Seite 17: Fazit

Software und Treiber sind die großen Baustellen

Dsas die ersten Arc-Karten weit hinter den aktuellsten Zeitplänen liegen, lässt ein Blick auf die Software sicherlich nicht vermuten. Sowohl der Treiber als auch Arc Control machen eher den Eindruck, als dass die Hardware zu früh dran und die Software noch nicht fertig wäre. Im aktuellen Zustand macht es demnach auch kaum Sinn, auf Arc Control und einige der neuen Funktionen näher einzugehen. Das Fenster blockiert den kompletten Bildschirm, multiple Fenster scheint Intel noch nicht zu kennen. Nur durch Alt+I kann man überhaupt zwischen den anderen Windows-Fenstern und Arc Control wechseln. Dabei hat die Software durchaus Potenzial, genau wie das Performance-Overlay. In der aktuellen Umsetzung ist es aber quasi nicht zu benutzen.

Eine kleine Liste der Bugs der Software, auf die wir schon nach ein paar Stunden gestoßen sind:

  • Arc Control funktioniert nur mit dem 101.3220 und 3259
  • eine neue Version von Arc Control wird mit dem 101.1743 angeboten, hat aber eine Größe von 0 Byte und startet nicht
  • Arc Control blockiert den gesamten Desktop
  • kein semipassiver Betrieb der Lüfter
  • Lüftern wechseln nach jedem Neustart beliebig die Drehzahl
  • ein Overclocking ist aufgrund nicht funktionierender Regler nicht sinnvoll möglich
  • einige Spiele starten mit dem Beta-Treiber 101.3259 nicht mehr
  • Spiele erkennen die Arc A380 nicht als DirectX 12 Ultimate kompatible Karte / keine Raytracing-Effekte möglich

In den einzelnen Spielen zeigt sich ein wechselhaftes Bild. Solche die auf Basis der DirectX-12- oder Vulkan-API basieren laufen deutlich besser als solche, die noch DirectX 11 oder 10 verwenden. Hier zeigt sich die Optimierung, die für eine ältere API notwendig ist, während die neueren Low-Level-APIs viele der Optimierungsschritte nicht notwendig machen. Aber auch innerhalb der DirectX-12- und Vulkan-Spiele gibt es noch große Schwankungen in der Leistung. Intel scheint hier nicht immer die Kraft der GPU auf die Straße, bzw. auf den Bildschirm zu bekommen.

Bis eine Arc A580, A750 und A770 auf den Markt kommen und einer breiteren Käuferschaft zugänglich werden, sollte Intel noch einmal an der Software arbeiten. Im aktuellen Zustand ist dies eher eine Zumutung als das Spieler ihren Spaß haben werden, da die Spiele im Zweifel gar nicht laufen.

Fazit

Es war klar, dass es Intel mit der ersten Generation schwer haben wird. Unsere Einschätzung war aber vielmehr, dass man zwar in Sachen Leistung der Hardware etwas hinterher sein wird, das Gesamtpaket aber schon passen wird. Der Test der ersten Arc A380 vermittelt nun aber ein ganz anderes Bild: Im aktuellen Zustand ist die Gunnir Arc A380 Photon keine Option, da die Software nicht mitspielt. Wir würden aber auch für die Radeon RX 6400/6500 oder eine GeForce RTX 1650 aktuell keine Empfehlung herausgeben, da es nur sehr wenige Anforderungsprofile gibt, in denen eine solche Karte überhaupt sinnvoll ist. Ein 1080p-Gaming beschreibt zwar noch immer einen Großteil der weltweiten Spielerschaft, in Europa und vor allem in Deutschland greift der geneigte Spieler aber gerne etwas tiefer in die Taschen und hat dafür ein etwas höheres Leistungspotenzial.

Insofern wird eher die Arc A580 hier interessant sein, die schnelleren Modelle Arc A750 und A770 umso mehr – allerdings nicht wenn sich der Software-Zustand wie aktuell darstellt. Das Potenzial der Hardware wird schon bei der Arc A380 nicht vollends ausgeschöpft, umso schlimmer dürfte das aktuelle Bild bei den anderen Karten sein.

Im negativen Sinne abgerundet wird der Blick auf die Software durch den Treiber, der als offizieller Release langsamer als die Beta ist und die eigene Arc-Control-Software blockiert. Die Beta-Treiber hingegen liefern zwar etwas mehr Leistung, so manches Spiel will dann aber gar nicht mehr starten – dem Beta-Treiber darf man das aber natürlich nicht vorwerfen. Aber Intel hätte in der Treiber-Entwicklung längst auf einem Stand angekommen sein müssen, der für eine stabilere Basis sorgt. Die Entwicklung von Hardware scheint schwer zu sein, die der Software ist aber offenbar umso schwerer.

Gewisse Unzulänglichkeiten zeigen sich auch beim Hersteller der Karte, denn die komplett ausgefallene Lüftersteuerung dürfte auch mit der Firmware der Karte zu begründen sein. Wiederum Intel in die Schuhe schieben kann man, dass rBAR beim Einsatz dieser Karte Pflicht ist. Warum auch immer sich dies hier stärker auswirkt als bei der Konkurrenz ist uns allerdings ein Rätsel. Begründen will Intel dies mit einem entsprechend ausgelegten Speichercontroller. So wirklich schlüssig ist die Argumentation bei genauerer Betrachtung aber nicht. Das Framepacing bzw. die teilweise nervigen Mikroruckler sollte Intel in älteren DirectX-Spielen bitte ebenfalls noch in den Griff bekommen, denn nicht jeder wendet sich in seiner Freizeit Titeln zu, die DirectX 12 verwenden.

Noch komplett Brach liegen Funktionen wie die Matrix-Einheiten für das Intel-eigene Upscaling XeSS, welches auch eine Ki-Komponenten enthält. Auch das AV1-Video-Encoding ist ein Pluspunkt gegenüber AMD und NVIDIA, kann in der aktuellen Form aufgrund fehlender Unterstützung auf Seiten der Wiedergabegeräte aber ebenfalls nicht vollends ausgeschöpft werden.

Intel wird mit der Arc A380 vermutlich über den Preis punkten wollen. Etwa 130 US-Dollar werden aufgerufen. Einen Euro-Preis kennen wir noch nicht. Eine aggressive Positionierung soll die Unzulänglichkeiten überdecken. Da aber aktuell auch bei der Konkurrenz die Preise fallen, wird es spannend zu beobachten sein, wo die Arc A580, A750 und A770 landen werden. Als Gunnir Arc A380 Photon wird Intels Wiedereinstieg in den Grafikkartenmarkt eher eine Randerscheinung bleiben.

Positive Aspekte der Gunnir Arc A380 Photon 6G:

  • PCIe 4.0 x8
  • 6 GB Grafikspeicher
  • DisplayPort 2.0
  • AV1 Hardware-Encoder und Decoder
  • niedrige Temperaturen

Negative Aspekte der Gunnir Arc A380 Photon 6G:

  • gerade so 1080p-Leistung
  • viele Bugs in Soft- und Firmware (Treiber, Arc Control, Lüftersteuerung, ...)
  • hohe Idle-Leistungsaufnahme