Seite 1: Sony Xperia Z2 im Test

sony z2Mit dem Xperia Z2 hat Sony nun schon nach einigen Liefertermin-Verschiebungen ebenfalls sein Flaggschiff-Smartphone auf den Markt gebracht - passend zum Beginn der Fußball-WM in Brasilien, die das Gerät als Werbemittel nutzt. Dabei ist es weder rund, noch aus Leder. Ob es für das vollausgestattete Sony Xperia Z2 trotzdem zu einem Weltmeistertitel reicht, zeigt unser Test.

Wie alle anderen Hersteller hat auch Sony mit den aktuellen Problemen im High-End-Markt zu kämpfen. Schnellerer SoC, höher aufgelöstes Display, mehr Arbeitsspeicher - ansonsten sieht es jedoch bei den wirklichen Spitzen-Features, die ein Gerät von der Masse vormals abgehoben haben, schlecht aus. Die Konkurrenz ist auf Augenhöhe, die Kunden entscheiden sich fast nur noch nach Bekanntheit oder Markenbindung. Kein Wunder also, dass Samsung seit geraumer Zeit die Nase vorn hat, während bspw. HTC trotz des überragenden HTC One deutlich weniger Geräte absetzte. Sony ist in diesem Fall der Dritte im Bunde - und darf sich freuen?! Das klären wir im folgenden Test.

Optik, Haptik, Hardware

Ein Blick auf die Hardware, Optik und Verarbeitung sollen zunächst den ersten Eindruck des Gerätes festigen. Mit 163 Gramm gehört es nicht unbedingt zu den leichtesten Geräten am Markt und auch die Maße sind mit 147 x 73 x 8,2 mm nicht rekordverdächtig. Beides hat aber einen Grund: Zum einen setzt man auf IP55/58-Zertifizierung, das Gerät ist also staub- und wasserdicht. Andererseits setzt man bei den Gehäuse-Materialien auf Glas und Metall. Das hat natürlich zur Folge, dass das Gerät größer und schwerer wird. Wobei: Zumindest bei den Maßen zeigt Samsung mit dem S5, dass trotz IP-Zertifizierung ein vergleichsweise kompaktes Gehäuse möglich ist. Im Vergleich zum ersten Xperia Z hat Sony aber durchaus gute Arbeit geleistet und die Maße ordentlich eingedampft.

Bekanntes Design mit wenigen Neuerungen - die Formsprache ist seit dem ersten Xperia Z kaum verändert.

Ob das Design überzeugt, ist selbstverständlich wie immer Geschmackssache. Uns gefiel es schon beim ersten Z und auch jetzt - mit den kleinen Anpassungen bei jedem Generationswechsel - kann uns das Z2 in puncto Design absolut überzeugen. Die Kombination Metall-Glas lässt das Gerät hochwertig wirken und - anders als bei der One-Serie von HTC, die komplett aus Aluminium besteht - deutlich schneller an die Körpertemperatur anpassen, sodass das Gerät nicht ständig unangenehm kühl ist. Im Gegensatz zu den Vorjahresmodellen ist uns die Verarbeitung aber negativ aufgefallen. Der Übergang zwischen Vorder- und Rückseite ist durch ein Metallband, in dem sich alle Buttons und Anschlüsse finden, realisiert - dieses steht leicht hervor, sodass die Seiten vor direkten Kratzern geschützt sind. Das war auch in den letzten Jahren schon der Fall - dieses Mal jedoch ist die Ausführung (zumindest bei unserem Testgerät) nicht ganz so gut gelungen. Die Übergänge sind scharf und das Gerät dadurch unangenehm zu halten. Den Eindruck, das hochwertigste aller Sony-Smartphones in den Händen zu halten, trübt sich dadurch etwas.


Schade: Die Einfassung der Vorder- und Rückseite ist in diesem Jahr etwas scharfkantig geraten.

Ein Blick um das Gerät schafft Gewissheit, dass Sony nicht nur in seiner Designsprache sondern auch in der Funktion wenig Veränderungen gebracht hat. Linkerhand ist neben dem microUSB-Port sowie dem SIM-Slot noch der bereits bekannte Dock-Port, der einen einfachen Anschluss an Audio- und Video-Geräte ermöglicht. Ansonsten findet sich am unteren Ende die Durchführung für eine in unserem Fall nicht mitgelieferte Schlaufe. Rechts sind auf halber Höhe Power- und Lautstärke-Buttons angebracht, am unteren Rand ein Kamera-Button und oberhalb der wasserdichte Zugang zum microSD-Slot. Oben befinden sich obligatorischerweise der 3,5-mm-Klinke-Anschluss sowie ein Mikrofon, während an der Unterseite nur weitere Mikrofone zu finden sind. Die Lautsprecher finden sich bei Sony - ähnlich zu HTCs BoomSound - auf der Vorderseite des Smartphones und bieten im Querformat echten Stereo-Sound. 

