Seite 3: Benchmarks und weitere Messungen

Kommen wir nun aber zu den Benchmarks und den weiteren Messungen. Wir haben den Xeon W-3175X in den Standardeinstellungen, aber auch mit einem Overclocking betrieben und getestet. Ab Werk arbeitet der Prozessor mit 3,8 GHz, wenn alle 28 Kerne unter Volllast sind. Dies tut er allerdings nur, wenn die Kühlung auch ausreichend dimensioniert ist. Sowohl mit der 690LX-PN 360 mm von Asetek als auch dem EK-Annihilator Pro sind wir auf ähnliche Ergebnisse gekommen, haben den Dauerbetrieb schlussendlich mit dem Kühler von Asetek durchgeführt.

Die Kühlung ist der wichtigste Faktor bei der enormen Leistungsaufnahme des Xeon W-3175X. Entsprechend haben wir keinen Taktsprung wie beim Core i7-9700K oder Core i9-9980XE erwartet. Immerhin aber konnten wir den All-Core-Turbo von 3,8 auf 4,2 GHz steigern. Dies entspricht einer Taktsteigerung von 10 % und ähnlich gut skalierte diese auch für die Leistung – zumindest wenn auch alle Kerne genutzt werden.

Workstation-Benchmarks

Cinebench R20

Multi-Threaded

Punkte
Mehr ist besser

Cinebench R20

Single-Threaded

Punkte
Mehr ist besser

Der Cinebench R20 skaliert im Multi-Threaded-Benchmark ganz gut mit der Anzahl der Kerne. Beim Xeon W-3175X zeigt sich dies ganz deutlich, denn im Vergleich zum Core i9-9980XE sind 55 % mehr Kerne vorhanden und die Leistung steigt um etwa 50 %. Die Übertaktung des Xeon W-3175X liefert noch einmal etwa 10 % an Mehrleistung.

Im Single-Threaded-Benchmark hat der Core i7-9700K aufgrund des höheren Single-Core-Taktes noch immer die Nase vorne. Auch der Core i9-9980XE taktet hier höher. Legen wir beim Xeon W-3175X den All-Core-Turbo auf 4,2 GHz fest, ist dieser geringer als ohne Übertaktung und dementsprechend die Leistung ebenfalls niedriger.

Blender Rendering

bmw27

Sekunden
Weniger ist besser

Blender Rendering

classroom

Sekunden
Weniger ist besser

Auch das Rendering in Blender skaliert sehr schön mit der Anzahl der Kerne und hier kann der Xeon W-3175X seine Stärken auch ausspielen. Wir sehen mit Blick auf die anderen beiden Intel-Prozessoren ähnliche Werte im Hinblick auf das Leistungsverhältnis.

Corona Benchmark

Ray-Tracing

Sekunden
Weniger ist besser

V-Ray Benchmark

Rendering

Sekunden
Weniger ist besser

Für die Corona- und V-Ray-Benchmarks wiederholen sich diese Ergebnisse in gewisser Weise. Solche Workloads sind typische Anwendungen für einen Mehrkern-Prozessor, da die Rechenaufgaben sehr gut auf viele Kerne bzw. Threads verteilt werden können. Die Skalierung stimmt und so wird auch nahezu perfekt von der Mehrzahl an Kernen profitiert.

Adobe Premiere

8K Video auf H.265-Export

Sekunden
Weniger ist besser

Die vorherrschende Meinung "mehr Kerne helfen beim Video-Rendering" ist hier einmal mehr wiederlegt. Es zeigt sich deutlich, dass wenige schnelle Kerne auch mehr leisten können – zumindest in Adobe Premiere. Der Core i7-9700K kann nicht mit dem Core i9-9980XE mithalten, der Abstand ist aber deutlich geringer, als bei den bisherigen Benchmarks. Der Sweet-Spot für Adobe Premiere liegt bei 10 bis 12 Kernen, die möglichst schnell sein sollten. Dies bedeutet, dass der Xeon W-3175X mit seinen 4,0 GHz bei 12 aktiven Kernen auch etwas langsamer als der Core i9-9980XE ist, der hier mit 4,1 GHz arbeitet. Mit 4,2 GHz kann der Xeon W-3175X dann wieder aufschließen, wird vom ebenfalls übertakteten Core i9-9980XE dann aber wieder überholt.

