[User-Review] Lesertest: Thermal Grizzly KryoSheet auf CPUs (R7 5800X3D)

ApolloX

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Zunächst einmal will ich mich bei HardwareLuxx sowie Thermal Grizzly bedanken!
Mir ist das KryoSheet seit längerem hier aus der OC-Szene bekannt und bislang hab ich nur gutes gehört. Es scheint gut handhabbar zu sein und ist wohl eine akzeptable Alternative zum Flüssigmetall auf Grafikkarten.
Ich betreibe hier auf meinem Hauptsystem einen schon ganz passablen Custom Loop und hab auf der GPU Flüssigmetall – auch von Thermal Grizzly. Diese Verbindung wollte ich jetzt nicht aufreißen, daher kam nur die CPU fürs KryoSheet infrage.

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Ungünstige Voraussetzungen

Ich hatte den Anfangsverdacht, dass mir das KryoSheet auf meiner CPU vielleicht nichts bringen könnte: Custom Loop Wasserkühlung mit externem Radiator, auf der CPU sitzt ein ALC Eisbaer Wasserblock, eingeschmiert mit ALC Apex, welcher im Idle meinen Ryzen 7 5800X3D auf Raumtemperatur +2°C kühlt (unter der Annahme, dass die Wassertemperatur der Raumtemperatur entspricht) und unter Maximallast die 80°C kaum ankratzt. Was kann ein KryoSheet hier bewirken? Und ich glaub, dass ich beim Auftragen von Wärmeleitpaste mittlerweile zu den Experten gehöre. Ich hab alleine von Januar bis heute (Mitte März) auf meinem Hauptsystem mindestens 15 Mal die CPU hin- und hergewechselt und bekomm jedes Mal die Temperaturen gleich gut hin. Ich kenn mein System mittlerweile so gut, dass wenn die Idle CPU Temperatur um 2 Grad wegen schlechtem WLP Auftrag abweicht, dass ichs merke.

Aber wenn das KryoSheet nun merklich bessere Temperaturen liefern würde, dann würde es auch mir ein Grinsen aufs Gesicht zaubern.

Jetzt musste ich aber noch eine Anwendung finden, welche meine CPU zuverlässig und konstant unter Feuer setzt, um einen validen Vergleich zwischen meiner bisherigen Lösung mit dem KryoSheet zu ziehen.
Cinebench 23 macht bei mir in aktueller Konfiguration gerade mal 60°C auf die CPU. Ich benötige für diesen Vergleichstest also 1) knackigere CPU Last und 2) mehr Watt durch die CPU gepumpt. Dann also mal Prime und bissl am Bios tunen, bis ich bei den Temperaturen mal seit langem wieder in die 80er rausche.

Der Anwendungsfall, der mich interessiert ist aber nicht Rendern oder langwieriges Compute, sondern Gaming, mit vielen steilen Lastwechseln. Also werde ich mittels Prime nicht vergeblich versuchen, meinen Loop zu erhitzen, sondern ich brauchte kurze aber maximale Leistungsspitzen und will sehen, was da an der Leistungsspitze passiert und wie schnell die Temperatur auf der CPU dann auch wieder weggekühlt ist.


Testsystem

Das Testsystem ist mein aktuelles Hauptsystem mit folgender Hardware und Settings für die Testreihe:
  • CPU: AMD Ryzen 7 5800X3D mit PPT 170 W, TDC 110 A und EDC 150 A
  • Mainboard: ASUS CH8 Dark Hero, LLC4
  • GPU: AMD Radeon RX 6900 XT LC (Ref) PPT 150 W
  • RAM: G.Skill Royals 3800-14-13-13-24
  • Kühlsystem: Custom Loop mit ALC Eiswolf 2 360 (GPU + Thermal Grizzly Conductonaut), Eisbaer 420 (CPU + frische ALC Apex ca. vor drei Wochen aufgetragen), ALC Eispumpe VPP755 V3, ALC SuperNova (4 x 200 mm Noctuas)
  • Gehäuse: BQ Silent Base 802
  • & Win 10
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Auspacken

Obwohl ich kein Unboxing-Spezi bin, und mich dazu in diesem Bericht zunächst garnicht äußern wollte, tue ich es, denn da gab es einen Kritikpunkt. Das KryoSheet kommt in kleiner Box mit Schaumstoffpolster und einer Papp-Hülse. Im Endeffekt ist das schön aber nicht zu aufwendig gemacht – ich achte bei sowas auch immer darauf, dass unnötiger Müll vermieden wird, weil wir allem Plastiktütchen ganz gerne in den Mägen von Fischen und Meeresvögeln enden. Ich glaub, an Müll fällt hier je nachdem nicht zuviel an. Die Standard-Tüte von Thermal Grizzly, dann einmal Karton und innendrin zwei Kunststofffolien – die hier aufgrund des Schutzes des KryoSheets in Ordnung gehen. Ich bin aber jemand, der die Außenverpackung von Thermal Grizzly (habe hier mehrere) immer aufhebt und drin PC-Kleinteile sammelt. Daher will ich diese auch nicht aufschneiden oder zerreißen. Ich musste beim Auspacken aber feststellen, dass der kleine Karton mit Umschlag des KryoSheets nicht ohne weiteres aus der Kunststofftüte herauskommt. 2 min herumfummeln, bis alles aus der Tüte ist. Das fand ich in der Tat ein bissl blöd – aber überlebbar.

