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Comet Lake für Notebooks: Sechs Kerne gegen Ice Lake

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intelBisher hat die Comet-Lake-Generation in der Gerüchteküche nur als Desktop-Variante mit bis zu zehn Kernen stattgefunden. Zehn Kerne auf Basis der Skylake-Architektur sollen den Ryzen-Prozessoren vorerst Paroli bieten können. Doch nun hat Intel mit den Comet-Lake-U und Comet-Lake-Y-Varianten die mobilen Prozessoren vorgestellt.

Comet Lake-U und Comet Lake-Y werden parallel zu den Ice-Lake-Prozessoren existieren. Während Comet Lake wie gesagt auf der Skylake-Architektur basiert, kommen bei Ice Lake bereits die neuen Sunny-Cove-Kerne zum Einsatz. Ice Lake ist aber mehr als nur vier neue Kerne. Hier verwendet Intel auch erstmals ein tiefer in den SoC integriertes Thunderbolt 3 sowie WiFi 6. Hinzu kommt die Iris Plus Graphics mit bis zu 64 überarbeiteten Execution Units. Intel verspricht eine um 18 % höhere IPC-Leistung für die Kerne auf Basis von Sunny Cove. Die neue Iris Plus Graphics soll doppelt so schnell wie ihr Vorgänger sein. Außerdem werden die Ice-Lake-Prozessoren in 10 nm gefertigt.

Die neuen Comet-Lake-U- und Comet-Lake-Y-Prozessoren wirken da mit der Skylake-Basis, der Fertigung in 14 nm und der Gen9.5 Graphics mehr als veraltet und man darf sich die Frage stellen, was Intel dazu bewogen hat, diese Parallel-Strategie bei den Notebook-Prozessoren zu fahren. Wir werden noch auf Basis der aktuellen Informationslage versuchen, Antworten auf diese Frage zu finden.

Intel positioniert die Comet-Lake-U- und Comet-Lake-Y-Prozessoren als Productivity Powerhouse, was allerdings die Frage aufwirft, wie viel schneller die Comet-Lake-Prozessoren bei gleicher Anzahl an Kernen denn sein sollen oder ob dieser Leistungsvorteil nur dem einen Modell mit sechs Kernen vorbehalten bleibt. 

Intel möchte Ice Lake und Comet Lake also vor allem über die Leistung differenzieren. Wie sich vier Sunny-Cove-Kerne gegen sechs Comet-Lake-Kerne verhalten, wissen wir aber noch nicht. Wohl recht groß dürften die Unterschiede beim Takt sein. Während der Basis-Takt bei einigen Ice-Lake-Modellen bei gerade einmal 800 MHz liegt, sind es bei den Comet-Lake-Prozessoren mit 1.000 MHz auch nicht gerade viel mehr, dafür dürfen die Comet-Lake-CPUs aber auf allen Kernen mit bis zu 3,9 GHz arbeiten, während dies bei Ice Lake allenfalls für einzelne Kerne der Fall ist. Die geringen Basis-Taktraten sind für beide Serien der nominellen bzw. Mindest-TDP geschuldet, die bei bis zu 4,5 W liegt.

Um überhaupt eine Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Serien herzustellen, zunächst ein paar Tabellen. Beginnen wollen wir mit den neuen U- und Y-Modellen von Comet Lake:

Gegenüberstellung der Comet-Lake-Prozessoren
  Kerne / Threads Basistakt 1C-BoostAll-Core-Boost Cache TDP
Core i7-10710U 6/12 1,1 GHz 4,7 GHz3,9 GHz 12 MB 15/25 W
Core i7-10510U 4/8 1,8 GHz 4,9 GHz4,3 GHz 8 MB 15/25 W
Core i5-10210U 4/8 1,6 GHz 4,2 GHz3,9 GHz 6 MB 15/25 W
Core i3-10110U 2/4 2,1 GHz 4,1 GHz3,7 GHz 4 MB 15/25 W
Core i7-10510Y4/81,2 GHz4,5 GHz3,2 GHz8 MB4,5/7/9 W
Core i5-10310Y 4/8 1,1 GHz 4,1 GHz2,8 GHz 6 MB 5,5/7/9 W
Core i5-10210Y 4/8 1,0 GHz 4,0 GHz2,7 GHz 6 MB 4,5/7/9 W
Core i3-10110Y 2/4 1,0 GHz 4,0 GHz3,7 GHz 4 MB 5,5/7/9 W

Intel unterscheidet die Comet-Lake-Prozessoren nach U- und Y-Modellen. Die U-Modelle sind die leistungsstärkeren und verfügen über bis zu sechs Kerne. Das Spitzenmodelle Core i7-10710U kann diese alle auf 3,9 GHz betreiben, wenn es die Kühlung des Notebooks denn zulässt. Einzelne Kerne kommen auf 4,7 GHz. Daneben gibt es noch eine CPU aus der Core-i5-Serie mit vier Kernen sowie einen Core i3-10110U mit zwei Kernen. Allesamt haben diese eine nominelle TDP von 15 W, dürfen je nach Design des Notebooks aber auch bis zu 25 W an Abwärme produzieren und dementsprechend auch aufnehmen.