DigiCortex

Synapsensimulation

Echtzeitfaktor
Mehr ist besser

Y-Cruncher

Pi auf 500 Millionen Stellen

Sekunden
Weniger ist besser

Die beiden nächsten Benchmarks DigiCortex und Y-Cruncher zeigen ebenfalls keine perfekte Skalierung mit der Anzahl der Kerne. Von acht auf 18 Kerne war noch ein deutlicher Leistungssprung zu spüren. Dieser verpufft für den Xeon W-3175X allerdings – trotz einem Plus von zehn Kernen.

GNU Compiler Collection

Compiler

Sekunden
Weniger ist besser

In einem letzten Benchmark haben wir uns noch die Leistung für das Compiling der GNU Compiler Collection in der Version 8.2.0 angeschaut. Dazu haben wir das aktuelle Cygwin für Windows verwendet. Der Compiler ist so konfiguriert, dass er sich so viele Threads wie möglich greift und damit rechnet. Einige Compile-Vorgänge laufen aber nicht auf mehreren Threads, so dass sich eine gute Mischung ergibt. Dennoch ist der Xeon W-3175X hier klar der schnellste Prozessor, da die Compile-Vorgänger dennoch sehr gut mit vielen Threads skalieren.

Gaming-Benchmarks

Auch wenn dies vermutlich eher selten vorkommen wird, haben wir den Xeon W-3175X mit einigen Spielen getestet. Bei den Spiele-Benchmarks haben wir uns für Auflösungen von 1.920 x 1.080 und 2.560 x 1.440 Pixel entschieden. Damit soll zum Einen der Einfluss der Grafikkarte minimiert werden, zum Anderen wollen wir aber auch eine gewisse Praxisrelevanz nicht außer Acht lassen.

Battlefield V

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Battlefield V

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

The Division 2

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

The Division 2

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Metro: Exodus

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Metro: Exodus

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Shadow of the Tomb Raider

1.920 x 1.080 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Shadow of the Tomb Raider

2.560 x 1.440 Pixel - Mittel

Bilder pro Sekunde / 99th Percentile
Mehr ist besser

Kurz zusammenfasst: Spiele sind nicht die Domäne Xeon W-3175X. Dies wussten wir aber auch schon, bevor wir die Benchmarks angefertigt haben, denn bereits der Core i9-9980XE konnte nicht mit dem Core i7-9700K mithalten. Üblicherweise nutzen Spiele vier bis acht Kerne, wenn mehr als 12 Threads auch nur annähernd genutzt (wir sprechen nicht von belastet) werden, haben die Programmierer bereits auf eine gute Multi-Threaded-Verteilung geachtet und verschiedene Rechenaufgaben einer Engine auf möglichst viele Threads verteilt. Leider ist dies aber noch immer ein seltener Anblick. Es ist aber auch nicht zu erwarten, dass Spiele durch die 18 oder gar 28 Kerne eines Core i9-9980XE oder Xeon W-3175X profitieren, dafür sind die Anforderungen dann doch zu gering und die Grafikkarte spielt die wesentlich wichtigere Rolle.

Leistungsaufnahme und Temperaturen

Die Leistungsaufnahme haben wir mittels Stromzange an der zusätzlichen Spannungsversorgung für den Prozessor gemessen. Wir messen also die reine Leistungsaufnahme des Prozessor vor den Verlusten durch die VRMs. Als Last verwendeten wir einen Rendering-Job in Blender.

Leistungsaufnahme

nur CPU

Watt
Weniger ist besser

Der Xeon W-3175X verbraucht ohne jegliches Overclocking bereits etwa 350 W. Bringen wir alle Kerne auf 4,2 GHz und erhöhen die Spannung von 1,05 auf 1,125 V messen wir einen Verbrauch für den Prozessor von 561,8 W. Damit ist auch unsere 690LX-PN 360 mm von Asetek am Limit. 80 bis 90 °C erreichen die einzelnen Kerne. Viel mehr wollen wir der Kühlung aber nicht mehr zumuten, denn alle Lüfter drehten dabei auf Volllast und die Gewerbeaufsicht hätte sicherlich einen Gehörschutz verordnen müssen.

Intel Xeon W-3175X

Mit den Standardeinstellungen sind die Temperaturen jedoch weitaus geringer. Zwischen 50 und 64 °C erreichen die einzelnen Kerne und bewegen sich damit weit entfernt von einer Drosselung durch zu hohe Temperaturen.