Seite 4: Thief und TrueAudio

Eine große Rolle spielt für AMD die neue TrueAudio-Technologie. Mit TrueAudio möchte AMD die Art und Weise wie das Audio in aktuellen Spielen angeboten und verarbeitet wird auf ein neues Level bringen. Um eine Verarbeitung in Echtzeit zu ermöglichen, hat AMD einen DSP (digital Signalprozessor) in die GPU eingebaut. Auf diesen haben die Programmierer vollen Zugriff und somit greift die Verarbeitung des Sounds auch deutlich früher ein, als dies normalerweise der Fall ist. Somit ist TrueAudio zwar abhängig von der kompatiblen GPU, nicht aber von der dahinter geschalteten Soundkarte. Um TrueAudio umsetzen zu können hat sich AMD Intellectual Property (IP) von Cadence eingekauft bzw. dort deren Tensilica Xtensa DSPs lizensiert. Innerhalb der kompatiblen GPUs verbaut sind also ein Xtensa HiFi EP Kern und und drei Xtensa HiFi 2 Kerne.

Die Nutzung von TrueAudio beschränkt sich in Thief auf die Verwendung von "convolution reverb". Dabei handelt es sich um die mathematische Berechnung von Echos in geschlossenen Räumen. Um diesen Effekten simulieren zu können, wird vom Ausgangspunkt des Spielers ein aktueller "Snapshot" der Echo-Charakteristiken erstellt. Diese Charakteristik wird zurück an die Game-Engine gegeben, damit diese das Soundbild entsprechend erstellen kann. Wechselt der Spieler die Räumlichkeiten, simuliert die Software ein anderes Echo. Dies gilt natürlich auch für den Wechsel von geschlossenen Räumen in eine offene Welt.

Um TrueAudio in Thief nutzen zu können, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • der letzte Patch für Tief muss über Steam installiert sein
  • AMD Catalyst 14.3 Beta installieren
  • eine AMD Radeon R9 290X, Radeon R9 290, Radeon R7 260X, Radeon R7 260 oder Radeon HD 7790 muss im System vorhanden sein
  • Windows 7, Windows 8 und Windows 8.1 (64 Bit)

Sind diese Voraussetzungen gegeben, erscheint in den Audio-Einstellungen von Thief die entsprechende Option.

TrueAudio-Option in Thief

Nun lassen sich Features wie die realistischere Berechnung von Echos nicht in Benchmarks fassen. Somit können wir euch an dieser Stelle nur einen äußerst subjektiven Eindruck vermitteln. Neben einigen Techdemos ist Thief nun das erste richtige Spiel, bei dem wir TrueAudio ausprobieren konnten. Während bei den Techdemos also immer die Frage im Hinterkopf schwirrt, in wie fern die Entwickler ihre Software also speziell auf TrueAudio ausgelegt haben, erlaubt Thief den direkten Vergleich. Eines bereits vorweg: Einen Einfluß auf die Performance konnten wir durch die Aktivierung von TrueAudio nicht feststellen, weder im positiven, noch im negativen Sinne.

Der Höreindruck bestätigt eine deutliche Verbesserung beim Realismus der Soundkulisse. Eventuelle Plazebo-Effekte können wir aber auch nicht ausschließen. Noch einmal: Den Effekt von TrueAudio und in diesem Fall der realistischeren Berechnung der Echos können wir nicht messen, wir müssen uns also auf unsere Ohren verlassen. Wer im Besitz einer der oben genannten Karten ist, der sollte TrueAudio in jedem Fall einmal ausprobieren. Gerade große Gebäude mit großflächigen Stein-Oberflächen sorgten bei uns in Thief für ein völlig neues Klangerlebnis - ohne dies nun überbewerten zu wollen.

Fazit

Der Wechsel von DirectX zu Mantle hatte in Battlefield 4 gerade im Multiplayer mit hoher CPU-Last ein deutliches Performance-Plus zur Folge. Aufgrund der geringeren Anforderungen an die CPU bricht in Thief also ein großer Baustein der Mantle-Verbesserungen weg. Es bleibt allerdings bei der besseren Effektivität für viele weitere Bereiche, so dass wir über alle Auflösungen und Qualitätseinstellungen hinweg ein Plus zwischen wenigen Prozent und +35 Prozent sehen. Allerdings gibt es viele Faktoren, die Einfluss darauf nehmen wie stark der Nutzer durch den Einsatz der Mantle-API profitiert. Dazu gehört die Wahl des Prozessors, der Auflösung und der Grafiksettings. Die mehr als 70 Prozent Performance-Plus die AMD uns in einigen Bereichen verspricht, können wir so nicht bestätigen, allerdings hatten wir auch nicht die Möglichkeit unser System auf diese bestimmten Bedürfnisse anzupassen.

TrueAudio ist der zweite wichtige Bereich, der durch das heutige Update von Thief zugänglich gemacht wird. TrueAudio verspricht für beide Seiten, also sowohl den Nutzer, wie auch den Programmierer vieles einfacher und schneller zu machen. Die Spieleentwickler sollen ein Werkzeug an die Hand bekommen, dass ihnen schnell und einfach zu einer bessere Verarbeitung der Soundkulisse verhelfen soll. Von der bessere Soundqualität profitieren soll vor allem der Nutzer, der neben einem möglichst hohen grafischen Realismus gleiches inzwischen auch vom Sound erwartet. Zudem sollen die dedizierten DSPs der AMD-GPUs die CPU entlasten - ein Effekt den wir in den Tests mit Thief aber noch nicht bestätigen konnten.

Letztendlich bleibt uns nur eines zu sagen: Mantle und TrueAudio sind Dreingaben eines Herstellers an einen bestimmten Kundenkreis. Ohne Mehrkosten eine bessere Performance geliefert zu bekommen, dagegen lässt sich wohl wenig sagen. Ob sich Mantle und TrueAudio nach Battlefield 4 (nur Mantle) und Thief auch weiterhin durchsetzen kann, werden die zukünftigen Releases zeigen müssen. Vielleicht hilft das Aufzeigen der Limitierungen einer Grafik-API aber auch, dass Microsoft mit DirectX endlich eine neue Richtung einschlägt und in dieser Hinsicht beweglicher wird.