Seite 3: Finale Einschätzung und Fazit

Sich Workstation-Grafikkarten anzuschauen ist nicht ganz so einfach, wie es bei den Consumer-Karten oft der Fall ist. Die Tools und Programme stehen zwar zur Verfügung, sich etwas sinnvolles zu deren Auslastung zu überlegen ist aber nicht ganz so einfach – zumal der Kontakt zur entsprechenden Software oftmals nicht vorhanden ist. Wir haben auch versucht einen eher praxisbezogenen Blick auf die Leistung der Karten zu werfen, wenngleich wir weiterhin einige synthetische Benchmarks verwendet haben.

Wer sich für den Kauf einer Workstation-Grafikkarte entscheidet, tut dies vor allem aus Gründen der Stabilität in der Software bzw. dem Treiber. Wer sein Geld mit der Kombination aus Hard- und Software verdient, ist auf einen möglichst reibungslosen Betrieb angewiesen. Abstürze und Ausfälle sind möglichst zu minimieren. Nun konnten wir uns die Workstation-Karten von AMD und NVIDIA zwar über einen längeren Zeitraum anschauen, einen Betrieb über acht Stunden am Tag und fünf Tage die Woche über mehrere Wochen hinweg konnten wir jedoch nicht testen.

Content Creation, also die Erstellung von Inhalten ist die Domäne der Workstation-Grafikkarten. Allerdings ist es schwer, die Karten von AMD und NVIDIA miteinander zu vergleichen, da sie sich größtenteils in unterschiedlichen Leistungsbereichen aufhalten. Es gibt jedoch Gründe, warum selbst eine kleine Workstation-Grafikkarten Sinn macht. So benötigt das Rendering des Blender-Benchmarks auf der CPU gleich mehrere Stunden, während selbst eine kleine GPU die Aufgabe in wesentlich kürzerer Zeit erledigen kann. Theoretisch lassen sich die Aufgaben hier sogar auf CPU und GPU aufteilen, was eine weitere Beschleunigung bedeutet. Adobe After Effects ist ein ähnliches Beispiel, wenngleich die Hardwarebeschleunigung hier bei weitem noch nicht auf dem Stand ist, den wir uns wünschen würden.

Im Grunde verhalten sich die Karten von AMD und NVIDIA innerhalb der eigenen Serie wie erwartet. Die Quadro P2000, Radeon Pro WX 4100 und WX 5100 können aber mit den schnelleren Varianten nicht mithalten und eigenen sich daher eher im Einsteigerbereich. Beeindruckend ist das, was die Quadro P6000 und GP100 zu bieten haben, schließlich sprechen wir hie auch von den zwei schnellsten derzeit von NVIDIA gefertigten GPUs. Die Radeon Pro WX 7100 liegt irgendwo in der Mitte.

Noch etwas genauer wollen wir auf die Unterschiede bei der Quadro P6000 und GP100 eingehen. Die beiden GPUs sind grundsätzlich nicht ganz unähnlich, die 24 GB GDDR5 bei der Quadro P6000 und 16 GB HBM2 bei der Quadro GP100 machen hier aber teilweise den Unterschied. Dies zeigt sich zum Beispiel im Luxmark, wo die Quadro GP100 einen deutlichen Vorteil hat. In Adobe After Effects ist aber wiederum die Quadro P6000 schneller.

Am deutlichen sind die Unterschiede im Deep-Learning-Benchmark. Es war eine der aufwendigsten Methoden, die wir bisher zur Leistungsmessung verwendet haben. Allein der Aufbau der Software mit allen Tools und Bibliotheken dauerte einige Tage – zumindest bis wir belastbare Daten erhalten konnten. Es war das erste Mal, dass wir selbst den Zeh in das Thema Deep Learning gehalten haben. Bisher haben wir uns immer nur etwas zu diesem Thema zeigen lassen und mussten uns auf Werte der Hersteller verlassen. Klar muss aber auch sein, dass Workstation-Grafikkarten nicht zwingend für diese Anwendung geeignet sind und stattdessen eher die Tesla-Karten von NVIDIA und Instinct-Karten von AMD dafür vorgesehen sind. Dennoch war es einmal ein interessanter Einblick in das Thema und es hat uns auch gezeigt, wie wichtig die Speicheranbindung und Unterstützung für halbe Genauigkeit sind.

Zur Wahrheit bei den Workstation-Grafikkarten gehört aber auch, dass sie sich grundsätzlich auch durch Consumer-Karten ersetzen lassen. Der Treiber ist dann natürlich ein anderer und dies kann Nachteile haben, grundsätzlich ist es aber fast immer möglich, die Hardwarebeschleunigung auch mit günstigerer Hardware zu erreichen. Besonders beliebt sind hier solche Modelle wie die Radeon Vega Frontier Edition oder die NVIDIA Titan Xp, die sich in gewisser Weise zwischen den Welten aus Consumer- und Workstation-Karten bewegen. Je nachdem auf welchem Level der Professionalität man sich bewegen möchte, können sie eine leistungsstarke und günstige Alternative sein.

Ein endgültiges Fazit zu den Karten fällt schwer, zumal eine Betrachtung nach Preis und Leistung fast unmöglich ist. Hier kommt vieles darauf an, was an Hardwareleistung benötigt wird und welche Arbeiten darauf ausgeführt werden sollen. Auch die sonst typischen Metriken wie Stromverbrauch spielen nur eine untergeordnete Rolle – gleiches gilt auch für die Lautstärke.

Wer sein Geld mit der Rechenleistung der Workstation-Grafikkarte verdient, dem muss man die Vorteile dieser Hardware nicht weiter erläutern. Sicherlich ist es schwer zu verstehen, warum man das x-fache des Preises ausgeben sollte – schwierig ist es vor allem, da sich die Software in Form des Treibers kaum quantifizieren lässt. Die kostenintensive Treiberoptimierung macht sich vor allem in professionellen Anwendungen aber schnell für den Nutzer bezahlt.