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Die Einschätzung zur Zukunft der Büroarbeit fällt in Teilen der Tech-Branche zunehmend drastisch aus. Auslöser der aktuellen Debatte ist ein Interview von Mustafa Suleyman, Leiter von Microsoft AI, der davon ausgeht, dass künstliche Intelligenz innerhalb der nächsten 18 Monate einen Großteil klassischer Bürotätigkeiten automatisieren könnte. Nach seiner Auffassung steuert die Weltwirtschaft auf einen tiefgreifenden Umbruch zu, bei dem viele heute übliche Tätigkeiten am Computer ihre wirtschaftliche Relevanz verlieren.
Suleyman sieht insbesondere Berufe gefährdet, deren Arbeitsprozesse stark digitalisiert sind. Dazu zählen unter anderem Buchhaltung, juristische Dienstleistungen, Marketing, Projektmanagement und Teile der Softwareentwicklung. Moderne KI-Systeme könnten in Kürze bei vielen professionellen Aufgaben ein Leistungsniveau erreichen, das dem menschlichen entspricht oder es sogar übertrifft. Als technischen Treiber nennt er vorwiegend das exponentielle Wachstum der verfügbaren Rechenleistung sowie den schnellen Fortschritt bei großen Sprach- und Agentenmodellen, die zunehmend in der Lage sind, komplexe Arbeitsabläufe eigenständig zu planen und auszuführen.
Ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist die Weiterentwicklung von KI-gestützten Programmierwerkzeugen. Diese sollen künftig nicht nur Code vervollständigen oder Vorschläge liefern, sondern vollständige Anwendungen entwerfen, implementieren und warten können. Damit würden auch hochqualifizierte Tätigkeiten unter Automatisierungsdruck geraten. Ähnliche Warnungen kamen zuletzt auch von anderen Branchenvertretern. So prognostizierte der Chef von OpenAI eine Phase massiver Umbrüche, während Führungskräfte aus Industrie und KI-Forschung vor erheblichen Einschnitten bei Einstiegsjobs im Bürobereich warnten.
Der Blick auf die aktuelle Nutzung von KI in Unternehmen zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Empirische Studien zeigen, dass künstliche Intelligenz bislang primär unterstützend eingesetzt wird. In vielen Fällen beschränkt sich der Nutzen auf einzelne Arbeitsschritte wie Textentwürfe, Recherche oder Datenanalyse. Untersuchungen aus dem Jahr 2025 deuten darauf hin, dass Produktivitätsgewinne in wissensintensiven Berufen bisher begrenzt sind. Teilweise verlängert sich die Bearbeitungszeit sogar, etwa wenn KI-Ausgaben überprüft, korrigiert oder in bestehende Prozesse integriert werden müssen.