1. Hardwareluxx
  2. >
  3. News
  4. >
  5. Hardware
  6. >
  7. Prozessoren
  8. >
  9. Benchmark-Verbot: Intel reagiert auf L1TF mit neuen Lizenzbedingungen (2. Update)

Benchmark-Verbot: Intel reagiert auf L1TF mit neuen Lizenzbedingungen (2. Update)

Veröffentlicht am: von

intelNicht zuletzt die Sicherheitslücken Spectre und Meltdown haben bei großen Server-Betreibern für Kopfschmerzen gesorgt. Zwar konnte viele Systeme inzwischen nachträglich vor Angriffen geschützt werden, die notwendigen Microcode-Updates gehen in einigen Fällen jedoch spürbar zulasten der Prozessorleistung. Nun sorgt ein weiteres Update für Diskussionen. Denn das geht mit neuen Lizenzbedingungen einher.

Während private Nutzer im Alltag mit keinen oder allenfalls minimalen Leistungseinbußen im Zuge der Microcode-Udpates zu kämpfen haben, sorgen sie im Server-Bereich durchaus für Probleme. Denn die hier üblicherweise genutzten Anwendungen sind deutlich stärker von den notwendigen Änderungen betroffen, beispielsweise Lösungen für virtuelle Maschinen. Schon ein Leistungsrückgang um 5 oder 10 % hat direkte Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit, wenn für die zuvor nutzbare Leistung weitere Hardware angeschafft werden muss oder schlicht weniger Kunden pro System bedient werden können.

Entsprechend groß dürften die Befürchtungen gewesen sein, als Mitte August die als L1 Terminal Fault oder schlicht Foreshadow bezeichnete nächste Lücke öffentlich gemacht wurde. Intel selbst dürfte sich dem bewusst gewesen sein. Das Unternehmen selbst kannte das Problem zu diesem Zeitpunkt seit Monaten davon und hatte bereits mit der Verteilung von Microcode-Updates zum Schließen der Lücke begonnen. Beschwichtigend sollten Benchmarks wirken, die die Auswirkungen des Updates auf die Leistung zeigen. In vielen Fälle soll es demnach keine Verluste geben, in einigen geringe und nur in wenigen Situationen größere.

Was zunächst unbeachtet blieb oder schlicht ignoriert wurde, waren Änderungen an den Lizenzbedingungen, die Intel zusammen mit dem Microcode-Update vornahm. Als erster machte der Debian-Entwickler Henrique Holschuh am 15. August darauf aufmerksam. Man habe neue Versionen inklusive Update bereits seit dem 8. August fertig, können diese aufgrund der neuen Bedingungen nicht verteilen, so seine Aussage im Debian-Forum. Denn seinem Verständnis zufolge würde die Verteilung von Packages über alternative Server und anderes die Bedingungen verletzen.

Laut The Register teilt man diese Ansicht nicht nur bei Debian. So habe man auch bei Gentoo das Problem erkannt, ist dort aber der Ansicht, dass man sich über eine dedizierte Zustimmung zu den Intel-Lizenzbedingungen durch den Nutzer vor dem Start des Downloads absichern könne. Andere wie SUSE oder Red Hat sehen in den Änderungen hingegen kein Problem. Das mag unter Umständen an einer Stellungnahme seitens Intel liegen. Gemäß Imad Sousou, Corporate Vice President und General Manager des Intel Open Source Technology Centers, würden die Lizenzbedingungen das Verteilen einer Distribution auf verschiedenen Wegen erlauben.

Auf ein mögliches anderes Problem geht das Unternehmen hingegen nicht ein: Das Veröffentlichen von einzelnen Benchmarkergebnissen oder Ergebnissen aus Vergleichstest. Wörtlich heißt es in den Lizenzbedingungen in Abschnitt 3:

You will not, and will not allow any third party to (v) publish or provide any Software benchmark or comparison test results."

Dem Open-Source-Spezialsiten Bruce Perens zufolge wäre es somit nicht möglich, seinen Nutzern die Leistungsunterschiede zwischen der Distribution mit und ohne Microcode-Update aufzuzeigen. Folglich müssten ausgerechnet diejenigen, die jedes Prozent weniger Leistung wirtschaftlich treffen kann, auf Intels Angaben vertrauen oder aufwändige eigene Tests durchführen, deren Ergebnisse jedoch auch wieder nur intern genutzt werden können. Gegenüber The Register geht Perens noch weiter. Denn die Lizenzbedingungen könnten durchaus so verstanden werden, dass eine betroffene CPU für keinerlei Benchmark genutzt werden darf, wenn das Ergebnis veröffentlicht werden soll.

