Werbung
Beschädigte 12V-2x6-Stecker, angekokelte Buchsen an Grafikkarten und defekte Netzteile sorgen weiterhin für Ärger – die Problematik ist konzeptionell bedingt und in der aktuellen Form nicht vollständig lösbar. Es hat sich inzwischen ein breiter Markt rund um eigene Lösungen zu dieser Problematik gebildet, die zumindest eine Überwachung der Problemstelle ermöglicht. In einem Praxistest haben wir uns das Thermal Grizzly WireView Pro II sowie das Aqua Computer Ampinel einmal angeschaut.
Über eine einfache Überwachung des Stromverbrauchs, über eine Steckererkennung, Temperatursensoren und einen akustischen Alarm hat sich das WireView nun zur Pro in der zweiten Generation weiterentwickelt. Diese erweitert die Ausstattung um Per-Pin-Strommessung, ein TFT-IPS-Display sowie eine verlängerte Garantie für die eingesetzte Grafikkarte.
Kontinuierliche Probleme
Die Fälle von Überhitzung und Schmelzen am 12V-2x6-Anschluss – Nachfolger des problematischen 12VHPWR – häufen sich trotz Verbesserungen, besonders bei High-End-GPUs wie RTX 4090 oder 5090. Auslöser sind oft eine ungleichmäßige Lastverteilung oder unvollständige Kontakte, was konstruktiv schwer zu eliminieren ist.. Hersteller reagieren mit Zubehör, doch eine fundamentale Lösung fehlt derzeit.
Bereits mit dem Launch der GeForce RTX 4090 und der Anhebung des Power-Limits auf 450 W tauchten erste Berichte über Defekte auf, damals noch mit dem 12VHPWR-Anschluss. Bei der GeForce RTX 5090 wurde das Limit auf bis zu 600 W hochgesetzt, was die Belastungsgrenze des 12V-2x6-Steckers voll ausreizt.
Auch in der Redaktion haben wir starke Schieflasten auf den einzelnen Adern der 12-V-Versorgung protokolliert, zum Glück ohne echte Hardware-Schäden. Ein Netzteil samt Zubehörkabel musste jedoch an den Hersteller zurückgehen, nachdem Temperaturen jenseits von 100 °C an der Anschlussstelle zum Netzteil aufgezeichnet wurden.
Offensichtlich ist der 12V-2x6-Anschluss ein grundsätzliches Problem – unabhängig von der restlichen Hardware oder dem korrekten Einbau durch den Nutzer. Besonders häufig betroffen sind GeForce RTX 5090 und RTX 4090 aufgrund ihrer enormen Leistungsaufnahme, Meldungen gibt es aber auch zu RTX 5080, RTX 5070 Ti, RTX 4080 sowie Radeon RX 9070 XT mit diesem Stecker.
Generell gilt: Eine höhere Leistungsaufnahme steigert das Versagenrisiko des Steckers deutlich. Selbst bei kleineren Kartenvarianten besteht eine latente Gefahr, die nicht ausgeschlossen werden kann.
Das Problem wurzelt in fragwürdigen Spezifikationen des Steckers, knappen Sicherheitsreserven und einem Platinenlayout, das diese Bedingungen nicht ausreichend puffert. Unter unglücklichen Umständen kippt dadurch die Stromverteilung, einzelne Adern werden über die 9,5-A-Grenze hinaus belastet – vereinfacht gesagt, da hier nicht jede Detailkette seziert werden soll, sondern die Praxisfolgen im Fokus stehen. Die Wärmeentwicklung konzentriert sich dann an kritischen Stellen, was im Worst-Case zu Defekten führt.
Besonders perfide: Solche Schäden offenbaren sich selten sofort, sondern bauen sich über Tage oder Wochen durch Hitze, Materialermüdung und Kontaktprobleme auf – selbst bei fachgerechter Handhabung. Warnsignale fehlen meist, bis der Schaden irreparabel ist.
