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Eine Cloud zu Hause

Die Cloud ist aktuell ein großes Thema. Angefangen mit Dropbox: Es ist schließlich ungemein praktisch einen Ordner zu haben, der sich ganz von selbst auf mehrere Geräte synchronisiert und immer aktuell bleibt. Google, Microsoft und nicht zuletzt Apple haben nun massiv ihre Preise für ihre Produkte gesenkt und die Cloud damit noch attraktiver gemacht. Nur eine Tatsache stört: Die Daten liegen immer beim Provider, wo man keine Kontrolle darüber hat, wer denn nun die eigenen Daten einsehen kann. Gerade wo die Skandale um NSA und BND aufkommen wäre es doch viel besser, wenn die Daten zu Hause auf einem eigenen Server zu haben, anstatt sie irgendwo ins Internet zu laden. Genau das haben auch QNAP und Synology erkannt und die entsprechende Funktion zu ihren Geräten hinzugefügt.

Bei QNAP heißt die Funktion Qsync, bei Synology Cloud Station. Mit beiden können Freigaben auf dem NAS als Cloud-Ordner genutzt werden. Ähnlich wie in Dropbox können Ordner "abonniert" werden und erscheinen dann auch auf dem lokalen Rechner. Qsync gibt es für Windows und Mac als nativen Client, außerdem sind alle Dateien natürlich auch über das Webinterface und die entsprechende Qfile-App (iOS, Android, Windows Phone) verfügbar, allerdings sind die Dateien hier nicht offline verfügbar. Synology bietet noch etwas mehr Auswahl. Der Cloud-Station-Client ist für Windows, Mac und auch Linux verfügbar, die entsprechende Cloud-Station-App auch für iOS, Android und Windows Phone. Dateien können auf Smartphones und Tablets auch offline verfügbar gemacht werden, allerdings muss man hier den internen Speicher des Smartphones im Auge behalten.

DSM 5.0 - Übersichtlich und gut verständlich
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Verfügt man über ausreichend schnelles Internet und besagte Accounts beim jeweiligen Hersteller ist die Verbindung vom Internet aus kein Problem. Laptops synchronisieren sich automatisch auch aus dem Internet, mit dem Smartphone ist der Zugriff ebenfalls möglich. Sämtliche Kommunikation erfolgt standardmäßig SSL-verschlüsselt und ist damit für andere Nutzer nicht einsehbar. Um immer an die Daten zu kommen bietet es sich natürlich an das NAS permanent laufen zu lassen was mit gewissen Kosten verbunden ist. Lässt man die DS415play mit allen vier Festplatten laufen ergibt sich bei 27 Cent/kWh ein Betrag von gut 70 Euro jährlich. Beim HS-251 kommt man etwas günstiger weg, dafür hat man aber auch nur zwei Festplatten. Mit 16 Watt im Dauerbetrieb sind das aufs Jahr gerechnet knapp 40 Euro.

Synology DS415play: Alles kann gestreamt werden

Über die Apps können Inhalte auch gestreamt werden. Bei Streaming möchte die DS415play punkten, ist doch das "Spezialfeature" der DS415play das Streaming in 1080p. Empfangen können die Streams die Video-Station-Apps für Samsungs SmartTVs, Smartphones und Tablets (iOS ab Version 6, Android ab Version 2.2, Windows Phone ab Version 7.5) und zu guter Letzt Googles Chromecast und Apples AppleTV. Die Wiedergabe funktionierte in unserem Test einwandfrei, wenn auch hin und wieder ein paar Sekunden Wartezeit vor dem Videostart eingeplant werden müssen. Ausgangsformat und Qualität sind dabei egal, alles wird in einen h264-Stream gewandelt und dann direkt gestreamt. Mehrere Sprachen werden erkannt, allerdings muss man sich vor der Wiedergabe für eine Sprache entscheiden - will man wechseln muss der Stream neugestartet werden. Der Kompatibilität wegen haben wir beim Videostreaming auf die SSL-Verschlüsselung verzichtet, speziell der Chromecast akzeptiert das selbst erstellete SSL-Zertifikat nicht und verhindert dann die Verbindung. Das ist allerdings weniger tragisch, da das Videostreaming aufgrund der hohen Bandbreite nur im LAN funktioniert und dort die Chance des Mithörens eher gering ist. Auch im Browser funktioniert das Streaming, dafür muss aber der VLC-Player installiert sein.

