Seite 4: Infotainment

Schon unmittelbar nach der Vorstellung der Baureihe 213 sorgte das Innenraum-Design für rege Diskussionen, vor allem die beiden großen, schon von der S-Klasse her bekannten Displays standen - und stehen noch immer - im Mittelpunkt.

Stuttgart bietet gegen Aufpreis überzeugende Displays

In der neuen E-Klasse bieten die ebenfalls eine Diagonale von 12,3 Zoll, die Auflösung steigt gegenüber der Oberklasse-Limousine von 1.440 x 540 auf 1.920 x 720 Pixel. Damit verfügt die Baureihe 213 derzeit über die höchste Pixel-Dichte, was unübersehbar ist. Die Darstellung ist scharf, Treppeneffekte wie bei Mitbewerbern gibt es beim üblichen Abstand zwischen Augen und Anzeige nicht. Aber: Es handelt sich nicht um Touchscreens und zur Serienausstattung gehören die Displays ebenfalls nicht. Ohne Aufpreis sind lediglich klassische Rundinstrumente mit kleinem Bildschirm dazwischen sowie ein etwas kleinerer in der Mitte erhältlich. Für das sogenannte Widescreen Cockpit müssen rund 1.000 Euro gezahlt werden.

Die Ausgabe lohnt sich aber nicht nur aufgrund der Darstellungsqualität, sondern auch aufgrund der Möglichkeiten, die dem Fahrer so offenstehen. Das rechte der beiden Displays ist unabhängig vom gewählten Stil - insgesamt gibt es drei verschiedene - in drei Bereiche aufgeteilt. Wählt man Classic oder Sport, nimmt ein klassisch geformter Tacho das linke Drittel ein. Im rechten Drittel kann zwischen verschiedenen Punkten wie Drehzahlmesser oder Navigationskarte gewählt werden, für die Mitte sind Punkte wie Verbrauch, Radio oder Assistenten vorgesehen. Letztere Ansicht informiert über den Zustand der Abstandsautomatik. Im Stil Progressiv nimmt hingegen ein digitaler Tacho mitsamt sehr modern gehaltenem Drehzahlmesser die Mitte ein, rechts und links davon lassen sich dann weitere Informationen einblenden.

In gewisser Weise konfigurierbar ist aber auch das rechte, in der Mitte der Armaturentafel verbaute Display. Dieses ist primär für die Darstellung der Navigation, des Radios, der generellen Medienwiedergabe, der Telefonie-Funktion sowie der Fahrzeugeinstellungen zuständig. Wählbar ist, ob einer der Oberpunkte die gesamte Fläche ausfüllen ober ob eine Unterteilung von 1/3 zu 2/3 vorgenommen werden soll. Bezüglich der möglichen Kombinationen gibt es aber Einschränkungen.

Touch am Lenkrad

Die Bedienung der beiden Displays erfolgt auf unterschiedliche Arten. Für das linke ist lediglich das Multifunktionslenkrad zuständig, genauer das Touch-Bedienelement. Der hier mittig platzierte Sensor erkennt Wischbewegungen in vier Richtungen und lässt sich zudem drücken. Grundsätzlich navigiert man horizontal durch die vorhandenen Kategorien, vertikal dann innerhalb dieser, die Erreichbarkeit mit dem Daumen ist gut, an die Steuerung gewöhnt man sich schnell.

Für das rechte Display stehen hingegen gleich drei Eingabemethoden zur Auswahl: Ein weiteres Touch-Element im rechten Bereich des Lenkrads sowie der bei Mercedes-Benz übliche Comand Controller zum Drehen und Drücken mitsamt darüber liegender Touch-Fläche. Der Controller erlaubt das Navigieren per Druck in vier Richtungen, zusätzlich kann er gedreht und zum Bestätigen von Eingaben heruntergedrückt werden. Die Touch-Fläche kann ebenfalls gedrückt werden, navigiert wird hier jedoch per Finger. Für alle Eingabemethoden gilt: Es gibt eine dedizierte Taste für einen Schritt zurück sowie zum Aufrufen des Homescreens, der aber lediglich das Hauptmenü darstellt, die Touch-Fläche bietet darüber hinaus die Möglichkeit, das derzeit aktive Audio-Abspielgerät in einem Popup-Fenster aufzurufen, beispielsweise zum Ändern des gewählten Senders oder zum Skippen. Zusätzlich können alle wichtigen Hauptebenen über spezielle Tasten in der Mittelkonsole mit nur einem Tastendruck erreicht werden.

Auch für Controller und Touch-Feld gilt: Die Einarbeitungszeit ist kurz, die Bedienung übersichtlich gehalten. Nicht überzeugen konnte lediglich die Handschrifterkennung, die im Test sehr häufig falsch lag und sich als träger als die restlichen Eingabemethoden offenbarte.

