Seite 28: Fazit

Die Radeon RX 6600 mit abgespeckter Navi-23-GPU stand schon länger im Raum und wurde schon im Sommer erwartet – insofern wurde es Zeit, dass AMD sie in die Freiheit entlässt. Rund 14 % weniger Shadereinheiten im Vergleich zu einer Radeon RX 6600 XT macht das Non-XT-Modell zur kleinsten Neuvorstellung der vergangenen Monate – herstellerübergreifend. Der Radeon RX 6600 fehlt es damit allerdings an einem direkten Gegenspieler aus der aktuellen GeForce-Generation. Kämpft die Radeon RX 6600 XT mit der GeForce RTX 3060, wäre die Radeon RX 6600 der Gegenspieler einer potentiellen GeForce RTX 3050 – doch diese gibt es auf dem Desktop (noch) nicht.

Aber zu den nackten Zahlen: Getestet haben wir mit der Gigabyte Radeon RX 6600 Eagle und PowerColor Radeon RX 6600 Fighter zwei typische Einsteigervarianten der Radeon RX 6600. In Spielen liegen diese Karten zwischen 10 und 20 % hinter einer Radeon RX 6600 XT und somit auch hinter der GeForce RTX 3060. Wenn, dann muss man die Gegenspieler in der vorherigen Generation suchen. Dies wären zum Beispiel die GeForce RTX 2060 Super und GeForce RTX 2070. Eine Radeon RX 5600 XT liegt in etwa 10 % hinter der Radeon RX 6600 und damit ist das neue Modell auch für Besitzer einer solchen kein sinnvoller Upgradepfad. Wer von einer Radeon RX 590 kommt ist ein potentieller Käufer eines dieser neuen Modelle. Die Karten von Gigabyte und PowerColor liegen in der Leistung in etwa gleichauf – das Pendel schwingt etwas in Richtung der Radeon RX 6600 Fighter. Aber wir bewegen uns hier im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Ein Einsatz von Raytracing-Effekten ist bei einer Radeon RX 6600 eher fraglich anzusehen. Ein FSR kann hier sicherlich Abhilfe schaffen, aber auch nur im begrenzten Maße.

AMD will mit der Radeon RX 6600 diejenigen Käufer ansprechen, die keine 400-500+ Euro für eine neue Grafikkarte ausgeben möchten. Die Preise am Markt sind noch auf hohem Niveau und werden dort auch noch einige Zeit verbleiben. Das Preisniveau wird auch ohne eine extrem hohe Nachfrage im kommenden Jahr nicht mehr großartig absinken: Grafikkarten werden teuer bleiben. Der Einsteig für neue Karte beginnt nicht mehr bei 200 Euro, sondern wir sprechen hier ab jetzt und zukünftig von 350 bis 400 Euro.

Die Leistungsaufnahme der Radeon RX 6600 liegt bei 100 W nur für die GPU, die gesamte Karte kommt auf nominelle 132 W und wir messen unter Last in der Spitze etwa 160 W. Damit setzen beide Karten neue Bestmarken für Neuvorstellungen, denn lange haben wir keine Karten mehr gesehen, die unter 200 W verbleiben.

Spezifischer wird es bei der Betrachtung der Kühlung und hier wollen wir dann auch zwischen den Testkandidaten unterscheiden. Die Gigabyte Radeon RX 6600 Eagle hält die GPU-Temperaturen bei 59 °C. Der Spitzenwert (GPU-Hotspot) liegt bei 80 °C. Mit 36,8 dB(A) bleibt die Karte dabei relativ leise, allerdings hätte man aufgrund der geringen Abwärme und des großen Kühlers der Gigabyte Radeon RX 6600 Eagle davon ausgehen können, dass sie noch etwas leiser bleibt. Im Idle-Betrieb schaltet die Karte ihre Lüfter ab und würde Gigabyte nicht die den Hotspot-Wert für das Anlaufen der Lüfter nehmen (ab 70 °C), blieben die Lüfter auch sehr lange stehen.

Interessanterweise schafft es die PowerColor Radeon RX 6600 Fighter mit einer GPU-Temperatur von 59 °C auf einen identischen Wert. Die Hotspot-Temperatur fällt mit 70 °C sogar deutlich geringer aus. Bei 60 °C beginnen die Lüfter zu arbeiten und werden mit 37,8 dB(A) genau ein Dezibel lauter als das Konkurrenzmodell von Gigabyte.

Auf den sonst üblichen Schnick-Schnack verzichten sowohl Gigabyte als auch PowerColor. So gibt es keine RGB-Beleuchtung oder sonstige Sonderausstattung. Neben den eben erwähnten Messungen unterscheiden sich die Karten noch durch eine vorhandene Backplate bei Gigabyte sowie die kompakten Abmessungen bei PowerColor. Es wird von der Radeon RX 6600 aber auch noch ITX-Modelle geben. Vieles wird am Ende wieder auf die Verfügbarkeit und den Preis ankommen. 339 Euro ruft AMD offiziell für die Einstiegsmodelle auf. Sowohl Eagle-Modell als auch die Fighter-Variante sind eben solche Einsteigerlösungen, die somit theoretisch ab 339 Euro im Handel sein sollten. Wir halten den Preis aber für die gebotene Leistung für etwas zu hoch gegriffen und die höchstwahrscheinlich höheren Straßenpreise werden ihr übriges tun.

Positive Aspekte der Radeon RX 6600:

  • für 1080p ausreichende Leistung
  • niedrige Leistungsaufnahme

Negative Aspekte der Radeon RX 6600:

  • generationenübergreifend nur kleines Update
  • etwas zu hohe UVP

Preise und Verfügbarkeit
Gigabyte Radeon RX6600 Eagle
Nicht verfügbar Nicht verfügbar Nicht verfügbar