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Kontrovers: Facebook visiert mit Werbung gezielt emotional labile Teenager an

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Facebook plaudert zwar gerne über die Vorzüge des sozialen Netzwerks, wenn es dann aber um die Art und Weise geht, wie Werbung ausgeliefert und welche Daten an Partner weitergegeben werden, hält sich das soziale Netzwerk in der Regel eher bedeckt. Mit gutem Grund, wie ein Leak aus Australien nun offenlegt: Es ist ein Dokument mit 23 Seiten aus Facebooks australischer Zweigstelle durchgesickert, das beschreibt, wie das soziale Netzwerk beispielsweise mit Werbung gezielt emotional instabile Teenager anvisiert. Demnach könne Facebook über seine Algorithmen erkennen, wenn die Nutzer gerade wenig Selbstvertrauen hätten. Anhand des Nutzerverhaltens will man Gemütszustände wie „wertlos“, „unsicher“, „unterlegen“, „angespannt“, „albern“, „nutzlos“, „dumm“, „überwältigt“, „gestresst“ und „ein Versager“ erkennen. Entsprechend darauf abgestimmte Werbung soll dann ausgeliefert werden, um den Nutzern quasi nahezulegen ihr Selbstbewusstsein über Produkte wieder aufzubauen. Teilweise richtet sich Facebook laut dem Leak dann gezielt an Jugendliche.

Die Dokumente beschreiben speziell für Werbetreibende Szenarien, in denen die Teenager mit Produkten geködert werden könnten, wenn sie „gut aussehen und mit ihrem Körper zufrieden sein“ wollten oder „Sport treiben und Gewicht verlieren“ möchten. Auch wurde, nicht nur bei Facebook, sondern auch bei Instagram, ausgewertet, wie die User z. B. auf Fotos ihre Mahlzeiten in Szene setzen. Es wurde bei Teenagern sogar speziell differenziert, dass die Jugendlichen unter der Woche verstärkt erwartungsvolle Postings einstellen und versuchen Selbstbewusstsein aufzubauen, während sie an Wochenenden reflektierter seien und Erfolge thematisierten. Auch wenn sich der Leak auf australische Nutzer bezieht, kann man stark davon ausgehen, dass Facebook in Deutschland nahezu auf identische Weise das Nutzerverhalten, auch speziell von Jugendlichen, auswerten dürfte.

Facebook Australien äußerte sich bisher nur vage zu dem Leak und schien eher darauf bedacht zu sein herauszufinden, wie die Informationen an die Öffentlichkeit gelangten. Die Echtheit der Dokumente wurde bestätigt, man wollte aber nicht offenlegen, ob international genau so gearbeitet werde wie in Australien. Neu ist dabei freilich keineswegs, dass Facebook Nutzerdaten umfassend auswertet und mit Partnern teilt. Speziell der Fokus auf Jugendliche und deren emotionale Zustände wirft aber natürlich viele moralische Fragen auf. Schließlich geht es hier gezielt darum Teenager in speziellen Gemütszuständen mit Werbung zu beeinflussen.

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Kommentare (12)

#3
Registriert seit: 06.04.2012

Kapitänleutnant
Beiträge: 1782
Ich gehe bei guten Taschendieben mit Opferinformationen davon aus, dass sie die Zielgruppen in Kategorien einteilen, damit der Diebeserlös maximiert wird. Ob nun die Weihnachtsmarkt-, Gelegenheits- oder täglich organisierte Branche, die verstehen ihre Arbeit.
#4
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Registriert seit: 06.02.2014
Im sonnigen Süden
Admiral
Beiträge: 11468
Zitat estros;25514800
Weshalb ist das kontrovers?
Ich gehe von guten Unternehmen mit Kundeninformationen aus, dass sie die Zielgruppe in Kategorien einteilen, damit der Werbeerlös maximiert wird.
Ob nun die Television, Shopping oder Soziale Medien Branche, die verstehen ihre Arbeit.

Richtig.

Zitat TCM;25514837
Ich gehe bei guten Taschendieben mit Opferinformationen davon aus, dass sie die Zielgruppen in Kategorien einteilen, damit der Diebeserlös maximiert wird. Ob nun die Weihnachtsmarkt-, Gelegenheits- oder täglich organisierte Branche, die verstehen ihre Arbeit.

Auch richtig (bis auf die Definition von "Arbeit"). Willst du irgendwas damit andeuten?