Auf Nachfrage hat Intel Deutschland bislang lediglich auf die Stellungnahme von Imad Sousou in Bezug auf die erlaubte Verteilung verwiesen.

Update:

Inzwischen hat sich Intel offiziell zu diesem Thema geäußert:

"We are updating the license now to address this and will have a new version available soon. As an active member of the open source community, we continue to welcome all feedback."

2. Update

Überraschend schnell hat Intel die Ankündigung des gestrigen Abends umgesetzt. Denn bereits jetzt steht eine überarbeitete Version der Lizenzbedingungen zur Verfügung, die nicht nur das Veröffentlichen von Benchmarks nicht mehr untersagt, sondern auch ganz klar das Verteilen von Distributionen über verschiedenste Kanäle erlaubt.

Intel wird die Lizenzbedingungen also noch einmal überarbeiten und stehe zum Open-Source-Ansatz, was auch eine freie Berichterstattung über ein Feedback in Form von Benchmarks einschließt.

Welche ist die beste CPU?

Unsere Kaufberatung zu den aktuellen Intel- und AMD-Prozessoren hilft dabei, die Übersicht nicht zu verlieren. Dort zeigen wir, welche Prozessoren aktuell die beste Wahl darstellen - egal, ob es um die reine Leistungsfähigkeit oder das Preis-Leistungs-Verhältnis geht.


Social Links

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Der König ist bezwungen: AMD Ryzen 9 5900X und Ryzen 5 5600X im Test

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMD_RYZEN_9_5900X_5600X_REVIEW-TEASER

    Seit heute sind die ersten Ableger der neuen Ryzen-5000-Familie erhältlich. Mit ihnen will AMD die letzte Intel-Bastion zu Fall bringen und endlich auch bei der Spieleleistung wieder ganz vorne mitspielen, nachdem man dem Konkurrenten mit seinen Matisse-Ablegern in Sachen Preis und... [mehr]

  • Generations-Nachzügler: AMD Ryzen 9 5950X und Ryzen 7 5800X im Test

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMD_RYZEN_9_5950X_5800X-TEASER

    Wie angekündigt hat uns AMD pünktlich zum gestrigen Marktstart der ersten vier Ryzen-5000-Modelle inzwischen auch mit den noch fehlenden zwei Modellvarianten versorgt. Wir komplettieren die Testreihen daher nun um das Topmodell mit 16 Kernen, den AMD Ryzen 9 5950X, und um den AMD Ryzen 7 5800X... [mehr]

  • Prozessor non grata: Rocket Lake-S als Core i7-11700K im Vorab-Test (Update)

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/COREI7-11700K

    Gut einen Monat vor dem offiziell geplanten Verkaufsstart konnte jeder Nutzer bereits den Core i7-11700K erstehen. Mindfactory verkaufte den Prozessor tagelang und jeder der wollte, konnte diesen auch bestellen. Auch wir haben die Gelegenheit ergriffen und präsentieren bereits heute einen... [mehr]

  • Günstiger 10-Kern-Einstieg: Intel Core i9-10850K im Test

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/INTEL-CML-S

    Ende Juli stellte Intel in einem kleinen, zweiten Schwung einige weitere neue Modelle an Comet-Lake-S-Prozessoren vor. Die wichtigste Neuvorstellung ist dabei sicherlich der Core i9-10850K, der sich knapp unter dem Core i9-10900K aufstellt. Zehn Kerne, etwas niedrigere Taktraten, dafür ein um... [mehr]

  • Refresh-Nachzügler: AMD Ryzen 7 3800XT und Ryzen 5 3600XT im Test

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/AMD_MATISSE_REFRESH_TRIPLE-TEASER

    Wenige Tage nach unserem Test zum AMD Ryzen 9 3900XT versorgte uns die Chipschmiede mit den beiden kleineren Serienvertretern der Matisse-Refresh-Generation, die dank zahlreicher Verbesserungen im Fertigungsprozess und etwas höherer Taktraten die Effizienz gegenüber den bestehenden Modellen... [mehr]

  • Zen 2 optimiert: So funktioniert der ClockTuner for Ryzen (Update)

    Logo von IMAGES/STORIES/2017/CTR

    Bereits vor einigen Wochen wurde der ClockTuner for Ryzen (CTR) angekündigt. Ab heute ist er nun für Jedermann verfügbar und kann ausprobiert werden. 1usmus, der Entwickler hinter dem DRAM Calculator for Ryzen, hat auch den ClockTuner for Ryzen entwickelt. Durch einen Custom... [mehr]