Seite 5: SteamOS in der Praxis

Bis SteamOS starten kann, müssen allerdings einige Hürden genommen werden. Ein paar Praxis-Eindrücke und Benchmark-Vergleiche liefern wir auf dieser Seite. Die Systemvoraussetzungen von SteamOS sind sehr genügsam. Wer die aktuelle Beta-Version ausprobieren möchte, der benötigt lediglich einen Rechner mit einem 64-Bit-fähigen Prozessor von AMD oder Intel. Bei der Grafikkarte können inzwischen alle gängigen Modelle von NVIDIA und AMD verwendet werden, die nicht älter als eine AMD/ATI Radeon 8500 sind. Systeme mit integrierter Intel-Grafik können ebenfalls verwendet werden.

Beim Arbeitsspeicher nennt Valve mindestens 4.096 MB RAM, bei der Festplatte sollten hingegen mindestens 500 GB freier Speicherplatz zur Verfügung stehen. Die Installation ist allerdings auch auf kleineren HDDs und SSDs möglich, wer jedoch Spiele aus Steam heraus installieren möchte, der benötigt natürlich noch einiges mehr an Speicher, da aktuelle Titel gerne einmal an der 50-GB-Marke kratzen. SteamOS selbst belegt knapp sechs Gigabyte Speicher auf der Festplatte. Je nach Installations-Routine wird ein UEFI-fähiges System vorausgesetzt.

Systemvoraussetzungen für SteamOS:

  • 64-Bit-Prozessor von AMD oder Intel
  • Mindestens 4.096 MB Arbeitsspeicher
  • Mindestens 500 MB Festplattenspeicher
  • Aktuelle AMD-, NVIDIA- oder Intel-GPU
  • UEFI-Support empfohlen (Bei Installation über USB-Stick)

Installation

Offiziell gibt es von Valve drei verschiedene Möglichkeiten, die aktuelle Beta-Version von SteamOS zu installieren. Ganz so einfach, wie auf der offiziellen Support-Seite beschrieben, ist die Installation allerdings nicht. Da der ASUS ROG GR8 nicht über ein optisches Laufwerk verfügt, entschieden wir uns zunächst für die Installation mithilfe eines USB-Sticks. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man entscheidet sich für die automatisierte Default-Installation und muss eine rund 2,5 GB große ZIP-Datei aus dem Netz laden, oder aber man wählt die benutzerdefinierte Installations-Routine, die nur knapp ein Gigabyte auf die Waage bringt. Für beide Varianten benötigt man ein UEFI-fähiges System.

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SteamOS ermöglicht auch den Wechsel in die normale Oberfläche von Debian.

Ist das entsprechende ZIP-File vollständig heruntergeladen, muss der USB-Stick, welcher mindestens über eine Kapazität von 4 GB verfügen sollte, im FAT-Dateisystem und mit der Volumen-Bezeichnung "SYSRESTORE" formatiert werden. Die Dateien aus dem ZIP-Container müssen dann nur noch direkt auf den USB-Stick entpackt werden. Wer wie wir auf Mac OS X setzt, bei dem das ZIP-File nach dem Download automatisch entpackt wird, muss aufpassen, denn ein einfaches Kopieren und Einfügen auf dem USB-Stick ist dann leider nicht möglich, da hier versteckte Dateien nicht mitkopiert werden. Die Installations-Routine startet dann leider nicht.

Ist der USB-Stick angefertigt, muss davon lediglich noch über UEFI gebootet werden. Auf unserem ASUS ROG GR8 aber schlug die Installation dann aber dennoch fehl, da die Installations-Routine nach einem funktionierenden Installations-Medium auf einem DVD-Laufwerk verlangte. An dieser Stelle brachen wir unser Vorhaben, SteamOS über einen USB-Stick zu installieren ab, und fertigten eine Installations-DVD an, von der wir dann über ein externes DVD-Laufwerk booteten. Diese dritte und leider nicht ausführlich beschriebene Installations-Möglichkeit, ermöglichte uns dann endlich eine reibungslose Installation von SteamOS.

Nach der erfolgreichen Installation bootet das System direkt in die Debian-Oberfläche und versucht zunächst ein Update aus dem Internet herunterzuladen und zu installieren. Dies ist leider notwendig, um die spätere Steam-Oberfläche starten zu können. Leider erkannte unsere SteamOS-Version das WLAN-Modul nicht - wir mussten den passenden Treiber nachträglich per Hand installieren. Alternativ lädt man das zwingend notwendige Update einfach über ein Ethernet-Kabel aus dem Internet. Ist das knapp 200 MB schwere Update installiert, startet SteamOS nach einem weiteren Neustart automatisch in den Big-Picture-Modus. Hier muss man abschließend nur noch die Zugangsdaten für seinen Steam-Account eingeben und das System kann dann im vollen Umfang benutzt werden.

Eine leichtere Installations-Routine soll bis zu finalen Veröffentlichung von SteamOS nachgeliefert werden. Wer SteamOS in einer virtuellen Umgebung ausprobieren möchte, für den halten wir unter diesem Link eine ausführliche Anleitung bereit. 

