Seite 1: Honor 6X im Test

honor 6xWährend so mancher etablierte Anbieter Mühe hat, seine Absatzzahlen zumindest stabil zu halten und an Wachstum nicht zu denken wagt, eilt Honor von Rekord zu Rekord. Abermals hat die Huawei-Tochter mehr Geräte verkauft und scheut sich immer weniger vor einem internen Konkurrenzkampf. Bestes Beispiel ist das neue Honor 6X, das in einigen Bereichen frappierende Ähnlichkeit zum nova Plus aufweist. Ob der wichtigste Unterschied für den Erfolg ausreicht, zeigt der Test.

Erst in Las Vegas erklärte Honor Anfang Januar wieder, dass der Wettbewerb mit der Schwester nicht nur geduldet, sondern auch erwünscht sei. Nach wie vor steht Honor der Griff ins Teilelager offen, wovon auch ausgiebig Gebrauch gemacht wird, doch man scheut nicht davor zurück, eigene Lösungen zu entwickeln. Das wichtigste Differenzierungsmerkmal ist und bleibt aber die Kundenansprache. Während Huawei zuletzt immer weiter in Richtung Premiummarke ausgebaut wurde und dies mit den entsprechenden Vertriebswegen verbunden ist, hat Honor weiterhin den „Digital Native“ im Visier. Jenen Käufer, der sich im Internet über Geräte informiert, dort auch überwiegend kauft und der sich - vor allem - jung fühlt.

Da passt es irgendwie, dass die Preise noch immer vergleichsweise niedrig ausfallen. Werden für das nova Plus unverbindliche 429 Euro aufgerufen, sind es beim Honor 6X lediglich 249 Euro. Es sei denn, man entscheidet sich für das Premiummodell mit größerem Speicher, das für den Test bereitstand: Dann werden 299 Euro fällig.

Überraschend gutes Display

Unabhängig davon, für welche Version des Honor 6X man sich entscheidet, das Display misst in der Diagonalen immer 5,5 Zoll, basiert auf einem IPS-Panel und bietet 1.920 x 1.080 Pixel. Gegenüber dem knapp ein Jahr altem Honor 5X hat man in dieser Hinsicht also nichts geändert, auch beim Blick auf das nova Plus zeigt sich kein Unterschied. Die Pixel-Dichte von 401 ppi ist mehr als ausreichend, selbst bei feinen Strukturen gibt es keine Probleme bezüglich der Erkennbarkeit.

Ein Lob verdient Honor für die weitaus wichtigeren Eckdaten. Mit 546 cd/m² erreicht das Display eine sehr hohe Maximalhelligkeit, die die Ablesbarkeit auch im Freien garantiert; die automatische Regulierung arbeitet überwiegend sehr feinfühlig. Da hilft es, dass der Kontrast mit 1.696:1 ebenfalls überzeugt, bessere Werte sind bei einem IPS-Panel dieser Größenordnung selten. Und zu guter Letzt gefällt auch die Farbdarstellung. Farben werden kräftig, aber natürlich dargestellt, lediglich die Farbtemperatur ist ab Werk nicht optimal eingestellt; rund 8.700 Kelvin sorgen für einen erkennbaren Blaustich. Allerdings darf man dem entsprechenden Punkt in den Einstellungen vertrauen: Wer sich hier für „Warm“ entscheidet, erhält deutlich bessere 6.900 Kelvin, mit ein wenig Ausprobieren am Farbrad lassen sich auch 6.500 Kelvin erreichen.

Ausgeliefert wird das Honor 6X mit einer Schutzfolie, die allerdings nicht das gesamte Glas auf der Front abdeckt, sondern lediglich nur den berührungsempfindlichen Teil des Bildschirms.

Genügend Leistung für (fast) alles

Eine kleine, und für viele vermutlich unwichtige, Abweichung gibt es beim SoC. Denn hier verlässt Honor sich auf das Eigengewächs Kirin 655, im nova Plus vertraut Huawei wie auch beim nova auf Qualcomms Konkurrenz-Chip Snapdragon 625.