Die Unterschieden zwischen dem Ampinel und dem WireView Pro II
Die wichtigste Funktion beider Adapter ist die Überwachung des Stroms über die 12-V-Leitungen des 12V-2x6-Anschluss. Der 12V‑2x6‑Stecker ist laut PCI‑SIG/ATX‑3.1‑Spezifikation für bis zu 55-A-Dauerstrom bei maximal 600 W über den Stecker ausgelegt. Jeder der 12 Leistungs‑Pins muss dabei mindestens 9,2 A tragen können. Die Leistungsstufen werden – wie beim 12VHPWR – über die Sense‑Pins codiert und liegen bei 150 W, 300 W, 450 W und 600 W.
In der Überwachung und den Alarmstufen sind sich beide Adapter sehr ähnlich, aber bei allem darüber hinaus gibt es größere Unterschiede.
| Aqua Computer Ampinel | Thermal Grizzly WireView Pro II | |
| Hauptanwendung | Aktives Powermanagement und Lastbalancierung des 12V‑2×6‑Anschlusses | Monitoring‑ und Diagnosegerät mit Logging und Schutzabschaltung |
| Überwachte Größen | Strom, Spannung, Leistung je Leitung, Temperaturen an beiden Steckern und im Gerät | Strom und Spannung je Pin, Gesamtleistung, Temperaturen am Stecker und an zwei externen Sensoren |
| Maximal mögliche Leistungsaufnahme | 9,2 A je Leitung, 650 W | theoretisch 1.550 W |
| Schutzmechanismen | Mehrstufiges Alarm‑ und Eskalationssystem, inkl. automatischer Lastreduktion, Sense‑Manipulation und Abschaltung der GPU‑Versorgung | Einstellbare Grenzwerte mit optischem/akustischem Alarm und optionaler PC‑Abschaltung über Mainboard‑Power‑Header |
| Sense-Leitungen | Kann Sense‑Leitungen beeinflussen (z. B. auf 450/600 W begrenzen) | Keine Manipulation der Sense‑Leitungen, aber Erkennung |
| Logging-Funktionen | Telemetrie über aquasuite mit flexiblem Intervall und Export | Langzeit‑Logging im Gerät |
| Alarm-Funktionen | Von Anzeige/Signal über Software‑Aktionen (Programme beenden, Hotkeys) bis hin zu geregeltem Shutdown und harter 12‑V‑Abschaltung | Warnung am Gerät plus optional automatischer System‑Shutdown |
| Schnittstellen | Interner USB‑Header, Power‑Taster‑Ausgang, Tacho/Alarm‑Ausgang, Anschluss für externen Temperatursensor (NTC) | USB‑C, 2× 2‑Pin‑NTC‑Eingang, 2‑Pin‑Power‑Button‑Header |
| Anzeige | 0,96” monochromes OLED (128 × 64 Pixel), mehrere frei konfigurierbare Seiten | TFT‑IPS‑Farbdisplay (320 × 170 Pixel), mehrere frei konfigurierbare Seiten |
| RGB-Beleuchtung | Integrierte adressierbare RGB‑LEDs als Leistungs‑/Statusanzeige | - |
| Abmessungen | 73,4 x 71,4 x 26,6 mm | 62,5 x 65 x 39,5 mm |
| Lieferumfang | ein internes USB-Anschlusskabel (100 cm) | USB-C zu USB 2.0 internes Anschlusskabel (30 cm) Y-Splitter für Power-Funktion am Mainboard Temperatursensor (5 cm) Temperatursensor (20 cm) |
| Preis | 99,90 Euro | 119,90 Euro |
Sowohl das Ampinel als auch das WireView Pro II sind in zwei Varianten erhältlich, die je nach Ausrichtung des 12V-2x6-Anschluss um 180 ° gedreht ausgeführt sind. Die Founders-Edition-Karten der GeForce RTX 5080 und GeForce RTX 5090 von NVIDIA sind zu beiden Adaptern inkompatibel, was mit dem um 90 ° gedrehten 12V-2x6-Anschluss zusammenhängt.
