Seite 6: Fazit

QNAP und Synology haben es sich zur Aufgabe gemacht, NAS-Systeme zu mehr als einem simplen Netzwerkspeicher zu machen. Daten können einfach geteilt werden und zwar im heimischen Netzwerk und bei Bedarf auch über das Internet. Das NAS kann aber gleichzeitig auch als Cloud-Server agieren und so alle wichtigen Daten über mehrere Geräte hinweg synchronisieren - das alles geschieht verschlüsselt und damit (entsprechende Passwörter vorausgesetzt) sicher. Aber auch Multimedia-Inhalte können nicht nur gespeichert, sondern auch direkt im Webinterface oder in passenden Smartphone-Apps wiedergegeben werden.

Um vor allem Videos in beliebigen Formaten auch ins Wohnzimmer oder Heimkino zu bringen haben sich die beiden Hersteller verschiedene Wege ausgedacht. Synology nutzt die Hardwarebeschleuning der Atom-Prozessors um Videos in Echtzeit zu konvertieren und dann an SmartTVs, Smartphones, Tablets und Chromecasts und AppleTVs zu streamen - in 1080p. Das funktionierte im Test sehr gut, setzt eben aber auch voraus, dass man eines der entsprechenden Empfangsgeräte auch besitzt.

QNAPs HS-251 geht einen etwas anderen Weg und intergiert sozusagen den HTPC direkt in das NAS. Über XBMC entfällt die Notwendigkeit des Konvertierens der entsprechenden Formate, da die Plattform von Haus aus mit nahezu allen Inhalten umgehen kann. Soll dann doch gestreamt werden bietet die "Transkodierungsverwaltung" an, sämtliche Videos in H264 zu wandeln, was dann überall problemlos abgespielt werden kann. Dennoch überzeugt uns die XBMC-Funktionalität und ist bisher nahezu einzigartig.

Das HS-251 fühlt sich in jedem Wohnzimmer zu Hause
Das HS-251 fühlt sich in jedem Wohnzimmer zu Hause

Das Webinterface und deren Funktionen sowie die Einrichtung kann man wohl bei keinem der Geräte bemängeln. Auch Anfänger sollten hier kaum Probleme haben Nutzer und Freigaben zu erstellen und damit dann Inhalte zu teilen. Auch die Einrichtung für die Erreichbarkeit der Geräte außerhalb des Heimnetzwerks ist einfach. Sowohl Synology als auch QNAP bieten hier einen kostenlosen DynDNS-Dienst an, der die Hindernisse einer temporären IP-Adresse umgeht. Das Webinterface und (fast) alle weiteren Dienste lassen sich auch SSL-verschlüsselt benutzen und genau das sollte man auch tun - schließlich geht niemanden etwas an was für Daten man austauscht.

Beim Thema Design gehen QNAP und Synology unterschiedliche Wege. Die DS415play ist wie eigentlich alle Geräte von Synology unauffällig und praktisch konzipiert. Es ist leicht, schwarz, bietet einfachen Zugriff auf die Festplatten und anhand der LEDs an der Front lässt sich schnell ablesen, ob alles in Ordnung ist. Die beiden Lüfter halten das System und die Festplatten auf Temperatur, könnten dabei aber eine Idee leiser sein.

Ganz anders sieht das bei QNAP aus: Eine flache Bauform, rundherum Klavierlack und ein Deckel aus schickem Aluminium - das HS-251 ist zum Zeigen da. Es ist nicht nur NAS, sondern eben auch HTPC und soll daher ins Wohnzimmer oder Heimkino direkt neben den Fernseher. Das Konzept geht soweit auch auf, von Optik und Funktionsumfang her passt es auch genau dort hin. Um nicht durch Lüfterlärm aufzufallen hat sich QNAP für ein passives Kühlkonzept entschieden und das kommt leider (vor allem im Sommer) schnell an seine Grenzen. Sobald das NAS gefordert wird, also zum Beispiel mit dem Abspielen von Inhalten über XBMC beschäftigt ist, steigt auch die Temperatur im Gehäuse. Gepaart mit einer hohen Raumtemperatur (im Test ca. 27 Grad, im Sommer wohl nichts Unübliches) kommt der Intel Celeron-Prozessor gut und gern auf 65 bis 70 Grad Celsius, die Festplatten wärmen sich dabei auf etwa 50 Grad auf. Gerade bei einem Gerät für den Dauereinsatz sollten so hohe Temperaturen nicht zum Alltag gehören, immerhin liegen auf dem NAS meist wichtige Daten und Backups und wenn diese durch einen Absturz weg wären hätte das fatale Folgen. 

