Seite 4: Laufzeit, Gehäuse, Software

Mehr Akku bedeutet bessere Laufzeiten

Ein ordentliches Plus bieten die Akkus der beiden Galaxy-S7-Modelle. Die Standardversion bietet 3.000 mAh, im edge sind es sogar 3.600 mAh. Gegenüber den Vorgängern bedeutet dies ein Plus von etwa 15 und 28 %; selbst das Galaxy S6 edge+ verfügt nur über einen 3.000 mAh fassenden Energiespeicher. Da der neue SoC eher sparsamer als der alte ist und das Display in puncto Energiebedarf nicht sehr viel anders als vor einem Jahr abschneiden dürfte, sollte die zusätzliche Kapazität zumindest auf dem Papier zu einer spürbaren Verlängerung der Laufzeiten führen.

Beim Galaxy S7 ist dies der Fall. Im PCMark-Test hielt das Handy mehr als 7,5 Stunden durch, was gegenüber dem Vorgänger ein Plus von circa 12 % bedeutet. In der Video-Schleife fiel der Zuwachs sogar deutlich größer aus. Hier wurden mit einer Ladung 11,5 Stunden geschafft, rund 30 % mehr als beim Galaxy S6. Einen großen Satz macht aber auch das Galaxy S7 edge. Der PCMark spricht von 8,5 Stunden, bei der Video-Wiedergabe waren sogar mehr als 13,5 Stunden möglich. Im Vergleich mit der vorherigen Generation ist das ein Plus von grob 20 und 40 %. Aber auch der Blick auf das Galaxy S6 edge+ lohnt. Schließlich konnte sich dies im Spätsommer einen Platz in der Spitzengruppe sichern, fällt nun aber zurück. Das neue edge schneidet etwa 5 und 3 % besser ab.

Beide Smartphones sind dicker als ihre Vorgänger, was dem Akku zugute kommt
Beide Smartphones sind dicker als ihre Vorgänger, was dem Akku zugute kommt

Im Vergleich mit der Konkurrenz können sich beide Geräte sehen lassen, schließlich reicht es in beiden Tests für für das obere Drittel.

In Teilen gilt das auch für die Ausdauer im Alltag, der mit mehreren kurzen Telefonaten, dem Surfen per WLAN und LTE sowie Hintergrundaktivitäten wie dem Abgleich von E-Mail-Konten simuliert wurde. Das Galaxy S7 hielt dabei nicht ganz zwei Tage (45 Stunden) durch, beim Galaxy S7 edge waren es etwas (51 Stunden) mehr. Mit den bekannten Energiesparmodi, die die Funktionen teilweise deutlich beschneiden, lassen sich die Laufzeiten vor allem im Standby weiter steigern, wer das Smartphone häufiger als mobile Konsole nutzt, dürfte hingegen nahezu täglich zum Ladegerät greifen müssen.

Das lädt im Übrigen mit bis 15 W, was einen vollständigen Zyklus in weniger als zwei Stunden ermöglicht. Alternativ kann auch zum optional erhältlichen Ladepad gegriffen werden, was die Ladezeiten allerdings erhöht. Dass der Akku in beiden Smartphones fest verbaut ist, dürfte in erster Linie die Gebrauchtkäufer stören.

Neues altes Design

Wie schnell man kleine Veränderungen übersehen kann, wird beim Galaxy S7 deutlich. Legt man das neue Smartphone neben seinen Vorgänger, dürften zunächst nur wenige auf Anhieb sagen können, welches Modell welches ist. Denn Samsung hat darauf verzichtet, das Design grundlegend zu verändern und hat stattdessen auf eine sehr behutsame, aber dennoch sehr gelungene Weiterentwicklung gesetzt. Gelungen, da man mit wenigen Linienänderungen einige Mankos des Galaxy S6 und Galaxy S6 edge ausgemerzt hat.

