Seite 7: Fazit

Dass die direkte Konkurrenz zuletzt etwas teurere Gehäuse auf den Markt gebracht hat, ist für Antec und das 100-Euro-Modell P110 Luce ein Glücksfall. Doch so günstige Rahmenbedingungen wollen auch genutzt werden. Das gelingt Antec schon regelrecht bemerkenswert gut. Der Hersteller hat dafür keine großen Experimente gestartet, sondern ein zeitgemäßes Gehäuse mit stellenweise eigener Note geschaffen.

Äußerlich wirkt das P110 Luce vor allem dank der Kombination aus solidem Stahlkorpus, Glasseitenteil und Aluminiumfront schick und wertig. Das Design ist dabei im Kern dezent und minimalistisch, zeigt mit (erweiterbarer) RGB-Beleuchtung und den verzierten Rändelschrauben aber auch auflockernde Details. Und mit dem HDMI-Anschluss im Deckel kann Antec auch reklamieren, dass das Gehäuse VR-ready  ist. Eine ähnliche Vorgehensweise hat Antec auch bei der Innenraumgestaltung genutzt: Der moderne Zweikammeraufbau ist aktueller Standard. Aber mit den flexiblen "Storage Units" auf der Netzteilabdeckung und der Grafikkartenstütze setzt Antec dann doch eigene Akzente. Weil es zusätzlich einen Laufwerkskäfig und zwei separate 2,5-Zoll-Laufwerksplätze gibt, kann das P110 Luce insgesamt acht Laufwerke aufnehmen. Das ist für ein Gehäuse ohne eigentlichen Laufwerksschacht durchaus beachtlich. Dabei können nicht nur 3,5-Zoll-Laufwerke, sondern zumindest stellenweise auch 2,5-Zoll-Laufwerke entkoppelt montiert werden. Dazu kann eine Dual-Slot-Grafikkarte vertikal präsentiert werden. Ein Riserkabel legt Antec allerdings nicht bei.

Das Kühlsystem präsentiert sich ab Werk solide, aber nicht überragend. Die beiden vormontierten 120-mm-Lüfter gehen immerhin akustisch recht zurückhaltend zu Werke. Und Antec lässt dem Nutzer genug Möglichkeiten zum Aufrüsten der Gehäusekühlung. Dabei kann hinter der Front bei Bedarf auch ein großer 360-mm-Radiator montiert werden. Ein Deckelradiator ist hingegen nur eingeschränkt nutzbar.  

Mit Blick auf Design und Materialwahl ist Fractal Designs Define R6 die naheliegende Alternative. Den Unterschied macht vor allem der Innenaufbau. Auch das Define R6 kann mit modernem "Open Layout" genutzt werden. Bei Bedarf wird aber einfach ein klassischer Laufwerksschacht eingezogen. Und hinter der Fronttür verbirgt sich sogar noch ein externer 5,25-Zoll-Laufwerksplatz. Während Antec auf eine Lüftersteuerung verzichtet, gibt es beim Define R6 zumindest einen Lüfterhub für PWM- und 3-Pin-Lüfter. Noch einen Schritt weiter geht be quiet! beim Dark Base 700 mit der hervorragenden PWM-Lüftersteuerung, die auch manuelle Eingriffe zulässt. Dazu überzeugt dieses Modell im Vergleich mit den hochwertigsten Lüftern. Wirklich vergleichbar sind diese Modelle aber nur, wenn der Preis nicht die große Rolle spielt.  

Solange das Budget für ein vielseitig nutzbares ATX-Gehäuse bei 100 Euro limitiert wird, ist das Antec P110 Luce letztlich eine fast rundum überzeugende Option.  

Positive Aspekte des Antec P110 Luce:

  • mit Aluminiumfront und Glasseitenteil aufgewertet
  • zeitgemäßer Innenraum mit noch relativ vielen HDD/SSD-Montageplätzen
  • viel Platz für lange Grafikkarten, genug Platz für Towerkühler
  • relativ leise, trotzdem zumindest ausreichende Kühlleistung und ganz unterschiedliche Kühloptionen
  • 360-mm-Radiatorenplatz hinter der Front, Platz für schlanker Dual-Radiator im Deckel
  • per Tastendruck steuerbare und erweiterbare RGB-Beleuchtung
  • drei einfach zu entnehmende Staubfilter, Laufwerksentkopplung, Grafikkartenstütze

Negative Aspekte des Antec P110 Luce:

  • nur 120-mm-Lüfter inklusive, keine Lüftersteuerung integriert
  • keine werkzeuglose Montage für Laufwerke/Erweiterungskarten
  • Antec-Logo an der Seite nur einfarbig weiß beleuchtet, nicht an die RGB-Beleuchtung angebunden