Seite 2: Einrichtung, Funktionsumfang, Akkulaufzeit

Einrichtung und Kompatibilität

Nach dem Auspacken begrüßt die Uhr lediglich mit einem weniger gut erkennbaren Symbol. Man soll das Smartphone irgendwo drauf halten. Die Uhr? Nein! Auf das Ladegerät. Denn in diesem befindet sich ein NFC-Chip, der die Bluetooth-Adresse der Uhr eingespeichert hat. Zudem wird automatisch der Gear Manager, eine Software zur erweiterten Einrichtung der Smartwatch, auf das entsprechende Smartphone geladen. Ohne diese Software geht gar nichts. Paart man Uhr und Smartphone ohne vorheriges Herunterladen des Managers, trennen sich beide nach kurzer Zeit wieder, ohne dass die Uhr einsatzbereit wäre.

Ist der Manager heruntergeladen und installiert, kann die Uhr direkt - auch autark und ohne weitere Einrichtung im Gear Manager - genutzt werden. Dabei stehen Grundfunktionen zur Verfügung, die entsprechend über das angeschlossene Smartphone erweitert werden können. Kompatibel ist die 300 Euro teure Uhr bislang lediglich mit dem brandneuen Galaxy Note 3, wobei Note 2, Galaxy S4 und S3 noch in diesem Jahr in die Kompatibilitätsliste aufgenommen werden sollen. Eine Verbindung mit Fremdgeräten ist bislang nicht geplant, scheint aber durchaus möglich. Bei einem kurzen Test mittels Installation der APK auf einem Galaxy Note 2 war eine Verbindung mit der Smartwatch kein Problem, wobei nicht sämtliche Funktionen lauffähig waren. S Voice wurde beispielsweise nicht unterstützt, da das Note 3 mit S Voice Version 11 arbeitet, das Note 2 jedoch Version 10 aufgespielt hat. Selbiges dürfte für die Anzeige des Wetters gelten. Funktioniert haben bspw. die Kalender-Integration, Kontakte, Telefonieren, Kamera, Sprachmemos und weitere.

Erweiterbarer Funktionsumfang

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Samsung liefert die Galaxy Gear schon im Voraus mit einigen vorinstallierten Funktionen aus:

  • Watchfaces: Aktiviert man die Galaxy Gear, bekommt man zunächst die Uhr mit weiteren Informationen zu Gesicht. Die Watchfaces lassen sich separat auswählen und bieten Infos wie Wetter, Schrittzahl, Termine oder Schnellzugriffe. Zudem lassen sich weitere Watchfaces herunterladen.
  • Telefon, Kontakte, Protokolle: Ein Swipe nach unten ruft die Dialer auf, über die Kontakte-App kann aber ebenso ein Anruf gestartet werden. Die Anrufhistorie findet sich in den Protokollen.
  • Benachrichtigungen: Die Uhr zeigt eingehende Benachrichtigungen bspw. von Telefonanrufen, E-Mails und Alarmen. Auch verfügbar: Gmail, Google now, Goole+, Hangouts, Nachrichten, Runtastic, S Planner und Weather Widget
  • S Voice: Steuern des Smartphones per Uhr bzw. sogar Steuern der Uhr möglich (bspw. Timer stellen)
  • Mein Gerät suchen: Ein Klick auf das Icon und das Smartphone spielt eine Melodie und Vibriert. Andersherum klappt dies auch.
  • Weitere Apps: Timer, Stoppuhr, Termine heute, Schrittzähler, Sprachmemo, Kamera, Galerie, Wetter

Durch die Apps kann man mit einfachem wischen hin- und hernavigieren. Gestartet werden sie wie gewohnt mit einem Klick. Zudem lassen sich per Doppeltap mit zwei Fingern Schnelleinstellungen für Helligkeit und Lautstärke aufrufen; im selben Menü werden auch die Bluetooth-Verbindung sowie der Akku-Stand angezeigt. Drückt und hält man mit zwei Fingern, kommt die von Android bekannte Multitasking-Ansicht zum Vorschein. 

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Über den Gear Manager, der auf dem Smartphone installiert wird, sind weitere Einstellungsmöglichkeiten vorhanden. So ist es möglich, die Gear zu suchen (s.o.), Menüelemente neu anzuordnen oder zu entfernen, Apps zu (de-)installieren (nur für die Uhr angepasste Apps aus Samsungs Store!) und verschiedene Watchfaces auszuwählen und erweitert zu konfigurieren. Zudem lässt sich das Mobiltelefon, solange eine Verbindung mit der Gear besteht, per Wisch entsperren. Bricht die Bluetooth-Verbindung zusammen, kann das Smartphone mit den üblichen Android-Methoden (PIN, Muster, etc) gesperrt werden. Gleiches gilt natürlich auch für die Uhr selbst, wobei diese lediglich mit einem Muster gesperrt werden kann.