Wichtigste Design-Änderung: Die Rückseite nimmt die Biegung des Displays auf
Wichtigste Design-Änderung: Die Rückseite nimmt die Biegung des Displays auf

Zunächst der Blick auf das Galaxy S7. Das Gehäuse ist nun 142,4 x 69,6 x 7,9 mm groß und damit etwas kürzer und schmaler, aber auch dicker als beim Galaxy S6 (143,4 x 70,5 x 6,8 mm) - mit 152 g zudem 14 g schwerer. Der Grund für beides ist der deutlich größer gewordene Akku, der naturgemäß mehr Raum benötigt. Aber auch die Kühlung des Exynos 8890 dürfte sich hier bemerkbar machen. Von vorne betrachtet sind beide Generationen nicht auseinander zu halten, erst der Blick auf Rahmen - der wieder aus Aluminium besteht - und Rückseite - wieder aus Aluminium mit Glasüberzug - hilft. War ersterer beim Galaxy S6 im mittleren Bereich leicht abgeflacht und an den beiden Kanten abgerundet, setzt Samsung nun auf einen eher flüssigen Übergang zwischen Vorder- und Rückseite.

Der Grund für diese Design-Änderung ist die Rückseite. Denn bei dieser greift Samsung das gebogene Display der edge-Variante auf. Denkt man sich den Rahmen weg, würde die Biegung nahtlos von der Vorder- bis zur Rückseite reichen - zumindest in der Vorstellung. Diese Biegung täuscht aber auch über die 1,1 mm hinweg, um die das Galaxy S7 dicker ausfällt. Das Mehr an Dicke hat aber auch zwei andere Vorteile. Zum einen steht die Kamera nur noch knapp 0,5 mm ab, obwohl das Modul die gleiche Bauhöhe wie beim Galaxy S6 haben soll, zum anderen liegt das Smartphone besser in der Hand. Für das Plus an Ergonomie sorgen hier aber auch die seitlichen Rundungen, das Glas ist hingegen - wenig überraschend - wieder etwas zu rutschig.

Beim Galaxy S7 ist der Rahmen neu, beim Galaxy S7 edge nicht
Beim Galaxy S7 ist der Rahmen neu, beim Galaxy S7 edge (oben) nicht

Beim Galaxy S7 edge fällt der Unterschied gegenüber dem Galaxy S6 edge natürlich sofort auf, das größere Display sticht ins Auge. Insgesamt bringt es das Smartphone auf 150,9 x 72,6 x 7,7 mm, was in allen drei Dimensionen mehr ist; beim Gewicht legt es um 25 auf 157 g. Das grundsätzliche Design stimmt mit dem des Galaxy S7 überein, das gebogene Display einmal ignoriert. Auch hier ist das Gehäuse aufgrund des Akkus etwas dicker, ebenso steht die Kamera weit weniger als noch vor einem Jahr ab. Auf den seitlichen Rahmen haben die zusätzlichen 0,7 mm aber keinen Einfluss. Denn anders als zunächst angenommen fällt dieser nicht dicker aus, es bleibt bei etwa 3 mm an der dünnsten Stelle. Dennoch liegt das Galaxy S7 edge etwas sicherer als der Vorgänger in der Hand, was auch hier an der gebogenen Rückseite liegt.

Bei der Bewertung der Bedienbarkeit spielen aber auch andere Punkte eine Rolle. Die sauber eingefassten und mit sattem Druckpunkt ausgestatteten Tasten für Lautstärke und Standby sind wie üblich am rechten und linken Rand untergebracht, beim Galaxy S7 edge allerdings etwas zu weit oben. Im Gegenzug bietet das größere der beiden Smartphones das bessere Verhältnis von Display zu Front: Hier sind es rund 76 %, beim Galaxy S7 nur etwa 72 %. Für die Praxis bedeutet dies, dass beide Modelle kaum bis gar nicht mit nur einer Hand zu bedienen sind.

