Seite 10: Fazit

Valves Wohnzimmer-Ambitionen sind eigentlich ein längst überfälliger Schritt. Im Vergleich zur Konsole bietet der PC noch immer die meisten Möglichkeiten. Je nach Hardware-Ausstattung ist die Auflösung meist höher, der Detailreichtum größer, die Sichtweite höher und das Bild dank zusätzlichen AA/AF-Modi insgesamt deutlich ruhiger. Zudem können viele Spiele mehr oder weniger modifiziert werden, um beispielsweise eine noch bessere Grafik oder neue Spielinhalte zu erhalten. Ganz so einfach haben es die neuen Steam Machines aber nicht.

Wer aktuelle Spieletitel mit allen Details in 1080p spielen möchte, der muss weitaus mehr investieren als für eine Konsole. Auch wenn die kleinste Version der Alienware Steam Machine über die gleiche Grafikkarte verfügt, muss man deutliche Abstriche bei Speicher und Prozessor in Kauf nehmen. Der Einstieg liegt mit 599 Euro aber gut 200 Euro über dem einer Konsole. Um die Lizenzkosten zu reduzieren, hat Valve ein eigenes Betriebssystem auf Linux-Basis entwickelt. Damit wird automatisch in einem erweiterten Big-Picture-Modus gestartet und somit die Controller-Steuerung ermöglicht. In Sachen Spieleunterstützung aber muss man bei Linux und damit auch bei SteamOS deutliche Abstriche hinnehmen. Auch wenn es aktuelle Spiele wie Ark: Survival Evolved für SteamOS gibt, sind andere Triple-A-Titel wie Grand Theft Auto 5 oder Fallout 4 überhaupt nicht unter SteamOS lauffähig. Hinzu kommen grafische und technische Unterschiede zwischen Windows und Linux, was sich auch in der Leistung wiederspiegelt. Spiele laufen unter SteamOS deutlich langsamer als unter Windows. Das könnte sich allerdings mit einem besseren Treiber-Support seitens AMD und NVIDIA ändern und auch die Vulkan-Schnittstelle dürfte ihren Teil beitragen. Stand heute aber sollten PC-Spieler weiterhin zu einem Windows-System greifen.

Der Controller klingt zwar in der Theorie hervorragend, offenbart in der Praxis jedoch einige Kinderkrankheiten. Das Material ist viel zu billig gewählt, die Ergonomie schlecht. Bietet ein Spiel ohnehin Unterstützung für einen Controller, hat man sich aber schnell an die neuen Touchpads gewöhnt. Ist dies nicht der Fall, muss man selbst Hand anlegen und die Tastenbelegung mühselig über das Einstellungsmenü festlegen und sich die Belegung der Tasten auf dem Controller einprägen. Das erfordert viel Eingewöhnungszeit. Steam-In-Home-Streaming ist ebenfalls eine gute Idee, PC-Gaming sofa-tauglich zu machen, eignet sich aber nur für sehr langsame Titel und damit nur für Casual-Games. Schnelle Spiele wie Autorennen oder Actionshooter sind vor allem über WLAN aufgrund der begrenzten Bandbreite nur sehr eingeschränkt spielbar.

Die Alienware Steam Machine bringt zwar den neuen Controller mit und muss zumindest in unserer Ausführung mit SteamOS vorliebnehmen, dafür kann die Hardware vor allem im Hinblick auf die kompakten Abmessungen gefallen. Im Leerlauf bleibt das System angenehm leise und auch im Spielebetrieb ist der kleine Konsolen-PC nicht störend laut. Hinzu kommt eine deutlich geringere Leistungsaufnahme im Vergleich zur Konsole. Abstriche muss man allerdings bei der Grafik machen. Zwar lassen sich einige Spiele wie Tomb Raider oder GTA 5 gut in Full HD und mit allen Details spielen, Titel wie Mittelerde: Shadow of Mordor oder DiRt Rally laufen aber nur sehr langsam über den Bildschirm, weshalb man hier die Detailstufe etwas reduzieren sollte.

Mit einem Preis von 939 Euro ist das Topmodell der Alienware Steam Machine kein Schnäppchen, zumal die Konkurrenz wie die ZOTAC ZBOX NEN SN970 hier schon eine deutlich potentere GeForce GTX 970M bzw. GTX 960 vorzuweisen hat. Dafür gibt es dann aber keinen gesockelten Haswell-Desktop-Prozessor mit einer hohen Leistung, sondern eine langsamere Notebook-CPU auf Skylake-Basis. 

 

Positive Aspekte der Alienware Steam Machine:

  • Ausreichend schnell für 1080p
  • Sehr kompakt
  • Controller bereits mitgeliefert
  • Gute Leistungsaufnahme
  • Schlichtes Design

Negative Aspekte der Alienware Steam Machine:

  • Sehr teuer
  • SteamOS schränkt Spiele-Support ein

Persönliche Meinung

Auch mit den Steam Machines, SteamOS und dem Steam Controller ist PC-Gaming im Wohnzimmer weiterhin ein kostenintensives Unterfangen. Auch wenn ich über Steam-In-Home-Streaming immer mal wieder einen fordernden Spieletitel auf meinen Fernseher bringe, wird der Spielspaß trotz dicker WLAN-Verbindung stark getrübt – selbst bei weniger anspruchsvollen Titeln wie Worms Clan Wars oder DayZ kommt es immer wieder zu Aussetzern des Streams und zu Bildfehlern. Die Spiele nativ auszuführen wäre da deutlich besser, doch sind das mir rund 1.000 Euro wert? Ich glaube nicht, zumal die Entwicklung stetig und vor allem sehr schnell voranschreitet. Ich warte mindestens noch die nächste Generation der mobilen Grafikchips von AMD und NVIDIA ab und entscheide dann erneut.

Bis dahin muss ich mit den Bildfehlern beim Streaming leben oder mich eben doch weiterhin vor den Schreibtisch setzen. (Andreas Stegmüller)