Seite 20: Fazit

Das Rennen ist aus, bevor es überhaupt richtig gestartet wurde? Diese Frage stellten wir uns, nachdem wir zu einem recht frühen Zeitpunkt womöglich bereits die schnellsten Varianten der GeForce GTX 1080 Ti testen konnten. Die Caseking KingMod GeForce GTX 1080 Ti FE erreicht mit dem Layout und den Einstellungen der Founders Edition aus dem Stand einen Takt von fast 1.900 MHz. Aufgrund des hohen Potenzial der GPU bei guter Kühler sowie der verbauten Wasserkühlung konnten wir schnell 2.100 bis 2.150 MHz erreichen. Für die luftgekühlten Modelle von Inno3D und ASUS war irgendwo bei 1.950 MHz Schluss und in einem ähnlichen Rahmen werden sich womöglich auch die übrigen Modelle bewegen.

Worum geht es also den Herstellern, die darum kämpfen die schnellsten Karten am Markt zu haben? Eben genau darum – auf dem Papier der schnellste zu sein, in den Preisvergleichen bei entsprechender Sortierung ganz oben zu landen. Das höchste Risiko geht nun ZOTAC ein, denn mit Vorgaben von 1.645 und 1.759 MHz liefert man seine Karte mit den höchsten Taktraten aus. Da ZOTAC die GPUs aber nicht vorher testen kann und NVIDIA keine Vorselektierung vornimmt, kauft ZOTAC die GPUs mitsamt des Speichers, verbaut sie auf den PCBs, macht eigene Tests und ordnet die Karten dann entweder der AMP! Extreme Edition oder der AMP! Edition zu. Frei nach dem Motto die Guten in Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Dabei kann natürlich nicht wirklich von "schlecht" die Reden sein, denn auch die langsameren Chips sollen 1.569 und 1.683 MHz mitmachen.

Das Versprechen die schnellste Karte aufgelegt zu haben, kann ZOTAC erfüllen. Natürlich müssen dazu Karten aus der Bewertung genommen werden, die ein eigenes Overclocking voraussetzen – wie zum Beispiel die Caseking KingMod GeForce GTX 1080 Ti FE. Die Abstände sind aber sehr gering und so trennen die Testkandidaten oft nur eine Takt-Domain, also 13 MHz voreinander. Dies ist auch bei der ZOTAC GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition der Fall. Aufgrund der Messungenauigkeiten und leichten Schwankungen im Takt kann es auch mal vorkommen, dass eben nicht das Modell von ZOTAC an der Spitze liegt, sondern die Karte von ASUS oder Inno3D. Es ist schwer einen klaren Gewinner auszumachen. Schaut man aber genau hin und zieht auch den anliegenden Takt mit in Betracht, darf sich die ZOTAC GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition aktuell wohl als schnellste Karte dieser Modellreihe bezeichnen – zumindest bis kein anderer Hersteller eine schnellere Variante vorstellt. Mit Custom-PCB und einer Wasserkühlung wäre dies mit entsprechenden Werkseinstellungen durchaus möglich.

Grundstein für einen möglichst hohen Boost-Takt legen das Power-Limit und die Kühlung. Das Power-Limit setzt ZOTAC aufgrund des eigenen Designs von 250 auf 320 W hoch. Damit hat man genügend Spielraum und rennt nicht vorschnell in ein Power-Limit. Auch im zweiten Punkt erreicht ZOTAC das gewünschte Ziel und kühlt die GPU auf knapp unter 70 °C herunter. Damit spielt auch das Temperatur-Limit keine Rolle. Kommt noch der dritte Gegenspieler für eine Leistungssteigerung ins Spiel und das ist die Spannung. Hier gibt es je nach Qualität der GPU leichte Unterschiede. Nicht jede GPU erreicht bei einer bestimmten Spannung einen vorher festgelegten Takt. Jede Karte verhält sich anders. Bei unserem Sample war bei 1,05 V und 1.987 MHz im Maximum eben das Ende der Fahnenstange erreicht.