Siri heißt hier LINGUATRONIC

Nicht fehlen darf natürlich die Bedienung per Sprache, die bei Mercedes-Benz LINGUATRONIC heißt. Über eine Taste am Lenkrad erfolgt die Aktivierung, anschließend kann aus einer Vielzahl an Kommandos gewählt werden. Diese erlauben die Steuerung des Radios und der Medien-Wiedergabe ebenso wie die des Navigations-Systems, des Telefons oder verschiedener Fahrzeugeinstellungen.

Ähnlich wie beispielsweise Ford bei SYNC 2 arbeitet man auch hier lediglich mit Schlüsselwörtern, unterstützt werden aber weitaus mehr. Dadurch wirkt der Umgang mit dem System weitaus natürlich, ohne jedoch an Siri, Alexa und Co. heranzureichen. Im Gegenzug erlauben einige Hersteller jedoch die Steuerung von mehr Funktionen per Sprache. Wo im Mustang oder Mondeo per Kommando die Temperatur der Klimaanlage verändert werden kann, beschränkt man sich in der neuen E-Klasse im Bereich der Fahrzeugeinstellungen auf das simple Anzeigen der jeweiligen Menüpunkte. Die konkrete Änderung muss dann per Hand vorgenommen werden.

Ob LINGUATRONIC besser oder schlechter als vergleichbare Lösungen ausfällt, hängt am Ende jedoch vom Nutzerprofil ab. Unabhängig davon kann aber das Verhalten der Sprachsteuerung bezüglich von Reaktionen kritisiert werden. Im Test wurde mehrfach gar nicht auf Kommandos reagiert, teilweise reagierte das System erst nach einigen Sekunden.

Logische Menüs, unlogische Einschränkungen

Die Menüstruktur selbst ist logisch aufgebaut. Die erste Ebene ist horizontal gegliedert und nimmt das gesamte Display ein, alle darunter befindlichen Punkte sind hingegen vertikal am rechten Rand positioniert. In der Navigationsansicht lässt sich mit einem Druck, Dreher oder Wisch nach rechts das Menü aufrufen, in der Radio- oder Medien-Ansicht bewirkt ein Dreher oder Druck nach und unten den Wechsel des Senders oder Liedes, in die Einstellungen gelangt man hier nur per Druck nach rechts. Die nächste Ebene wird dann weiter links eingeblendet, mehr als zwei Ebenen zeigt das System allerdings zugunsten der Übersichtlichkeit aber nicht an.

Der Wunsch, alles per Touchscreen zu steuern, verschwindet nach einigen Stunden, was nicht nur an der schnell begreifbaren Steuerung, sondern auch der guten Platzierung der Bedienelemente liegt.

Aber auch hier stießen wir im Test auf den berühmten Haken. Denn werden Apple CarPlay oder Android Auto genutzt, stößt die Bedienphilosophie an ihre Grenzen. Zwar erreicht man auch dann noch alle Menüpunkte, man merkt beiden Lösungen aber an, dass sie für Touchscreens optimiert worden sind. Erschwerend kommt hinzu, dass das rechte Touch-Bedienelement am Radio weder in CarPlay noch in Android Auto genutzt werden kann. Entweder weicht man hier auf die Steuerung per Sprache aus oder muss eine Hand vom Lenkrad nehmen, um den Comand Controller zu nutzen.

Weitere Punkte, die negativ aufgefallen sind, aber nur zum Teil Mercedes-Benz anzulasten sind: Android Auto nutzt nur etwa zwei Drittel des Displays, CarPlay hingegen die gesamte Fläche. Und ist ein Smartphone per Kabel mit der primären USB-Buchse des Fahrzeugs verbunden und für den Betrieb von Android Auto oder CarPlay gekoppelt, können weder die Mercedes-Navigation noch die Medien-Übersicht genutzt werden. Hier hilft nur das Entfernen des Kabels oder das Aufheben der Koppelung.

Ab Werk mit dem Internet verbunden

Hinsichtlich der generellen Konnektivität bleiben kaum Wünsche offen. Im Staufach vor dem Comand-Controller gibt es einen, in der Konsole zwischen den Vordersitzen zwei weitere USB-Buchsen. Auch einen SD-Kartenleser findet man dort, nur auf AUX-In muss man verzichten.

Die Online-Anbindung des Infotainment-Systems erfolgt wahlweise über die Integrierte Vodafone-SIM oder ein gekoppeltes Smartphone, realisiert werden darüber unter anderem die Live-Verkehrsdaten, aktuelle Tankstellenpreise und der Browser. Aber auch Internet-Radio kann auf diesem Wege empfangen werden. UMTS-Tempo gibt es ebenso wie eine Notruf-Funktion, die bei einem Unfall selbstständig die entsprechenden Stellen kontaktiert, ohne Aufpreis. LTE kostet knapp 180 Euro extra.

