Seite 22: Fazit

AMD wollte mit der Radeon HD 7790 die Lücke zwischen der Radeon HD 7770 und 7850 füllen, was auch gelungen ist. Doch war dies auch nötig? Durch den Einsatz der neuen "Bonaire"-GPU wirkt die Radeon HD 7790 eher wie ein Testballon einer leicht überarbeiteten Architektur, die wir in einer größeren Ausbaustufe gegen Ende des Jahres möglicherweise wiedersehen werden. Doch in diesem Artikel soll es nicht um die Radeon HD 7790 gehen, auch wenn NVIDIA die GeForce GTX 650 Ti Boost als Gegenspieler und direkte Reaktion darauf präsentieren möchte. Doch dazu ist bereits die Referenzversion meist zu weit von der Radeon HD 7790 (selbst wenn diese übertaktete ist) entfernt. Von der EVGA GeForce GTX 650 Ti Boost Superclocked erst gar nicht zu sprechen.

Einige wenige Benchmarks lassen zumindest erahnen, dass beide Karten zueinander gehören (sollen). Ein Beispiel ist hier Anno 2070, wo zumindest die Gigabyte Radeon HD 7790 die Referenzversion der GeForce GTX 650 Ti Boost schlagen kann. In den meisten anderen sind die beiden Modelle von NVIDIA der Konkurrenz von AMD aber teils weit enteilt. Die GeForce GTX 650 Ti Boost profitiert sicherlich auch vom größere Grafikspeicher, der mit 2048 bei beiden Varianten doppelt so groß ist, wie bei der AMD Radeon HD 7790. Hinzu kommt noch die um 50 Prozent schnellere Speicheranbindung.

Die höhere Leistung macht sich natürlich auch bei der Leistungsaufnahme bemerkbar. Während die beiden Modelle der Radeon HD 7790 gerade unter Last mit den darunter positionierten Karten "kämpfen", verbraucht die GeForce GTX 650 Ti Boost und hier vor allem das von EVGA deutlich übertaktete Superclocked-Modell mindestens 50 Watt mehr. Dieses Verhältnis spiegelt sich nicht ganz in den Benchmarks wieder, sodass der AMD Radeon HD 7790 sicherlich ein besseres Performance/Watt-Verhältnis zugesprochen werden kann. Letztendlich spielt für einen Gamer aber eine wichtige Rolle, was hinten dabei an Performance herauskommt und hier ist die GeForce GTX 650 Ti Boost klar im Vorteil.

Sehr gut gefallen hat uns, was EVGA bei der Kühlung der GeForce GTX 650 Ti Boost Superclocked getan hat. Gerade beim wichtigen Last-Betrieb hat man eine höhere Temperatur in Kauf genommen, um den Lüfter langsamer arbeiten zu lassen. Dies führt zu einer geringeren Lautstärke und das bei einer deutlichen werksseitigen Übertaktung, die zu einem mehr als wahrnehmbaren Performance-Schub führt.

EVGA GeForce GTX 650 Ti Boost Superclocked
Straßenpreis -
Homepage www.evga.com
Technische Daten
GPU GK106 (GK106-240-A1)
Fertigung 28 nm
Transistoren 2,54 Milliarden
GPU-Takt (Base Clock) 1072 MHz
GPU-Takt (Boost Clock) 1137 MHz
Speichertakt 1505 MHz
Speichertyp GDDR5
Speichergröße 2048 MB
Speicherinterface 192 Bit
Speicherbandbreite 144,2 GB/Sek.
DirectX-Version 11.0
Shadereinheiten 768 (1D)
Textur Units 64
ROPs 16
Pixelfüllrate 23,5 GPixel/Sek.
SLI/CrossFire SLI
Lautstärke
Idle-Modus 35,1 dB(A)
Last-Modus 50,6 dB(A) 
Leistungsaufnahme
Idle-Modus 103,2 Watt
Last-Modus 330,8 Watt
Temperaturen
Idle-Modus 34 °C
Last-Modus 76 °

Noch einmal: In unseren Augen ist die AMD Radeon HD 7790 (auch nicht in der Variante von Gigabyte) keine Konkurrenz zur NVIDIA GeForce GTX 650 Ti Boost - schon gar nicht in der von EVGA ausgeführten Superclocked-Variante. Vielmehr versuchen beide Hersteller im wichtigen Mittelklasse-Segment noch einmal vermeintlich Neues zu präsentieren. AMD kann zumindest zugute gehalten werden, dass man einen neuen Chip einsetzt. NVIDIA schnallt der GeForce GTX 650 Ti einen höheren Basis-Takt plus GPU-Boost auf und könnte damit auch den auf dem Papier höherwertigen Karten aus eigenem Hause gefährlich werden.

Über die Verfügbarkeit und den Preis lässt sich heute noch recht wenig sagen. Zwar gibt NVIDIA einen Preis an, wie sich dieser aber am Markt mit den verschiedenen Modellen entwickeln wird, ist nicht abzusehen.

Alternativen? Für beiden Karten haben wir uns bisher noch keinen ausreichenden Markteindruck machen können. Jeweils eine Referenzversion plus eine Retail-Karte reichen dafür einfach nicht aus. Vorstellbar ist allerdings, dass es AMD beim angepeilten Preis von 139 Euro schwer gegen die AMD Radeon HD 7850 haben wird, die ähnlich viel kostet. Ähnlich schaut es für NVIDIA mit der GeForce GTX 650 Ti Boost aus, die zumindest preislich der GeForce GTX 660 sehr nahe kommt. Für beiden Karten müssen wir allerdings erst einmal abwarten, was uns die Hersteller in den kommenden Tagen und Wochen liefert. Sowohl für die AMD Radeon HD 7790 als auch für die GeForce GTX 650 Ti Boost planen wir große Round-ups mit mehreren Karten im Vergleich.

 

Persönliche Meinung

Erst bei genauem Hinsehen wurde deutlich, dass AMD mit "Bonaire" mehr getan hat, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Schade ist nur, dass AMD nicht wirklich über das redet, was man mit "Bonaire" eingeführt hat. Sicherlich ist das neue PowerTune technisch interessant, aber wie viel nützt es bei einer Karte der unteren Mittelklasse? Mit der AMD Radeon HD 7790 gibt AMD einen Ausblick auf das, was uns gegen Ende des Jahres noch erwartet.

NVIDIA hat es sich bei der Umsetzung der GeForce GTX 650 Ti Boost deutlich einfacher gemacht. Die bekannte GK106-GPU wurde um einen technischen Aspekt, das GPU-Boost erweitert. Dabei herausgekommen ist aber keine Konkurrenz für die AMD Radeon HD 7790, sondern ein Angriff auf die bereits bestehende Mittelklasse aus eigenem Hause. Sollte NVIDIA den Preis von 165 Euro auch für solch übertaktete Modelle wie die EVGA GeForce GTX 650 ti Boost halten können, könnte daraus aber eine durchaus interessante Leistungsklasse erwachsen. (Andreas Schilling)

 

Positive Aspekte der EVGA GeForce GTX 650 Ti Boost Superclocked:

  • mehr aus ausreichende Performance für FullHD in den meisten Anwendungen
  • sehr gutes werksseitiges Overclocking
  • leise unter Last
  • geringer Idle-Verbrauch
  • PCI-Express 3.0
  • DirectX 11

Negative Aspekte der EVGA GeForce GTX 650 Ti Boost Superclocked:

  • hoher Last-Stromverbrauch
  • nicht zum heutigen Start verfügbar