DS415play mit abnehmbarer Front aus hochglänzendem Kunststoff
DS415play mit abnehmbarer Front aus hochglänzendem Kunststoff

Zu guter Letzt muss man aber auch einen Blick auf den Preis werfen. Da beide Geräte gerade erst erschienen sind, können wir uns aktuell nur nach den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller richten. Synology bietet die DS415play offiziell zu einem Preis von 434,40 Euro an und liegt dabei etwa mittig im Preissegment der schnellen 4-bay-Geräte mit Intel-Prozessor. Die 1080p-Konvertierung ist hier durchaus sein Geld wert, zieht man das DS414 zum Vergleich heran, kostet diese etwa 40 Euro weniger - braucht dafür beim Streamen von Inhalten aber auch deutlich länger. Das HS-251 von QNAP schlägt mit soliden 511 Euro UVP zu Buche - eine Menge Geld für ein 2-Bay-Gerät. Die begründet sich durch den Intel-Prozessor, das hochwertige Gehäuse und nicht zuletzt natürlich die Tatsache neben dem NAS auch einen HTPC zu erwerben.

Wer viele Videos sein eigen nennt und vielleicht sogar schon eine Reihe von Abspielgeräten hat, macht mit der DS415play nichts falsch. Mit 4 Bays bietet sie Platz für 12 TB Daten im RAID-5 und ist in der Lage nahezu alle Inhalte überall abzuspielen. Auch die Cloud-Station gefällt uns sehr gut, setzt aber je nach Szenario eine gute Internetanbindung voraus. In Sachen Streamingfähigkeit finden wir vor allem die App für Samsungs SmartTVs sehr praktisch, damit lässt sich bequem mit der Fernbedienung des Fernsehers auf die Videos des NAS zugreifen. Sollte die passende Infrastruktur an Abspielgeräten noch nicht vorhanden sein empfiehlt sich zum Einstieg ein 35 Euro teurer Chromecast, der vom Smartphone gesteuert Videos und Musik schnell auf den Fernseher bringt. Sind sonst viele Apple-Geräte im Haus vorhanden kann ein passender AppleTV für unter 90 Euro eine sinnvolle Investition sein. Für ein stimmiges Gesamtpaket und die große Featurevielfalt verleihen wir der DS415play von Synology den Hardwareluxx Excellent Hardware-Award.

PL ds415play

Eine Empfehlung für das HS-251 gestaltet sich als schwierig. Gehofft hatten wir auf ein solides All-In-One-Gerät und eigentlich ist das HS-251 auch genau das, aber vor allem das Kühlkonzept hat Schwächen und nicht zuletzt der Preis von aktuell über 500 Euro macht es dann sehr schwierig. Wem ein 2-Bay-Gerät für seine Inhalte ausreicht, ist vielleicht mit einer Synology DS214play oder dem QNAP TS-221 für jeweils weniger als 300 Euro besser bedient. Für die übrigen 200 Euro lässt sich dann immer noch ein kleiner HTPC zur Wiedergabe kaufen.

Wer viel Platz braucht und sich nach fertigen NAS-Systemen umsieht muss spätestens mit vier Bays relativ viel Geld ausgeben. Ein Eigenbau zum Beispiel auf Basis von HPs Microservern scheint hier interessant, aber um diesen so wie ein fertiges NAS von Synology oder QNAP zum Laufen zu bringen braucht es neben Geld vor allem auch Zeit. Klar, Dateifreigaben sind schnell eingerichtet, aber Streaming von Musik und Video stellen schon eine größere Herausforderung dar und ein klar strukturiertes Webinterface fehlt dann ebenfalls noch. Vor diesem Hintergrund sind die gut 400 Euro für die DS415play schon sehr gut angelegtes Geld, vor allem wenn es "einfach funktionieren soll".

Positive Aspekte der Synology DS415play

  • hervorragende Geschwindigkeit
  • sehr ansprechendes Design
  • gutes Webinterface

Negative Aspekte der Synology DS415play

  • Lautstärke des Lüfters
  • kein USB 3.0 in der Front

Positive Aspekte des QNAP HS-251

  • hervorragende Geschwindigkeit
  • sehr gute HTPC-Funktionalitäten
  • gutes Webinterface
  • optisch sehr ansprechend, passend fürs Wohnzimmer
  • lautloses Kühlungskonzept...

Negative Aspekte des QNAP HS-251

  • ... welches im Sommer an seine Grenzen kommen kann
  • keine USB-Anschlüsse an der Front
  • Preis