Darunter sind die Y-Modelle positioniert. Sie bieten maximal vier Kerne und takten etwas geringer. Die vier Prozessoren der Y-Serie sind als Core i7, Core i5 und Core i3 benannt und verbrauchen allesamt nominell 7 W, können aber bis auf 4,5 bzw. 5,5 W herunter konfiguriert werden oder aber dürfen sich auch bis zu 9 W genehmigen.

Bis auf den Core i3-10110U können alle Comet-Lake-Prozessoren für Notebooks auf die integrierte Gen9.5-Graphics mit 24 EUs zurückgreifen. Beim besagten Modell sind es nur 23 EUs. Der Takt der integrierten Grafikeinheit liegt zwischen 1.000 und 1.150 MHz. Die Comet-Lake-U-Prozessoren unterstützen LPDDR4-2933, LPDDR3-2133 oder DDR4-2666. Die Y-Modelle können nur mit LPDDR3-2133 zusammenarbeiten.

Im Vergleich dazu Ice Lake:

Gegenüberstellung der Ice-Lake-Prozessoren
  Kerne / Threads Basistakt 1C-BoostAll-Core-Boost Cache TDP
Core i7-1068G7 4/8 1,3 GHz 4,1 GHz3,6 GHz 8 MB 28 W
Core i5-1065G7 4/8 1,2 GHz 3,9 GHz3,5 GHz 8 MB 15/25 W
Core i5-1035G7 4/8 1,1 GHz 3,7 GHz3,3 GHz 6 MB 15/25 W
Core i5-1035G4 4/8 1,0 GHz 3,7 GHz3,3 GHz 6 MB 15/25 W
Core i5-1035G1 4/8 0,8 GHz 3,6 GHz3,3 GHz 6 MB 15/25 W
Core i3-1005G1 2/4 1,2 GHz 3,4 GHz3,4 GHz 4 MB 15/25 W
Core i7-1060G7 4/8 1,0 GHz 3,8 GHz- 8 MB 9/12 W
Core i5-1030G7 4/8 0,8 GHz 3,5 GHz- 6 MB 9/12 W
Core i5-1030G4 4/8 0,7 GHz 3,5 GHz- 6 MB 9/12 W
Core i3-1000G4 2/4 1,1 GHz 3,2 GHz- 4 MB 9/12 W
Core i3-1000G1 2/4 1,1 GHz 3,2 GHz- 4 MB 9/12 W

Bei den Ice-Lake-Prozessoren in der Namensgebung wichtig sind die Zusätze für die integrierte Grafikeinheit. Ein "G7" bedeutet, dass hier alle 64 EUs aktiv sind. Diese arbeiten mit einem Takt von 1.050 oder 1.100 MHz. Die Prozessoren mit "G4"-Zusatz verwenden 48 EUs bei 1.050 MHz. Alle Ice-Lake-Prozessoren mit "G1" im Namen bieten 32 EUs, die mit 900 bis 1.050 MHz arbeiten. Allen Ice-Lake-Prozessoren gemein ist die Unterstützung von LPDDR4-3733 und damit deutlich schnellerem Arbeitsspeicher, als dies bei Comet Lake-U und Comet Lake-Y der Fall ist.

Intel kombiniert die Comet-Lake-U- und Comet-Lake-Y-Prozessoren mit einem neuen Chipsatz der 400-Serie. Eben diese werden wir in anderer Form wohl auch für den Desktop sehen. Im Falle der Notebook-Prozessoren befindet sich der Chipsatz in einem Package mit dem Prozessor und wird per OPI angebunden. Über den Chipsatz findet dann auch die Anbindung sämtlicher externer Komponenten wie Grafikkarte, Thunderbolt, PCI-Express-SSDs und der Netzwerkverbindung statt. Anders als bei den Ice-Lake-Prozessoren sind Thunderbolt 3 und WiFi 6 nicht direkt in den Prozessor integriert, sondern eben über den Chipsatz angebunden.

Hinsichtlich der Leistung spricht Intel von Verbesserungen im Bereich von 16 bis 41 %. Dabei stellt man für den Vergleich einen Core i7-10710U (Comet Lake-U/ CML-U 6+2) mit einer konfigurierten TDP von 25 W gegen einen Core i7-8565U (Whiskey Lake-U / WHL-U 4+2), der sich 15 W genehmigen darf. Für die Messungen der Batterielaufzeit wird der Core i7-10710U ebenfalls auf 15 W eingebremst. Teilweise vergleicht Intel auch mit einem Core i7-5550U, also einem Broadwell-U (BDW-U) mit nur zwei Kernen. Für den Broadwell-Prozessor sprechen wir hier von einem mehr als vier Jahre alten Prozessoren, den Intel für den Vergleich heranzieht. 

