Seite 1: LG V30 im Test: Das Smartphone für Musikfans

lg v30 test

Gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten hat es LGs V30 in den Handel geschafft. Nachdem Interessierte in Asien und Nordamerika teilweise schon seit Wochen zugreifen können, wird das neue Aushängeschild der Südkoreaner erst jetzt auch in Deutschland angeboten. Unglücklicher könnte das Timing dabei kaum ausfallen: Die direkte Konkurrenz ist schon länger erhältlich, ein neuer SoC steht vor der Tür und in puncto Software ist man trotz des späten Starts nicht auf einem aktuellen Stand. Eine Chance hat das V30 aber dennoch verdient, wie der Test zeigt. Denn LG hat aus einigen Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Wer mit dem V30 liebäugelt, muss jedoch überraschend tief in die Tasche greifen. Denn mit unverbindlichen 899 Euro fällt das Smartphone teurer als viele direkte Mitbewerber aus. Die heißen in erster Linie OnePlus 5T (Test) ab 499 Euro, Huawei Mate 10 Pro (Test) für 799 Euro, Samsung Galaxy S8 (Test) für 799 Euro und Google Pixel 2 XL (Test) ab 939 Euro.

Im Handel fallen die Unterschiede mitunter weit größer aus. Für das LG V30 müssen - Stand Mitte Dezember - etwa 860 Euro eingeplant werden. Angeboten wird das Smartphone in den beiden Farbvarianten Cloud Silver und Moroccan Blue. In Deutschland wird lediglich das V30 angeboten, das V30+ hingegen nicht. Einziger Unterschied: Das V30+verfügt über 128 statt 64 GB internen Speicher.

Nicht überzeugendes Display trifft auf gebremsten SoC

Technisch ist eine Verwandtschaft mit dem Pixel 2 XL nicht zu übersehen. Kein Wunder, entwickelte Google sein großes Smartphone doch gemeinsam mit LG. Die wichtigsten Parallelen betreffen dabei Display, SoC und Speicherbestückung.

Die Anzeige bringt es auch im V30 auf glatte 6 Zoll bei einer Auflösung von 2.880 x 1.440 Pixeln. Das ergibt eine mehr als ausreichende Pixel-Dichte von 536 ppi, ein Seitenverhältnis von 18:9 respektive 2:1 sowie eine Bildschirm-Fläche von 92,9 cm²; die runden Ecken einmal ignoriert.

Wie auch schon im Pixel 2 XL hat das P-OLED-Panel aber auch hier mit Problemen zu kämpfen. Schon während der Ersteinrichtung fällt ein satter Blaustich auf, ab Werk wird Weiß mit einer Temperatur von fast 7.800 Kelvin dargestellt. In den Systemeinstellungen gibt es zwar neben verschiedenen vorgefertigten Profilen auch manuelle Anpassungsmöglichkeiten, es gelang im Test aber nicht, eine befriedigende Farbtemperatur einzustellen; ein besserer Wert als 7.100 Kelvin konnte nicht erreicht werden.

Nur wenig besser sieht es bezüglich der Helligkeit aus. Im manuellen Modus wurden 438 cd/m² erreicht, bei automatischer Anpassung offenbarte sich ein leichter Boost-Modus - erreicht wurden es 478 cd/m². Beide Werte reichen für den Einsatz im Freien, nicht jedoch bei direktem Lichteinfall durch Sonne oder helle Lampen. Überzeugend ist hingegen der Kontrast, der OLED-typisch ins Unendliche geht. Und auch die allgemeine Farbdarstellung weiß zu gefallen: Sie ist knackig, aber nicht übertrieben unnatürlich. Dank Always-on-Funktion werden alle wichtigen Daten auf Wunsch permanent oder nur zu bestimmten Zeiten dargestellt.

Dem verbauten Snapdragon 835 stellt LG 4 GB LPDDR4-RAM zur Seite. Das entspricht der Kapazität des Pixel 2 XL und auch des Galaxy S8, andere Mitbewerber bieten allerdings mehr. Ob das im Alltag einen spürbaren Vorteil bietet, sei dahingestellt. Interessanter ist, dass das V30 in einigen Benchmarks teils deutlich langsamer als die Konkurrenz ist. Im 3DMark Ice Storm Unlimited landet es mit rund 34.600 Punkten klar hinter den Snapdragon-835-Modellen Pixel 2, Pixel 2 XL, OnePlus 5 und OnePlus 5T. Im anspruchsvolleren Setting Slingshot muss LG zumindest das Pixel 2 XL und OnePlus 5T noch vorbeiziehen lassen, im PCMark zieht ein Dutzend anderer Smartphones vorbei.