Aqua Computer Ampinel
Der Ampinel von Aqua Computer ist eine in einem Aluminiumgehäuse verbaute Überwachungs- und Balancingelektronik. Das massive Gehäuse ist notwendig, da im Adapter auch einige Abwärme entstehen kann, was auch im normalen Betrieb einer Karte mit 12V-2x6-Anschluss der Fall ist. Die 12V-2x6-Buchse für den Anschluss des Systems und der 12V-2x6-Stecker für die Grafikkarte sitzen auf der Unterseite nach unten gerichtet.
Darüber hinaus befinden sich hier auch noch einige Schnittstellen, an denen ein USB-Kabel zur Übertragung der Daten an die Software und externe Temperatursensoren angeschlossen werden können. Die Funktionsweise des Ampinel ist auch ohne den Betrieb der Software gegeben.
Das recht kleine OLED-Display bietet eine Auflösung von 128 × 64 Pixel und stellt auf mehreren Seiten die Sensorinformationen dar. Über einen Taster an der Seite des Adapters kann schnell durch die Ansichten gescrollt werden. Neben dem Display sitzt eine RGB-Leuchtleiste, die als Leistungs‑ und Statusanzeige genutzt wird.
Im Hinblick auf die Installation soll das Ampinel nach oben gerichtet in die Grafikkarte gesteckt werden. Theoretisch ist es auch möglich, die Grafikkarte auf der Stirnseite zu überspannen, allerdings ist dann die Arretierung des 12V-2x6-Anschluss bei der Grafikkarte nur noch schwer zu erreichen. Mit einer Ausrichtung des Ampinel nach oben (bei horizontal verbauter Grafikkarte) kann es allerdings zu Inkompatibilitäten mit dem Prozessor-Kühler kommen.
Das kleine Display liefert die wichtigsten Informationen, über die aquasuite-Software lassen sich noch weitaus mehr Daten abrufen. In der Software werden alle wichtigen Sensorinformationen zusammengetragen und übersichtlich angezeigt. Neben der Tatsache, wie groß die Ströme über die einzelnen Pins sind, wird auch angezeigt, inwieweit der Balancing-Mechanismus eingreift.
Neben den Anzeigen gibt es auch eine ausführliche Logging-Funktionalität, welche die Verläufe der verschiedenen Sensordaten aufzeigen und aufzeichnen lässt. Zudem lassen sich über die aquasuite die Displayeinstellungen steuern. So rotieren die verschiedenen Anzeigen standardmäßig durch, diese Reihenfolge lässt sich aber ändern, einzelne Seiten anpassen, die Helligkeit einstellen, das Display drehen und vieles mehr.
In zwei Dingen unterscheidet sich das Ampinel vom WireView Pro II maßgeblich. Einerseits ist die Alarm‑Eskalation weitaus vielschichtiger. Neben einem optischen und akustischen Alarm können insgesamt sieben Alarmstufen festgelegt werden. Optische Alarme können in verschiedenen Stufen eskaliert werden – von der RGB-Beleuchtung, über Pop-up-Meldungen in Windows, bis zur Abschaltung der Anwendungen mit hoher GPU-Last und dem kompletten Herunterfahren des Systems. Auch lässt sich nur die Spannungsversorgung der Grafikkarte abschalten, was zwangsläufig dazu führt, dass sich das System abschaltet.
Das Ampinel kann aber noch mehr und beispielsweise auch die Sense‑Leitungen beeinflussen, sodass die Grafikkarte von 600 auf 450 W eingebremst werden kann.
Die wohl wichtigste Funktion aber ist das Balancing der 12-V-Leitungen des 12V-2x6. Das Balancing kann das Ampinel nach unten hin ab einem Strom von 5,5 A ausführen. Theoretisch gibt es nach oben hin keinerlei Begrenzung. Überlasten von mehr als 9,5 A bzw. eine Überschreitung der Differenzen quittiert auch das Ampinel in der Überwachung mit einer Warnmeldung und bei einer extremen Überschreitung mit einer Abschaltung.
