Seite 21: Fazit

Das war er also, der erste Test einer Customvariante der Radeon RX Vega 64. Die ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition zeigt ihre Stärken vor allem bei der Kühlung. Die Temperatur von GPU, HBM2 und womöglich auch der VRMs ist deutlich geringer als bei der Referenzversion. Die niedrigeren Temperaturen werden aber nicht durch irgendwelche Nachteile an anderer Stelle erkauft. Doch der Reihe nach:

In gewisser Weise sehen wir für die Radeon-RX-Vega-Karten neben der technischen Ähnlichkeiten zur Radeon R9 Fury auch solche für die Custom-Karten. Die Radeon R9 Fury gab es ausschließlich in der Custom-Variante, so richtig ausspielen konnten die Hersteller diesen Vorteil aber nicht. Auch die Fiji-Generation krankte mehr oder weniger an der Tatsache, dass das GPU-Package bereits am Limit betrieben wurde. Ein ähnliches Bild sehen wir nun auch bei den Vega-Karten. AMD hat ein sehr gutes PCB entwickelt, dessen Spannungsversorgung kaum noch zu verbessern ist. Die Auslegung der Radeon RX Vega 64 ist von AMD derart ausgeführt, dass sie bereits nahe dem Limit arbeitet. Wo also haben die Partner noch Stellschrauben, an denen sie drehen können?

ASUS versucht es bei der ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition mit einem deutlich ausgebauten PCB. Die Spannungsversorgung zu verbessern ist aber kaum noch möglich. Insofern fällt dieser Punkt weg. Bei der Leistung versucht ASUS dem Vega-GPU-Package etwas mehr Luft zu geben – durch eine höhere Leistungsaufnahme und auch durch die verbesserte Kühlung. Dies gelingt, zumindest teilweise. Die ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition bietet eine um 5 bis 8 Prozent höhere Leistung als die Referenzversion.

Neben der Leistung spielt die Kühlung eine wichtige Rolle. Hier ist der größte Pluspunkt der ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition zu finden. Der Kühler mit mehr Fläche in den Kühlfinnen und verbesserter Kontaktfläche schafft es tatsächlich die Package-Temperaturen zu reduzieren. Gleichzeitig aber sind die drei Axiallüfter auch unter Last deutlich leiser, als der einzelne Radiallüfter auf der Referenzversion. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist das Abschalten der Lüfter im Idle-Betrieb bzw. wenn die GPU-Temperatur unter einen gewissen Schwellenwert fällt. Die hohe Idle-Temperatur haben womöglich alle Vega-Karten gemein. Leider verzeichnen wir bei der ASUS ROG Strix Radeon RX Vega 64 OC Edition ein leichtes Spielenfiepen unter Last. In einem geschlossenen Gehäuse ist dieses jedoch schon nur noch schwer wahrzunehmen.

Die ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition bietet auch noch einige Zusatzfunktionen. Dazu gehören die Spannungsmesspunkte, die RGB-Beleuchtung samt Synchronisation mit den restlichen Komponenten und die zwei Lüfteranschlüsse. Ein weiteres Plus sind die beiden BIOS-Modi, zwischen denen sich der Nutzer entscheiden kann. Die Unterschiede sind allerdings nicht sonderlich groß und somit dürften die meisten Karten in der Standardeinstellung, also dem Performance-Mode, betrieben werden. Wir haben die Quiet-Mode mit in die Messungen aufgenommen, bei den Benchmarks haben wir darauf verzichtet. Einige kurze Benchmarks ergaben aber eine um 2-3 Prozent geringere Leistung durch den Quiet-Mode.

Das größte Fragezeichen aber besteht bei der Verfügbarkeit oder dem Preis. Bei der von uns getesteten ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition handelt es sich um die finale Version. Änderungen soll es nicht mehr geben – auch nicht beim BIOS. Bis diese im Handel verfügbar ist, werden wir uns aber noch rund vier Wochen gedulden müssen. Das ist nicht die Schuld von ASUS, denn eigentlich sollte man bereits ab dem 11. September von AMD beliefert worden sein. Diese Auslieferung ist jedoch verschoben worden. Derzeit kennen wir auch noch keinen Preis. Sollte sich an dieser Situation etwas ändern, werden wir den Artikel entsprechend ergänzen.

Positive Aspekte der ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition:

  • 1.440p problemlos spielbar
  • Radeon iChill und Leistungsprofile bieten Spielraum
  • neue Technologien wie HBM2, HBCC, etc.
  • lautlos im Idle-Betrieb
  • leise unter Last

Negative Aspekte der ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition:

  • derzeit nicht verfügbar
  • relativ geringes Leistungsplus
  • kaum OC-Potenzial
  • leichtes Spulenfiepen

Persönliche Meinung

Es hätte vieles anders laufen sollen. Die Radeon RX Vega 64 hätte die GeForce GTX 1080 Ti schlagen sollen, wenn es nach mir geht, auch mit 30 bis 40 W höherer Leistungsaufnahme. Das was wir jetzt aber mit der ASUS ROG Strix Radeon Vega 64 OC Edition sehen, ist genau das, was aufgrund der Tests der Radeon RX Vega 64 zu erwarten gewesen ist. ASUS muss mit dem umgehen, was von AMD geliefert wird. Sicherlich hat man sich dies auch bei den Partnern etwas anders vorgestellt. Gerade solche, die sowohl Karten mit NVIDIA- als auch mit AMD-GPU anbieten, sehen die Konkurrenz auch gerne im eigenen Hause. Doch AMD konnte mit der Radeon RX Vega nicht das liefern, was Partner und potenzielle Käufer sich davon erhofft haben. Gott sei Dank ist die Kühlung der Referenzversion der Radeon RX Vega 64 derart schlecht, dass ASUS sich hier positiv hervortun kann. In vielen anderen Bereichen fällt dies schwerer. Hinzu komm nun auch noch die Liefersituation für die Custom-Modelle, die von Verzögerungen geprägt ist, für die ASUS aber nichts kann. (Andreas Schilling)