Seite 3: Messungen und Fazit

Bevor wir zum Fazit kommen, noch ein paar Worte zu den Temperaturen und der Lautstärke. Der verbaute Core i7-1185G7 darf sich bis zu 28 W genehmigen. Im normalen Browser-, Office- und Capture-Betrieb bleibt der NUC 11 auch noch recht leise. Der kleine Lüfter kann sich sogar komplett abschalten und macht das System damit lautlos. Bei moderater Last, zum Beispiel beim Browsen auf Webseiten dreht er mit 1.000 Umdrehungen pro Minute. Sobald aber einzelne oder gar alle Kerne auch nur kurzzeitig etwas Last bekommen, dreht der Lüfter deutlich auf.

Unter Volllast kommt der Prozessor dann auf eine Temperatur von 100 °C und wird auch gedrosselt - entsprecht sinkt die Leistung etwas ab (Cinebench R23 von 5.368 Punkten ausgehend auf 5.218 Punkte). Der Lüfter dreht zugleich mit 3.500 Umdrehungen pro Minute und macht das System deutlich hörbar. Auf Dauer will man dies nicht neben sich auf dem Schreibtisch haben, ein NUC 11 Compute Element ist aber sicherlich auch nicht das System für ein dauerhaftes 3D-Rendering oder Videoschnitt. Dies dürfte schon alleine aus den Benchmarks ersichtlich sein.

Im Idle-Betrieb bietet das System also niedrige Temperaturen und Lautstärke, sobald aber etwas Last abgefragt wird, steigen beide Werte schnell an. Selbst bei diesem Gehäusevolumen hätten wir eine etwas bessere Kühlung erwartet. Womöglich liegt dies aber auch auch daran, dass die Kühlung an das Compute Element angedockt werden muss und nicht derart integriert werden kann, wie dies bei einem Notebook der Fall ist. Für einen größeren Kühler fehlt es letztendlich natürlich an Platz.

Im Idle-Betrieb verbraucht das System etwa 10 W. In Spielen werden zwar die integrierte Grafikeinheit ausgelastet, nicht aber die CPU-Kerne und hier kommen wir auf eine Gesamtleistungsaufnahme von etwa 40 W. Unter Volllast haben wir in Spitzen knapp über 50 W gemessen.

Fazit

Intels NUC-Systeme bedienen eigentlich nur einen Anwendungsbereich gut: Das Office. Im Falle der AV-Variante kann man nun auch die Funktion des Capturings mit einbeziehen. Aber im Grunde bleibt der NUC 11 ein Office-Produkt. Versuche, die Produktgruppe in andere Segmente auszudehnen, sind bisher weitestgehend gescheitert (siehe NUC 9 Extreme). Im Industrie- und Forschungsbereich gibt es sicherlich auch noch Bereiche, in denen die NUCs eine sinnvolle Alternative darstellen, als Endkunde aber wird man wohl ausschließlich für Office- oder vielleicht noch HTPC-Anwendungen dazu kommen sich über den Kauf eines NUCs Gedanken zu machen.

Den Office-Bereich deckt ein Core i7-1185G7 mit der integrierten Xe Iris Graphics auch ganz gut ab. Mehr als vier Kerne wird man hier nicht benötigen und wenn man den Prozessor nicht allzu sehr unter Last setzt, ist das System sogar komplett lautlos. Die 3D-Leistung reicht sicherlich für das ein oder andere Spiel, die integrierte Grafik kann ihre Vorteile aber vor allem durch das hardwarebeschleunigte Decoding verschiedener Codecs ausspielen, sodass selbst dann die CPU-Last niedrig bleibt.

Über die beiden M.2-Steckplätze kann der SSD-Speicher des Intel NUC 11 Compute Element AV den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Dies gilt nicht für den Arbeitsspeicher, denn der LPDDR4X ist fest auf dem Compute Element verlötet und ermöglicht keine Erweiterung.

Bei den Anschlüssen sind wir etwas verwundert darüber, dass Intel im Jahre 2021 in diesem NUC 11 kein USB 3.2 Gen 2x2 per Typ-C oder ein Thunderbolt 3/4 anbietet. Ausreichend Typ-A-Anschlüsse für das USB sind vorhanden, genau wie HDMI-Ausgänge. An der Front fehlen uns auch die Ein- und Ausgänge für das Audio. Einige Funktionen sind wohl der Integration der AVerMedia CO513EC Capture Card zum Opfer gefallen. Eigentlich ist diese auch das besondere Merkmal des von uns getesteten NUC 11 Compute Element. Diesen gibt es natürlich auch ohne die Capture Card und man muss auch wissen, dass die Aufzeichnung eines HDMI-Streams nur bis 1080p möglich ist. Capture- und Stream-Hardware ist in den meisten Fällen schon deutlich weiter. Aber womöglich gibt es auch Anwendungen, für die eine Aufzeichnung in 1080p völlig ausreichend ist und die Kombination aus 1-l-Gehäuse, dem Core i7-1185G7 und eben der Capture Card kann schon ein ausschlaggebendes Argument sein.

In unterschiedlichen Ausstattungsvarianten gibt es die NUC 11 inzwischen im Handel. Je nach Ausstattung und Modell geht es hier bei 299 Euro los, ganz schnell werden aber auch fast die 1.000 Euro erreicht. Den NUC 11 Compute Element und auch das AV-Modell hingegen können wir aktuell noch nicht finden und so ist auch eine Einschätzung des Preises schwierig. Ein NUC 11 Pro mit dem Core i7-1185G7 kostet ab 620 Euro, von einem gewissen Aufpreis für die Capture Card ausgehend dürfte der NUC 11 Compute Element AV ab 700 Euro kosten, vielleicht auch etwas mehr. Eine generelle Empfehlung können wir nicht aussprechen, dafür ist das AV-Modell zu speziell. Die anderen NUC-11-Modelle können für den Office-Einsatz aber eine echte Empfehlung sein – vor allem wenn man die Leistung und die Gehäusegröße ins Verhältnis setzt.

Positive Aspekte des Intel NUC 11 Compute Element AV:

  • dank Core i7-1185G7 und Xe Iris Graphics gute Leistung
  • schneller LPDDR4X-Speicher
  • zwei M.2-Steckplätze
  • integrierte Capture Card
  • semipassiver Betrieb
  • kompaktes Gehäuse
  • HDMI-Passthrough

Negative Aspekt des Intel NUC 11 Compute Element AV:

  • Capture Card ermöglicht nur 1080p
  • hohe Temperaturen und Lautstärke unter Last
  • kein Typ-C oder Thunderbolt