Seite 2: Erste Eindrücke, Apps, iTunes

Verwirrung zu Beginn

Nach der Installation von iOS 8.4 kann Apple Music genutzt werden. Wir haben den Dienst zunächst nur auf einem iPhone 6 Plus getestet, da zum Zeitpunkt des Schreibens weder das angekündigte Update für die Apple Watch noch Aktualisierungen für iTunes zur Verfügung standen – entsprechende Eindrücke reichen wir aber nach. Wer Apple Music sucht, wird zunächst nichts finden. Denn dass das neue Angebot in die bisherige Musik-App integriert ist, verrät das Gerät nach dem Neustart nicht. Zu erahnen ist dies lediglich durch das neue Logo, das Apple für die Applikation nutzt. Nach dem Öffnen offenbart sich Apple Music aber unmittelbar. Denn der Nutzer muss auf dem Startbildschirm auswählen, ob er direkt zu seiner schon bisher verfügbaren Musik wechseln oder den neuen Dienst drei Monate lang testen will. Entscheidet man sich für letzteres, muss zwischen Einzel- und Familienmitgliedschaft gewählt werden. Apple weist an dieser Stelle klar darauf hin, dass das Abo nach der Probezeit automatisch verlängert wird und erklärt darüber hinaus, wie dies deaktiviert werden kann.

Trotz Probezeit: Schon beim ersten Start müssen Entscheidungen getroffen werden
Trotz Probezeit: Schon beim ersten Start müssen Entscheidungen getroffen werden

Nach dem darauf folgenden Bestätigen der Zahlungsart wartet dann bereits der Apple-Music-Startbildschirm. Auf diesem nimmt der Live-Sender Beats 1 viel Platz ein, darunter werden weitere Sender beworben, bei denen es sich jedoch prinzipiell lediglich um vorgefertigte Abspiellisten handelt. Wer an dieser Stelle auch die von Kuratoren erstellten Playlists erwartet, wird zum ersten Mal mit dem nicht optimalen Aufbau der App konfrontiert. Denn die von diversen Prominenten gestalteten Listen warten unter dem Menü-Punkt „Neu“ in der am unteren Rand platzierten Navigationsleiste – nach dem Start von Apple Music landet man hingegen immer im Bereich „Radio“. Und selbst nach dem Wechsel in „Neu“ muss zunächst gescrollt werden. Dabei stößt man unter anderem auf diverse Neuerscheinungen sowie die aktuellen Toptitel und empfohlene Musikvideos. Die Listen selbst sind nach diversen Punkten unterteilt, das Genre spielt ebenso eine Rolle wie die Art und Weise des Erstellens.

Dabei fällt schnell eine weitere Design-Schwäche der App auf. Denn vielfach sind Schaltflächen gut versteckt und auf den ersten Blick gar nicht als solche zu erkennen, mitunter fallen sie aber auch sehr klein aus, was die Bedienung ebenfalls unnötig erschwert. Hier zeigt liegt Spotify mit seiner iOS-App klar vorne – auch wenn die Schweden selbst noch so manchen Schnitzer ausbügeln müssten.

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Dass der Titel lokal gespeichert ist, dürften viele zunächst übersehen

Ein Grund für diesen Aufbau könnte die Möglichkeit zum Speichern der jeweiligen Titel sein. Denn alles, was Apple Music im Bereich „Radio“ bietet, kann nicht lokal für die Offline-Wiedergabe gesichert werden – bei den anderen Listen ist dies hingegen kein Problem. Wer sich in der Navigationsleiste nach ganz links zum Punkt „Für dich“ vorarbeitet, stößt statt auf generische Listen auf Titel und Interpreten, die zu den eigenen Vorlieben passen sollen.