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Ebenfalls im Gear Manager regelt man, welche Apps Benachrichtigungen an die Gear senden dürfen, sodass man nur die wirklich wichtigen Informationen auch direkt an den Arm erhält. Zweimaliges Drücken des Power-Buttons kann eine (konfigurierbare) App aufrufen und ein Notfallassistent (Kontaktiert bei Notfall hinterlegte Personen) ist ebenso an Bord. Über die Smart Info Funktion reicht es, wenn man eine Benachrichtigung auf der Uhr geöffnet hat, das Smartphone aus der Tasche zu holen und an derselben Stelle weiterzuarbeiten. Ebenfalls einstellbar ist eine Aktivierungsgeste für die Uhr. Diese deaktiviert in der Standardeinstellung das Display nach wenigen Sekunden. Hebt man den Arm, kann dies über das Accelerometer erkannt werden, sodass sich das Display automatisch deaktiviert.

Android-Apps nach eigenem Gusto 

Wie man sämtliche Android-Apps auf der Uhr zum Laufen bekommt, haben wir bereits in einer News beschrieben. Problem: Die Bluetooth-Verbindung zwischen Uhr und Smartphone stellt kein Internet-Tethering zur Verfügung. Apps erhalten ihre Informationen lediglich direkt vom Smartphone. Installiert man also bspw. einen Twitter-Client, wird sich dieser nicht verbinden können. Im Endeffekt ist man also wieder am Anfang und muss nutzen, was Samsung bzw. Entwickler für die Uhr bereitstellen.

Nutzung im Alltag und Bedienkomfort

Viel wichtiger als die theoretischen Funktionen ist, was wirklich funktioniert und wie sich die Uhr im Alltag schlägt. Ist das Display hell genug? Auf Stufe 2 lässt es sich in Innenräumen gut ablesen, Stufe 4 hat bei bedeckten Tage auch außer Haus eine sehr gute Figur gemacht. Darüber hinaus gibt es noch Stufe 5 und einen Outdoor-Modus, wobei die Uhr auf Stufe 4 schon ordentlich am kleinen Akku saugt (siehe Abschnitt Akkulaufzeit). Einen Helligkeitssensor besitzt die Uhr nicht.

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Die Kamera im Armband ist sicher eine nette Idee, wird aber aufgrund des extrem lauten, nicht deaktivierbaren Auslösetons (was natürlich gut ist) eher selten zum Einsatz kommen. Bilder sind in den meisten Fällen verwackelt, Videos machen da eine bessere Figur, dürfen jedoch maximal 15 Sekunden lang sein. Die Uhr hat einen internen Speicher von 4 GB. Ist der voll, werden Bilder aufs Smartphone übertragen. Automatisch geht das jedoch nicht, es muss jedes Bild einzeln übertragen werden. Besser ist das bei der Sprachmemo-App gelöst, die direkt überträgt. Wer an dieser Stelle denkt "Einfach als Wechseldatenträger an den PC hängen" irrt, denn das ist bei der Gear nicht möglich. Erst wenn man herausfindet, dass die "Automatisch übertragen"-Funktion nicht auf der Uhr, sondern im Gear Manager am Smartphone getätigt werden muss, kann man sich die lästige manuelle Übertragung sparen.

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Ebenso unpraktisch ist die Aktivierungsgeste durch Arm hochnehmen. Die hat im Test zwar funktioniert, aber brauchte immer 1-2 Sekunden, in der man darauf gewartet hat, dass sich das Display aktiviert. Eine "Double-Tap To Wake"-Geste wäre hier sicher angebrachter gewesen, zumal der Power-Button nicht immer gut zu erreichen ist. 

Wirklich genervt ist man aber, wenn man die Gmail-App nutzt und Benachrichtigungen empfangen will. Denn dann wird man immer nur darüber informiert, dass eine E-Mail eingetroffen ist. Von wem oder gar den Inhalt, das kann man nicht einsehen. Nutzt man den Gmail-Account mit der Standard-Email-App, ist beides kein Problem. Immerhin: Die Funktion um von einer Benachrichtigung der Uhr an gleicher Stelle am Smartphone weiter zu arbeiten, öffnet immerhin die Gmail-App. 

Ebenfalls nicht so richtig praktisch ist der Launcher. Eine App je Seite lässt viel Wischerei zu. Wieso man nicht, wie im App-Menü (das es ebenfalls gibt) 4x4 Apps je Seite anzeigen kann, ist unverständlich. Und wenn man im Meeting sitzt und die Uhr ständig irgendetwas anzeigt, würde man sich wünschen, diese für einige Stunden stumm stellen zu können, quasi ein DND-Modus, wie es ihn auch bei Windows 8 gibt. Alternativ lässt sich die Bluetooth-Verbindung trennen, das ist aber wenig komfortabel.