Nein, ernsthaft, natürlich können Algorithmen sowas und ganz ehrlich, weshalb soll zufällige Werbung, irgendwie sinnvoller, oder gar besser sein, als gezielte?
Es findet doch keine Benachteiligung statt und grade für Menschen die nicht vor Selbstbewustsein strotzen, kann die Online-Welt ein Segen sein, wenn man das richtig einzusetzen weiss... Bzw. es erlaubt einfach mehr eigene Qualitäten zu nutzen, als man es allein im "RL" könnte.
#5
Registriert seit: 27.12.2006
NRW
Oberbootsmann
Beiträge: 892
Facebook gehört endlich auf den Index. Es ist schlimmer als alles andere was je die Menschheit bedroht hat.
#6
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Registriert seit: 29.08.2012

Flottillenadmiral
Beiträge: 4970
Zielgerichtete Inhalte ziehen die Leute in einen Strudel aus für sie zugeschnittenen Informationen, dem sie nicht mehr entweichen können, und begünstigt dadurch Extremismus.
Zudem könnte man auch Menschen durch Hiobsbotschaften in den labilen Zustand versetzen, und möglichst lange in FB halten, um sie dadurch sehr anfällig für für zielgerichtete Werbung zu machen, die ihnen Hilfe verspricht, die sie sich mit Geld erkaufen können, aber den eigentlichen Grund für ihren labilen Gemütszustand, nämlich FB, verschleiert.

Hier geht es vor allem darum, dass gezielt wehrlose ausgenutzt werden sollen, und eine Art Gehirnmanipulation eingesetzt wird, die von der Gesellschaft festgesteckte Grenzen überschreitet, was man bisher vor allem von Sekten kennt...
#7
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Registriert seit: 18.12.2012

Obergefreiter
Beiträge: 69
@oooverclocker
Der Gemütszustand ist nach Situation anders; chemische Reaktionen und veränderte Hormone, da ist niemand wehrlos.
Facebook könnte die Werbung auch gezielt an Menschen im Kindesalter ausrichten; was analog seit Jahrtausenden der Fall ist, ist nun halt digital. Triviale Angelegenheit.
Wenn du subjektiv, für dich, dies als Gehirnmanipulation wahrnimmst, dann ist alles um dich herum Gehirnmanipulation. Deiner ersten Liebe der du Pralinen geschenkt hast - weil du halt wusstest sie mag die mit Erdbeeren - die hast, du dann auch manipuliert. Du schlimmer Finger du ;)
#8
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Registriert seit: 06.02.2014
Im sonnigen Süden
Admiral
Beiträge: 11468
Zitat oooverclocker;25515058
Zielgerichtete Inhalte ziehen die Leute in einen Strudel aus für sie zugeschnittenen Informationen, dem sie nicht mehr entweichen können, und begünstigt dadurch Extremismus.
Zudem könnte man auch Menschen durch Hiobsbotschaften in den labilen Zustand versetzen, und möglichst lange in FB halten, um sie dadurch sehr anfällig für für zielgerichtete Werbung zu machen, die ihnen Hilfe verspricht, die sie sich mit Geld erkaufen können, aber den eigentlichen Grund für ihren labilen Gemütszustand, nämlich FB, verschleiert.

Was die Sache mit den zugeschnittenen informationen angeht hast du prinzipiell nicht unrecht - aber das ist etwas was sich viele Menschen selbst absichtlich schaffen. Da braucht es keinerlei zutun von FB.
Die Menschen surfen absichtlich nur bestimmte (biased) Seiten an.
Das ist eigentlich nichtmal ein Grundproblem des Internets - das gabs schon immer. Woher kommt wohl der Audruck "Stammtisch", sowie die damit verbundenen Hintergründe?
Es ist naturgemäß sich mit ähnlich denkenden Menschen und entsprechenden Informationen zu umgeben.
Bzw. wenn wir wirklich psychologisch drüber nachdenken, ist der Grund dafür einfach unser Instinkt, den effizientesten/einfachsten Weg zu gehen. Sich mit neuen Gedanken zu befassen entspricht einer Anstrengung und schätzungsweise wohl weniger als die Hälfte der Menschen bevorzugen Herausforderungen, wenn sie die freie Wahl haben.

Facebook ist extrem weit gefächert. Da hast du Gruppen von eben Menschen mit geringem Selbstvertrauen, bishin zu Suizid-Thematiken, aber auch welche für Adrenalinjunkies und Yolos - und erst recht viele die einem helfen können, aus ersteren Problemen wieder rauszukommen.
Die Argumentation, FB würde einen kleinhalten wollen, ist daher schon etwas weit hergeholt. Die Dinge die dann beworben werden, sind ja grade dazu da um einem die Symptome erstmal zu lindern (wie du ja auch erkannt hast). Wenn das schlecht ist, was soll man denn dann tun?
Soll FB wie ein Arzt, zum Psychologen raten? Bzw. das wäre ja auch nur eine Art von "Produkt"...
Klar, Facebook könnte theoretisch "böse werden", und wirklich Ausnutzen, wie du andeutest, aber bislang zeigt sich davon nichts und dagegen gäbe es auch Gesetze (auch in den Server-Heimatländern). Zudem würde zumindest ich bezweifeln dass ein negativ eingestellter FB Nutzer, wirklich mehr kauft, als ein glücklicher. Die bieten ja keine Drogen an. Entsprechend wäre sowas nichtmal wirtschaftlich.