Intelligenter Helfer, dumme App

Hierfür analysiert Apple Music nicht nur die bereits auf dem Gerät befindliche oder in der Vergangenheit über iTunes gekaufte Musik, sondern befragt den Nutzer während der Einrichtung nach den bevorzugten Genres und Künstlern. Dabei kann zwischen „Mag ich“ und „Liebe ich“ gewählt werden – entsprechend fällt die Gewichtung aus. An diesem Punkt gefällt die Gestaltung der App wiederum, das bei einigen Konkurrenten eher dröge Prozedere ist hier optisch gut gelungen. Im ersten Test zeigte sich zudem, dass der dahinter steckende Algorithmus gute Arbeit leistet. Denn die Vorschläge deckten sich in vielen Fällen mit dem persönlichen Geschmack.

Die Auswahl der Favoriten ist gut gelöst
Die Auswahl der Favoriten ist gut gelöst

Viel verspricht sich Apple von Connect. Hier sollen Künstler ihren Fans Bilder, Videos und besondere Informationen bieten. Nutzer können unter den Beiträgen Kommentare hinterlassen, diese mit Freunden teilen oder einfach nur „liken“. Was der Nutzer in Connect zu sehen bekommt, hängt in erster Linie vom gewählten Musikgeschmack ab, das manuelle Hinzufügen und Entfernen von Künstlern ist aber problemlos möglich. Unmittelbar nach dem Start von Apple Music fanden sich in „Connect“ weniger überraschend nur eine Handvoll Beiträge.

Die soziale Interaktion ist aber auch an anderen Stellen ein integraler Bestandteil von Apple Music. Denn ähnlich wie in iTunes können Titel, Alben oder Künstler per E-Mail, WhatsApp, Facebook und Co. geteilt werden. Interagieren kann man innerhalb der Alben- oder Titelansicht auch auf zwei andere Arten. Wird das „+“ gedrückt, wird beispielsweise das Album der eigenen Musik hinzugefügt.

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Apple verteilt die Interaktionsmöglichkeiten wenig intuitiv

Erfolgt hingegen ein Tap auf die drei Punkte, öffnet sich je nach Ansicht ein mehr oder weniger umfangreiches Kontextmenü. Hier kann beispielsweise zum nächsten oder vorherigen Titel gesprungen, ein Sender entsprechend des gewählten Albums oder Titels erstellt, das Stück oder Album im iTunes Store angezeigt, zu einer Playlist hinzugefügt oder lokal gespeichert werden.

Wird einer der beiden letzten Punkte gewählt, hinterlegt Apple Music die Titel, Playlist oder das Album ebenfalls im Bereich „Meine Musik“, der ganz rechts in der Navigationsleiste untergebracht ist. Hier sammelt die App nicht nur die in Apple Music entsprechend ausgewählte Musik, sondern auch die über iTunes erworbene sowie die Titel, die zu iTunes Match hinzugefügt worden sind. Zunächst etwas verwirrend wirkt die Aufteilung. Unter „Mediathek“ verstecken sich einzelne Titel und Alben, hinter Playlists hingegen die namensgebenden Listen.

Auf dem iPad fällt die Navigation leichter, hier setzt Apple auf sechs statt fünf Menüpunkte
Auf dem iPad fällt die Navigation leichter, hier setzt Apple auf sechs statt fünf Menüpunkte

Beim Thema lokales Speichern wartet auf neue Nutzer der wohl größte Fauxpas, den Apple sich geleistet hat. Denn ob ein Stück offline verfügbar ist oder nicht, wird im Idealfall nur von einem winzigen Icon angezeigt. Befindet sich rechts neben dem Titel ein Handy-Symbol, kann die Musik auch ohne Netzverbindung abgespielt werden. Fehlt das Icon hingegen - kann es dennoch genauso sein. Im Versuch mit mehreren Alben und Playlists, die offline verfügbar gemacht wurden, wurde bei keinem optisch darauf hingewiesen, dass die Titel lokal gesichert sind. Einzig beim Herunterladen einzelner Stücke erschien das Icon.