Musikalische Unterhaltung kann alternativ per FM- oder DAB-Radio empfangen werden, auch von USB-Sticks lassen sich Titel abspielen; selbst die Festplatte des Comand-Online-Systems kann als Datengrab für MP3s und Co. genutzt werden. Was stört: Nach der obligatorischen erstmaligen Koppelung des Smartphones mit dem System per Bluetooth wird dieses später zuverlässig automatisch wiedererkannt, die Nutzung als Bluetooth-Audio-Quelle muss hingegen jedes Mal aufs Neue wiedereingestellt werden.

Gut gefällt hingegen die Qualität von Mikrofonen und Sound-System. Erstere sind im Bereich der Sonnenblenden über Fahrer- und Beifahrersitz verbaut, bei letzterem handelt es sich um die rund 5.800 Euro teure Extra Burmester-High-End-3D-Surround-Lösung. Die besteht aus 23 Lautsprechern mitsamt Subwoofer und bietet 25 Verstärkerkanäle, bis zu 1.450 W sowie diverse Einstellmöglichkeiten. Die maximale Lautstärke ist beeindruckend und übersteigt sinnvolle Pegel bei weitem, der Klang liegt für Auto-Boxen weit über dem Durchschnitt, hält Vergleichen mit ähnlich teuren Systemen für die eigenen vier Wände wie üblich aber nicht stand.

Comand Online bietet viel, aber nicht alles

Entscheidet man sich für Comand Online, erhält man eine der derzeit wohl besten Navigations-Lösungen für PKW. Im Test überzeugte das System mit seinen aktuellen, von HERE erstellten Karten sowie den von TomTom bezogenen LiveTraffic-Daten. Selbst vergleichsweise neue Adressen erkannte das Gerät, die Routen-Berechnung erfolgte im Test immer wieder mit hohem Tempo. Die Darstellung bietet einen guten Kompromiss aus Details und Übersichtlichkeit, gewählt werden kann zwischen 2D- und 3D-Optik; bei letzterer werden - falls vorhanden - Gebäude und Wahrzeichen als dreidimensionale Objekte dargestellt. Beim Abbiegen unterstützt ein dann eingeblendetes Fenster, auch die zu wählenden Spuren werden deutlich gemacht.

Negativ fiel bezüglich der Benutzeroberfläche nur auf, dass es zwar zahlreiche Zoom-Stufen gibt, diese aber nicht nahtlos ineinander übergehen und teilweise mehr Spielerei als nützlich sind. Optimierungsbedarf gibt es aber auch beim Einbinden von Verkehrsdaten. Zähflüssiger Verkehr oder Stau wird nur auf Autobahnen, Bundesstraßen und wichtigen innerstädtischen Straßen angezeigt, den Komfort von Google Maps oder Waze bietet Mercedes-Benz hier nicht.

Dafür bietet man aber bei den Optionen mehr. Hier werden alle wichtigen Punkte von der Art der Route über zu vermeidende Streckenarten bis hin zur Frage, ob Routen ohne Zwischenmeldung geändert werden dürfen, abgedeckt.

Die POI-Datenbank fällt umfangreich aus, selbst die Anzahl der freien Plätze in einem Parkhaus kann Comand Online darstellen - falls der Betreiber den entsprechenden Dienst nutzt, was in Hannover bei gut zwei Dritteln der Fall ist. Zu vielen Einträgen sind weitere Informationen hinterlegt, über das Popup-Fenster kann mit nur einem Befehl angerufen oder die Homepage aufgerufen werden. Fehlt ein Eintrag zu einem Sonderziel, kann problemlos eine Online-Suche gestartet werden.

Diagnose aus der Ferne

Angesichts der weitreichenden Konnektivität ist es fast nur logisch, dass die neue E-Klasse auch aus der Ferne überwacht werden kann - die Stuttgarter nennen das Angebot Mercedes me connect. Sowohl per Browser als auch per Smartphone-Applikation lassen sich alle wichtigen Daten auch von außerhalb einsehen. Dazu gehören unter anderem der Füllstand des Tanks sowie die Restreichweite, aber auch der Zustand von Motoröl, Bremsen und Reifen. Für die letzte Fahrt werden Dauer, Strecke und Durchschnittsverbrauch angezeigt, vergessliche Fahrer können zudem überprüfen ob alle Türen geschlossen und verriegelt sind. In einem selbst unbekannten Umgebungen hilft die Standort-Darstellung, mit deren Hilfe sich einfach das Fahrzeug wiederfinden lässt. Nicht alles ist jedoch kostenlos.

Einige Bestandteile wie beispielsweise die Lokalisierung sind an bestimmte Infotainment-Systeme gekoppelt, dann aber auch nur drei Jahre kostenfrei. Immer ohne Zuzahlung vorhanden sind Diagnosefunktionen sowie eine Notruf-Funktion, die im Falle eines Unfalls entsprechend des eCall-Systems automatisch auslöst und alle notwendigen Daten übermittelt.