Seite 2: Laufzeiten, Kamera, Gehäuse, Fazit

Große Akku, wenig dahinter

Von diesen abheben will man sich jedoch hinsichtlich der Laufzeiten. Denn 10.200 mAh versprechen genügend Reserven selbst für längste Flüge oder Zugfahrten. Tatsächlich aber sollte man bei solchen Gelegenheiten das Ladegerät stets dabeihaben. Denn weder in den Benchmarks noch im praktischen Einsatz konnte das Yoga Tab 3 Pro 10 ein überragendes Ergebnis abliefern.

Die Video-Schleife bei einer Helligkeit von 200 cd/m² hielt das Tablet nicht ganz acht Stunden durch, PCMark sprach im Test von knapp achteinhalb Stunden. Die von Lenovo versprochenen 18 Stunden Betriebszeit erreichten wir aber auch beim simplen Surfen nicht, hier musste nach rund zwölf Stunden abgebrochen werden.

Im zylindrischen Fuß steckt ein 10.200 mAh fassender Akku - mit überraschenden Laufzeiten
Im zylindrischen Fuß steckt ein 10.200 mAh fassender Akku - mit überraschenden Laufzeiten.

Warum genau das Tablet sich trotz des großen Akkus nicht absetzen kann, ist im Detail eine unbeantwortete Frage. Zwei Gründe dürften jedoch das hochauflösende Display sowie der Intel-SoC sein. Denn schon in der Vergangenheit taten sich die Chips des Konzerns in Sachen Effizienz schwer.

Immerhin kann das Tablet schnell wieder geladen werden. Dank Fast-Charge-Funktion werden bis zu 24 W übertragen, allerdings nur dann, wenn das mitgelieferte Ladegerät verwendet wird.

Schwache Kamera-Leistung

Bei optimalen Lichtverhältnissen ausreichend, unter anderen Bedingungen enttäuschend: Mit wenigen Worten lässt sich die Leistung der beiden verbauten Kameras beschreiben.

Das rückseitige Modul bietet 13 Megapixel, einen Auto-Fokus sowie Blende f2.3, auf der Front stehen 5 Megapixel sowie ein fixer Fokus zur Verfügung. Auffällig ist, wie träge die Hauptkamera agiert. Selbst bei gutem Licht werden häufiger zwei und mehr Sekunden benötigt, um das gewünschte Objekt scharfzustellen, was oftmals zu verwackelten Bildern führt. Im Idealfall bieten die Aufnahmen aber einen hohen Detailgrad und realitätsnahe Farben, nicht selten kommt es aber selbst am helllichten Tag zu erkennbarem Bildrauschen.

Gute Fotos gelingen mit der Hauptkamera nur selten
Gute Fotos gelingen mit der Hauptkamera nur selten.

Ähnlich wie die Hardware fällt aber auch die Software aus. Denn die Kamera-App ist zwar übersichtlich aufgebaut, viele Einstellmöglichkeiten gibt es aber nicht. Unter anderem fehlt eine HDR-Automatik.

Spätestens beim Drehen von Videos fällt aber noch ein ganz anderer Schnitzer auf. Denn Lenovo hat die rückwärtige Kamera im breiten Fuß des Tablets untergebracht, was zu einer etwas unglücklichen Haltung führt.

Übergewichtiges Gehäuse mit Problemen

Als unglücklich kann aber auch das Gehäuse beschrieben werden - zumindest in Teilen. Denn mit 665 g ist das Yoga Tab 3 Pro 10 ein echtes Schwergewicht, die Konkurrenz bringt in der Regel etwa 200 weniger auf die Waage. Geschuldet ist das Übergewicht in erster Linie dem großen Akku, aber auch dem Standfuß. Dieser besteht aus vergleichsweise dickem Aluminium und ermöglicht das einfache Aufstellen des Tablets - wie auch schon bei einigen Schwestergeräten. Das hat aber auch zur Folge, dass die Gewichtsverteilung eher ungünstig ausfällt, der Schwerpunkt liegt im Landscape-Modus zu weit unten, was beim Surfen auf der Couch schnell zu Ermüdungserscheinungen führt.

Mit 665 g ist das Yoga Tab 3 Pro 10 viel zu schwer - auch, weil der Alu-Standfuß sehr massiv ausfällt
Mit 665 g ist das Yoga Tab 3 Pro 10 viel zu schwer - auch weil der Alu-Standfuß sehr massiv ausfällt.

Aus ergonomischer Sicht enttäuscht das Tablet aber auch an anderen Stellen. So nimmt das Display nur knapp 69 % der Front ein und alle vier Tasten - Standby, Beamer, Lautstärke - hätten besser platziert werden müssen. Zudem erschweren angeschlossene Kopfhörer die Nutzung im Landscape-Modus - die rechte Hand liegt beim Halten in der Regel direkt über der Audio-Buchse.

Es gibt aber auch positive Aspekte. So wirkt das Design ausgesprochen angenehm, für Auflockerung sorgt neben der Lautsprecherabdeckung auch der gut gelöste Übergang vom eigentlichen Gehäuse zum zylindrischen Fuß. Und auch die Verarbeitung überzeugt. Der Standfuß sitzt fest, ungleiche Spaltmaße gibt es nicht und auch die Tasten sind sauber und ohne überflüssiges Spiel eingefügt. Als mehr als nur ein Gimmick entpuppt sich hingegen schnell das Loch im drehbaren Standfuß. Denn damit kann das Tablet schnell und einfach aufgehängt werden, beispielsweise an einen Nagel.

Das Design ist dank kleinerer optischer Highlights gelungen
Das Design ist dank kleinerer optischer Highlights gelungen.