Allgegenwärtige Suche

Aus jedem der insgesamt fünf Bereiche – „Für Dich“, „Neu“, „Radio“, „Connect“ und „Meine Musik“ – heraus können am oberen Rand die Suche sowie die Account-Einstellungen erreicht werden. Erstere ist selbsterklärend: Nach den ersten Zeichen werden passende Treffer angezeigt – ob nun Interpret, Albumtitel oder Song-Name. Wird einer ausgewählt, blendet die App jeweils dazu passende Ergebnisse an. Fällt die Wahl beispielsweise auf Avicii, wird nicht nur der schwedische DJ als Treffer angezeigt, sondern auch seine Alben, Titel, Videos, passende Sender und Playlists. Der grundsätzliche Aufbau entspricht dabei dem, was man von iTunes her kennt. In den Account-Einstellungen können zu guter Letzt die eigenen Vorlieben angepasst und die Liste der Künstler, denen man in „Connect“ folgen will, angepasst werden. Das abgeschlossene Abo kann hier hingegen nicht verwaltet werden, lediglich eine Verknüpfung zu den Optionen der iCloud-Familienfreigabe ist vorhanden.

Mindestens so wichtig wie die Funktionen oder der Aufbau der Applikation dürfte für die meisten Interessierten die Audio-Qualität sein. Nach eigenen Angaben setzt Apple auf eine Bitrate von 256 kbit/s und damit die gleiche, die auch bei iTunes Match genutzt wird. Auf dem Papier ist man damit Spotify teilweise unterlegen. Denn die Schweden bieten ihren Premium-Mitgliedern 320 kbit/s. Wer nicht zahlt, muss hingegen mit 160 kbit/s auskommen. Im subjektiven Vergleich zwischen Spotify Premium und Apple Music kann sich keiner der beiden Anbieter absetzen. Denn weitaus wichtiger ist die Qualität des Wiedergabegeräts – die höchste Bitrate bringt nichts, wenn Musik über 10-Euro-Kopfhörer gehört wird. Klang-Fetischisten sind entsprechend besser bei Tidal mit seiner HiFi-Option oder im örtlichen CD-Laden aufgehoben.

iPad und iTunes

Auf dem iPad entspricht die neue Musik-App in den wesentlichen Punkten der des iPhone. Die beiden größten Unterschiede betreffen die Navigationsleiste am unteren Ende, die hier sechs – „Playlists“ und „Meine Musik“ sind voneinander getrennt – Punkte bietet, sowie die Unterstützung des Landscape-Modus‘. Einen wirklichen Vorteil bietet das Drehen des Tablets um 90 Grad aber nicht – den dadurch in der Breite entstehenden Platz nutzt Apple nicht aus. Vielleicht ein Grund, warum diese Option beim iPhone komplett fehlt. Ärgerlicher ist jedoch, dass trotz des größeren Displays an den kleinen Schaltflächen festgehalten wird.

Effektiv genutzt wird der Landscape-Modus auf dem iPad nicht
Effektiv genutzt wird der Landscape-Modus auf dem iPad nicht

Wer den Streaming-Dienst auf dem PC nutzen will, kommt an iTunes nicht vorbei. Voraussetzung ist Version 12.2, die sowohl für OS X als auch für Windows angeboten wird. Der kleine Nummernsprung verdeutlicht, dass abseits von Apple Music keine Veränderungen vorgenommen worden sind. Im Vergleich zur iOS-Applikation weichen Aufbau und Optik ein Stück weit ab.

In iTunes macht es Apple besser - mehr Fläche bedeutet mehr Informationen
In iTunes macht es Apple besser - mehr Fläche bedeutet mehr Informationen

Die auf iPhone und iPad am unteren Bildrand untergebrachte Navigationsleiste befindet sich hier im oberen Drittel und verzichtet auf jegliche Symbole. Insgesamt gibt es sieben Menüpunkte, im Vergleich zum iPad kommt aber nur „iTunes Store“ zum schnellen Springen in Apples Online-Shop hinzu. Innerhalb der einzelnen Menüpunkte ähnelt die Darstellung jedoch der von iOS – mit der Ausnahme, dass das Programmfenster deutlich effektiver ausgenutzt wird. Auch hinsichtlich der Interaktionsmöglichkeiten gibt es kaum Unterschiede. Künstler, Titel und Alben können per E-Mail empfohlen werden, ebenso können sie mit einem „Mag ich“ markiert oder der Rubrik „Meine Musik“ hinzugefügt werden.