Seite 1: iconBIT Callisto 100 im Test - Mehr Handy als Smartwatch

Smartwatches sind in aller Munde und werden mehr und mehr zum Trend. Ob Pebble, die zur CES 2014 eine Stahlversion und einen AppStore vorgestellt haben, Sony mit den beiden Smartwatches 1 und 2 oder Samsung, die trotz ihrer Marktmacht mit der Galaxy Gear eher einen Flop kreiert haben. Alle wollen etwas vom Wearables-Kuchen abhaben. Klar dass da auch schnell andere Hersteller nachziehen wollen, vor allem da Pebble und Galaxy Gear - in Anbetracht dessen, dass sie nicht autark arbeiten können - nicht unbedingt als erschwinglich zu bezeichnen sind.

iconBIT hat deshalb die Callisto 100 vorgestellt, eine Smartwatch, die vor allem durch eines auffällt: ein integriertes Mobilfunk-Modul. Mit Android 4.2 als Untersatz kann man somit eine Menge mit der Armbanduhr anstellen. Wir haben uns die Uhr einmal genauer angesehen.

Mit 175 Euro ist auch hier der Preis eher saftig denn günstig. Dafür kann die Uhr auch für sich arbeiten, ein gesondertes Smartphone ist nicht zwingend notwendig. Natürlich ist man - sollte man darauf verzichten - auf das 1,54 Zoll Display beschränkt. Auch die restliche Hardware ist nicht gerade auf der Höhe der Zeit, sodass eine autarke Bedienung sicherlich nur für Smartphone-Einsteiger oder "anspruchslose" Smartphone-Nutzer geeignet ist. Andererseits stellt sich hier schnell die Frage, wer eine Smartwatch kauft, wenn nicht der Geek. Und wer schon ein Smartphone besitzt, braucht nicht zwingend eine Uhr, die alles kann.

Die Callisto 100 macht keinen Hehl daraus, eine Smartwatch zu sein...

An diesem Punkt stellt sich schnell die Frage der Sinnhaftigkeit einer solchen Kombination. Lieber eine Standalone "Handy Uhr" oder doch eine Erweiterung zum Smartphone, ein "Companion"? Der Vorteil beider Systeme liegt auf der Hand: Während man bei der Standalone-Lösung natürlich keine weiteren Ausgaben oder Kompatibilitätsprobleme zu fürchten hat, sieht dies bei der Companion Uhr anders aus. Dafür ist letztere schneller eingerichtet, verbraucht weniger Energie und kann somit deutlich schicker aussehen, als eine Uhr, in der die komplette Power des Smartphones stecken muss.

Des Weiteren kann die Companion Uhr deutlich besser auf ihre Einsatzzwecke zugeschnitten werden. Ein energiesparendes Monochrom-Display reicht für die Uhrzeit und Benachrichtigungen völlig aus, für ein Smartphone jedoch undenkbar. Deshalb sollte man sich zunächst die Frage stellen, was einem diese Uhr bringen soll. Reine Benachrichtigungen wenn etwas ankommt und die Uhrzeit, dabei eine längere Akkulaufzeit? Dann soll's eine Companion Watch sein. Alles in einem, das Handy am Party-Abend oder auf dem Wochenendtrip mal zu Hause lassen? Dann wäre eine Standalone-Uhr wie die in diesem Artikel getestete Callisto 100 wohl genau das Richtige.

iconBIT selbst bezeichnet die Callisto 100 (Anmerkung: Baugleich zur simvalley mobile Smartwatch AW-414) selbst als ein Multifunktions-Telefon, ein Smartphone in Miniaturausgabe. Der Blick auf die technischen Daten bestätigt diesen ersten Eindruck durchaus. Ausgestattet mit einer 1,2 GHz Dual-Core CPU (Cortex A7 Architektur), einem quadratischen 1,54 Zoll Display mit einer Auflösung von 240 x 240 px, 512 MB RAM, 4 GB ROM und einem HSPA-Modul lässt die auf Android 4.2.2 basierende Uhr in diesen Bereichen keine Wünsche offen. Auch sonst mangelt es der Handy-Uhr an kaum etwas: GPS, Bluetooth 4.0 LE, microSD-Slot, WLAN b/g/n, eine 3 MP Kamera die 720p-Videos aufnehmen kann. Vibrationsmotor und Accelerometer runden die Uhr hardwaretechnisch ab, während der Zugang zum Google Play Store die Uhr erst richtig interessant macht.

