Seite 6: Fazit

Zumindest bei den von uns getesteten Spielen braucht man sich mit den heutigen Treiber- und BIOS-Versionen keine Sorgen zu machen, ob die eigene Grafikkarte nun per PCI Express 3.0 oder schon per PCI Express 4.0 angebunden wird. Der neue Standard verdoppelt zwar auf dem Papier die Bandbreite zum Mainboard hin, wird derzeit ohnehin aber nur von den neusten Navi-Grafikkarten und nur in Verbindung mit den Ryzen-3000-Prozessoren samt X570-Chipsatz unterstützt. 

Bei den großen Grafikkarten-Modellen, wie beispielsweise der AMD Radeon RX 5600 XT oder gar AMD Radeon RX 5700 XT, ergeben sich in unseren Tests keinerlei Leistungsunterschiede zwischen den beiden Standards. Die theoretisch doppelte Bandbreite ist in synthetischen Tests zwar messbar, in der Praxis liegen die Unterschiede meist jedoch nur im einstelligen Prozentbereich und sind damit eigentlich zu vernachlässigen. Spürbar sind sie auf keinen Fall. Eine Interface-Bandbreite von 16 GB/s scheint heute somit noch ausreichend zu sein.

Anders sieht es aus, wenn ein Spiel mehr Grafikspeicher belegt, als der Grafikkarte zur Verfügung steht. Dann kann die höhere Bandbreite durch das Interface den knappen Speicher kompensieren und die Leistung erhöhen. Das ist zum Beispiel in Shadow of the Tomb Raider der Fall, wo die Radeon RX 5500 XT mit 4 GB deutlich zweistellig zulegen kann. Der Grund: Wird es im Framebuffer eng, muss das System Daten in den Hauptspeicher auslagern und damit den Umweg über das PCIe-Interface gehen. Da die Radeon RX 5500 XT technisch nur über acht Lanes verfügt, verdoppelt sich die theoretische Bandbreite mit PCI Express 4.0.

Ob es jedoch in dieser Leistungs- und Preisklasse sinnvoll ist, wegen PCIe 4.0 zu einem teuren X570-Mainboard zu greifen, steht auf einem ganz anderen Blatt – geschweige denn mit der Threadripper-Plattform. Bietet die Radeon RX 5500 die doppelte Speichermenge, was derzeit gerade einmal einen Aufpreis von etwa 35 Euro ausmacht, geht der Vorteil von PCI Express 4.0 nahezu gegen Null. Die Investition in den RAM erscheint da sinnvoller.

Was die Leistung bei SSDs anbelangt, so können die Vorteile aufgrund der derzeit verfügbaren Controller noch nicht voll ausgereizt werden, was am Ende für den Endanwender ebenfalls nicht für einen verpflichtenden Wechsel auf PCIe 4.0 spricht. Hinzu kommt, dass Intel mit seinen kommenden Prozessoren wohl noch nicht den Wechsel auf die neue Interface-Generation vollziehen wird. Gerüchten zufolge soll Intel sogar gleich auf PCIe 5.0 setzen. Somit dürfte der 4.0-Standard auch in naher Zukunft eher noch ein Nischenprodukt bleiben.