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Insgesamt wirkt die Kombination "Gear Manager"-App auf dem Smartphone und "Einstellungen" auf der Smartwatch extrem undurchdacht. Mal stellt man hier ein, mal dort, mal gibt es für das gewünschte keine Einstellungsmöglichkeit. Insgesamt macht die Gear im Alltag nur manchmal Spaß - und das für 300 Euro.

Funktionen, die den Alltag erleichtern

Es gibt aber auch Funktionen, die sind so gut umgesetzt, dass man sie nicht mehr missen will: Als extrem praktisch herausgestellt hat sich die Funktion für das automatische Entsperren des Gerätes, sodass man - solange Uhr und Smartphone verbunden sind - bequem per Wisch entsperren kann und bei Trennung beider einen Code eingeben muss. Das erhöht den Komfort ungemein und hebt ihn quasi auf die gleiche Stufe wie der Fingerprint-Sensor im iPhone 5s. Ebenfalls praktisch sind die Funktionen um Timer und Stoppuhr (sogar per Sprachbefehl) zu steuern und bei eingehenden Benachrichtigungen direkt auf dem Smartphone in der passenden App fortzufahren.

Ohne Smartphone geht nicht's?

Von den vorinstallierten Applikationen funktioniert ohne das Smartphone natürlich nicht mehr viel. Telefonieren geht nicht, die Uhr erinnert nicht an Termine, Kontakte sind ebenfalls nur bei bestehender Bluetooth-Verbindung einsehbar und Benachrichtigungen funktionieren selbstredend auch nicht. Ebenfalls nicht lauffähig: S Voice. Den Timer, der zwar auch ohne Smartphone läuft, per Sprachsteuerung einstellen? Fehlanzeige. Der Mediencontroller und die Wetter-App ergeben ohne verbundenes Smartphone ebenfalls kaum Sinn. Ohne Smartphone ist das 300 Euro teure Gadget ziemlich aufgeschmissen. Gut also, dass es bei Vergessen desselbigen durch Vibration daran erinnert.

Achillesferse Akkulaufzeit? 

Nach der Vorstellung wurde viel über die Gear geschrieben. Vor allem die Akkulaufzeit scheint eines der größeren Probleme zu sein, wenn man gleichzeitig alle Funktionen aber auch ein schmales Gehäuse verwirklichen will. Das kennt der Kunde schon vom Smartphone - oft ist nach einem oder weniger als einem Tag schon Schluss. Das sieht bei der Gear nicht anders aus, was unter anderem an der Kombination SuperAMOLED-Display und 315 mAh Akku liegt - hier ist man im Gegensatz zur eingangs erwähnten Pebble deutlich im Hintertreffen. Um etwas Akkulaufzeit zu schinden, hat Samsung in der Standard-Einstellung möglichst viele schwarze Hintergründe genutzt, so wird der Stromverbrauch des Displays gering gehalten.

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In unserem Test kamen wir bei geringer Nutzung mit rund 25% Restkapazität über den Tag; für einen zweiten Einsatztag hätte dies demnach nicht gereicht. Die Laufzeit kann durch Vielnutzung aber auch dramatisch reduziert werden, die Display-On-Zeit ohne sonstige Aktivitäten bei bestehender Bluetooth-Verbindung und Helligkeitsstufe 4 lag bei ca. 2 Stunden. Kein Wunder also, das viele der angepriesenen Funktionen der Uhr im Auslieferungszustand deaktiviert sind.  

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Aufladen ist zudem keine wirkliche Freude: Dazu muss die Uhr in einen kleinen Käfig bugsiert werden, der, nachdem er geschlossen wurde, die Uhr vollständig umschließt. An den Ladekäfig wird dann das microUSB-Kabel angeschlossen. Diese Reihenfolge sollte tunlichst eingehalten werden, da der Anschluss für das (nicht gewinkelte) Kabel an Unterseite rechts positioniert wurde, die Uhr aber ebenfalls von der rechten Seite eingeschoben wird. Steckt das Kabel, kommt es immer wieder einmal zur Kollision. Über einen magnetischen Auflade-Anschluss hätte man dies deutlich eleganter lösen können. Es gibt aber auch Gutes zu berichten: Der 550-mA-Charger lädt den Winz-Akku in einer knappen halben Stunde wieder auf. Der Nachteil: Ohne Ladekäfig im Gepäck kann auch kein externer Akku genutzt werden.