Wasser- und Staubschutz realisiert Sony mit Abdeckungen - nur der Klinke-Anschluss benötigt diese nicht.

Der Unterschied zum HTC One M8 und seinen BoomSound-Lautsprechern: Die Lautsprecher des Xperia Z2 brauchen deutlich weniger Platz, wodurch das Gerät etwas kürzer ausfallen kann. Das geht jedoch zu Lasten des Klangs, der beim Z2 nicht schlecht ist, aber andererseits auch keinesfalls lobenswert hervorzuheben wäre. Auch die sonstige Hardware ist auf der Höhe der Zeit, kann sich aber - wie eingangs schon erwähnt - nicht von der Konkurrenz absetzen. Mit 2,3 GHz taktet der Qualcomm Snapdragon 801 sogar 200 Mhz langsamer als im Galaxy S5, die 3 GB RAM sind dafür der 32GB-Version von LGs kürzlich vorgestelltem G3 ebenbürtig. Die 20 MP Kamera mit eigenem Sensor konnte schon bei den Vorgängermodellen durchaus ordentliche Ergebnisse liefern - in diesem Jahr ist sie um den Trend 4K-Videos erweitert worden.  

Schickes, modernes Design mit Haken: Die Rückseite lässt sich - wie bei der Konkurrenz aus Korea - nicht abnehmen.

Ansonsten hält man sich an altbewährtes: Dual-Band-WLAN nach ac-Standard, LTE Cat 4 mit bis zu 150 Mb/s im Downstream sowie Bluetooth 4.0 und NFC. Der microSD-Slot nimmt zudem Speicherkarten bis 128 GB an, sodass die etwas knapp bemessenen internen 16 GB durchaus stattlich erweitert werden können. Insgesamt bietet Sony auch dieses Jahr ein Flaggschiff mit Vollausstattung und ordentlicher Verarbeitung. Im Gegensatz zu dem später angekündigten LG G3 bietet man jedoch "nur" ein Full-HD-Display und auch der optische Bildstabilisator in der Kamera fehlt. Auch microUSB 3.0 für die schnelle Datenübertragung zwischen Rechner und Smartphone sucht man im Z2 vergebens. Dafür kann man mit einem Feature auftrumpfen, dass sonst niemand anderes bislang in einem Smartphone verbaut hat: Noise Cancellation. 

Audio-Technik und Noise-Cancellation

Die digitale Geräuschunterdrückung, so die deutsche Übersetzung, findet schon seit längerem Gebrauch in verschiedensten Headsets und erfreut sich gerade bei Reisenden in Bus, Bahn und Flugzeug größter Beliebtheit. Durch Mikrofone in den Kopfhörern kann ein Umgebungsgeräusch aufgenommen und ein entsprechendes Gegengeräusch berechnet werden, sodass die Geräuschkulisse defacto nicht wahrnehmbar ist. Das gilt natürlich nur für monotone Geräusche wie Triebwerke, Motoren oder Windgeräusche. Von der Funktion konnten wir uns am Sony Stand auf dem diesjährigen MWC in Barcelona bereits überzeugen - dort wurde eine Flugzeugkabine simuliert. 

Die Rückseite ist aus Glas, wirkt aber durchaus stabil.

Gerne hätten wir die Funktion auch in den eigenen vier Wänden ausgiebig getestet, aufgrund des bei uns im Lieferumfang fehlenden Kopfhörers MDR-NC31EM konnten wir uns jedoch nicht nochmals von der Qualität der Geräuschunterdrückung überzeugen. Dennoch: Dass das Feature funktioniert, konnten wir bereits auf dem Messestand in einer Extremsituation testen. Beim Serienmodell verspricht Sony aber auf jeden Fall den Kopfhörer im Lieferumfang (sonst ca. 50 Euro). Vergleichbare "Stand-alone"-Kopfhörer fangen ebenfalls ab rund 50 Euro an, wobei diese dann eher durchwachsene Kritiken bekommen. Ein im Preis-Leistungsbereich zufriedenstellender NC-Kopfhörer liegt bei gut 100 bis 150 Euro. Wer mit einer Anschaffung eines solchen Liebäugelt, kann durchaus auch das Z2 anstelle eines eventuellen Konkurrenz-Flaggschiffs kaufen.