Eine Frage des eigenen Geschmacks ist hingegen der Materialmix. Denn obwohl man den Einsatz von viel Metall verspricht, kommt in erster Linie doch nur Kunststoff zum Einsatz. Eine optische Aufwertung verspricht man sich vom Kunstlederbesatz auf der Rückseite. Das mag eine grundsätzlich gute Idee sein, die Haptik enttäuscht jedoch.

AnyPen und Multi-Window, aber kein Pro

Während man technisch durchaus auf der Höhe der Zeit ist, müssen Käufer des Yoga Tab 3 Pro 10 sich in Sachen Software mit einer nicht ganz frischen Android-Version vorliebnehmen. Denn Lenovo liefert das Tablet mit Android 5.1 aus, Hinweise auf ein Update gibt es bislang nicht. Dafür bietet man eine frische Ausgabe der eigenen Oberfläche. Diese bewegt sich nun etwas näher am Android-Original, auch wenn hier und da doch deutlich abgewichen wird. Störend ist das aber meist nicht, denn insgesamt bietet Lenovo durchdachte eigene Ideen wie die AnyPen-Technik, dank der jeder erdenkliche Gegenstand als Stift genutzt werden kann, und eine zurückhaltende Optik.

Neben einigen wenigen eigenen Apps sind nur wenige Drittanbieter-Lösungen ab Werk vorhanden, darunter WPS Office und McAfee Security. Dass ein für die Video-Wiedergabe konzipiertes Tablet aber nur mit Netflix und keiner weiteren Streaming-App daherkommt, dürfte am Ende am Geld gelegen haben - Partner zahlen in der Regel viel Geld für eine solche Exklusivität.

Lenovos UI fällt vergleichsweise schlank aus, die Optionen für Beamer und Dolby Atmos sind leicht auffindbar
Lenovos UI fällt vergleichsweise schlank aus, die Optionen für Beamer und Dolby Atmos sind leicht auffindbar.

Nicht fehlen dürfen eine „smarte“ Menüleiste, die vom Rand auf den Bildschirm gezogen werden kann, ein Multi-Windows-Modus oder eine Double-Tap-Funktion. Wer angesichts des Namenszusatzes Pro jedoch erwartet, das Tablet biete in puncto Software spürbare Vorteile hinsichtlich des Produktiveinsatzes, dürfte enttäuscht sein. Hier schneidet das Yoga Tab 3 Pro 10 nicht besser oder schlechter als die meisten Konkurrenten ab.

Noch ein Satz zum Projektor: Dessen Steuerung ist gut in die Systemeinstellungen implementiert, zudem ist eine kurze interaktive Anleitung vorhanden.

Fazit

Freund oder die Familie auf der Couch versammeln, das Tablet auf den Tisch stellen und den Film starten. Was in der Werbung wie ein tragbares Heimkino wirkt, sieht in der Praxis ein wenig anders aus. Denn obwohl Lenovo sich an vielen Stellen viel Mühe gegeben hat, schneidet das Yoga Tab 3 Pro 10 ausgerechnet in dem Punkt, der das Tablet beinahe einzigartig macht, eher schlecht ab. Eine große Überraschung ist das nicht. Denn für unverbindliche 499 Euro kann kein vollwertiges Tablet mit einem überzeugenden Beamer ausgestattet werden.

Wer hingegen ein hochwertiges Tablet für den alltäglichen Einsatz sucht, der könnte mit dem etwas schweren Gerät glücklich werden. Denn grundlegend ist das Yoga Tab 3 Pro 10 ein durchaus gelungenes Tablet. Es bietet mehr als ausreichend Leistung, eine aktuelle Ausstattung sowie ein gutes Display. Und auch die Laufzeiten gehen in Ordnung, auch wenn der große Akku eigentlich mehr bieten müsste. Hinzu kommen clevere Details wie die Möglichkeit des Aufhängens, der drehbare Standfuß oder die AnyPen-Technik. Minuspunkte gibt es für die Kameras sowie die Schnitzer in Sachen Ergonomie.

Das Yoga Tab 3 Pro 10 ist ein gutes Tablet, einzig Beamer und Laufzeiten enttäuschen
Das Yoga Tab 3 Pro 10 ist ein gutes Tablet, einzig Beamer und Laufzeiten enttäuschen.

Letztere sorgen dafür, dass eine allgemeine Empfehlung ausbleibt.

Betrachtet man jedoch den Preis, dürfte der ein oder andere Interessierte zu einer anderen Einschätzung kommen. Zwar verlangt der Handel derzeit noch 499 Euro (LTE-Version: 599 Euro) damit exakt das, was Lenovo vorschlägt, die direkte Konkurrenz ist aber nicht viel günstiger. So müssen für Samsungs Galaxy Tab S2 9.7 in der 32-GB-Version etwa 430 Euro gezahlt werden, ein Sony Xperia Tablet Z4 schlägt bei gleicher Speichergröße hingegen mit fast 600 Euro zu Buche. Und für Apples iPad Air 2 (64 GB) müssen 530 Euro eingeplant werden. Dabei gilt jedoch zu beachten, dass keiner der Konkurrenten einen Beamer bietet. Eine eigenständige Lösung mit vergleichbaren technischen Daten kostet mindestens 170 Euro.

award

Deshalb ist das Lenovo Yoga Tab 3 Pro 10 ein interessantes Alltags-Tablet mit dem diversen Extra und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Positive Eindrücke des Lenovo Yoga Tab 3 Pro 10:

  • insgesamt gutes Display
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • AnyPen-Technik
  • Speicher ist erweiterbar
  • überdurchschnittliche Lautsprecher
  • Standfuß und einfache Aufhängungsmöglichkeit

Negative Eindrücke des Lenovo Yoga Tab 3 Pro 10:

  • Beamer enttäuscht
  • hohes Gewicht
  • weniger überzeugende Kameras