Extremfälle kann das Ampinel damit auch nicht ausgleichen. Obiges Beispiel zeigt den Betrieb einer GeForce RTX 4090 mit 450 und 600 W an einem Kabel, das uns in der Vergangenheit bereits durch eine Schieflast aufgefallen ist.
Konkurrent Thermal Grizzly hat sich gegen ein aktives Load-Balancing im Strompfad entschieden. Ein Beispiel: Eine GeForce RTX 5090 zieht unter Gaming-Last rund 550 W. Bei 12 V entspricht das einem Stromfluss von etwa 46 A, verteilt auf sechs Leitungen mit idealerweise rund 7,6 A pro Leitung.
In der Realität können geringfügige Unterschiede im Übergangswiderstand der Kontakte zu einer ungleichen Stromverteilung führen. Hat etwa eine der sechs 12-V-Leitungen einen deutlich höheren Kontaktwiderstand, ergibt sich schnell ein Szenario, in dem fünf Pins mit 8,8 A belastet werden, während der sechste nur rund 1,8 A trägt (Pin 1: 8,8 A, Pin 2: 8,8 A, Pin 3: 8,8 A, Pin 4: 8,8 A, Pin 5: 8,8 A, Pin 6: 1,8 A). Ohne aktives Balancing bleibt der belastete Kontakt dadurch entlastet – problematisch wird es erst, wenn versucht wird, den Strom per Regelung zwangsweise anzugleichen.
Genau hier liegt der Knackpunkt: Bei einem intakten Kontakt mit rund 1,5 Milliohm Widerstand erzeugen 8,8 A lediglich etwa 0,1 W Verlustwärme – was völlig unkritisch ist. Steigt der Übergangswiderstand jedoch auf 10 mOhm, würden bei einer erzwungenen Stromaufnahme von 7,6 A plötzlich rund 0,6 W lokal in Wärme umgesetzt – der Kontaktpin an dieser Stelle noch mehr belastet, als es durch den schlechten Übergangswiderstand nicht ohnehin schon der Fall ist. Diese Verlustleistung konzentriert sich auf einen ohnehin geschwächten Kontakt, was die thermische Belastung und das Risiko eines Schadens deutlich erhöht.
Zudem müssen die MOSFETs eines aktiven Balancing-Systems ihren Eigenwiderstand auf den übrigen Leitungen anheben, um den Stromfluss gleichmäßig zu verteilen. Auch das erzeugt zusätzliche Verlustwärme und führt zu einem insgesamt heißeren Adapterdesign. Ohne permanente Temperaturüberwachung oder Langzeittests im großen Maßstab bleibt unklar, ob ein solches System langfristig wirklich Vorteile bietet oder potenziell neue Risiken mit sich bringt.
Ob und wie sinnvoll das Balancing des 12V-2x6-Anschluss mit den genannten Einschränkungen ist, können wir letztlich nicht sagen. Hier streiten sich die Geister und alles, was über die Spezifikationen hinausgeht, sollte ohnehin verhindert werden.
Thermal Grizzly WireView Pro II
Das WireView Pro II richtet sich an Nutzer leistungsstarker Grafikkarten mit 12V-2x6-Anschluss und stellt die Weiterentwicklung des bisherigen WireView Pro dar. Es erfasst nicht nur die gesamte Stromstärke, sondern misst diese auch getrennt pro Ader des Steckers – anders als die eigenen Vorgänger dies teilweise getan haben. Dadurch lassen sich potenzielle Kontaktprobleme zwischen Kabel und Grafikkarte frühzeitig erkennen.
Die Aufschlüsselung der Messwerte ermöglicht eine gezielte Überwachung der Lastverteilung, um Unregelmäßigkeiten zu identifizieren und im Idealfall Schäden am Anschluss oder an der Grafikkarte zu vermeiden.