Greift man mit dem Smartphone auf das HS-251 zu können Videos ebenfalls abgespielt werden, allerdings nur in nativen Formaten der jeweiligen Plattform, bei iOS zum Beispiel dann entsprechend h264. Das HS-251 bietet ebenfalls Transkodierung an, allerdings nicht live. In der Transkodierungsverwaltung können Ordner hinzugefügt werden die dann nach Medien durchsucht und entsprechend konvertiert (240p, 360p, 720p, 1080p) werden. Leider muss dann alles mehrfach gespeichert werden und die Konvertierung braucht entsprechend Zeit - ein MPEG2-Video mit 20 Minuten Länge brauchte 1,5 Stunden zum Konvertieren - also fast die fünffache Lauflänge. Für ein NAS mag das relativ schnell sein, aber wer große Mengen Video umwandeln will macht das dann doch lieber am "richtigen" Desktop oder Laptop, zumal der Vorgang den Prozessor komplett auslastet und der Rest des NAS entsprechend langsam ist.

Bei Musik können beide Plattformen glänzen. Playlists, Streaming und Speicherung sind kein Problem. Die Tracks können entweder als Wave oder komprimiertes MP3 gestreamt werden, MP3s bieten sich vor allem beim Zugriff aus dem mobilen Internet an, denn hier ist Datenvolumen bekanntlich rar.

QNAP HS-251: Lokal ansehen lautet die Devise

Die "Spezialfunktion" von QNAPs HS-251 ist der HDMI-Ausgang mit XBMC-Interface. Einmal installiert begrüßt einen das bekannte XMBC-Interface. Installiert ist Version 12.3 mit dem Codenamen Frodo, ein Update auf die aktuellere Version 13 "Gotham" ist laut QNAP zeitnah in Planung. Die aktuelle Version läuft aber stabil und so ist ein Update erst einmal rein optional. Gesteuert wird entweder über die Qremote App (alternativ die XBMC-App) oder via lokal angeschlossener Tastatur und Maus. QNAP bietet zum HS-251 auch eine "RM-IR002" getaufte Infrafrot-Fernbedienung an, allerdings war diese zum Zeitpunkt des Tests noch nicht erhältlich. Der Ton wird ausschließlich über HDMI ausgegeben, eine Klinkenbuchse für Stereosound oder ein optischer/koaxialer Ausgang fehlt. Dafür können aber über HDMI nahezu beliebige Tonformate ausgegeben werden. Stereo, AC3, DTS und auch (sofern vom Empfänger unterstützt) DTS-HD und Dolby TrueHD können wiedergegeben werden.

Überhaupt ist XBMC hochgradig kompatibel was verschiedenste Formate und Container angeht. SD oder HD, MPEG2, MPEG4, h264 oder auch x264 - alles wird richtig abgespielt. Mehrere Tonspuren waren dabei genau so wenig ein Problem wie Untertitel, zwischen denen man auch während der Wiedergabe wählen kann. Das Interface sieht mit dem Standardskin gut aus, alle Funktionen sind schnell erreicht. Um Inhalte vom NAS abzuspielen greift man am schnellsten via Netzwerk darauf zu - denn in der lokalen Ordnerstruktur findet man leider nicht das interne RAID. Das ist aber nicht weiter schlimm, nur sollte man eben einen Benutzer für das NAS anlegen, der auf die jeweiligen Multimedia-Ordner zugriff hat. Über USB angesteckte Sticks und Festplatten findet man übrigens unter "mnt/usb/", wenn man auf die lokalen Inhalte des NAS zugreift. XBMC beherrscht auch Airplay, so kann zum Beispiel Musik ohne Probleme dorthin gestreamt werden.

Das NAS bietet auch einen Browser und eine YouTube-App, welche sich am besten mit Maus und Tastatur oder über Googles YouTube-Smartphone-App bedienen lässt. Um mal eben etwas nachzusehen reicht es auf jeden Fall aus, für intensives Surfen ist die Chrome-Instanz aber nur bedingt geeignet. Sollte mal etwas mit dem Netzwerk nicht stimmen kann man via Browser auch direkt auf das Webinterface des NAS zugreifen und eventuelle Netzwerkeinstellungen ändern.