Seite 9: Eindrücke-Steam In-Home-Streaming

Wer die hohen Anschaffungskosten für eine Steam Machine scheut, kann PC-Gaming auch anderweitig ins Wohnzimmer bringen. Hierfür hat Valve mit Steam Link eine kleine Streaming-Box entwickelt, die ein Spielen über das hauseigene Netzwerk ermöglicht. Ein flotter Gaming-Rechner ist aber auch hier Grundvoraussetzung. Dieser kümmert sich dann um die Berechnung aller Spielinhalte und schickt einen Stream wahlweise per kabelgebundenem Ethernet oder drahtlos über WLAN an Steam Link. Dank Marvell-SoC können Spiele wahlweise in 720p oder in Full HD mit maximal 60 Bildern pro Sekunde dargestellt werden. Das WLAN-Modul funkt nach AC-Standard und stellt gleichzeitig Bluetooth 4.2 zur Verfügung. Steam Link ist direkt im Steam Store erhältlich und ist mit einem Preis von 54,99 Euro deutlich günstiger als eine Steam Machine. 

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Die neue Streaming-Box Steam Link

Steam-In-Home-Streaming funktioniert allerdings nicht nur mit Steam Link, sondern eigentlich mit jedem PC, der ausreichend schnell ist, um mit dem H.264- oder Ogg-Vorbis-Codec umzugehen. Der Gaming-Rechner übernimmt die Berechnung des Spiels, kümmert sich um das Encoding sowie die Verarbeitung der einkommenden Befehle, während der weniger leistungsstarke Rechner oder eben Steam Link sich lediglich um das Decoding des Streams kümmern und die Eingaben vom Controller zurück an das Host-System schicken müssen. Beide Systeme müssen sich hierfür natürlich im gleichen Netzwerk befinden. 

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So funktioniert Steam-In-Home-Streaming

Valve nennt für Steam-In-Home-Streaming als Mindestvoraussetzung einen Vierkernprozessor. Für das Client-System sind die Anforderungen deutlich niedriger. Hier muss lediglich Hardware verbaut sein, die den H.264-Codec decodieren kann. Viele moderne Grafikkarten, aber auch integrierte Grafiklösungen, wie beispielsweise bei den aktuellen Intel-CPUs oder AMD-APUs, sind hierfür meist schon ausreichend, da sie einen eigenen Hardware-Decoder mitbringen und somit die Aufgaben ohne spürbaren Leistungsverlust übernehmen können. Unterstützt werden beispielsweise die Video-Codec-Engine (VCE) von AMD, Intels Quick-Sync oder NVIDIAs NVENC. 

Große Anforderungen stellt Steam-In-Home-Streaming an das Netzwerk. Valve empfiehlt mindestens eine Bandbreite von 100 MBits. Die Bildqualität und die Stabilität des Streams steht und fällt mit der Bandbreite. Bricht diese ein, sinkt auch die Bildqualität und die Latenz geht deutlich nach oben. Dafür ist Steam-In-Home-Streaming nicht auf Spiele aus Valves eigener Vertriebsplattform beschränkt. Auch Titel, die anderweitig der eigenen Steam-Bibliothek hinzugefügt wurden, können theoretisch gestreamt werden – sofern man sich nicht irgendwo in einen Account einloggen muss, wie dies beispielsweise bei einigen Battlefield-Titeln der Fall ist. Bei SteamOS funktioniert das Hinzufügen anderer Titel aber nur sehr aufwendig über die Desktop-Oberfläche.

Wenige Einstellmöglichkeiten

Bei einer langsamen Netzwerk-Verbindung lässt sich die Bildqualität schon im Vorfeld anpassen und reduzieren. Theoretisch kann in 480p gestreamt werden. Zudem kann das Hardware-Decoding abgestellt oder aktiviert werden. Dieses ist bei leistungsschwacher Hardware wie beispielsweise einem Intel Celeron N2930 aber zwingende Voraussetzung für Steam-In-Home-Streaming. Wird ein Spiel auf dem Client-System mittels Klick auf "Stream" gestartet, wird dieses auch auf dem Host-Computer im Vollbildmodus dargestellt. Das Host-System kann dann von keiner anderen Person für andere Aufgaben genutzt werden, da der komplette Bildschirm-Inhalt an das Client-System übertragen wird. Gesteuert und gespielt kann zur gleichen Zeit aber auch am Host-System werden.

Insgesamt hängt der Spielspaß stark von der verwendeten Auflösung aber auch von der Bandbreite innerhalb des Netzwerkes ab – wohl ein Grund, weswegen Valve für Steam Link eine kabelgebundene Netzwerkanbindung empfiehlt. Während sich die Latenz im kabelgebundenen Gigabit-Netzwerk je nach Spieletitel auf unter zehn Millisekunden beläuft, werden über WLAN deutlich höhere Latenzzeiten erreicht. Vor allem bei Shootern und Rennspielen kann die Latenz zum Störfaktor werden, denn schnell landet man abseits der Rennstrecke oder ist einfach tot, weil man nicht rechtzeitig ausweichen konnte.

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Über WLAN kommt es immer wieder zu kleineren Aussetzern, zudem ist die Latenz deutlich höher

Häufig kommt es zu Artefakten und Bildfehlern und auch die Bitrate im Vergleich zu kabelgebundenen Systemen sinkt deutlich ab. Hinzu kommt, dass das WLAN-Netz gerade in Wohngebieten im 2,4-GHz-Frequenzband stark ausgelastet ist und sich die Netze teilweise gegenseitig stören. Valve rät hier zu einem Wechsel auf das derzeit noch weniger genutzte 5,0-GHz-Frequenzband. Im Schnitt erreichen wir über WLAN eine Latenz von etwa 40 bis 50 Millisekunden laut Steam-Overlay, das sich über die F6-Taste aktivieren lässt und weitere Informationen zur gerade anliegenden Übertragungsrate, Bitrate sowie zur Fehlerquote liefert.