Stellt doch nicht immer die Wirtschaft als Feind des Menschens dar >_>
Dort arbeiten auch nur Leute wie du und ich und jeder versucht auf seine Weise Erfolg/Genugtuung zu erlangen bzw. Geld zu verdienen!
Das ergibt eine weitestgehend funktionierende Gemeinschaft - welche dank sozialen Medien heute aktiver und allgemein durchaus besser informierter ist, als jemals zuvor auf der Welt.
Zuallermindest können die die es auch wollen, sich besser informieren als jemals zuvor. Diesen Anteil der Menschen zu erhöhen ist wohl Sache von Eltern/Erziehung und Bildungssystem, aber soweit möchte ich mich nicht in psychologische Studien vertiefen, bzw. es gibt wahrscheinlich auch genetische Komponenten.
#9
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Registriert seit: 23.08.2008
Bitz
Anime und Hardware Otaku
Beiträge: 12426
Zitat DragonTear;25515284

Stellt doch nicht immer die Wirtschaft als Feind des Menschens dar >_>
Dort arbeiten auch nur Leute wie du und ich und jeder versucht auf seine Weise Erfolg/Genugtuung zu erlangen bzw. Geld zu verdienen!
Das ergibt eine weitestgehend funktionierende Gemeinschaft - welche dank sozialen Medien heute aktiver und allgemein durchaus besser informierter ist, als jemals zuvor auf der Welt.
Zuallermindest können die die es auch wollen, sich besser informieren als jemals zuvor. Diesen Anteil der Menschen zu erhöhen ist wohl Sache von Eltern/Erziehung und Bildungssystem, aber soweit möchte ich mich nicht in psychologische Studien vertiefen, bzw. es gibt wahrscheinlich auch genetische Komponenten.


Doch, die Wirtschaft bzw. das weltweit etablierte System ist die Würzel (fast) allen Übels.
Im Grunde (von Anfang an) basiert es auf ständigem Wachstum (was es nicht gibt) und damit
es funktioniert muss der größte Teil der Weltbevölkerung an der Armutsgrenze leben und /
oder sterben. Jeden Tag.

Die Gier und Dummheit der Menschen kennt keine Grenzen. Es wird mit jedem "Scheiß" Geld
gemacht und die Triebfeder ist Gewinnmaximierung. Alles andere ist ne*ben*säch*lich bzw.
spielt gar keine Rolle.

Wir sind alle Sklaven und haben uns unsere eigene Hölle schon vor langer Zeit geschaffen.
#10
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Im sonnigen Süden
Admiral
Beiträge: 11468
Was arbeitest du denn, wenn ich fragen darf, Menchi?

Warum ich frage? Damit ich dir sagen kann, wie du selbst von diesem System das du verachtest, profitierst. Sag dir jedenfalls gesagt sein dass man, um was zu ändern, immer bei sich selbst anfangen sollte...
Ja ich pokere grad hoch, falls du tatsächlich für eine Wohlfahrt o.ä. arbeitest :D Wobei manche "Systemkritiker" sogar an solchen Berufen was auszusetzen haben, lol.
#11
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Registriert seit: 23.08.2008
Bitz
Anime und Hardware Otaku
Beiträge: 12426
Fragen darfst Du :p

Mir ist es bewusst das ich zu diesem System gehöre :(

Es gibt Möglichkeiten, aber keine richtigen Alternativen.
Die Möglichkeit was zu bewegen / ändern haben wir vor langer Zeit verloren.

Da braucht man sich keine Illusionen machen.
#12
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Registriert seit: 02.07.2007

Kapitän zur See
Beiträge: 3148
Es kann nur mit jedem Scheiß Geld gemacht werden,wenn dieser Scheiß auch gekauft wird.
Da du hier schreibst,Menchi,besitzt du auch "Scheiß" in dem Falle Internet das du bezahlst.Du schreibst von einem "Scheiß" in diesem Falle PC/Laptop.
Man braucht diesen "Scheiß" um nicht abgehängt zu werden.Siehe ältere Generation. (die Story auf der Suche nach einem Rentnerhandy für Vaddi,will ich hier ned erzählen)
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