Das Gerät wird in zwei Anschlussausrichtungen angeboten und ist damit mit nahezu allen Grafikkarten mit 12V-2x6-Stecker kompatibel. In der Variante mit nach unten geführtem Anschluss sorgt das WireView Pro II zugleich für eine aufgeräumte Kabelführung und fungiert als Adapter. Anders als beim Ampinel liegt der Winkel zwischen Ein- und Ausgang allerdings bei nur 90° – der Eingang führt also seitlich in den Adapter und das Kabel wird dementsprechend seitlich herangeführt. Das integrierte TFT-IPS-Display bietet mehrere Ansichten, die sich per seitlichem Taster umschalten lassen.
Das Gehäuse des WireView Pro II ist komplett geschlossen. Auch auf der Rückseite kann der Nutzer nicht versehentlich einen Kurzschluss erzeugen. Beim Ampinel hingegen besteht durchaus die Möglichkeit, versehentlich einen Kurzschluss zu erzeugen.
Thermal Grizzly überwacht alle relevanten Parameter wie Strom, Spannung, Temperatur und Leistungsaufnahme fortlaufend. Überschreiten die Werte die definierten Grenzbereiche, wird der Nutzer über eine optische Anzeige und einen akustischen Alarm gewarnt. Optional kann über ein mitgeliefertes Splitterkabel auch eine automatische Abschaltung erfolgen. Die Grenzwerte lassen sich im Menü individuell anpassen.
Zur Reduzierung von Verlustwärme durch Übergangswiderstände verfügt das WireView Pro II über einen semi-passiven Lüfter, der im Leerlauf stillsteht und sich temperatur- oder lastabhängig zuschaltet. Das CNC-gefräste Aluminiumgehäuse dient als Kühlkörper und besitzt gezielte Öffnungen zur Luftführung, während zusätzliche Ventilationskanäle in der rückseitigen Platine den Luftstrom entlang der kritischen Komponenten unterstützen.
Die von Thermal Grizzly inzwischen angebotene Software zeigt alle Messwerte an, die auch über das Display abzurufen sind. Auch hier gibt es verschiedene Varianten der Anzeigen bzw. der Nutzer kann auswählen, welche Sensordaten er beispielsweise in ein Live-Diagramm überführen möchte. Diese Auswahl steht auch in der Logging-Funktionalität zur Verfügung.
Kommt es zu einer Überlast, gibt die Software eine Warnung aus und zeigt auch an, welcher Schutzmechanismus gegriffen hat und wo genau sich das Problem befindet. Auch hier gibt es verschiedene Warnstufen, wie eine einfache Display-Anzeige, einen Warnton, die Abschaltung der Last oder des gesamten Systems.
Im Hinblick auf Softwarefunktionen und Optik kann die Software zum WireView aber bei weitem nicht mit der aquasuite mithalten. Ob und in welcher Form Thermal Grizzly hier weitere Verbesserungen vornehmen wird, bleibt abzuwarten.
Erweiterte Garantie
Zur Erhöhung der Betriebssicherheit bietet Thermal Grizzly für das WireView Pro II eine erweiterte Garantie, die über die gesetzliche Gewährleistung und die reguläre Herstellergarantie hinausgeht. Sollte es trotz der integrierten Schutzmechanismen zu Beschädigungen am 12VHPWR- oder 12V-2x6-Stecker einer Grafikkarte kommen, übernimmt der Hersteller die Reparatur oder stellt bei Bedarf ein gleichwertiges Ersatzgerät bereit. Der Garantieschutz greift auch nach Ablauf der ursprünglichen Grafikkarten-Garantie, sofern das WireView Pro II bestimmungsgemäß innerhalb der vom GPU-Hersteller vorgesehenen Betriebsparameter verwendet wurde. Die Laufzeit der erweiterten Garantie beträgt zwei Jahre ab Kaufdatum.
