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Mehr Laufzeit bei gleicher Kapazität

Deutlich größer als noch im P8 lite fällt der Akku aus. Mit 3.000 mAh bietet das P9 lite eine um ein Drittel höhere Kapazität und zieht mit dem P9 gleich. Vielleicht wäre sogar noch mehr möglich gewesen, immerhin ist das Gehäuse des Mittelklasse-Ablegers etwas größer.

Dennoch reicht der Gleichstand aus, um teilweise bessere Resultate zu erzielen. Sowohl in PCMark als auch in der Video-Schleife überholt das P9 lite sein teureres Schwestermodell. In beiden Benchmarks bringt es das Smartphone auf knapp 8 Stunden, was jeweils für einen Platz im Mittelfeld reicht. Das Plus gegenüber dem P9 ist in erster Linie auf den SoC zurückzuführen. Der dort verbaute Kirin 955 benötigt trotz gleichem Fertigungsverfahren etwas mehr Energie. Bei Tests unter höherer Last rächt sich zudem das Mehr an Leistung, das natürlich ebenfalls zulasten der Ausdauer geht.

USB Typ-C gibt es nicht, dafür aber im Alltag gute Laufzeiten
USB Typ-C gibt es nicht, dafür aber im Alltag gute Laufzeiten

Im alltagsnahen Einsatz liegen beide Smartphones hingegen dicht beieinander. Auch das P9 lite musste nach gut zwei Tagen oder etwa 52 Stunden wieder an das Ladegerät angeschlossen werden. Damit entpuppt es sich nicht als Langläufer, wohl aber als leicht überdurchschnittlicher Begleiter.

Schade ist, dass Huawei auf das schnelle Laden des Akkus verzichtet hat. Das mitgelieferte Ladegerät bringt es sogar nur auf 5 W - auch in der Mittelklasse ist da nicht mehr zeitgemäß. Einen leicht austauschbaren Akku oder drahtloses Laden gibt es ebenfalls nicht.

Kamera

Die Zwei-Marken-Strategie dürfte bei Huawei mitunter zu schwierigen Entscheidungen führen. Gewährt man Honor den vollständigen Griff ins Teilelager oder setzt man in Abhängigkeit vom Verkaufspreis Grenzen? Schließlich müssen Abstände zwischen den einzelnen Geräten und Marken erhalten bleiben, um eine interne Kannibalisierung zu verhindern. Ganz vermeiden lässt sich die aber nicht. Denn während man das Honor V8 mit der vom P9 bekannten Dual-Sensor-Lösung auf der Rückseite bestückt, dabei aber auf die Leica-Optik verzichtet, muss das P9 lite mit einer herkömmlichen Ausstattung auskommen.

Im Wesentlichen stimmt die Hardware mit der des P8 überein. Hinten gibt es einen 13-Megapixel-Sensor mit Dual-LED-Blitz und Blende f2.0, vorne sollen 8 Megapixel und Blende f2.0 für gute Selfies und mehr sorgen. Einen optischen Bildstabilisator gibt es nicht. Das kommt natürlich bei schlechten Lichtverhältnissen zum Tragen.

Gute Lichtverhältnisse sind gleichbedeutend mit (meist) guten Aufnahmen
Gute Lichtverhältnisse sind gleichbedeutend mit (meist) guten Aufnahmen

Schon früh wechselt das P9 lite dann im Automatik-Modus zu hohen ISO-Werten, was wiederum Bildrauschen begünstigt. Entsprechend sind Dämmerungs- und Nachtaufnahmen teils sehr stark verrauscht, Details gehen dabei größtenteils verloren. Ähnlich verhält es sich aber auch dann, wenn der Kunstlichtanteil hoch ist. Vordergründig wirken die Aufnahmen überdurchschnittlich bis gut, das Hereinzoomen zeigt dann aber fehlende Schärfe - vor allem in Richtung der Ränder. Im Freien bei Tageslicht sieht es hingegen ganz anders aus. Details und Farben bleiben weitestgehend erhalten, auch die Schärfe stimmt. Nur hier und da hat die Automatik Probleme mit einem sauberen Weißabgleich, was durch den Wechsel in den Pro-Modus aber korrigiert werden kann. Dieser bietet wie üblich Zugriff auf die wichtigsten Parameter und ermöglich nach einer gewissen Einarbeitungszeit weit bessere Resultate als die Automatik.

Wenig Licht hat die Kamera kaum etwas entgegenzusetzen
Wenig Licht hat die Kamera kaum etwas entgegenzusetzen

Wer stattdessen Videos aufzeichnen will, kann ebenfalls zwischen diesen beiden Modi wählen, nötig ist aber nur selten. Denn hier wirkt die Automatik weitaus souveräner, dafür stören früh leichte Artefakte. Dass die Aufnahmen auf 1080p begrenzt sind, ist für ein Huawei-Smartphone üblich. Wohl aber, dass im Zeitlupe-Modus nur VGA-Auflösung geboten wird; bei Zeitraffer-Aufnahmen wird hingegen 720p geboten. Weit weniger Gedanken um die Auflösung muss man sich beim Einsatz der Frontkamera machen. Die ermöglicht überdurchschnittlich gute Fotos, auch wenn es zum Rand hin Schärfeprobleme gibt. Wie üblich kann dem eigenen Aussehen per Schieberegler nachgeholfen werden - seit geraumer Zeit ein Standard-Feature bei Huawei.