Die Kamera steht nur noch einen halben Millimeter ab - da das Gehäuse dicker ist
Die Kamera steht nur noch einen halben Millimeter ab - da das Gehäuse dicker ist

Was bleibt zum Gehäuse noch zu sagen? Die Verarbeitung ist erneut exzellent, die Verteilung der Schnittstellen beinahe identisch zum letzten Jahr - Micro-USB und Audio erneut unten, SIM und Speicherkarte nun oben - und die Rückkehr der IP-Zertifizierung begrüßenswert. Gemäß IP68 ist sind beide Modelle immun gegen das Eindringen von Staub und Wasser, in Hinblick auf letzteres gelten allerdings wie üblich Einschränkungen. Mehr als 30 Minuten bei einer Tiefe von bis zu 1,5 verspricht Samsung nicht, zudem ist nur die Rede von klarem Süßwasser.

edge bietet endlich einen Mehrwert

Mit dem Galaxy S6 wagte Samsung den großen Umbruch. Galt TouchWiz bis dahin als zu bunt und unübersichtlich, darf der Software-Aufsatz seitdem als einer der besten bezeichnet werden. Zwar bietet so mancher Konkurrent mehr Funktionen, so einsteigerfreundlich ist aber keiner - auch die unveränderte Android-Oberfläche kann da aktuell nicht immer mithalten. Der größte Pluspunkt: Aus teils nichtssagenden Piktogrammen wurden kurze und verständliche Texte, die vor allem Einsteigern entgegenkommen, für Samsung aber auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal bedeuten. Weniger glücklich war hingegen so mancher Käufer des Galaxy S6 edge. Zwar kam auch hier das überarbeitete TouchWiz zum Einsatz, wirklich Gebrauch vom gebogenen Display machte die Oberfläche aber nicht.

Maßband, VIP-Kontakte und mehr: Samsung bietet mehr edge-Funktionen
Maßband, VIP-Kontakte und mehr: Samsung bietet mehr edge-Funktionen

Beim Galaxy S7 und Galaxy S7 edge zeigt sich nun, dass Samsung die Kritik angenommen hat. Nicht nur, dass die eigene Oberfläche nochmals intuitiver gestaltet wurde, auch die edge-Funktionen dürfen nun als echter, wenn auch geringer Mehrwert bezeichnet werden. Vor allem, da der Umfang deutlich erhöht wurde. Bevorstehende Termine können ebenso eingeblendet werden wie Verknüpfungen zu ausgewählten Applikationen oder Kontakten, auch News-Feeds oder Fitness-Daten können dargestellt werden. Der Wechsel zwischen den einzelnen Bereichen erfolgt schnell und einfach per Wischgeste, ebenso das generelle Einblenden der edge-Funktion. Interessant ist vor allem die Möglichkeit, sich passend zum eigenen Standort bestimmte Optionen und Verknüpfungen anzeigen zu lassen - HTCs Sense Home lässt grüßen. Nach wie vor ist es aber nicht möglich, beide Seiten des gebogenen Displays gleichzeitig zu nutzen. Gelieben ist aber auch das letztjährige Problem mit der Tastatur. Denn auch jetzt liegen die äußeren Buchstaben in der Biegung, was die Eingabe mitunter erschwert.

Optisch weitestgehend bekannte Oberfläche, aktuelles Android, ausbaufähiger Fingerabdrucksensor
Optisch weitestgehend bekannte Oberfläche, aktuelles Android, ausbaufähiger Fingerabdrucksensor

In allen anderen Punkten gleicht die Software des Galaxy S7 edge der des Galaxy S7. Diverse Samsung-Apps wie der S Planer, die Gear-Anwendung oder und der eigene App Store sind ebenso vorinstalliert wie Lösungen von Microsoft und Facebook. Diese lassen sich aber wie im vergangenen Jahr problemlos deinstallieren.