Mit diesem Zusatzangebot möchte Thermal Grizzly Anwendern ein höheres Maß an Transparenz und Sicherheit bieten. Im Falle eines Defekts soll eine schnelle und unkomplizierte Abwicklung gewährleistet sein, um die volle Leistungsfähigkeit bei gleichzeitig reduziertem Risiko zu erhalten. Alle Details zur erweiterten Garantie stellt der Hersteller in einem begleitenden PDF-Dokument bereit.
Messungen und Problemstellungen
Die grundsätzliche Funktionsweise beider Adapter konnten wir in der Praxis nachstellen. Mit einem guten Adapter meldeten beide einen problemfreien Betrieb – ohne jegliche Einschränkungen. Wir haben allerdings auch einen anfälligen Adapter verwendet, um unter anderem die Warnmeldungen zu prüfen, die allesamt funktionierten. Auch die Abschaltung des Systems konnte damit provoziert werden.
Da es in einem solchen Adapter immer zu einer Verlustleistung kommt, haben wir für die verschiedenen Szenarien einmal die Temperaturen aufgenommen. Dazu haben wir jedes Setting dreimal gemessen, da der Kontakt zwischen Stecker und Buchse von entscheidender Rolle ist und es hier teilweise große Unterschiede gibt, wenn man Stecker erneut einsteckt.
| Aqua Computer Ampinel | Thermal Grizzly WireView Pro II | |
| Eingang (450 W) | 46 °C | 51 °C |
| Ausgang (450 W) | 54 °C | 47 °C |
| Adapter (450 W) | 54 °C | - |
| Eingang (600 W) | 53 °C | 60 °C |
| Ausgang (600 W) | 64 °C | 55 °C |
| Adapter (600 W) | 64 °C | - |
| Aqua Computer Ampinel | Thermal Grizzly WireView Pro II | |
| Eingang (450 W) | 49 °C | 53 °C |
| Ausgang (450 W) | 60 °C | 51 °C |
| Adapter (450 W) | 60 °C | - |
| Eingang (600 W) | 59 °C | 62 °C |
| Ausgang (600 W) | 73 °C | 61 °C |
| Adapter (600 W) | 73 °C | - |
*Das Ampinel ermöglicht ein Auslesen der Temperatur des Adapters selbst, was beim WireView Pro II nicht angeboten wird
Mit einer höheren Leistungsaufnahme der Grafikkarte nimmt natürlich auch die Verlustleistung am Adapter zu. Beim Thermal Grizzly WireView Pro II springt der Lüfter ab 51 °C an, was schon bei 450 W nach einiger Zeit der Fall ist. Im Betrieb mit einem Adapterkabel mit schlechten Übergangswiderständen kommen wir auf knapp über 60 °C.
Beim Ampinel scheint sich tatsächlich durch das Balancing eine höhere Verlustleistung am Adapter einzustellen. Laut der eigenen Messung durch das Ampinel selbst liegt die Verlustleistung einmal bei 0,8 und einmal bei 1,8 W mit einem Adapter, der gute Übergangswiderstände vorzuweisen hat.
| Verlustleistung am Adapter | |
| 450 W (innerhalb der Spezifikationen) | 0,8 W |
| 600 W (innerhalb der Spezifikationen) | 1,8 W |
| 450 W (außerhalb der Spezifikationen) | 3,0 W |
| 600 W (außerhalb der Spezifikationen) | 5,5 W |
Mit dem fehlerbehafteten Adapterkabel sprechen wir von 3 bzw. 5,5 W. Diese Abwärme zeigt sich auch in den höheren Temperaturen des Adapters, der zudem auch noch seine Abwärme passiv abführen muss.
| ohne Balancing | mit Balancing | |
| Verlustleistung | 1,6 W | 2,0 W |
| Eingang | 54 °C | 55 °C |
| Ausgang | 65 °C | 66 °C |
| Adapter | 65 °C | 66 °C |
Innerhalb der Spezifikationen bei 600 W betrieben, kommt das Ampinel mit aktivem Balancing auf tendenziell leicht höhere Temperaturen, allerdings musste der Mechanismus nur 8,1 zu 9,1 A im Maximum ausgleichen. Bei einem stärkeren Balancing können sich die Werte aber noch einmal unterscheiden.
