Seite 1: P20 Pro und P20: Huawei geht mit Notch und Triple-Kamera an den Start (Update: Hands-on)

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Auf dem MWC scheute Huawei das direkte Konkurrieren mit Samsung - vielleicht nicht grundlos. Denn mit dem P20 Pro und P20 zielt man nicht auf das Galaxy S9. Stattdessen sind die beiden neuen Smartphones an die adressiert, die sich vom Samsung-Flaggschiff nicht angesprochen fühlen. Denn anders als der große Mitbewerber setzt Huawei nicht auf eine sanfte Modellpflege.

Das deutet schon der Name der Produktfamilie an, der Sprung von P10 zu P11 wäre dem vermutlich nicht gerecht geworden. So also sollen es das P20 Pro als neue Speerspitze sowie das P20 richten. Doch trotz des radikalen Umbaus im Vergleich mit dem P10 - und auch gegenüber dem Mate 10 Pro - könnte sich bei einigen Ernüchterung breit machen.

Ein Grund dafür ist das Design. Dessen markantestes Element ist der Notch - jene Aussparung, die seit dem iPhone X polarisiert und unter anderem vom ASUS ZenFone 5Z übernommen wurde. Doch nicht nur deshalb rücken das P20 und P20 Pro in die Nähe von Apple. Auch die Anordnung der Kameras kennt man von den Kaliforniern und ebenfalls von ASUS. Wer die Entwicklungszeiten von Smartphones kennt, der weiß, dass Huawei hier nicht schamlos kopiert hat. Hilfreich dürfte die Nähe zur Konkurrenz aber dennoch nicht sein.

Unterschiede gibt es allerdings mit Blick auf die Technik. Beim P20 Pro setzt Huawei auf ein 6,1 Zoll großes OLED-Panel, beim P20 hingegen auf ein 5,8 Zoll großes IPS-Panel. In beiden Fällen beträgt die Auflösung 2.240 x 1.080 Pixel - man hält also weiterhin an der Prämisse "Full HD reicht" fest. Die Ränder rund um das Display fallen sehr schmal aus, lediglich am unteren Ende ist etwas mehr Platz gelassen worden. Genutzt wird er für den Fingerabdrucksensor - wie schon beim P10.

Aber auch an etwas anderem hat Huawei festgehalten: Einen neuen Top-SoC gibt es nur für ein neues Mate-Modell. Entsprechend müssen das P20 Pro und P20 mit dem bekannten Kirin 970 auskommen. Der gehört nach wie vor zu den schnellsten Vertretern, kann aber dennoch mit diversen Smartphones nicht mehr ganz mithalten. Im P20 Pro stellt man ihm 6 GB RAM zur Seite, das P20 muss mit 4 GB auskommen.

Die weitere Ausstattung brigt keine Überraschungen. Das zu Kirin 970 gehörende LTE-Modem erricht maximal 1,5 GBit/s und 150 MBit/s im Down- und Upstream, ac-WLAN und Bluetooth sind ebenfalls mit dabei. Beim Kurzstreckenfunk muss man aber weiterhin ohne Version 5 auskommen - zeitgemäß ist das nicht. Für Kabel steht lediglich eine USB-Typ-C-Buchse parat, wie schon beim Mate 10 Pro (Test) gibt es keine klassische Audiobuchse. Ebenfalls keine Rückkehr feiert der microSD-Slot. Nutzer müssen so bei beiden Modellen mit 128 GB auskommen. Dafür gibt es wie gewohnt eine Dual-SIM-Funktion.

Den 4.000 mAh fassenden Akku mit SuperCharge-Funktion - das Ladegerät liefert maximal 22,5 W - gibt es nur für das P20 Pro. Im P20 fasst der Akku lediglich 3.400 mAh, lädt dafür aber mit der gleichen Geschwindigkeit. Drahtloses Laden ist weiterhin nicht vorgesehen.

Das eigentliche Highlight, die Hauptkameralösung auf der Rückseite, ist bei genauer Betrachtung nur beim P20 Pro neu. Denn die Sensoren mit 20 und 12 Megapixeln kennt man bereits vom Mate 10 Pro und P10. Beim P20 Pro gibt es hingegen gleich drei Kameras mit 8 (Tele), 20 (Monochrom) und 40 (RGB) Megapixeln. Je nach gewähltem Modus arbeiten die Sensoren dabei entweder einzeln oder im Zusammenspiel, das Prinzip kennt man von den Vorgängern. Neu ist laut Huawei die erneut mit Leica entwickelte Vario-Summilux-Optik. Die Blende liegt bei f/1,8 /RGB), f/1,6 (Monochrom) und f/2,4 (Tele), Neben einem dreifachen optischen Zoom gibt es auch eine Hybrid-Variante mit fünffacher Vergrößerung. Bei der Nutzung soll erneut die KI helfen, die Motive erkennen und die passenden Einstellungen vornehmen soll. Zudem verspricht Huawei verbesserte Beauty-Funktionen und einen 3D-Porträtmodus. Auf der Front waren bei beiden Smartphones 24 Megapixel.

Ausgeliefert werden das P20 Pro und P20 mitsamt Android 8.1 und der Huawei-eigenen Oberfläche EMUI 8.1. Die unterscheidet sich nur in wenigen Punkten von EMUI 8. Unter anderem soll die Verbindung mit externen Anzeigegeräten nun einfacher möglich sein.

Der Verkauf der beiden neuen Modelle soll bereits Anfang April starten. Für das P20, das in Midnight Blue, Black und Pink Gold an den Start geht, beträgt die unverbindliche Preisempfehlung 649 Euro. Für das P20 Pro werden hingegen 899 Euro verlangt. Hier kann zwischen Black, Midnight Blue und Twilight gewählt werden.

Hands-on

Wie gut das P20 und P20 Pro sich im Alltag schlagen, wird erst der ausführliche Test zeigen. Doch schon nach den ersten Minuten deutet sich ein gutes Abschneiden ab. Die Displays wirken ausreichend hell und farbenfroh, der Notch stört nicht. Auch die Performance scheint mehr als ausreichend zu sein, Ruckler oder ähnliches konnten nicht beobachtet werden.

Doch auch erste Schwächen entdeckt man schnell, auch wenn zumindest eine eher subjektiv ist. Denn das Gefühl, dass man ein Smartphone für 649 Euro oder gar 899 Euro in den Händen hält, mag nicht so recht aufkommen. Das liegt zum einen am vergleichsweise geringen Gewicht, aber auch an der Haptik der Rückseite. Die erinnert mehr an transparenten Kunststoff als an Glas. Dem gegenüber stehen jedoch auf den ersten Blick gut verarbeitete Gehäuse, die vor allem aufgrund der Farbeffekte auf der Rückseite auffallen - Erinnerungen an HTC werden wach.

Deutlich wird aber auch schnell, dass die hauseigene Oberfläche EMUI eine umfangreiche optische Überarbeitung dringend nötig hat. In Teilen wirkt sie inwzischen sehr altbacken, woran auch die Anpassungsmöglichkeiten nur wenig ändern.