Seite 3: Fahrzeugeindruck

Kaum ein anderes Fahrzeugsegment hat in den vergangenen Jahren so viel Zuspruch verloren wie das der Vans. Vor allem in den 90er und 2000er Jahren kam kein großer Hersteller ohne einen derartigen Vertreter aus. Aus europäischer Sicht gehört Renault mit dem Espace zu den ersten wichtigen Anbietern, Mitte der 90er zog Ford mit dem Galaxy nach. Das gemeinsam mit VW und Seat entwickelte Fahrzeug wurde von 1995 bis 2006 produziert, die darauffolgende zweite Generation war bis 2014 im Portfolio - dieses Mal allein entwickelt. Seit 2014 steht die dritte Generation bei den Händlern. Erwähnenswert ist diese Historie, da der S-MAX im Prinzip der sportliche Ableger des Galaxy ist, beide teilen sich eine Plattform mit dem aktuellen Mondeo.

Der sportliche Bruder

Mit 4,796 m ist der S-MAX das kürzeste der drei Modelle, der Radstand beträgt wie bei den beiden anderen Typen 2,85 m. Gegenüber der ersten Generation fällt das Wachstum eher moderat aus. In der Länge liegt das Plus bei 28, in der Breite bei 32 mm, die Höhe fällt hingegen um 3 mm geringer aus. Bauartbedingt reichen Gesamtlänge und Radstand aus, um mehr als genügend Platz für Passagiere und Gepäck zu bieten. Positiv fallen diesbezüglich vor allem die drei vollwertigen Sitze in der zweiten Reihe auf. Gegen Aufpreis gibt es eine dritte Reihe mit zwei Sitzen, die sich bei Nichtgebrauch vollständig im Kofferraum versenken lassen. Gedacht sind die in erster Linie für Kinder, aber auch nicht zu groß geratene Erwachsene halten es dort zumindest für kurze Fahrten aus.

Allerdings gehen die Plätze sechs und sieben zulasten des Kofferraumvolumens. Wer die Option nicht zieht, kann zwischen 1.035 und 2.200 l beladen, beim Siebensitzer sind es bei nicht aufgebauter dritte Reihe 965 bis 2020 l. Das reicht für den Urlaub zu fünft immer noch aus, nur mit sechs oder sieben Fahrgästen wird es eng. Denn bei aufgebauter dritter Reihe sind nur noch 285 l übrig - da wird es selbst für den Wochenendeinkauf eng.

Vignale heißt Leder und Waben

Ganz andere Einsätze, beispielsweise Umzüge oder Ausflüge zum Baumarkt möchte man dem S-MAX Vignale gar nicht erst zumuten. Nicht weil der Van umständlich zu beladen ist oder nur eine geringe Zuladung erlaubt - im Gegenteil. Stattdessen schreckt man unter Umständen davor zurück, den Innenraum zu verschmutzen. Denn nicht nur der Kofferraum ist ordentlich mit Filz und Teppich ausgekleidet, auch der Innenraum strahlt mehr wohnliche als praktische Atmosphäre aus. Wo im Standard-S-MAX hier und da vermehrt Hartplastik anzutreffen ist, muss man im Vignale schon genauer schauen. Denn Ford verbindet die höchste Ausstattungslinie mit deutlich mehr Softtouch, unterschäumten Oberflächen und vor allem Leder. Daraus bestehen nicht nur die Sitze in den vorderen beiden Reihen, auch das Armaturenbrett sowie die Innenseiten der Türen sind damit bezogen. Als Kontrast dazu sind diverse Zierleisten und -elemente vorhanden, die aber vornehmlich aus lackiertem Kunststoff bestehen, sowie eine Ambiente-Beleuchtung.

Davon abgesehen gehen auf das Konto der Vignale-Ausstattung im Innern auch diverse Extras, darunter die Memory-Funktion für die Fahrerseite, das schlüssellose Ent-/Verriegeln und Starten. Die Verarbeitung ist dem Segment und Preis mehr als angemessen, die Ergonomie kann als überwiegend gut bezeichnet werden. Abgesehen von bereits erwähntem USB-Problem sind alle wichtigen Bedienelemente einfach erreichbar, lediglich die Tasten für Temperatur- und Lüftungsregulierung könnten etwas höher sitzen. Familienväter und -mütter freuen sich über die elektrische Kindersperre für die hinteren Türen und Fenster, leider lässt sich beides nur zusammen ein- und ausschalten - und auch nur für beide Seiten gemeinsam.

Die Vignale-Ausführung lässt sich nicht nur Innen erkennen, auch Außen gibt es einige Unterschiede. So ist der Kühlergrill in Wabenoptik ausgeführt, die Nebelscheinwerfer sind länglich statt rund und es gibt besondere Alu-Felgen im 18-Zoll-Format; dem Testwagen hat Ford 19-Zoll-Räder spendiert. Zum Vignale-Paket gehören aber auch einige Dienstleistungen, die Ford bei anderen Modellen so gar nicht oder nur gegen Aufpreis anbietet. Dazu gehören regelmäßige kostenlosen Autowäschen, ein Leihwagen-Service bei Inspektionen, aber auch eine spezielle Hotline.