Stillstand beim Fingerabdruck, Innovation beim Spielen

Bekannt ist auch der in den Home-Button integrierte Fingerabdrucksensor, der erneut präzise arbeitet, aber nur in wenigen Fällen wirklich genutzt werden kann. Zwar sind das Entsperren des Geräts und das Sichern von Web-Seiten möglich, so viele Anwendungsfälle wie für Apples Touch ID gibt es aber nicht - was zum Teil aber in Googles Verantwortungsbereich liegt. Dass das Entsperren per Finger bei Huawei deutlich komfortabler vonstattengeht, da das Display vorher nicht aktiviert werden muss, ist hingegen Samsungs alleinige Schuld. Das gilt auch für das vergleichsweise langwierige Einrichten des Abdrucks. Insgesamt hat sich in diesem Bereich bei Samsung im vergangenen Jahr nichs getan.

Mit dem Game Launcher und den Game Tools springt Samsung auf den Gaming-Zug auf
Mit dem Game Launcher und den Game Tools springt Samsung auf den Gaming-Zug auf

Welchen Stellenwert Handy-Spiele inzwischen haben, zeigen Game Launcher und Game Tools, die Samsung erstmals anbietet. Der Game Launcher ist dabei in erster Linie ein spezieller Ordner für Spiele, der darüber hinaus zwei Titel-übergreifende Optionen anbietet. So lassen sich sämtliche Benachrichtigungen unterdrücken, damit diese beim Spielen nicht stören, zudem gibt es einen speziellen Energiesparmodus. Wird dieser aktiviert, lassen sich Auflösung und Bildwiederholrate limitieren, der Effekt hängt aber vom jeweiligen Titel ab.

Blick auf die Game-Tool-Funktionen
Blick auf die Game-Tool-Funktionen

Auch die Game Tools lassen sich im Launcher ein- und abschalten. Wer sich für sie entscheidet, findet in einer Art Overlay ein kleines rotes Icon, das bei Betätigung diverse Optionen einblendet. So lassen sich beispielsweise Screenshots oder Ingame-Videos anfertigen, zusätzlich kann das Spiel minimiert werden. Zum Thema Spiele passt aber auch, dass die beiden Smartphones die Vulkan-API unterstützen, was mittelfristig nicht nur optisch schönere, sondern auch weniger Strom fressende Titel zur Folge haben soll.

Speicher ist wieder ein Thema

Dass sich hinter all dem Android 6.0.1 verbirgt, ist nur einigen wenigen Details zu entnehmen. Denn auch wenn TouchWiz schlanker als noch vor zwei oder drei Jahren ausfällt, die optischen und funktionalen Änderungen am Betriebssystem sind immer noch weitreichend.

Letztere reichen sogar so weit, dass eine mit Marshmallow eingeführte Neuerung gar nicht zur Verfügung steht. Die Adoptable Storage genannte Funktion soll eigentlich dafür sorgen, dass interner Speicher und Speicherkarte zu einem Speicher verschmelzen. Der Nutzer hat dann Zugriff auf einen einzigen Speicher für alle Daten. Genau dies ist beim Galaxy S7 und Galaxy S7 edge aber nicht der Fall, was Samsung mit dem schnellen UFS-Speicher begründet. Adoptable Storage würde dazu führen, dass es deutlich spürbare Performance-Einbrüche geben würde, die den Nutzer letztlich stören könnten, so das Unternehmen. Nachvollziehbar ist diese Erklärung, immerhin arbeitet der interne Speicher der Neuheiten deutlich schneller als eine microSD-Karte.

Dass Samsung aber darauf verweist, dass immer noch 32 GB für Applikationen zur Verfügung stehen, ist ein Stück weit dreist. Denn nach der Ersteinrichtung stehen dem Nutzer nur noch etwa 24 GB zur Verfügung, Betriebssystem und vorinstallierte Programme genehmigen sich 8 GB des internen Speichers.

Übrigens: Auch LGs G5 muss ohne Adoptable Storage auskommen.