Seite 1: Samsung Gear S3 im Test

samsung gear s3 teaser kleinWährend das Android-Wear-Lager Pause macht, legt Samsung nach. Mit der auf der IFA 2016 vorgestellten Gear S3 bleibt man dem Konzept des Vorgängers treu, will hier und da aber Schwachstellen beseitigt und Stärken weiter ausgebaut haben. Das Ergebnis ist eine größere und schwerere Smartwatch, die es wieder in zwei Ausführungen gibt. Stellvertretend muss die classic-Version zeigen, ob sich auch iPhone-Nutzer freuen dürfen.

Ein Vertipper ist das übrigens nicht. Denn nach wie vor arbeitet Samsung daran, seine Wearables auch unter iOS lauffähig zu machen. Die dafür notwendige Companion-App sollte eigentlich schon knapp einem Jahr bereitgestellt werden, nicht genannte Gründe haben jedoch für die Verzögerung gesorgt. Nun soll es im ersten Quartal 2017 soweit sein. Unverändert ist hingegen die Unterstützung im Android-Lager. Läuft das Smartphones unter Android 4.4 oder jünger und verfügt über mindestens 1,5 GB Arbeitsspeicher, kann die Gear S3 gekoppelt und genutzt werden.

Allerdings wird der Griff zur Gear S3 teurer als zur Gear S2. Verlangte Samsung für den Vorgänger noch unverbindliche 349 und 379 Euro (Standard/classic), sind es nun bereits 399 Euro - unabhängig von der gewählten Version.

Dicht dran am analogen Vorbild

Dass es trotz zweier unterschiedlicher Varianten der Gear S3 nur einen Preis gibt, überrascht zunächst. Denn wie schon bei der Gear S2 beschränken sich die Unterschiede auf die Optik sowie das Material des Armbands. Das Gegenstück zur Gear S2 ist nun die Gear S3 frontier, auf die Gear S2 classic folgt die Gear S3 classic. Die frontier fällt dabei etwas eleganter als der Vorgänger aus, wirkt im Vergleich zur aktuellen classic aber immer noch sportlicher.

Mit 46,0 x 49,0 x 12,9 mm sind beide Gear-S3-Versionen größer als die Gear-S2-Modelle, mit 59 und 63 g auch schwerer. Das Gehäuse besteht in beiden Fällen aus Edelstahl, bei der frontier in Schwarz gehalten. Abgesehen von der Farbe gibt es nur noch drei optische Abweichungen: Die Lünette der classic ist etwas filigraner, die Tasten der frontier sind länglich und flach statt rund und abstehend und beim Armband setzt Samsung auf Leder (classic) oder ein Elastomer (frontier). Beide Gehäuse sind gemäß IP68-Zertifizierung vor dem Eindringen von Wasser und Staub geschützt. Damit sollte die Gear S3 den Fall ins Waschbecken, Regengüsse oder kurze Ausflüge ins Schwimmbecken problemlos überleben, kann mit der Apple Watch Serie 2 aber nicht mithalten.

Das Äußere beider Uhren wirkt hochwertig - auch, da man sich die Dienste etablierter Designer gesichert hat. Zur Abendgarderobe passen sowohl Gear S3 classic als auch frontier, beim Sport gibt letztere eine minimal bessere Figur ab. Die Armbänder beider Modelle lassen sich problemlos tauschen, alternativ angebracht werden können alle handelsüblichen 22-mm-Bänder. Samsung selbst bietet zahlreiche Armbänder an, zur Wahl stehen mit 110 und 130 mm zwei verschiedene Längen. Das ist einerseits löblich, andererseits dürften aller Wahrscheinlichkeit nach nur wenige Frauen - oder Männer mit dünnen Handgelenken - zur Gear S3 greifen. Denn aufgrund der Gehäusegröße wirkt sie hier ein wenig deplatziert, das Anbieten einer kleineren Smartwatch-Variante wäre die bessere Wahl gewesen.

Davon abgesehen ist der Tragekomfort hoch und mit einer klassischen Armbanduhr ähnlicher Größe vergleichbar. Hohen Ansprüchen werden Verarbeitung und Haptik gerecht. Lünette und Tasten sind überzeugend integriert, die Widerstände beim Drehen und Drücken sind gut gewählt.

Insgesamt kommt die Gear S3 teuren Chronographen so noch näher als der Vorgänger, allerdings vermutlich auf Kosten einiger potentieller Käufer, denen die Smartwatch zu groß ist.

