Seite 4: Die Touch Bar in der Praxis

Das neue MacBook Pro mit Touch Bar kann natürlich auf eben diese reduziert werden und wir wollen uns die Touch Bar einmal etwas genauer anschauen. Über die Möglichkeit die Tastatur oder zumindest Teile davon zu ersetzen, haben verschiedene Hersteller bereits mehrfach nachgedacht. Bisher aber konnte sich keines der Konzepte durchsetzen. Microsoft hatte entsprechende Pläne und Lenovo mit dem ThinkPad X1 Carbon bereits eine konkrete Umsetzung, die aber nach einer Generation wieder eingestellt wurde.

Anpassbare Tastaturen, deren Tasten nicht mehr einfach beschriftet sind, sondern die über ein OLED-Display oder ePaper verfügen, gibt es bereits seit Jahren. Diese sind aber meist sündhaft teuer und konnten sich wohl vor allem aus diesem Grund nicht durchsetzen.

Apple kombiniert die Touch Bar mit einer Touch-ID-Taste, die zugleich als Ein/Ausschalter fungiert. Beide Komponenten werden von einem gemeinsamen T1-Prozessor angesteuert, den Apple eigens dazu entwickelt hat. Nicht nur wird das schmale Display über diesen SoC angesteuert, auch befindet sich darin eine Secure Enclave, die alle Zahlungsinformationen und den Fingerabdruck beinhaltet. Apple trennt den Speicherort dieser Informationen also klar vom restlichen System, sodass die wichtigsten Sicherheitsaspekte in dieser Hinsicht abgedeckt sein sollten.

Mit den neueren MacBook ist aber nicht nur eine Entsperren per Touch ID möglich, was deutlich schneller als eine Passworteingabe ist, sondern auch über eine eventuell vorhandene Apple Watch. Beide Mechanismen lassen sich auch kombinieren, je nachdem was schneller ist – das Entsperren per Apple Watch oder die Erkennung per Touch ID. Beides sind aber schnelle und bqueme Wege, die ein häufiges Entsperren im Alltag vereinfachen.

Das OLED-Display der Touch Bar verfügt über eine Auflösung von 2.170 x 60 Pixel, wird von Apple und den Entwicklern aber mit nur 1085 x 30 Pixel angesprochen, sodass eine Retina2X-Darstellung erfolgt. Die Touch Bar kann den erweiterten P3-Farbraum darstellen, genau wie das Display des MacBook Pro mit Touch sowie das neue iPhone 7. Außerdem ist die Touch Bar in der Lage zehn Berührungen zu erkennen, es ist also eine Multi-Touch-Bedienung möglich.

Standardmäßig stellt die Touch Bar die bekannten Tasten zur Verfügung, die zuvor hinter den F1-Tasten belegt waren. Dies wären die Änderungen der Helligkeit von Display und Tastaturbeleuchtung, der Lautstärke, das Launchpad, die Expose-Ansicht sowie die Multimedia-Steuerung. Die Taste für die Aktivierung von Siri ist immer zugänglich.

Nun gibt es zahlreiche Programme, die Bestandteil von macOS sind, die die Touch Bar bereits nutzen. Dies geht los beim Finder oder dem Safari. Favoriten können von hier direkt ausgewählt werden, ebenso möglich ist eine Vorschau der Tabs, wenngleich diese nicht immer schick und erkennbar ist. Wer bereits auf dem iPhone längere Texte verfasst, wird die Wortvorschläge kennen und diese tauchen nun auch auf der Touch Bar auf.

Einige Programme nutzen die Touch Bar aber auch um komplette Bedienelemente zugänglich zu machen. In Final Cut Pro lassen sich Projekte erstellen oder Medien importieren. Die Vorschau der Timeline und Auswahl von Schnittpunkten kann ebenfalls auf der Touch Bar erfolgen. In Textprogrammen wie Pages und TextEdit können Schriftstile ausgewählt werden und Programme wie Pixelmator ermöglichen eine große Auswahl an Werkzeugen über die Touch Bar. Ein zusätzlicher Funktionsumfang wird meist nicht angeboten, denn alles was nun auf der Touch Bar sichtbar ist, war zuvor irgendwie auch in der Benutzeroberfläche zugänglich. Mit dem Angebot der Bedienung über die Touch Bar vereinfacht sich so mancher Arbeitsschritt aber. Anstatt per Maus oder Trackpad auf den Senden-Button in Airmail zu navigieren, genügt ein einfacher Touch auf der Touch Bar.

Auch die Farbauswahl in einer Palette sowie die Navigation in einer Timeline sind über die Touch Bar sehr schick gelöst und funktionieren auch im Alltag recht gut. Andere Punkte wiederum stellen zwar eine zusätzliche Möglichkeit der Bedienung dar, machen diese für den Nutzer aber nicht einfacher. Wie auch beim Wechsel der Tastaturdesign benötigt die Touch Bar etwas Eingewöhnungszeit und man muss Funktionen auch suchen, um sie später nutzen zu können. Nur wer sich auch mit der Touch Bar beschäftigt, wird sie später auch sinnvoll einsetzen können.

Während dieser Artikel entstanden ist, veröffentlichte Microsoft eine Insider Preview für Office, die auch die Unterstützung der Touch Bar beinhaltete. Damit wird die Touch Bar auch in den Office-Anwendungen nutzbar und ermöglicht in Word, Excel und PowerPoint die Auswahl vieler Werkzeuge, die ansonsten per Maus oder Trackpad angewählt werden.