Die Kamera-App entspricht in weiten Teilen der des P9
Die Kamera-App entspricht in weiten Teilen der des P9

Die Kamera-Applikation selbst hat man größtenteils vom P9 übernommen, im Vergleich zum Namensspender fehlen einige Modi und auch der Aufbau weicht an einigen wenigen Stellen ab. So kann der Pro-Modus beispielsweise nicht einfach über einen kleinen Balken eingeblendet werden, stattdessen ist die Auswahl über die Modus-Auswahl nötig.

Beim Gehäuse wird nicht zu sehr gespart

Nicht nur die Ausstattung muss zusammengestrichen werden, wenn aus einem Oberklasse-Smartphone ein Mittelklasse-Modell werden soll. Auch beim Gehäuse muss Verzicht geübt werden. Beim P9 lite bedeutet das: Kunststoff statt Aluminium auf der Rückseite und ein in der Fertigung günstigeres Design. Zwar hat Huawei die grundsätzliche Optik beibehalten, was vor allem auf der Rückseite deutlich wird. Es gibt aber weder 2.5D-Glas noch einen so hochwertig wirkenden Rahmen - der beim P9 lite aber immerhin noch aus Metall besteht.

Die Verarbeitung ist wie gewohnt sehr gut, optisch wirkt das P9 frischer
Die Verarbeitung ist wie gewohnt sehr gut, optisch wirkt das P9 frischer

Ins Auge stechen lediglich der farblich abgesetzte Kamerabereich sowie der Fingerabdrucksensor, insgesamt wirkt das Smartphone wie eine Mischung aus P8, P8 lite und P9. Leider kommt das Gerät deshalb nicht an die elegante Erscheinung des teureren Schwestermodells heran, man kann fast schon von einer leicht altbackenen Optik sprechen; wie immer ist das aber Geschmackssache.

Unstrittig ist hingegen, dass Huawei das exzellente Verarbeitungsniveau auch beim P9 lite bietet. Alles passt nahtlos zusammen und die am rechten Rand platzierten Tasten für Lautstärke und Standby weisen kein überflüssiges Spiel auf. Was noch auffällt: Anders als beim Vorgänger sind die Antennen-Isolatoren deutlich sichtbar und Teil des Designs, zudem hat man die Audio-Buchse anders als beim P9 wieder am oberen Ende untergebracht.

Gespart hat Huawei beim Material: Die Rückseite besteht nur aus Kunststoff
Gespart hat Huawei beim Material: Die Rückseite besteht nur aus Kunststoff

Beim Punkt Ergonomie gibt es keine Überraschungen. Mit 146,8 x 72,6 x 7,5 mm ist das Smartphone für die Bedienung mit nur einer Hand zu groß, auch wenn das Display rund 76 % der Front einnimmt. Mit 147 g ist es angesichts der Größe angenehm leicht, die raue Oberfläche der Rückseite sorgt für einen sicheren Halt in der Hand.

Android 6.0 + EMUI 4.1

Klammert man die Kamera-Applikation aus, stimmt das Software-Paket des P9 lite fast vollständig mit dem des P9 überein. Als Basis kommt auch hier Android 6.0 zum Einsatz, darüber stülpt man EMUI 4.1 - etwas aktuelleres gibt es bei Huawei derzeit nicht.

Wie gewohnt weicht die eigene Oberfläche deutlich von Stock-Android ab, auffällig ist vor aller der Verzicht auf einen App Drawer. Das Design kann mannigfaltig den eigenen Vorlieben entsprechend angepasst werden, angefangen von der Form der Icons bis hin zum Effekt beim Wechseln zwischen den Homecreens.

Fazit

Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Das P9 lite ist nicht der Nachfolger des P8 lite, sondern die 2016er Version des P8. Das ist kein Makel, sondern fast schon eine Auszeichnung für Huawei. Denn binnen eines Jahres hat man es geschafft, die Leistung 40 % günstiger und gleichzeitig in wichtigen Teilen aktuelle Technik anbieten zu können.

Der moderne SoC bietet für die Mittelklasse mehr als genügend Reserven, der Akku genügend Laufzeit auch für anspruchsvolle Tage. Verpackt wird das in einem sehr gut verarbeiteten Gehäuse, das optisch allerdings nicht mit der neuen Generation mithalten kann. Dass Display und Kamera sich aufgrund einiger weniger Schwächen im Durchschnitt tummeln und die Ausstattung in dem ein oder anderen Punkt ebenfalls Luft nach oben hat, kostet in der Bewertung ein paar Punkte.

Das Huawei P9 lite ist ein guter Mittelklasse-Vertreter, der gegenüber dem Vorgänger einen großen Sprung macht
Das Huawei P9 lite ist ein guter Mittelklasse-Vertreter, der gegenüber dem Vorgänger einen großen Sprung macht

Ausschlaggebend ist das aber nicht. Denn insgesamt ist das P9 lite ein mehr als souveränes Mittelklasse-Smartphone, das sich an all die richtet, die keine überbordende Leistung oder jedes kleine Ausstattungs-Gimmick benötigen.

Dass es nicht für eine allgemeine Empfehlung reicht, liegt nicht an Huawei, sondern nur am allgegenwärtigen Preisverfall. Der sorgt dafür, dass ein Nexus 5X und Sony Xperia Z3+ zu den aus preislicher Sicht wichtigsten Konkurrenten gehören. Auch diese beiden Vertreter sind nicht perfekt, bieten am Ende aber doch etwas mehr fürs Geld.

Positive Eindrücke des Huawei P9 lite:

  • sehr hohe Verarbeitungsqualität
  • Speicher erweiterbar
  • aktuelle Android-Version

Negative Eindrücke des Huawei P9 lite:

  • Akku fest verbaut
  • Display mit nicht optimaler Farbtemperatur