Wie sich das Balancing in diesen Szenarien verhält, zeigen die obigen Screenshots. Auch ein Video dazu haben wir erstellt:
Datenschutzhinweis für Youtube
An dieser Stelle möchten wir Ihnen ein Youtube-Video zeigen. Ihre Daten zu schützen, liegt uns aber am Herzen: Youtube setzt durch das Einbinden und Abspielen Cookies auf ihrem Rechner, mit welchen Sie eventuell getracked werden können. Wenn Sie dies zulassen möchten, klicken Sie einfach auf den Play-Button. Das Video wird anschließend geladen und danach abgespielt.
Ihr Hardwareluxx-Team
Youtube Videos ab jetzt direkt anzeigen
Fazit
Die große Überschrift sowohl für das Ampinel von Aqua Computer als auch für das WireView Pro II von Thermal Grizzly könnte lauten: 12V-2x6 im Griff. Wir reden hier aber von einem Pflaster auf einer Wunde, die nicht hätte sein müssen. Die falsche Richtung wurde schon eingeschlagen, als die PCI-SIG die Spezifikationen des 12VHPWR/12V-2x6 festlegte. Bis zu 600 W sind in der gewählten Bauform nicht sinnvoll, die Sicherheitsmargen sind zu niedrig. Der zweite Fehler wurde seitens NVIDIA gemacht, als man diese Abwärtsspirale schon in der GeForce-RTX-40-Serie nicht erkannte und die Situation mit der GeForce-RTX-50-Serie und der Anhebung des Power-Limits auf 600 W sogar noch verschärfte. Für die GeForce-RTX-50-Serie meldeten einige Boardpartner wohl Bedenken an und wollten gerne zwei 12V-2x6-Anschlüsse umsetzen, was NVIDIA aber nicht erlaubte.
Für die ROG-Astral-Modelle (Test) zog zumindest ASUS in Form der Überwachung der einzelnen Pins am Anschluss ein Sicherheitsnetz ein. Safeguard+ (wie bei der GeForce RTX 5090 Lightning Z) von MSI soll dies ebenfalls leisten können.
Aber wir können nun lange über Zuständigkeiten, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutieren. Viele Nutzer verwenden einfach nur den beiliegenden Adapter oder das native 12V-2x6-Kabel und werden niemals in Probleme jeglicher Art geraten. Anderen wiederum ist die Situation nicht geheuer und so wollen sie zumindest etwas mehr Sicherheit beim Betrieb ihrer Hardware. Genau hier setzen das Ampinel von Aqua Computer und das WireView Pro II von Thermal Grizzly an.
In der reinen Überwachungsfunktion sind sich beide Adapter sehr ähnlich. Das Ampinel deckt mit einer maximalen Leistungsaufnahme von 650 W auch 99 % der Anwendungsfälle ab. Die wenigsten Nutzer betreiben ihre Karten mit einem Shunt-Mod oder XOC-BIOS. Mit einem Winkel von 90 ° zwischen Ein- und Ausgang ist das WireView Pro II etwas flexibler im Praxiseinsatz, beim Ampinel kann es alleine schon durch den CPU-Kühler zu einer mangelnden Kompatibilität kommen.
Das Balancing des Ampinel tut im durch die Spezifikationen eingeschränkten Bereich das, was es soll. Welche Vor- oder Nachteile sich nun daraus ergeben, steht auf einem anderen Blatt. Aber dieses Kapitel haben wir ausführlich besprochen – auch wenn wir nicht zu einem finalen Ergebnis gekommen sind. Einzig langfristige und in ihrer Anzahl vielfältige Tests könnten belegen, dass es durch das Balancing zu weniger Schäden an Stecker oder Buchse kommt.