Auf den Grund hierfür trifft man beim Blick auf die Resultate der einzelnen Komponenten. Mit 114 und 61 fps (GFXBench 3 T-Rex und Manhattan, jeweils Offscreen) erreicht die GPU vom Typ Adreno 540 die zu erwartende Leistung. Und auch der CPU-Part liefert die für den Snapdragon 835 übliche Leistung ab - sofern er nicht zu lange gefordert wird. Denn schon im Multi-Thread-Durchlauf von Geekbench 4.x bricht die Performance ein. Bei SoC-Spitzentemperaturen von 52 °C lag das Leistungsniveau nur noch bei 76 % des Maximums. Zum Vergleich: Das Pixel 2 XL wurde im Test auf 82 % gebremst, der SoC erhitzte sich auf 50 °C.

Im Alltag merken Nutzer davon nichts, schließlich liefert Qualcomms Snapdragon 835 auch dann noch mehr als genügend Leistung. Auch beim Einsatz als mobile Spielekonsole gab es keine negativen Auffälligkeiten.

Einen theoretischen Vorteil gegenüber dem Pixel 2 XL hat das V30 beim Einsatz in LTE-Netzen. Denn wo Google das Modem des Snapdragon 835 drosselt, nutzt LG das volle Potential. Bis in Deutschland allerdings Cat 16 und Cat 13 für Down- und Uplink (1.000 und 150 MBit/s) genutzt werden können, wird es noch Jahre dauern. Mehr haben Nutzer von zuverlässig arbeitenden Mikrofonen, die störende Nebengeräusche effektiv herausfiltern sowie der guten Audio-Qualität des Frontlautsprechers. Ungewöhnliche Verbindungsabbrüche waren im Laufe des Tests nicht festzustellen, auch auffällige Netzwechsel blieben aus.

Nicht mit dem inoffiziellen Schwestermodell mithalten kann das V30 bei der Audio-Wiedergabe über den zweiten Lautsprecher. Nicht nur, dass LG hier lediglich auf eine Mono-Lösung setzt, auch der Klang ist dem Google-Smartphone klar unterlegen. Tiefe Frequenzen bietet der im unteren Rahmen untergebrachte Lautsprecher nur rudimentär, schon ab einem Pegel von etwa 80 % kommt es zudem zu Verzerrungen. Ein völlig anderes Bild zeichnet sich aber ab, wenn Kopfhörer zum Einsatz kommen, für die LG löblicherweise an der klassischen Audio-Buchse festhält.

Dann wird auf Wunsch der Quad-DAC hinzugeschaltet, was Zugriff auf einen Equalizer und Filteroptionen bietet. Damit lässt sich der Klang hörbar verändern, das Ergebnis ist bei Wahl der richtigen Einstellungen ein sehr natürliches, harmonisches Klangbild. Hohe, mittlere und tiefe Frequenzen sind klar unterscheidbar und jeweils nicht über- oder unterrepräsentiert. Das gilt erst recht, wenn das zum Lieferumfang gehörende In-Ear-Headset zum Einsatz kommt, das das Bang & Olufsen-Logo trägt - nicht zu Unrecht, wie der Test zeigt. Ohne Quad-DAC ist der Klang hingegen eher flach und undifferenziert. Am Einschalten führt somit kein Weg vorbei, auch wenn das zulasten des Energiebedarfs geht. Wer lieber Bluetooth-Kopfhörer nutzen möchte, darf sich über die Unterstützung von aptX HD freuen.

Teils gute Ausdauer

Aber nicht nur beim Thema DAC hat LG aus dem Desaster rund um das G6 und dessen regional unterschiedliche Versionen gelernt. Denn auch hinsichtlich des 3.300 mAh fassenden Akkus, bzw. dessen Wiederbefüllen gibt es nun keine Einschränkungen für Deutschland mehr. Wahlweise wird per Kabel über die Typ-C-Buchse (USB 3.1 Gen 1) oder dank Qi-Standard drahtlos geladen. Wer zum Kabel greift, muss allerdings mit etwas längeren Ladezeiten als erwartet rechnen. Zwar unterstützt das V30 Quick Charge 3.0, das mitgelieferte Ladegerät mit seinen maximal 16,2 W reizt die Schnellladetechnik aber nicht aus. Das Ergebnis: Von 0 auf 50 % geht es in knapp unter 40 Minuten, von 0 auf 100 % genehmigte sich das Smartphone im Test rund zwei Stunden.

Wett machen das zu einem Teil die Laufzeiten. Die Video-Schleife mit lokal hinterlegtem Full-HD-Material und einer Display-Helligkeit von 200 cd/m² durchlief das V30 knapp 15,5 Stunden lang, im PCMark-Akkutest hielt es rund 8,5 Stunden durch. Den simulierten Praxistest mit Telefonaten, Surfen per WLAN und LTE und kürzeren Spiele-Sessions absolvierte das Smartphone rund zwei Tage lang ohne Aufladen - Schluss war nach etwa 50 Stunden.