Und sich dann wundern, wenns Image nicht so pralle ist.
Ich versuche nur mal nüchtern darzulegen, dass ÖD nicht gleich ÖD ist.
Leider werden die Beamten immer mit den Tarifbeschäftigten in einen Topf geschmissen und das verzerrt das ganze Bild oftmals.
Ich war bisher ca. 3/4 meiner Arbeitsjahre in der Privatwirtschaft und ca. 1/4 im öffentlichen Dienst, als Tarifbeschäftigter (nicht Beamter) tätig. Die Bezahlung war in den Anfangsjahren immer absolut grausig. Während in der freien Wirtschaft für dieselbe Anzahl an Arbeitsstunden und Tätigkeit 2500€ Netto auf dem Konto landeten, waren es bei mir keine 1500€. Das hat sich durch die zahlreichen Tariferhöhungen tatsächlich endlich mal ein wenig angepasst. Daher kann ich auch 7% Forderung in Anbetracht der bereits erfolgten Erhöhungen im ÖD bzw. der Stagnation in der Privatwirtschaft nicht nachvollziehen, aber Inflationsausgleich sollte tatsächlich schon drin sein. Pension bekommst du als Tarifbeschäftigter auch nicht, dort bist du nur gezwungen (!) in die VBL (Versorgung Bund Länder) einzuzahlen, das geht also von deinem monatlichen Lohn weg. Wenn du übrigens mal höher eingruppiert wirst, wegen einer Neubewertung der Stelle, wird deine Stufenlaufzeit i.d.R. auch nicht mitgenommen. Beispiel: Du bist seit 30 Monaten in 9a, Stufe 3 eingruppiert und würdest in 6 Monaten in 9a, Stufe 4 kommen ; wirst aber nun höher eingruppiert in Gruppe 9b, Stufe 3 ; dann sammelst du die Monate bis zur nächsten Stufe wieder von vorne und bist trotz Höhergruppierung finanziell schlechter dran, als wärst du noch sechs Monate in deiner alten Gruppierung geblieben und im Anschluss höher gruppiert worden. Da machst du für 30 Monate erstmal wieder monatlich fast 400€ Miese, auf 30 Monate gesehen also 12.000€.
Wer denkt, dass der öffentliche Dienst die goldene Kuh sei, die man als Arbeitnehmer einfach melken könne, dem kann ich also absolut nicht zustimmen. Meine Kollegen und ich haben zuletzt 14 Monaten darum gerungen, dass uns endlich die zustehenden Zuschläge gezahlt werden. Es war ein absolutes hin- und her, manche hatten einen Anwalt involviert. Die Überstundenzuschläge wurden vom "Dienstherren" kleingerechnet und gesagt, dass das alles schon abgegolten sei. Paragraphen etc. haben dort keine Sau interessiert, es wurde einfach nicht gezahlt, abgelehnt und ausgesessen. Ende vom Lied war also, dass mir jetzt, nachdem das Ding endlich durch war, über 400 Stunden Zeitzuschläge für Überstunden auf einen Schlag ausgezahlt wurden, die vorher unterschlagen wurden (knappe 2500€ Brutto). Und das ist nur eines vieler Beispiele. Dienstreise? Stell erstmal einen fünf-seitigen Antrag, um eine Hotelübernachtung gebucht zu bekommen, Limit übrigens 80€ (versucht da mal ein vernünftiges Hotel am Zielort zu bekommen), Spritgeld musst du vorschießen (da nur die wenigsten einen Dienstwagen für die Dienstreise gestellt bekommen). Im Anschluss musst du den gleichen Antrag nochmals in Papierform oder einem klobigen Online-Formular durchkauen und wieder alle Angaben eintragen. Auszahlung erfolgt dann meist ca. zwei Monate später.
Das nur mal als einen kleinen Einblick.
Desweiteren sind die motivierten Tarifbeschäftigten die Gelackmeierten, wenn es mal darum geht, etwas schnell, zügig und sinnvoll umzusetzen. Oberste Priorität hat immer der Dienstweg und wehe du übergehst dort einen Charakter. Auch wenn du ein wasserdichtes Konzept für etwas aufstellst, wirst du in 90% der Fälle direkt eingebremst und bekommst nur zu hören, dass erstmal Fachbereich A, B, C und D das prüfen müssten. Dann ist in Fachbereich C ein Langzeitkranker und die ganze scheisse bleibt erstmal wieder monatelang liegen. Apropos Langzeitkrank: Auch wenn jemand für zwei Jahre krank ist, wird diese Stelle meist nicht übergangsweise nachbesetzt, sondern gewartet bis der kranke wieder zurück ist oder gekündigt hat, die die Stelle auf dem Papier weiterhin besetzt ist. Die Arbeit wird währenddessen auf andere abgewälzt oder bleibt einfach liegen.
Gerade hier im Hardwareluxx sind viele Technikaffine unterwegs, so auch ich. Glaubst du ich habe es nach zwei Jahren mal durchbekommen, dass wir endlich eine vernünftige Internetverbindung, anstatt der 1000er "DSL" Leitung bekommen? "Das geht nicht so einfach. Der potenzielle Anbieter biete nicht ausreichend Vertrauen, trotz VPN Verbindung von Endpunkt zu Endpunkt könnten ja evtl. irgendwelche Daten abgegriffen werden, da muss erstmal noch nach anderen Anbietern geschaut und eine Ausschreibung fertig gemacht werden, blablabla". Dann kommen wieder die Fachbereiche zum Einsatz und geben ihren Quark dazu und es geht von vorne los. Wir sind vor wenigen Wochen endlich mal von Office 2016 auf Office 2024 aufgestockt worden...Excel-Listen, die verschickt wurden, mit hinterlegten Kommentaren, waren aufgrund verschiedener Office-Versionen in verschiedenen Behörden inkompatibel. Also kam die ganze Schose wieder zurück und die Kommentare mussten nochmal separat aufgelistet werden.
Hätte ich aktuell nicht noch Glück (da wird gerade gegen gearbeitet) viel Freizeit durch komprimierte Arbeitszeit zu haben, wäre ich schon wieder in die freie Wirtschaft zurückgekehrt. Denn es ist einfach deprimierend und demotivierend, wie viele wirklich fähige Charaktere (Kompetenz zählt nicht, sondern nur der Abschluss auf dem Papier) sich in diesen altbackenen und zähen Strukturen versuchen durchzukämpfen und dann einfach nur das altbekannte Pferd machen, welches nicht höher springt, als es muss oder sich eben wieder in die freie Wirtschaft verdrücken. Die im Amt gelernt haben und sonst noch nie in der freien Wirtschaft gearbeitet haben denken natürlich, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten und haben sich leider auch auf entsprechenden Posten positioniert, wo sie erstmal alle Entscheidungen blocken können.
Der Fisch stinkt halt vom Kopf. Was aktuell hier im Lande abgeht, dass überall blockiert, überbürokratisiert und alles kaputtdiskutiert wird, zieht sich leider nicht nur durch die Politik, sondern auch durch den öffentlichen Dienst wie ein roter Faden.
So lang sollt der Text eigentlich gar nicht werden, aber man weiß bei dem Thema echt nicht, wo man anfangen und wo man aufhören soll.
JA, es gibt auch Vorteile im öffentlichen Dienst und auch als Beamter, aber es ist komplizierter, als so schwarz-weiß, wie es oft dargestellt wird.