- nach hinten gerichtete Ein/Ausgänge
- Überwachung von Strom, Spannung, Leistung je Leitung, Temperaturen
- gute Software
- gute Logging-Funktionen der Software
- Mehrstufiges Alarm‑ und Eskalationssystem
- jeweiliges Modell nicht zu allen Karten kompatibel
Bei den Schutzmechanismen unterscheiden sich das WireView Pro II und Ampinel dann deutlicher. Erstgenannter Adapter gibt ebenfalls optische und akustische Warnungen aus, kann Anwendungen schließen oder das komplette System herunterfahren. Das Ampinel kann aber zudem noch die Erkennung der Sense-Pins beeinflussen und damit die Kabelverbindung auf 450 W begrenzen. Eine Temperaturüberwachung des Ein- und Ausgangs bieten beide. Das Ampinel wird im Betrieb tendenziell etwas wärmer. Das Balancing erhöht die Verlustleistung und erwärmt den Adapter somit zusätzlich.
Themal Grizzly setzt auf einen kleinen Lüfter, der ab 51 °C Stecker-Temperatur zugeschaltet wird. Auf einem der beiden Adapter kam uns dieser aber lauter vor, als wir das erwartet hätten. Laut Thermal Grizzly tauscht man diese Adapter dann auf Nachfrage aus – so auch in unserem Fall. Der zweite Adapter war in dieser Hinsicht unauffällig. In der Fertigung der Adapter soll ein Hörtest des Lüfters solche Probleme in Zukunft ausschließen.
Ansonsten haben wir in der Verarbeitung des WireView Pro II nichts zu bemängeln. Die Handhabung und das Handbuch sind eingängig und schnell verständlich. Das Display auf dem Adapter ist gut ablesbar. Die Software von Thermal Grizzly bietet den wichtigsten Funktionsumfang, ohne hier besonders positiv hervorzustechen. In der Software hat Thermal Grizzly sicherlich noch viel Potenzial.
Aqua Computer hingegen bietet mit der aquasuite ein mächtiges Werkzeug im Zusammenspiel mit der Hardware. Die Sensorinformationen sind extrem umfangreich, die grafische Aufbereitung übersichtlich und mit sinnvollen Animationen versehen. Die Alarmfunktionen sind vielschichtig und erlauben gleich sieben Eskalationsstufen. Viel besser kann man dies wohl kaum machen. Das kleine Display ist aber weniger gut ablesbar als beim WireView Pro II.
- Überwachung von Strom, Spannung, Leistung je Leitung, Temperaturen
- rudimentäres Alarm‑ und Eskalationssystem
- gute Logging-Funktionen der Hard- und Software
- aktive Kühlung des Adapters
- gutes Display
- Software hat noch Verbesserungspotenzial
- jeweiliges Modell nicht zu allen Karten kompatibel
Am Ende dürfte auch die Optik des Adapters selbst einen gewissen Anteil in der Kaufentscheidung haben. Das WireView Pro II hat sicherlich noch die erweiterte Garantie auf der Habenseite.
Preislich liegen beide Adapter nicht weit auseinander. Das Aqua Computer Ampinel kostet 99,90 Euro, während Thermal Grizzly 119,90 Euro für das WireView Pro II verlangt. Der preisliche Unterschied relativiert sich aber in gewisser Weise auch wieder, da beim Ampinel nur das interne USB-Anschlusskabel beiliegt. Um die Abschaltung per Power-Funktion am Mainboard nutzen zu können, muss noch das entsprechende Kabel für 3,90 Euro erstanden werden. Ein Temperatursenor kostet bei Aqua Computer 4,99 Euro. Mit dem Kauf eines bestimmten Modells (Typ A oder Typ B beim Ampinel und Normal und Reverse beim WireView Pro II) legt man sich auf eine bestimmte Ausrichtung des 12V-2x6-Anschlusses fest. Wechselt diese mit der nächsten Grafikkarte, muss auch der Adapter neu gekauft werden.