Seite 1: Creative iRoar Go im Test

creative iroar goManchmal kommt es eben doch auf die Größe an, zumindest wenn es um Lautsprecher geht. Denn trotz aller Fortschritte lässt sich die Physik am Ende nicht überlisten - Klang, Volumen und Funktionen brauchen Platz. All das soll Creatives iRoar Go bieten und am Ende doch noch ein Allrounder für Wohnzimmer und Garten sein. Ob der Spagat gelingt, zeigt der Test.

Im September 2014 stellte Creative mit der ersten Generation des Roar einen Bluetooth-Lautsprecher vor, der im Vergleich zu kleineren Boxen mit besserem Klang und diversen Extras punkten sollte. Eine schlechte Idee dürfte das nicht gewesen sein, immerhin folgte Mitte 2015 der leicht geschrumpfte Nachfolger. Noch im gleichen Jahr legte Creative mit dem iRoar Pro nach, wenige Wochen später folgte bereits der iRoar. Die aktuelle, inzwischen fünfte Generation wurde im Spätsommer vorgestellt, ist aber erst seit einigen Wochen auch im deutschen Handel erhältlich.

Zwar gab es beim Versionssprung immer auch einige neue Funktionen, so gravierend wie zuletzt waren die Unterschiede aber nicht. Denn der iRoar Go ist der erste Vertreter seiner Familie, der explizit auch für den Outdoor-Einsatz geeignet ist. Dabei ist er gemessen an der jeweils ursprünglichen Preisempfehlung zusammen mit der ersten Generation der günstigste: Creative ruft 199,99 Euro auf. Im Handel wird er bereits für etwa 170 Euro angeboten.

  Creative iRoar Go
Art Bluetooth-Lautsprecher mit integriertem Media-Player 
Frequenzbereich keine Angabe 
Ausgangsleistung keine Angabe 
Chassisbestückung

2 Hochtöner (1,5 Zoll)
2 passiver Strahler
1 Tiefmitteltöner (2,5 Zoll)

Eingänge für Audio-Wiedergabe Bluetooth 4.2 (NFC)
 3,5-mm-Klinke
microSD-Slot
Micro-USB
Akkukapazität  5.200 mAh
Maße 192 x 97 x 54 mm
Gewicht 810 g
Besonderheiten

 IPX6-Zertififizierung
Freisprechfunktion
Diktierfunktion
PA-Funktion
Powerbank-Funktion

Produktseite de.creative.com
Preis ca. 170 Euro

Weniger robust als das Gehäuse andeutet

Wo die deutlich kleineren MUVO 2 und MUVO 2c optisch durch die poppigen Farben auffallen sollen, setzt Creative beim iRoar Go auf gedeckte Töne. Dominierend sind Schwarz und Dunkelgrau, immerhin heben sich der Rahmen und die Seiten im typischen Metall-Look davon ab. Ohne Grund hat man die schlichte Farbgebung aber nicht gewählt, schließlich soll der Lautsprecher diesbezüglich die 70er Jahre aufgreifen. Gleiches gilt für die Formgebung. Zwar folgt auch die fünfte Generation dem Design der ersten, doch eine Hommage an die tragbaren Kassettenrekorder und ähnliches Audio-Equipment aus der Anfangszeit von AC/DC und Billy Joel ist erst der iRoar Go.

Maßgebliche Elemente sind die Mesh-Optik auf Vorder- und Unterseite sowie der umlaufende Rahmen links und rechts. Regelrechte Hingucker sind darüber hinaus die Abdeckungen der passiven Strahler mit ihren konzentrischen Kreisen sowie dem Creative-Schriftzug, aber auch die beiden Gummideckel auf der Oberseite. Deren Vorhandensein leitet sich aus den Outdoor-Eigenschaften ab: Hebt man die Deckel an, kommen gleich fünf Einschübe und Buchsen zum Vorschein. Doch mehr als den Schutz vor starkem Strahlwasser, beispielsweise aus dem Gartenschlauch, verspricht die Zertifizierung gemäß IPX6 nicht. Der iRoar Go ist weder vor dem zeitweiligen Untertauchen noch vor dem Eindringen von Staub und ähnlichem geschützt.

Dabei deutet das Gehäuse aufgrund der Materialwahl eigentlich einen höheren Grad an Robustheit an, auch hier spielt der umlaufende Rahmen aus Metall wieder eine Rolle. Aber auch das Mesh-Element besteht aus einem nicht näher benannten Metall, Kunststoff kommt lediglich auf der Ober- und Rückseite sowie im Bereich der passiven Strahler zum Einsatz; zusätzlich setzt Creative auf Gummi als Überzug für sämtliche Tasten sowie in Form von Standfüßen, die für einen sicheren Stand sorgen sollen.

