Seite 1: Apple Music: Viele Ideen, einige Schwächen (Update)

apple music plattformen 950x629Apple ist selten der Erste: Lange vor dem iPhone gab es Smartphones und schon vor dem iPad waren Tablets erhältlich. Genauso ist es bei Apple Music. Und doch ist die Ausgangslage eine andere. Denn während man mit neuen Produkten in der Vergangenheit meist zumindest der dritte, vierte oder fünfte Anbieter war, ist man auf dem Streaming-Markt nur einer von sehr vielen. Hinzu kommt: Spotify, Tidal, Google und Co. sind in einer ganz anderen Position als Nokia es 2007 war. Apple ist klar der Herausforderer in einem Bereich, in dem das Rad nicht neu erfunden werden kann. Oder ist Apple Music doch etwas runder als die Konkurrenz?

Tatsächlich wird sich dies erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Denn entscheidend ist am Ende nicht nur, wie umfangreich der Katalog zu Beginn sein wird. Auch die Zuverlässigkeit und der weitere Ausbau des Angebots werden eine Rolle spielen. Einen ersten Blick und den Vergleich mit dem Marktführer Spotify wagen wir aber dennoch schon jetzt.

Was ist Apple Music?

Apple selbst betont, dass der eigene Dienst nicht einfach nur die x-te Streaming-Plattform ist, bei der es nur um die Wiedergabe der gewünschten Musik geht. Als Beleg hierfür soll die Dreigleisigkeit dienen. Auf der einen Seite steht Musik für die Wunschtitel, auf der anderen Radio mit der zunächst einzigen Live-Station Beats 1, sowie der Möglichkeit, eigene Sender zu erstellen oder auf vorgefertigte Playlists zurückzugreifen. Um beides herum bewegt sich Connect, eine Mischung aus Sidescreen-Experience und Social Network, über das die Künstler Hintergrundinformationen, Musik, Videos und Fotos an ihre Hörer weitergeben können. Mit Ping soll Connect im Übrigen nichts gemein haben, auch wenn so manches Detail bekannt wirkt.

Beworben wird vor allem Beats 1, Apple Music bietet aber weitaus mehr
Beworben wird vor allem Beats 1, Apple Music bietet aber weitaus mehr

Wichtiger sind jedoch Musik und Radio. Für beide Parts kann Apple auf rund 30 Millionen Titel zurückgreifen und damit einen ähnlich umfangreichen Katalog die die wichtigsten Konkurrenten anbieten. Vertreten sind dabei nicht nur die wichtigen Major-Labels wie Sony oder Universal, sondern auch zahlreiche Indie-Anbieter. Mit diesen musste Apple buchstäblich bis zur letzten Minute verhandeln, um eine Einigung zu erzielen. Grund hierfür war in erster Linie das Geld.

Womit kann Apple Music genutzt werden?

Wer Apple-Dienste oder -Software nutzen will, muss in aller Regel auch Hardware aus Cupertino nutzen. Denn Ableger für Windows oder gar Android gibt es in aller Regel nicht oder nur in Form schlechterer Portierungen – wer iTunes für Windows nutzt, dürfte letzteres bestätigen können. Insofern war die Ankündigung, dass Apple Music nicht nur für iOS und OS X bereitgestellt wird, eine kleine Überraschung. Auch Windows- und Android-Nutzer werden auf den Streaming-Dienst zugreifen können.

Zum Start werden iOS, OS X und Windows unterstützt, Android und Audio-Systeme folgen später
Zum Start werden iOS, OS X und Windows unterstützt, Android und Audio-Systeme folgen später

Doch die Art und Weise unterscheidet sich von Plattform zu Plattform. Während der Dienst unter iOS in die neue Musik-Applikation integriert und damit fester Bestandteil des Betriebssystems ist, muss unter OS X und Windows auf iTunes zurückgegriffen werden. Android hingegen erhält im Herbst eine eigene Applikation, zu der es noch nicht viele Informationen gibt. Zu guter Letzt wird auch die Apple Watch als kompatible Hardware genannt. Audio-Systeme mit integrierter Unterstützung im Stil von Spotify Connect wird es hingegen zumindest vorerst nicht geben. Apple selbst hatte angekündigt, dass man eine solche Funktion nachreichen werde, im Mittelpunkt der Entwicklung des Dienstes hätten jedoch die iOS-App sowie iTunes gestanden. Immerhin hat mit Sonos ein erster Hersteller ein Update angekündigt, das vermutlich im vierten Quartal erscheinen wird. Raumfeld und andere Hersteller haben sich auf Nachfragen noch nicht geäußert.

Unabhängig vom genutzten Endgerät fällt die Preisstruktur aus. Angeboten werden zwei verschiedene Mitgliedschaften: Eine kostenlose, für die lediglich eine Apple ID benötigt wird, sowie eine kostenpflichtige. Wird letztere gewählt, muss zwischen Einzel- und Familienmitgliedschaft gewählt werden. Erstere für 9,99 Euro im Monat ermöglicht die Nutzung des Dienstes auf allen Geräten, die unter der verwendeten Apple ID betrieben werden, zweitere für 14,99 Euro im Monat steht hingegen allen zur Verfügung, die Teil der Familienfreigabe sind. Allerdings sind Apples Einschränkungen hier nicht ganz eindeutig: Mal ist die Rede von sechs Personen, mal von sechs Geräten. Eindeutig ist hingegen die Probezeit, in den ersten drei Monaten fallen keine Kosten an. Wer kein Geld zahlen will und die kostenlose Mitgliedschaft wählt, kann übrigens nur Connect sowie Beats 1 nutzen.