Das Single-Dasein kann in der Theorie noch so toll sein, wenn einsame Momente dominieren. Ich kenne genug Menschen, die in solchen Phasen trotz reichlich Spaß, Affären und Sex nie wirklich glücklich waren. Wie fühlt sich dann wohl jmd, der erst gar nicht dazu kommt diese Freiheit zumindest ein bisschen auszuleben? Single zu sein bedeutet nämlich nicht gleich dass man alles machen kann was man möchte. Und wenn man auch noch nie in einer Beziehung war oder sonstwie mit dem anderen Geschlecht intim geworden ist, wird es stetig schwieriger einfach mal auf die Kacke zu hauen und unverfänglich rumzuhuren - oder sonstwie die Zeit zu vertreiben, je nach Neigung/Interessen.
Für mich ist es absolut nachvollziehbar, dass diese Zeit nicht für jeden so toll ist. Entsprechend bräuchten solche Kandidaten einfach mal eine Starthilfe durch ihr näheres Umfeld. Dafür hat man eigentlich gute Freunde, mit denen man über sowas reden kann ohne negative Reaktionen befürchten zu müssen - und die einen auch mal verkuppeln oder sonstwie beistehen. Auf jeden Fall kann man das nicht allein schaffen, schon gar nicht wenn man selbst diesbzgl deprimiert ist. Das ist dann auch mega auffällig, da kann man seine Bedürfnisse noch so gut kaschieren - Menschen merken wenn man krampfhaft versucht ein Ziel zu erreichen oder wenn man einfach nicht wirklich locker/natürlich/sorgenfrei durchs Leben geht. Das Problem ist ja: man ist mit einem Wunsch oder einer Sehnsucht bzgl eines Lebensbereichs so sehr beschäftigt, dass andere Lebensbereiche ebenfalls darunter leiden können.
Wir predigen hier auch ein bisschen zu optimistisch. Klar, jeder ist in der Lage selbstständig Entscheidungen zu treffen und sein eigenes Leben umzukrempeln, aber das ist auch nicht so einfach und wird auch nicht simpler, wenn man vor allem Lebensbereiche ändern möchte in denen man noch keine Erfahrungen gemacht hat. Da liegen durchaus Defizite vor und diese erzeugen automatisch Hemmungen und Ängste. Die Ratschläge hier sind immer gut gemeint, aber manchmal doch etwas realitätsfern, da die individuelle Situation nicht berücksichtigt werden kann.
Man kann also noch so oft schreiben "Raus gehen, Leute kennen lernen, sich amüsieren, das Leben genießen!" wenn derjenige gar nicht weiß wo er anfangen soll bzw wie er es angehen soll. Ehrlich gesagt ist es damit auch gar nicht getan, weil der aktuelle Zustand nur ein Symptom ist. Die Ursachen liegen viel tiefer begraben, zB sind gewisse soziale Kompetenzen weniger ausgeprägt, es fehlt an Selbstbewusstsein, unter Umständen spielen da auch Charaktereigenschaften eine große Rolle. Und je nachdem wie das Umfeld aussieht, prägen sozialer Druck und Verhaltensweisen sicherlich auch die eigene Sichtweise, was insgesamt nicht nur dazu führt dass die Selbstzufriedenheit und Selbstwahrnehmung getrübt ist, sondern eben Stress produziert wird, weil Familie, Freunde, näheres Umfeld, Gesellschaft stets Erwartungshaltungen schaffen aber auch vorleben. Individuelle Erfahrungswerte (oder eben nicht vorhandene) sorgen für den Rest. Am Ende hat man ein komplexes Gebilde an Parametern, die je nach Ausprägung völlig verschieden auf den Menschen wirken, wobei sich gegenseitig verstärkende Mechanismen auch gehäuft auftreten können und dann typische Reaktionen/Emotionen induzieren.
Ich weiß nicht, ob man eine grundlegende Problematik erörtern kann - dafür sind die Probleme hier viel zu individuell. Aber Selbstzweifel hat jeder. Versagensängste hat jeder. Angst vor unangenehmen Situationen ist auch nicht grade selten. Torschlusspanik haben auch einige. Solche Gefühle sind nicht zu vermeiden. Woran es aber stets mangelt ist Mut. Mehr Mut wäre tatsächlich hilfreich.