Flaschenhals oder -hälse?!

Dass die ganze Technik natürlich auch irgendwo untergebracht werden muss, versteht sich von selbst. Deshalb ist die Uhr nicht ganz so schlank wie andere Companion-Geräte der Konkurrenz, mit 95 Gramm aber trotzdem recht leicht.

...wobei sie aufgrund der verbauten Hardware relativ klobig wirkt.

Um die Dimensionen einer Armbanduhr nicht zu sehr auszureizen, hat man sich entschieden, den Akku nur mit 600 mAh auszustatten. Das führt im Alltag zu einer Akkulaufzeit von wenigen Stunden Display-on Zeit. In unserem Test haben wir es aber trotz aktiver Mobilfunkverbindung immer über einen normalen 10 Stunden Tag geschafft, bevor die Callisto 100 am Abend wieder in ihre Ladeschale musste. Das Prinzip des Aufladens ist schon von Samsungs Galaxy Gear (zum Test) bekannt. Uhr in einen Ladekäfig, zuklappen, laden. Einen microUSB-Port am Gerät selbst gibt es nicht. Ebenso wenig gibt es einen 3,5-mm-Klinke-Anschluss, um Kopfhörer oder Headsets für die Telefonie anzuschließen - das muss und kann ausschließlich über das integrierte Bluetooth-Modul geschehen.

Ein weiterer Nachteil, den man beim Kauf einer Smartphone-Uhr berücksichtigen sollte und bei dem Companion-Uhren im Vorteil sind, stellt die Benachrichtigungsfunktion dar. Auf einer Smartphone-Uhr wie der Callisto müssen alle Accounts, die man auch auf dem Smartphone hat, neu eingerichtet werden. Ebenso verhält es sich mit Apps wie Twitter oder Facebook. Da die Apps natürlich selten an ein quadratisches Mini-Display angepasst sind, stellt sich die Bedienung oft als schwierig heraus. Das weiß auch iconBIT und legt einen kleinen Stift bei, mit dem die Uhr präzise bedient werden kann. Praktischer ist da - sofern man "sowieso" ein Smartphone bei sich trägt - die Companion Uhr.

Das Silikon-Armband mit Metallschließe lässt sich aufgrund der eingebauten GPS- und WiFi-Antennen nicht tauschen.

Lösungen wie bei Samsungs Galaxy Gear bieten ein Optimum an Komfort. Benachrichtigung auf der Uhr entgegennehmen, einige Zeilen auf der Uhr lesen und beim Herausholen des Smartphones ist die E-Mail in der entsprechenden App schon geöffnet, sodass man die Antwort auf einer "normalen" Software-Tastatur problemlos tippen kann. Der Nachteil der Companion-Uhren? Sie brauchen angepasste Applikationen, um diesen Vorteil zu bieten - was bei größeren und erfolgreichen Apps kein Problem darstellt, könnte vielleicht bei der Lieblings-App des "Entwicklers um die Ecke" zum Problem werden.

Zu guter Letzt gibt iconBIT an, die Uhr sei nicht wasserdicht. Auch hier könnten Einsatzgebiete - beispielsweise als Fahrrad-Navi oder eHealth-Gadget - in Gefahr sein. Erhöhter Schweiß oder ein starker Regenschauer könnten die Uhr in diesem Fall beschädigen.