Wie soll der Endkunde den Unterschied erkennen?

Für Käufer eines Notebooks wird es zukünftig etwas komplizierter. Intel verkauft sowohl die Ice-Lake- als auch die Comet-Lake-Prozessoren unter dem Label "10. Generation der Core Prozessoren". Doch die Unterschiede in der Hardware sind signifikant und dementsprechend sollte Intel eigentlich bestrebt sein, dem Kunden diese Unterschiede deutlich aufzuzeigen.

Im Falle der Produktbezeichnungen tut man dies über Nummern und Buchstaben:

Die Ice-Lake-Prozessoren fahren nach der Modellnummer (Core i7, i5 und i3) mit einem vierstelligen Zahlencode fort. Die ersten beiden Stellen beschreiben die Core-Generation, die zweiten die Modellnummer des jeweiligen Prozessors. Je höher die Zahlen an der dritten und vierten Stelle, desto schneller ist der Prozessor. Zwei weitere Stellen aus dem Buchstabe "G" und einer Zahl geben die Ausbaustufe der integrierten Grafikeinheit ein. Auch hier gilt: Je höher die Zahl, desto schneller die GPU. Unter der Tabelle der Ice-Lake-Prozessoren haben wir dies genauer beschrieben.

Die Comet-Lake-Prozessoren unterscheiden sich erst nach den ersten beiden Zahlen hinter der Core-Generation. Darauf folgen hier drei weitere Zahlen, welche das genaue Modell des Prozessors beschreiben. Der Buchstabe "U" oder "Y" gibt an, um welche Produktlinie (Comet Lake-U oder Comet Lake-Y) es sich handelt.

Es wird für den weniger informierten Nutzer in Zukunft also nicht einfach, zwischen Comet Lake und Ice Lake zu unterscheiden. Was mit Core i3 oder Core i7 noch recht zugänglich ist, wird durch das Vorhandensein zweier völlig unterschiedlicher Architekturen unter dem Dach der 10. Core-Generation deutlich komplexer, als es viele Endkunden zu erfassen vermögen.

Für die Hersteller wird sich die Entscheidung zwischen Ice Lake und Comet Lake sicherlich recht einfach am Preis festmachen lassen. Während wir noch keine Preise für die Comet-Lake-U- und Comet-Lake-Y-Prozessoren kennen, wissen wir, dass die Ice-Lake-Prozessoren zwischen 281 und 426 US-Dollar kosten. Entsprechend werden diese Prozessoren nur in den teureren Geräten zum Einsatz kommen, während die Comet-Lake-Prozessoren eher für den Massenmarkt der Notebooks gedacht sind.

Zukunft vs. Vergangenheit

Die Ice-Lake- und Comet-Lake-Prozessoren unterscheiden sich nicht nur auf technischer Ebene, sondern sind in gewisser Weise auch die zwei Gesichter, die Intel derzeit zeigt. Während Ice Lake klar in Richtung Zukunft orientiert ist (neue Sunny-Cove-Kerne, FOVEROS-Packaging, Gen11-Graphics), zeigen sich Comet Lake-U und Comet Lake-Y ganz klar als Überbleibsel einer alternden Produktserie, die aus der Not geboren wurde. Cannon Lake hätte dies alles bis zum Übergang auf Ice Lake ablösen sollen. Aufgrund der Schwierigkeiten mit der Fertigung in 10 nm ist Cannon Lake aber nie wirklich im Markt angekommen.

Doch wenn man ehrlich ist, wird Intel vielen Kunden eines Notebooks mit 10. Core-Generation die Entscheidung zwischen Ice Lake und Comet Lake abnehmen. Die Ice-Lake-Prozessoren werden recht teuer sein, was vor allen an der teuren Fertigung liegt. Dagegen kann Intel die Comet-Lake-Modelle mit zwei oder vier Kernen recht günstig fertigen und dementsprechend auch günstiger seinen Notebookpartnern anbieten.

Dies bringt uns auch gleich zu den Notebooks, die mit Comet Lake-U und Comet Lake-Y angeboten werden sollen. Konkrete Ankündigungen gibt es bis auf zahlreich versehentlich freigeschaltete Produktseiten der Hersteller noch nicht. Zum Weihnachtsgeschäft sollen es aber 90 Modelle sein, die im Handel verfügbar sind. Bei Ice Lake wird die Auswahl etwas kleiner sein, der Formfaktor durch die Bank etwas schlanker und die Preise höher.

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