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Dutzende Gaskraftwerke

Gigantische Rechenzentren werden ohne Netzanschluss geplant

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Gigantische Rechenzentren werden ohne Netzanschluss geplant
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Nicht nur, aber im Hinblick auf die Kapazitäten maßgeblich in den USA, sollen gigantische Rechenzentren entstehen, welche den KI-Boom bedienen sollen. Schon häufiger haben wir über die Ausmaße der Planungen berichtet, die sogar die Gigawatt-Schwelle für einzelne Projekte locker nehmen sollen.

Dabei war auch das Thema Stromversorgung häufig schon ein Fokus, denn für die gewaltigen Anlagen ist bei einem derart schnellen Ausbau meist kein äquivalenter Netzanschluss zu realisieren. Entsprechend betrieb xAI für sein Colossus-Cluster bis zu 35 Gasturbinen, um die Versorgung sicherstellen zu können. Die Pläne für die Stargate-Anlagen oder Ausbaustufen von Microsoft, Meta, Oracle, OpenAI, AWS und vielen mehr sehen auch immer häufiger dedizierte Gaskraftwerke vor, die einzig der Versorgung des Rechenzentrums dienen sollen, denn eine Versorgung über das schon bestehende Netz ist mehrheitlich nicht möglich.

Siemens Energy, General Motors und andere Hersteller für Gasturbinen profitieren von diesem Boom. Start-ups wie Boom Supersonic, die eigentlich einen Überschallflieger bauen wollen, bieten ihre Kompetenz nun auch für den KI-Boom an.

Ein Artikel der Washington Post zeichnet anhand des GW-Ranch-Projekts in West-Texas nach, wie der KI-Boom die klassische Rollenverteilung zwischen Rechenzentren und Energieversorgern aufbricht. Auf rund 32 km² entsteht dort ein Off-Grid-Campus mit mehreren hallengroßen Rechenzentrumsgebäuden, der mehr Strom ziehen soll als die gesamte Stadt Chicago – allerdings nicht aus dem bestehenden Netz, sondern aus eigenen Gaskraftwerken, ergänzt um Solarstrom. Aus Sicht der Betreiber löst das gleich mehrere Probleme: Man umgeht jahrelange Wartezeiten auf Netzanschlüsse, ist nicht an Engpässe im Übertragungsnetz gebunden und kann die benötigte Leistung exakt nach Ausbauplan dimensionieren.

Aber es zeichnen sich auch die massiven Nebenwirkungen dieses Trends ab. Neue Off-Grid-Projekte entstehen nicht nur in Texas, sondern etwa auch in West Virginia, wo ein privates Gaskraftwerk für ein Rechenzentrum so groß dimensioniert werden soll, dass es theoretisch jeden Haushalt des Bundesstaats versorgen könnte. Die öffentliche Kontrolle über Planung und Genehmigung wurde dort per Gesetz weitgehend ausgehebelt. Kritiker sehen darin eine Art privaten Schatten-Energiemarkt der Tech-Konzerne: Eine hohe, kontinuierliche Grundlast aus fossilen Quellen konterkariert Klimaziele, während Emissionen und lokale Umweltfolgen intransparent bleiben. Energieexperten warnen zudem, dass diese Insel-Lösungen die ohnehin alternde US-Netzinfrastruktur nicht entlasten, sondern indirekt belasten, weil sie Investitionen in ein moderneres, effizienteres Gesamtsystem ausbremsen.

Wenn Meta, Microsoft & Co. sich eigene Gaskraftwerke und Großgeneratoren sichern, konkurrieren sie um die gleichen Turbinen, Transformatoren und Fachkräfte wie öffentliche Versorger – mit der Folge, dass Netzbetreiber länger auf kritische Komponenten warten und mehr Geld in das Flickwerk alter Infrastruktur stecken müssen. Diese Mehrkosten landen am Ende auf der Stromrechnung der Endkunden, während Rechenzentrumsbetreiber ihre Energie häufig über langfristige Spezialverträge deutlich günstiger einkaufen.

Gut möglich jedoch, dass sich der Wind bald dreht: Der Widerstand gegen neue Rechenzentren wächst, und in sechs US-Bundesstaaten laufen bereits Gesetzesinitiativen, die den Bau weiterer, gigantischer KI-Camps ausbremsen oder ganz verhindern sollen.

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