Seite 5: Erste Einschätzung

Obwohl noch nicht alle Benchmarks durchlaufen wurden, ist das Potential des Ryzen Threadripper 2920X erkennbar. Seinem Vorgänger Ryzen Threadripper 1920X ist das neue Einstiegsmodell teilweise um bis zu 20 % voraus, im Schnitt sind es gut 10 %. Hier zeigt sich, welche Fortschritte AMD beim Wechsel von der ersten zur zweiten Generation gemacht hat. Vor allem Precision Boost 2 entpuppt sich als hilfreich, denn nominell liegen gerade einmal 100 MHz zwischen beiden Prozessoren.

Deutlich wird aber auch, dass der Zwölfkerner gegenüber den größeren Geschwistern einen Vorteil hat. Denn da weniger Kerne pro Die genutzt werden, fällt die Single-Thread-Leistung minimal höher aus. Im Alltag wird dies keine Rolle spielen, dafür ist der Unterschied zu gering. Das gilt auch für den Einsatz in Gaming-PCs. Im Vergleich mit dem Ryzen Threadripper 2950X bietet das eigentlich kleinere Modell teilweise fast 6 % mehr Bilder pro Sekunde - ob es im Schnitt nun 108 oder 110 fps sind, ist jedoch irrelevant.

Es lohnt aber auch ein Blick auf den Ryzen 7 2700X (Test). Denn wenn das Budget ausreichend groß ist, könnte so mancher vor der Wahl stehen. Doch lohnenswert ist die Mehrausgabe für den neuen Prozessor vermutlich nur dann, wenn es primär um Produktivanwendungen geht. Hier skaliert die Zen+-Architektur wunderbar - 50 % mehr Kerne resultieren in einigen Benchmarks in fast 50 % mehr Leistung. In Spielen sieht es hingegen anders aus, hier hat auf der Ryzen Threadripper 2920X mit Problemen zu kämpfen.


Wie aber sieht es aus, wenn die Frage Intel oder AMD lautet? Die Single-Thread-Leistung bewegt sich wenig überraschend auf dem Niveau eines Core i5-7600K, teilweise wird auch der Core i5-8600K erreicht. Ein Core i7-8700K liegt über 10 % vorn, der neue Core i9-9900K in der Regel 20 bis 30 %. Anders sieht es natürlich aus, wenn möglichst viele Kerne und Threads von der Software genutzt werden. In Cinebench 15 landet der Ryzen Threadripper 2920X dann 30 % vor dem Intel-Flaggschiff, in POV-ray sind es 20 % mehr Leistung. In Spielen kann es hingegen große Unterschiede geben. Zwar erreicht man nun beispielsweise in „Rise of the Tomb Raider" annähernd einen Core i7-8700K, während ein Core i9-9900K 18 bis 21 % mehr Bilder pro Sekunde bietet, landet der neue Prozessor in „Far Cry 5" eher abgeschlagen auf den unteren Rängen.

Nicht zu vergessen ist aber auch der Energiebedarf. Mit etwa 65 W im Leerlauf für das gesamte System ist auch der Ryzen Threadripper 2920X alles andere als genügsam. Gleiches gilt auch für den Betrieb unter hoher und sehr hoher Last - hier wird jedoch immerhin viel Leistung geboten. Auffällig ist jedoch, dass in beiden Fällen mehr Energie als vom Ryzen Threadripper 2950X abgerufen wird.

Ob sich der Kauf des Ryzen Threadripper 2920X lohnt, kann endgültig noch nicht gesagt werden. Tendenziell ist die Positionierung für all diejenigen interessant, die ihren PC für ein breites Spektrum an Aufgaben einsetzen wollen und vor allem im Produktivbetrieb mehr Leistung benötigen, als ein klassischer Desktop-Prozessor bieten kann. Mit etwa 650 Euro ist der kleinste Threadripper zwar kein Schnäppchen, unter Berücksichtigung von Mainboard und passendem Arbeitsspeicher dürfte das Gesamtpaket aber günstiger als bei einem vergleichbaren Intel-System ausfallen.