Hinsichtlich der Kühlung bleibt festzuhalten, dass ZOTAC die Lüfter im Idle-Betrieb abschaltet und dabei auch sinnvolle Lüfterkurven und Temperaturgrenzen definiert hat. Das nervige An- und Abschalten im Sekundentakt vermissen wir jedenfalls nicht. Der Idle-Betrieb stellt hinsichtlich der Lautstärke also zunächst einmal kein Problem dar. Man merkt der Karte aber auch an, dass sie darauf getrimmt wurde, möglichst schnell zu sein und dabei musste ZOTAC eben einige Kompromisse eingehen. Einer dieser Kompromisse ist die Drehzahl der Lüfter, die bei 1.680 Umdrehungen pro Minute etwas lauter als die Konkurrenz sind. Man bekommt also das derzeit schnellste Modell der GeForce GTX 1080 Ti, aber auch das lauteste. Die Unterschiede sind aber wie bei der Leistung sehr gering. Der Käufer muss also entscheiden, was ihm wichtiger ist.

Das eine schnelle GeForce GTX 1080 Ti kein echtes Stromsparwunder werden wird, sollte jedem klar sein. Die ZOTAC GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition genehmigt sich aber nicht übermäßig viel. Mit Hinblick auf die Leistung bleibt alles also im Rahmen. Auch die Beleuchtung wollen wir nicht weiter bewerten, da hier jeder selbst entscheiden muss, ob dies ein kaufentscheidender Grund ist oder nicht. Wer sie nicht benötigt, kann sie einfach abschalten.

Bleibt noch die Frage nach dem Preis. Die Custom-Modelle der GeForce GTX 1080 Ti starten derzeit bei etwas unter 750 Euro. Dabei handelt es sich aber um die Einsteiger-Varianten – wenn man in diesem Preisbereich überhaupt davon sprechen will. Die Founders Edition ist inzwischen bei 760 Euro gelandet. Eine Karte des Kalibers der ZOTAC GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition ist mit 939 Euro preislich ein deutlicher Sprung, der sich mit der Mehrleistung kaum rechtfertigen lässt. Aber dies ist bei High-End-Hardware eigentlich immer der Fall und damit muss jeder selbst entscheiden, ob es den Aufpreis wert ist. Verfügbar ist die Karte derzeit noch nicht. Dies sollte aber in Kürze der Fall sein.

Positive Aspekte der ZOTAC GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition:

  • GP102 als schnellste Single-GPU als Basis
  • UHD mit einigen Einschränkungen spielbar
  • 11 GB GDDR5X
  • GPU Boost 3.0 mit zahlreichen Overclocking-Funktionen
  • niedrige GPU-Temperaturen
  • Abschalten der Lüfter im Idle-Betrieb
  • Spannungsmesspunkte vorhanden
  • Power-Limit auf 320 W angehoben
  • Beleuchtung vorhanden

Negative Aspekte der ZOTAC GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition:

  • hoher Preis
  • etwas zu laut unter Last

 

Aufgrund der hohen Leistung und guten Kühler unter Last vergeben wir der ZOTAC GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition den Hardwareluxx-Excellent-Hardware-Award 

Persönliche Meinung

Auch nach der Vorstellung der NVIDIA Titan Xp, ebenfalls mit GP102-GPU, aber mit 3.840 Shadereinheiten und 12 GB an schnellerem GDDR5X, ist die GeForce GTX 1080 Ti die schnellste Gamer-Grafikkarte im klassischen Sinn. Hier spielt vor allem der Preis eine Rolle, denn die NVIDIA Titan Xp ist mit 1.349 Euro noch einmal eine Ecke teurer. Preislich haben wir uns im High-End-Segment ohnehin schon an hohe dreistellige Beträge gewöhnt. NVIDIA dominiert dieses Marktsegment und liefert mit seinen Boardpartnern Produkte ab, die doppelt so schnell wie das sind, was AMD derzeit anbieten kann. Nicht nur ich warte daher sehnsüchtig auf Vega. ZOTAC macht mit der GeForce GTX 1080 Ti AMP! Extreme Edition einen Schritt in die richtige Richtung. Die Karte ist wieder leiser als der Vorgänger und ZOTAC hat die Kühlung nicht aus den Augen verloren, nur um der schnellste am Markt zu sein. Ob ich persönlich bereit wäre 939 Euro auszugeben, fällt mir dabei aber schwer zu beurteilen. NVIDIA machte mit der Founders Edition der GeForce GTX 1080 Ti einen guten Job. Die Kühlung ist das ausschlaggebende Argument für ein Custom-Modell. (Andreas Schilling)