Im grundsätzlichen Aufbau nehmen sich beide SoCs nichts. Das Grundgerüst bilden hier wie da acht CPU-Kerne vom Typ Cortex-A53 sowie eine GPU der unteren Mittelklasse - hier eine Mali-T830 MP2. Die beiden Cluster erreichen im Honor 6X maximale Taktraten von 1,7 und 2,1 GHz, beim Snapdragon 625 sind es in beiden Fällen bis zu 2 GHz. Das sorgt für unterschiedliche Leistungswerte, die Abweichungen fallen aber gering aus. Zudem lässt sich nicht pauschal sagen, dass eines der beiden Smartphones schneller oder langsamer als das andere ist.

Für sich betrachtet schneidet das Honor 6X erwartungsgemäß ab. Rund 11.700 Punkte im 3DMark (Ice Storm Unlimited) zeugen von genügend Leistung für viele Spiele, solange die Anforderungen an die GPU sich in Grenzen halten, mehr als 57.700 Punkte in AnTuTu 6 sowie eine Multi-Thread-Wertung von 3.300 Punkten in Geekbench 4 attestieren dem Gerät darüber hinaus genügend Reserven für die alltäglichen Aufgaben. Entsprechend gibt es keine Probleme bei der Darstellung der Systemoberfläche oder von umfangreichen Seiten im Browser.

Auffallend ist der vergleichsweise langsame interne Speicher des 64-GB-Modells. In Androbench wurden in der Spitze beim Lesen und Schreiben maximal rund 94 und 70 MB/s erreicht, viele Mittelklasse-Smartphones erreichen hier mehr.

Audio ja, Typ-C nein

In puncto weiterer SoC-Ausstattung bietet das Honor 6X hingegen das Übliche. Das integrierte LTE-Modem erreicht dank Cat 6 bis zu 300 Mbit/s im Downstream, das WLAN-Modul funkt gemäß n-Standard in 2,4-GHz-Netzen und der Arbeitsspeicher wird über zwei Kanäle angesprochen; unterstützt wird allerdings nur LPDDR3. Gefertigt wird der Kirin 655, der auch Bluetooth 4.1, aber kein NFC mitbringt, im 16-nm-FinFET+-Verfahren.

Ob der SoC USB Typ-C unterstützt, ist nicht bekannt, entsprechend ist unklar, warum Honor auf einen Micro-USB-Port für Datenübertragungen und das Aufladen des Akkus setzt. Auf eine 3,5-mm-Audio-Buchse verzichtet man nicht.

Sollen zwei SIM-Karten gleichzeitig genutzt werden, entfällt Platz für die microSD-Karte. Zudem kann nur eine SIM in UMTS- und LTE-Netzen genutzt werden.

Das Honor 6X ist eine Wi-Fi Bridge

Beim Telefonieren und Übertragen von Daten fiel das Honor 6X im Laufe des Tests nicht negativ auf. Die Gesprächsqualität entpuppte sich an beiden Enden der Leitung als überdurchschnittlich, was auch an der Unterdrückung störender Nebengeräusche sowie der ausreichenden Lautstärke des oberen Lautsprechers lag. Der im unteren Rand untergebrachte zweite Lautsprecher könnte hingegen etwas höhere Pegel, mehr Tiefen und weniger Verzerrungen vertragen. Letztere traten bereits ab etwa 60 % auf.

Verbindungsabbrüche oder auffällige Wechsel zwischen den Netzen konnten nicht beobachtet werden.

Wer viel unterwegs ist, dürfte sich über die integrierte Wi-Fi Bridge freuen. Die ermöglicht es, ein WLAN-Signal vom Honor 6X weiterverteilen zu lassen. Erlaubt beispielsweise ein Hotel-Netz nur den Betrieb von einem Gerät, kann dies das Smartphone sein, das seinerseits bis zu vier weitere Geräte versorgen kann. Leider leidet die nutzbare Bandbreite darunter spürbar, was den Nutzen aber nicht essentiell schmälert.