Seite 26: Fazit

Der aktuelle Artikel ist nur ein Teil unserer Berichterstattung zur Titan V. Wir haben uns ausschließlich einige Spiele angeschaut, ohne dabei spezielle Anforderungen zu haben. Weiterhin geplant ist eine Betrachtung mit einem Overclocking der Karte sowie eine gezielte Betrachtung von Funktionen wie Asynchronous Compute. Ebenfalls wird ein Workstation-Workload ein Thema sein, in dem wir auf 3D- und Video-Rendering sowie spezielle Compute-Anwendungen eingehen.

Als kleine Vorschau sei bereits angemerkt, dass eine Leistungssteigerung von bis zu 20 % für die Titan V nicht das Ende der Fahnenstange ist. Low-Level-APIs wie Vulkan und DirectX 12 profitieren deutlich, dies sieht man auch schon in den Wolfenstein-Benchmarks. Mit unserem alten Testsystem haben wir noch die Möglichkeit einen Vergleich mit den bisher erstellten Leistungsmessungen zu machen. Mit dem neuen Testsystem haben wir zahlreiche aktuelle Spiele getestet und können daher Ergebnisse entsprechender Custom-Modelle von AMD und NVIDIA einfließen zu lassen. Dieser Vergleich muss natürlich noch deutlich weiter ausgebaut werden. Dennoch wollen wir an diese Stelle einen Blick darauf nicht verwehren.

Die ersten Benchmarks zeigen aber bereits, dass die Titan V nicht zwingend von den 5.120 Shadereinheiten profitieren muss. Vergleichbar ist dies mit der Anzahl an Kernen bei den Prozessoren, wo "viel hilft viel" auch nicht immer das Mittel der Wahl sein muss. Gerade die alten Grafikschnittstellen haben damit so ihre Probleme. Anders sieht dies für Low-Level-APIs aus. Aber dazu haben wir noch weitere Tests. Eine hochgetaktete GeForce GTX 1080 Ti, wie die komplett wassergekühlte Variante mit EKWB-Kühler kämpft mit der Titan V um die Spitze. Mit dem deutlich höheren Takt scheint die GeForce GTX 1080 Ti oftmals ihre Leistung "besser auf die Straße zu bekommen", währen die Titan V "mit durchdrehenden Reifen am Start stehenbleibt" – nun aber genug der Autovergleiche.

Beeindruckend ist, wie gut die NVIDIA Titan V in den Compute-Anwendungen ihre Leistung abrufen kann. Im Luxmark ist sie mehr als doppelt so schnell wie alle anderen Karten. Im GPUPI-Benchmark, wo ebenfalls die Compute-Eigenschaften der GV100-GPU ausgespielt werden, sieht es ähnlich aus. Wir sind daher sehr gespannt darauf, wie sich die Karte in den weiteren Compute-Tests verhalten wird, die wir zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen werden.

Keinerlei Einschränkungen sehen wir bei Spielen durch den Speicherausbau. 12 GB reichen hier vollkommen aus. Sicherlich lassen sich in bestimmten Spielen auch Einstellungen wählen, die nach mehr verlangen, dann aber sprechen wir von extremen Ausnahmen. Die 12 GB an Grafikspeicher dürften eher im Workstation-Betrieb zum Flaschenhals werden. Dazu fehlen uns derzeit aber noch die Erkenntnisse.

Zum jetzigen Zeitpunkt stellt sich die Titan V wie folgt dar: Mehr denn je ist das Fehlen der GeForce-Marke hier richtig und sinnvoll. Die Titan V ist keine Karte für Spieler. Dafür ist sie mit 3.100 Euro einfach zu teuer. Läge sie bei 1.600 Euro, würde sich das Verhältnis zur Titan Xp etwas relativieren, für 3.100 Euro aber ist klar, dass mehr als das Spiele-Argument vorhanden sein muss, um sich eine solche Karte anzuschauen. Die Rechenleistung im Compute-Umfeld kennen wir bisher aber nur auf dem Papier. Eigene Tests dazu stehen noch aus und diese sind sicherlich nicht weniger interessant.

Ein limitierender Faktor der NVIDIA Titan V ist sicherlich die Kühlung. Zu schnell wird das Temperatur-Ziel erreicht und damit der Takt eingeschränkt. Darf der Lüfter etwas schneller drehen und wird gleichzeitig das Power-Target angehoben, sind ein Plus von 150 bis 200 MHz problemlos machbar. Dann erreicht die Karte im Zusammenspiel mit der Low-Level-API auch ein deutlich höheres Leistungsniveau.

Positive Aspekte der NVIDIA Titan V:

  • bis zu 20 % schneller als die GeForce GTX 1080 Ti
  • 2.560 x 1.440 und 3.840 x 2.160 Pixel meist problemlos spielbar
  • 12 GB HBM2 mit hoher Speicherbandbreite
  • relativ hohe Boost-Taktraten ohne Overclocking

Negative Aspekte der NVIDIA Titan V:

  • hoher Preis
  • hohe Lautstärke

Persönliche Meinung

Es wird Zeit für eine neue GPU-Architektur aus dem Hause NVIDIA. Nicht weil man mit der GeForce GTX 1080 Ti derzeit keine ausreichende Leistung bietet, sondern einfach nur aus Interesse an Neuem. Über ein halbes Jahr konnten wir uns in Happen an der Vega-Architektur auslassen, bevor dann im Sommer die Bombe platzte. So richtig überzeugen konnte Vega aber nicht. Derzeit ist es noch schwer, die Titan V hinsichtlich der Leistung einzuordnen. Wir müssen zunächst noch ein paar Tests machen. Der Preis von 3.100 Euro disqualifiziert sie allerdings als Gamer-Karte. Die Auslegung der Architektur ist aber auch eine ganz andere, von daher folgen weitere Tests mit Fokus auf die Compute-Leistung. (Andreas Schilling)