Das Interface

Wie auf der vorangegangenen Seite bereits beschrieben, handelt es sich bei SteamOS um nichts anderes als um den Big-Picture-Modus des Steam-Clienten. Spiele lassen sich direkt über den Shop-Reiter installieren bzw. über die Schaltfläche "Bibliothek" herunterladen und installieren. Welche Spiele auf der SteamOS-Plattform installiert werden können, wird ebenfalls deutlich gekennzeichnet. Alle nötigen Einstellungen lassen sich ebenfalls treffen. Wer in die Debian-Oberfläche wechseln und andere Programme benutzen möchte, wie beispielsweise ein Office-Paket, der muss dies in den Einstellungen zunächst mit einem Häkchen aktivieren. Anschließend kann über das Beenden-Logo die alternative Oberfläche gestartet werden. Weitere Eindrücke liefern wir auf der vorangegangen Seite.

Benchmark-Vergleiche

Benchmark-Vergleiche zwischen dem Linux-basierten SteamOS und Windows sind nicht ganz einfach - und das nicht nur aufgrund der eingeschränkten Auswahl an Spielen. Zwar gibt es auch für SteamOS Metro 2033: Last Light, jedoch fehlt in der SteamOS-Version der integrierte Benchmark der Windows-Variante. Sequenzen abzuspielen, sind aufgrund einer mangelnden Fraps-Alternative nicht möglich. Einen integrierten Benchmark gibt es zumindest beim inzwischen doch schon in die Jahre gekommenen Half Life 2: Lost Coast. Auch verschiedene Unigine-Benchmarks sind sowohl für Windows wie auch für Linux erhältlich. Eine kleine Auswahl an Benchmarks können der unten stehenden Tabelle entnommen werden:

 

Benchmark SteamOS Windows 8.1
Half Life 2: Lost Coast 149,5 FPS 204,7 FPS
Unigine Heaven 4.0 17,2 FPS 19,6 / 18,2 FPS (DX/OpenGL)
Unigine Valley 1.0 16,5 FPS 18,5 / 23,2 FPS (DX/OpenGL)

 

All unsere Benchmarks zeigen unter SteamOS eine langsamere Performance. Vor allem in Half Life 2: Lost Coast, wo die Linux-Version fast 25 Prozent geringere Bildraten aufweist. Große Unterschiede zwischen Windows 8.1 und SteamOS gibt es bei den Unigine-Benchmarks hingegen nicht, zumindest dann, wenn der gleiche Render-Pfad benutzt wird, denn unter DirectX arbeitet das System noch einmal leicht schneller.

Zukunfts-Chancen von SteamOS?

Aller Anfang ist schwer und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Valve mit SteamOS schwer tut. Aufgrund der unterschiedlichen Plattformen und Render-Pfade gibt es derzeit nur sehr wenige Titel, die unter SteamOS verfügbar sind. Aktuell listet die Plattform gerade einmal etwas mehr als 1.700 Titel für SteamOS bzw. Linux. Dies entspricht gerade einmal der Hälfte der Titel, die für Mac OS X erhältlich sind. Zwar sind 1.700 Titel nicht gerade wenig, jedoch umfasst das Angebot nur sehr wenige Triple-A-Titel - der größte Teil sind Indie-Titel. Auch in Zukunft dürfte sich hier nicht viel ändern, da die meisten Entwickler wohl weiterhin für Plattformen mit einer großen Reichweite entwickeln werden und das ist unter PC-Spielern nun mal Windows und DirectX. Hinzu kommt, dass mit DirectX 12 noch mehr Leistung für die Hardware bereitgestellt werden soll und Microsoft mit Windows 10 ein Betriebssystem auf den Markt bringen wird, das ohnehin auf zahlreichen unterschiedlichen Endgeräten laufen soll. Der Desktop-PC, das Notebook, das Smartphone und das Tablet werden enger zusammenwachsen. 

Wer Wert auf eine hohe Performance und ein reichhaltiges Spiele-Angebot legt, der wird vermutlich weiterhin auf ein Windows-System setzen. Doch SteamOS macht es nicht nur möglich, Spiele nativ auf dem Rechner darzustellen, sondern auch über das Netzwerk zu streamen. Wer ohnehin einen flotten Gaming-Rechner im Arbeitszimmer stehen hat, kann seine Spiele bequem über In-Home-Streaming auf das System im Wohnzimmer streamen. Hier genügt ein preisgünstiges System ohne potente Hardware. Hier aber spielt SteamOS seine Stärken aus, nicht nur, dass das System im Vergleich zu Windows kostenlos angeboten wird, sondern auch noch ein schlankes System ohne hohe Hardware-Voraussetzungen darstellt. Hier lässt sich mit SteamOS ein bisschen Geld sparen.

Doch auch der Zeitpunkt ist für SteamOS denkbar ungünstig gewählt. Womöglich hätten wir SteamOS eine bessere Zukunfts-Prognose ausgesprochen, wenn die Systeme zu einem früheren Zeitpunkt auf den Markt gekommen wären, denn die neue Konsolen-Generation ist nun schon seit ein paar Monaten auf dem Markt und die meisten Spieler dürften bereits auf die neue Generation umgestiegen sein. Hinzu kommen die hohen Kosten für eine mögliche Steam-Machine im Vergleich zu einer Konsole, die schon ab etwa 400 Euro zu haben ist. Für das ASUS ROG GR8 bezahlt man mehr als das Doppelte.