Sportlich und durstig

Hinter dem Steuer spielt die Ausstattung dann auch nochmal eine Rolle. Denn angeboten wird der S-MAX Vignale mit insgesamt fünf verschiedenen Antriebsvarianten, die teilweise nicht mit jeder Ausstattungslinie kombiniert werden können. Dem teuersten Modell vorbehalten ist der 2,0 l TDCI mit zwei Turboladern, der es auf 154 kW bringt, den im Testwagen verbauten 2,0 l EcoBoost mit 177 kW bietet Ford nicht im Zusammenspiel mit der günstigsten Ausstattungslinie an. Auf dem Papier wirken die Daten für einen Van zunächst übertrieben: Tempo 100 erreicht der S-MAX Vignale nach 8,4 s, der Vortrieb endet bei 226 km/h, maximal 345 Nm schon ab 1.900 U/min machen Herunterschalten vor dem Beschleunigen eigentlich oftmals überflüssig.

Allerdings bewirbt Ford den Wagen als Sportvan, womit so manche Leistungsangabe dann ein Stück weit relativiert wird. Dabei sollte man aber nicht erwarten, den S-MAX im Stile eines Focus RS durch Kurven hetzen zu können. Denn trotz sportlichem, aber nicht zu hartem Fahrwerk machen sich der vergleichsweise hohe Schwerpunkt sowie das Gewicht bemerkbar. Zusätzlich haben die Vorderräder im Test mehr als einmal Probleme damit gehabt, die Leistung auch tatsächlich auf die Straße zu bringen - nicht nur bei leicht feuchter Oberfläche. Dabei scheint ein Teil der Leistung aber zuvor schon irgendwo verloren zu gehen, diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen. Denn die 6-Gang-Automatik klassischer Bauart entzieht einen Teil der Sportlichkeit. Denn mitunter reagiert sie sehr träge, gerade beim stärkeren Beschleunigen. Das in dieser Hinsicht vermutlich bessere PowerShift-Doppelkupplungsgetriebe oder ein manuelles Getriebe bietet Ford nur im Zusammenspiel mit den Diesel-Motoren an.

Die sind unter Umständen aber eh die bessere Wahl. Den mit durchschnittlich mehr als 11 l Super-Benzin auf 100 km zeigte sich der S-MAX Vignale im Test sehr durstig. Selbst bei 120 bis 140 km/h auf der Autobahn war der Verbrauch kaum unter 10 l zu bekommen. Die NEFZ-Angaben haben auch hier mit der Realität nicht viel zu tun, die relative Differenz fällt beim S-MAX aber nicht größer als bei anderen Fahrzeugen aus.

Assistenten mit Eigenheiten

Mit Blick auf die Assistenz- und Sicherheitssysteme bleiben nur wenige Wünsche unerfüllt. Ab Werk verfügt der S-MAX Vignale über dynamische LED-Scheinwerfer inklusive Fernlicht-Assistenten, deren Steuerung im Test nicht negativ auffiel, sieben Airbags für die Passagiere in der ersten und zweiten Reihe, eine Verkehrsschild-Erkennung, sowie eine Rückfahrkamera. Beim Fahren helfen auf Wunsch ein adaptiver Tempomat, der allerdings nur bei Geschwindigkeiten oberhalb von 30 km/h gestartet werden kann, sich unterhalb von 20 km/h abschaltet und sich somit für das typische Stop and Go nicht eignet, sowie ein Spurhalte-Assistent. Der soll allerdings weniger das Fahrzeug in der Mitte der Spur halten, sondern eher ein unfreiwilliges Verlassen verhindern - anders als beispielsweise in der neuen E-Klasse von Mercedes-Benz.

Erwähnenswert ist das Zusammenspiel von Tempomat und Verkehrsschild-Erkennung. Wird der radargestützte adaptive Tempomat genutzt, werden die von der Kamera erkannten Tempo-Limits nicht berücksichtigt, wohl aber beim Einsatz des intelligenten Geschwindigkeitsbegrenzers. Nur gegen Aufpreis verbaut Ford den Pre-Collision-Assist, der bis etwa Tempo 40 vor Auffahrunfällen schützen, bzw. die Folgen abmildern soll.

Ebenfalls aufpreispflichtig ist die Frontkamera, die nicht nur beim Ein-, sondern auch beim Ausparken unterstützten soll. Dank der Weitwinkeloptik kann der Fahrer auf dem Display so beispielsweise bei unübersichtlichen Ausfahren erkennen, ob es Querverkehr gibt.