Mit GPS und neuem SoC

Mit dem größeren Gehäuse einher gehen einige Änderungen bezüglich der verbauten Hardware. Das Display wächst von 1,2 auf 1,3 Zoll, ist nach wie vor aber kreisrund und löst erneut mit 360 x 360 Pixeln auf. Dadurch sinkt zwar die Pixel-Dichte, die Ablesbarkeit ist aber immer noch gut - trotz des Einsatzes einer Pentile-Matrix. Auch die Helligkeit des Bildschirms ist völlig ausreichend, insgesamt zehn Stufen stehen hier zur Auswahl, bei maximaler Einstellung ist auch direkte Sonneneinstrahlung kein Problem. Erneut gibt es eine Always-on-Funktion - die wichtigsten Informationen werden entsprechend auch bei Inaktivität dargestellt.

Zugelegt hat aber auch der Akku, das Plus liegt bei 52 %. Damit bietet die Gear S3 eine Kapazität von 380 mAh, was angesichts der veränderten Sensorik auch nötig ist. Denn neben Beschleunigungssensor, Pulsmesser und Lagesensor gibt es nun auch ein Barometer sowie GPS; vor allem die Satellitenortung gilt als sehr energieintensiv.

  Samsung Gear S3 Samsung Gear S2
Display 1,3 Zoll, 360 x 360 Pixel, Super AMOLED 1,2 Zoll, 360 x 360 Pixel, Suiper AMOLED
Akku 380 mAh 250 mAh
Maße 46,0 x 49,0 x 12,9 mm 43,6 x 39,9 x 11,4 mm (classic)
49,8 x 42,3 x 11,4 mm (Standard)
Gewicht 59 g (classic)
63 g (frontier)
42 g (classic)
47 g (Standard)
Sensoren Beschleunigungssensor, Pulsmesser, Helligkeitssensor, Lagesensor, Barometer Beschleunigungssensor, Pulsmesser, Helligkeitssensor, Lagesensor
RAM 768 MB 512 MB
Interner Speicher 4 GB 4 GB
Material Gehäuse Edelstahl, Glas Edelstahl, Glas, Kunststoff
Material Armband Leder (classic)
Elastomer (frontier)
Leder (classic)
Elastomer (Standard)
Produktseite www.samsung.de www.samsung.de

Im Gegenzug dürfte der verbaute SoC etwas genügsamer arbeiten. Denn den in der Gear S2 eingesetzten Exynos 3250 hat man durch den explizit für Wearables konzipierten Exynos 7270 ersetzt. Der bietet zwei Cortex-A53- anstelle von -A7-Kernen und wird in 14 statt 28 nm gefertigt, der maximale Takt liegt aber weiterhin bei 1 GHz. Bestandteil des Chips sind n-WLAN, Bluetooth 4.2, NFC sowie die für Samsung Pay vorgesehene MST-Technik. Der Arbeitsspeicher wächst von 512 auf 768 MB, der interne Speicher fasst erneut 4 GB.

Ebenfalls im Gehäuse stecken ein Lautsprecher und Mikrofon sowie ein Vibrationsmotor, der Akku wird induktiv geladen - Metallpins oder eine Buchse gibt es somit nicht.

Tizen fehlen noch immer die Apps

Eine große Unbekannte ist und bleibt Tizen. Das von Samsung für Wearables präferierte Betriebssystem fristet, was die Unterstützung durch Drittentwickler angeht, im Vergleich zu Android Wear und watchOS ein regelrechtes Nischendasein. Zwar wächst das Angebot an Applikationen, doch vor allem namhafte Programme sucht man noch immer vergebens. Ärgerlich ist das vor allem mit Blick auf die Ankündigungen seitens der Südkoreaner. Zwar ist Spotify seit wenigen Tagen erhältlich, zahlreiche andere in Aussicht gestellte Programme stehen weitestgehend aber noch aus.

Doch selbst wenn diese zeitnah veröffentlicht werden: So vielfältig einsetzbar wie die Apple Watch wird die Gear S3 selbst mittelfristig nicht sein, auch wenn die Zahl von 11.000 Apps zunächst einen anderen Eindruck erweckt.

Aber Samsung sieht sich selbst scheinbar nicht in der Pflicht, großartig etwas am Funktionsumfang durch Apps zu ändern. Entweder fehlen selbst grundlegende Dinge wie ein Timer ab Werk oder aber sie stammen von Drittanbietern. Letzteres ist zwar grundsätzlich lobenswert, führt aber auch dazu, dass es bei den essentiellen Programmen hier und da keine einheitliche Design- und Bedienphilosophie gibt.