Die Verarbeitung des Testmusters wies keine Makel auf, ungleiche Spaltmaße, Grate und anderes waren nicht zu entdecken. Gewöhnungsbedürftig ist die Handhabung der Gummideckel. Diese lassen sich nicht nur schwer anheben, auch das anschließende saubere Verschließen hätte man einfacher lösen können; eine Kunststoffkonstruktion mit innenliegender Dichtung wäre unter Umständen die bessere Wahl gewesen.

Mit 192 x 97 x 54 mm und 810 g ist der iRoar Go zwar weder besonders kompakt noch leicht, er kann aber noch mit einer Hand umschlossen werden und dürfte problemlos in jeden Rucksack passen. Anders als beim MUVO 2 und MUVO 2c kann keine Trageschlaufe befestigt werden, als Alternative bietet Creative eine Tragetasche an, die wiederum über eine Schlaufe verfügt. Mit knapp 50 Euro ist das Transportbehältnis aber alles andere als günstig.

Mehr als nur Musik

Fiel der Funktionsumfang zuletzt schon beim MUVO 2 und MUVO 2c vergleichsweise groß aus, kann der des iRoar Go - wie in dieser Familie üblich - fast schon als überbordend bezeichnet werden. Musik nimmt der Lautsprecher per Bluetooth (4.2), microSD-Slot, Audio-in- oder Micro-USB-Buchse entgegen. Wer auf den Kurzstreckenfunk setzt, darf sich dank NFC auf eine besonders komfortable Koppelung mit dem Smartphone freuen, allerdings ist man auf das A2DP-Protokoll beschränkt - das qualitativ hochwertigere aptX unterstützt der iRoar Go nicht.

Entscheidet man sich hingegen für die Wiedergabe von einer microSD-Karte aus, werden die Formate MP3, WMA und FLAC unterstützt; letzteres mit bis zu 1,3 Mbit/s, erstere mit maximal 320 Kbit/s. Kommt die Micro-USB-Schnittstelle zum Einsatz, fungiert der iRoar Go gegenüber dem verbundenen PC als externe Soundkarte. Aber auch mit einer PlayStation 4 (Pro) kommt der Lautsprecher zurecht, bei bestehender USB-Verbindung übernimmt er die Audio-Ausgabe.

Doch die Wiedergabe von Musik ist nur ein Punkt auf der Liste. Dank des integrierten Mikrofons und des Bluetooth-HFP-Protokolls kann der Lautsprecher auch als Freisprecheinrichtung genutzt werden, ist eine microSD-Karte eingelegt, können Gespräche auch aufgezeichnet werden. Wird der mitgelieferte Mikrofonadapter genutzt, steht auch dem Einsatz als PA-Anlage zur Beschallung nichts im Wege. Im Test entpuppte sich der iRoar Go allerdings als sehr wählerisch, von drei Mikrofonen und Headset konnte nur eines genutzt werden. Und zu guter Letzt hat Creative auch an den Fall gedacht, dass beim Nutzer das Laden des Smartphone vergessen worden ist. Denn die USB-Typ-A-Buchse erlaubt den Einsatz des Systems als Powerbank, geliefert werden maximal 5 V und 1 A.

Leider hat Creative auf einige Funktionen des Vorgängers verzichtet. Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit, zwei Exemplare des iRoar Go in ein Stereo-Gespann zu verwandeln, aber auch die Verbindung mit dem Zusatz-Subwoofer iRoar Rock ist nicht möglich.

Viele Funktionen, viele Tasten

Einige Funktionen können direkt am iRoar Go gesteuert, gleich zwölf Tasten sind auf Ober- und Vorderseite platziert. Diese erlauben den direkten Zugriff auf Play/Pause, Vor/Zurück, die Lautstärkeregelung, das Wählen der Quelle, das Annehmen und Beenden von Telefonaten sowie das Starten, Pausieren und Beenden von Sprachaufnahmen. Zudem erlaubt die Roar-Taste den Wechsel zwischen Klangprofilen.

LEDs informieren über die gerade gewählte Quelle, das Vorhandensein einer Bluetooth-Verbindung sowie einen eventuell aktiven Equalizer. Einen groben Überblick über den Akkustand verrät die in den Einschalter integrierte LED.

Nahezu alle Tasten sind selbsterklärend beschriftet, nur in wenigen Fällen wird ein Blick in die Kurzanleitung nötig. Aber wie schon beim MUVO 2 und MUVO 2c konnte die Wiedergabe im Test nicht in allen Fällen vom Lautsprecher aus gesteuert werden - der Umfang hängt vom genutzten Smartphone ab. Schade: Siri und Co. können über den iRoar Go nicht gestartet werden.