzt. Standard ist super bei schlechteren Straßen, auf Hart ist es noch etwas verbindlicher und dennoch komfortabel. Aus meiner Sicht ein Traum, wie der EX60 fährt. Roadtrips, Teams-Meetings auf Dienstreisen und auch die Fahrt in den Wald sind prädestiniert für den EX60. Für einen Verbrauchsvergleich waren die Strecken und Verkehrssituationen zu unterschiedlich. Auf 3211 km hatte der Volvo einen Verbrauch von 18.1 kWh/100km. Auf unserer Testfahrt mit schneller Autobahnfahrt, (sehr) ruhigen Stadt- und Landstraßenpassagen und einigen Sprints lagen wir bei 17.3 kWh/100km.
Abschließende Gedanken: Der Volvo ist natürlich ein teures Auto, hat aber, wenn man sich in der Preisklasse bewegt, für uns das beste Angebot. Forest Lake (grün), schwarze Felgen, so darf er gerne bestellt werden. Ach und alle 3 hatten die eingebauten Panoramadächer ohne Öffnungsfunktion. Beim Volvo hat es sich bei Berührung am wärmsten angefühlt, ansonsten merkt man davon nichts, auch bei 36c war der Volvo super angenehm temperiert. Da hat es uns beim CLA SB von vorne mehr gebrutzelt durch die nahe Windschutzscheibe.
Richtig doof finde ich bei Mercedes, dass die Abodienste nur für 3 Jahre gelten, da bei uns die Fahrzeuge üblich etwas länger in der Flotte bleiben. Für mich kam bei der C-Klasse eine nachträgliche Subscription aus Grundsatz nicht in Frage, weshalb wir nur noch Google Maps/Apple Maps über Carplay nutzen. Sonst gibt es keine Echtzeitverkehrsdaten im Navi mehr. Die Navi-Anweisungen werden zwar per Carplay im HUD angezeigt, aber ohne Karte. Wer gerne schnell fährt oder auf engen/unbekannten Landstraßen unterwegs ist, könnte die Kartendarstellung vermissen. Das ist für mich beim Volvo besser gelöst. Joa und wenn es jetzt noch Fragen gibt: gerne!