Seite 7: Fazit

Das 805 spielt für In Win eine wichtige Rolle: Es ist deutlich günstiger als das ATX-Modell der In Win 900er-Reihe, also als das 904. Trotzdem wird mit Blick auf den Mix aus gebürstetem Aluminium und gehärtetem Glas sofort klar, dass es alles andere als ein 08/15-Gehäuse ist. So schlicht und einfach auch die Form des Gehäuses ist, sorgen die drei getönten Glasseiten doch für eine ganz eigene Optik. Leider lässt sich die Wirkung des Echtglases nur eingeschränkt in Bildern einfangen. Wird das System nach dem unkomplizierten Zusammenbau in Betrieb genommen, leuchtet nicht nur der LED-Lüfter im Heck, sondern auch ein In Win-Schriftzug seitlich hinter der Front auf. Dabei lädt das 805 regelrecht dazu ein, weitere LED-Lüfter, LED-Leisten oder z.B. Speichermodule mit LEDs zu verbauen - für Lichtmodding ist das Gehäuse schließlich bestens geeignet. 

Gegenüber den 900er-Modellen wirkt das kantig-gläserne 805 optisch noch einmal ganz anders. In Win hat es aber nicht nur wegen der Optik so umgestaltet - auch der günstigere Kaufpreis musste irgendwie realisiert werden. Dafür setzt In Win das Aluminium in deutlich geringerer Materialstärke ein und ersetzt es zumindest stellenweise (so für den Gehäuseboden) durch Stahl. Für die (dezent gestalteten) Standschienen kommt sogar Kunststoff zum Einsatz. Zudem wurde die Materialstärke der Glasseitenteile deutlich reduziert. Schließlich spart selbst der schlichte Innenraum mit nur einem kleinen Laufwerkskäfig Fertigungskosten. Dabei passt diese Auslegung durchaus zu den aktuellen Anforderungen der meisten Nutzer. Für viele Kaufinteressenten dürften die Laufwerksplätze völlig ausreichend und optische Laufwerke ohnehin schon überflüssig sein. Dafür findet ein mittelhoher Towerkühler genauso Platz wie lange Grafikkarten. In gewisser Weise passt selbst das begrenzte Kühlpotential in das Jahr 2016. Die Zeiten, in denen der Verbrauch von Prozessoren und Grafikkarten immer nur nach oben ging, sind längst vorbei. Damit gehen auch die Anforderungen an die Gehäusekühlung zurück. Die geschlossene Glasfront fordert aber ihren Tribut bei der Gestaltung der Frontlüfterplätze. Optionale Frontlüfter können sich nur seitlich durch schmale Luftschlitze Frischluft ansaugen. Einen Staubschutz hat In Win bei diesen Luftschlitzen anders als bei den optionalen Bodenlüftern nicht realisiert.

Wirkliche Alternativen zum 805 können nur Gehäuse sein, die sich ähnlich wertig präsentieren. Die naheliegende Alternative ist das In Win 904. Mit höherem Aluminiumanteil und runden Formen wirkt es gediegener, schränkt den Nutzer aber teils deutlich ein. So lassen sich nur wenigsten Towerkühler unterbringen, das Kühlsystem ist unflexibler als beim 805 und selbst die Netzteillänge kann zum Problem werden. Dafür lässt sich im 904 bei Bedarf ein optisches Laufwerk installieren - wenn auch an etwas unpraktischer Stelle. Alternativ bietet Lian Li einige Vollaluminiumgehäuse mit gehärtetem Glas an. Entsprechende Modelle wie der Glascube PC-O8 oder das schlanke PC-O7S (wir haben das kleinere Mini-ITX-Modell PC-O5S gestetet) spielen preislich aber in einer ganz anderen Liga.

Geht es nur um Praktikabilität, hat das 805 einen schweren Stand. Auch wenn es (mit einigen Einschränkungen) durchaus alltagstauglich ist, können klassische Stahlgehäuse mit Acrylwindow für weniger Geld oft viel mehr bieten. Dafür haben sie aber keine Chance, mit der Optik und Haptik des In Win-Modells mitzuhalten. Wer ein möglichst "günstiges" ATX-Gehäuse im Echtglas- und Aluminiumgewand sucht, kommt letztlich kaum am In Win 805 vorbei.  

Positive Aspekte des In Win 805:

  • edler Materialmix
  • flexibleres Kühlsystem als im teureren 904, mit Einschränkungen auch Towerkühler nutzbar
  • ab Werk geringe Lautstärke bei zumindest ausreichender Kühlleistung (für das Testsystem)
  • modularer HDD-Käfig mit verschiedenen Montagemöglichkeiten
  • I/O-Panel mit USB 3.1 Typ C
  • magnetischer Staubfilter am Boden

Negative Aspekte des In Win 805:

  • optionale Frontlüfter müssen Frischluft seitlich durch schmale Luftschlitze ansaugen, kein Staubschutz
  • Netzteil muss sich mit erwärmter Luft aus dem Innenraum kühlen
  • kein 5,25-Zoll-Laufwerksplatz, HDD/SSD-Käfig blockiert an jeder Position optionale Lüfterplätze