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So grün sind die Clouds von Amazon, Google und Microsoft

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solarAlle großen Hersteller, egal in welcher Branche, rühmen sich in Anbetracht der aktuellen Klimadiskussion gerne mit Zahlen und Projekten, die dem Klimaschutz beitragen sollen. Gerne wird von einer Herstellung oder einem Betrieb mit 100 % erneuerbaren Energien gesprochen. Auch die Datacenter-Betreiber und Anbieter sind hier schon oft in den Fokus gerückt und so wurden auch schon einzelne Google-Suchanfragen auf ihren CO2-Fußabdruck hin bewertet.

Wired hat sich die drei größten Cloud-Anbieter einmal genauer angeschaut und unter die Lupe genommen, wie es diese mit dem Klimaschutz halten und ob hinter den Versprechungen auch eine echte Nachhaltigkeit steckt. Wohlgemerkt bezieht sich die Analyse ausschließlich auf den Stromverbrauch der Datacenter. Andere Aspekte werden nicht weiter beleuchtet.

Google zum Beispiel betreibt alle seine Datacenter für die eigenen Services. Man ist kein klassischer Cloud-Anbieter und hat damit im Vergleich zu Microsoft und Amazon den geringsten Verbrauch in diesem Segment. Google Cloud wirbt damit seinen Energieverbrauch aus 100 % erneuerbaren Energien decken zu können – Zero net Carbon Emissions. Dazu investiert man in entsprechende Technologien und hat in der Infrastruktur langfristige Verträge abgeschlossen, die eine hundertprozentige Versorgung mit erneuerbaren Energien sicherstellen soll. Dort wo keine vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist, werden über Renewable Energy Certificate System (RECs) entsprechende Zertifikate als Ausgleich gekauft.

Auf der anderen Seite arbeitet man auch daran, seine Datacenter effektiver zu machen, sodass diese auch wirklich nur so viel Energie verbrauchen, wie notwendig ist. 5,5 GW an erneuerbaren Energien bezieht Google nach eigenen Angaben ständig. Über den konkreten Verbrauch macht man keine Angaben.

Auf der anderen Seite ist Google seit 2018 mehr oder weniger direkt daran beteiligt, dass Öl- und Gasvorkommen gefunden und besser ausgebeutet werden können. Google Cloud hat auf seinem grünen Anstrich also durchaus auch ein paar Schmutzflecken.

Microsoft ist laut eigenen Angaben seit 2012 CO2-neutral. Ab 2014 sind alle Datacenter entweder direkt und komplett über erneuerbaren Energien versorgt oder es kommt auch hier zu einem Ausgleich mittels RECs. Der Anteil der Versorgung über erneuerbaren Energien liegt aktuell bei 60 % und soll bis 2023 auf 70 % angehoben werden.

Microsoft beteiligt sich direkt an der Erzeugung klimafreundlicher Energie. So ist man an Windfarmen beteiligt sowie zuletzt an einer Solarfarm mit einer Leistung von 74 MW in North Carolina. Die Gesamtleistung an erneuerbaren Energien die von Microsoft bezogen werden, liegt bei 1,9 GW. Zudem investiert man in Techniken zur Speicherung von Energie in direkter Nähe seiner Datacenter. Dabei handelt es sich um große Batteriefarmen, man unterstützt aber vor allem die Forschung an Wasserstoffspeichern, die bei einem Überangebot den Wasserstoff erzeugen, der bei Bedarf in Wasserstoffzellen wieder umgesetzt werden kann.

Aber auch Microsoft ist nicht frei von Kontakten zu Öl- und Gasindustrie. Auch hier bietet man mit der Azure-Cloudplattform konkrete Anwendungen zur Erkundung von Öl- und Gasfeldern. Wired sieht Microsoft hinter Google auf dem zweiten Platz was die gesamte Situation speziell im Datacenter betrifft.

Die Amazon Web Services sind mit rund 30 % Marktanteil der größte Anbieter in diesem Bereich. Auch hier sollen seit 2014 alle Datacenter zu 100 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden, allerdings wird ein Großteil über RECs ausgeglichen und der Anteil somit saubergewaschen. Erst 2040 will man CO2-neutral sein und das auch nur, weil der Druck dahingehend aus dem eigenen Unternehmen immer größer Wurde. Seit 2018 beträgt der Anteil an direkten erneuerbaren Energien im Datacenter-Betrieb etwa 50 %.

Aber bei Amazon wird derzeit auch kräftig an Verträgen mit lokalen Anbietern von erneuerbaren Energien gearbeitet. Wind- und Solarfarmen sollen den Anteil der klimaneutralen Versorgung weiter steigern. Derzeit werden 1,6 GW aus erneuerbaren Energien bezogen. Dies ist der geringste Anteil aller drei Anbieter und das obwohl man der größte der drei ist.

Zuletzt wurde Amazon durch Greenpace vorgeworfen, längst nicht mehr den kompletten Verbrauch durch eine direkte Versorgung mit erneuerbaren Energien oder über den RECs-Ausgleich decken zu können. Große Datacenter, wie das in Virginia, würden sogar nur zu 12 % durch erneuerbare Energien versorgt. Seinen CO2-Fußabdruck gibt das Unternehmen auch nur dann aus, wenn es durch lokale Gesetze dazu verpflichtet wird. Ist dies nicht der Fall, ist man längst nicht so transparent wie Google oder Microsoft. Zudem kann Google vorgeworfen werden, der Gas- und Ölindustrie noch näher zu stehen, als die bisher genannten Anbieter. Man bietet konkrete Projekte an, die der Industrie helfen sollen – "accelerate and optimize exploration, drilling, and production".

Zuletzt sei noch gesagt, dass sich Wired nur die drei größten Anbieter angeschaut hat. Es gibt aber noch viele weitere Unternehmen, die sich einen grünen Anstich verpassen, bei denen es aber ähnliche Fallstricke geben könnte, wie es die Zukäufe von CO2-Zertifikaten zeigen. Apple präsentiert sich immer gerne über ein klimafreundliches Image. Auf dem Papier sind auch hier alle Anlagen und Shops, bis zur Fertigung, CO2-neutral. Aber auch hier ist der Anteil der erneuerbaren Energien vor allem in der Produktion sicherlich eher gering. Allerdings bezieht sich die von Wired gemachte Analyse ausschließlich auf die Datacenter.

Für die Fertigung von Produkten müssen noch viele weitere Aspekte bedacht werden. Von der Herstellung bestimmter Materialien, über das Recycling, bis zur Ausbeutung von Lagerstätten seltener Erden.