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Auflegen

Die Installation des KryoSheets ist ja weder Einbau noch Einkleistern. Im Idealfall würd ichs mal als Auflegen bezeichnen. Ich hatte hier mit angegeben, dass ich eins mit den passenden Abmessungen für AM4 Ryzens benötige. Im kleinen Installations-Beipackzettel stand, dass das Sheet maximal einen mm je Seite überragen darf. Bei mir würde ich sagen, war es perfekt zugeschnitten – ein guter Job von wem auch immer.

Ein Vorteil des KryoSheets ist definitiv jener, dass man erstens keine Wärmeleitpaste benötigt und zweitens es damit auch keine Malheure gibt. Ich bin mit dem Auflegen auf die CPU hier super klargekommen. Eine kleine potentielle Schwierigkeit sehe ich aber: Wärmeleitpaste kann man in fast jeder beliebigen Lage auftragen – also auch bei stehendem PC Tower und vertikaler CPU. Das KryoSheet muss aber auf eine Ebene Oberfläche gelegt werden, damit es nicht wegrutscht. Hierzu musste ich also mal meinen Tower umlegen. Natürlich hat man hier ein bissl Unsicherheit, ob nach dem Auflegen des Kühlbocks auch nichts verrutsch ist – das kann dann erst der kommende Test zeigen.

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Die Testreihe

Ich wollte CB23 mit drin haben als kleinere Last und anschließend auch Prime mit den Small FFTs um war härteres zu sehen. Ich hatte überlegt, wie lang ichs laufen lassen soll, aber weil mein System relativ schnell auf Temperaturveränderungen reagiert, hab ich mich für kurze Zyklen entschieden. Durch meinen Custom Loop kann ich das ganze Blech eh nicht richtig aufheizen, wenn ich die Lüfter auf den Radiatoren voll laufen lasse. Dafür starte ich zwei Läufe CB23 hintereinander und dann jeweils 30s Prime dreimal hintereinander. Und dieses Testprotokoll werd ich dreimal nach einem System Neustart abfahren. Anschließend sollte man ja bereits sehen, wie sich das KryoSheet gegen die ALC Apex schlägt – denn das ist das einzige, was ich einmal durchvariiere.

Ich hab mir nun für folgendes Testprotokoll entscheiden
  1. erster Lauf Cinebench 23 Multicore aus Benchmate heraus
  2. ca. 20 s Pause
  3. zweiter Lauf Cinebench 23 Multicore aus Benchmate heraus
  4. ca. 20 s Pause
  5. erster Lauf Prime Small FFTs für 30s
  6. ca. 20 s Pause
  7. zweiter Lauf Prime Small FFTs für 30s
  8. ca. 20 s Pause
  9. dritter Lauf Prime Small FFTs für 30s

Zur Datenerfassung nutze ich HWinfo mit einer Pollingrate von 1 s und analysiert wird mit dem guten alten Excel.


Das Testergebnis

Die Raumtemperatur hab ich während des Testens immer wieder gemessen – diese ist um 0,2°C angestiegen, also potentiell leicht zu Ungunsten des KryoSheets, da ich dieses nach der Wärmeleitpaste verwendet habe. Aber die 0,2 werde ich dennoch nicht weiter kommentieren.

Ich hab hier alle sechs Testläufe mal in ein Diagramm jeweils für Temperaturen und die Leistungsaufnahme der CPU übereinander geplottet. Rote Farben für die drei Läufe mit Wärmeleitpaste und blaue Farben für die mit dem KryoSheet.

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Wichtigste Erkenntnis: in meinem Fall hat das KryoSheet gegenüber der Wärmeleitpaste keinen Vorteil. In CB23 sind die Temperaturen sichtbar höher (3,4°C), in Prime schmilzt der Unterschied weitgehend dahin (1,4°C). Das ist jetzt nicht weltbewegend, aber doch messbar.

Ich hab jetzt mal für alle CB23 und Prime Durchläufe während die volle Leistungsaufnahme vorlag, die Durchschnittstemperaturen auf dem CCD1 ermittelt.
Hier sehe ich nochmals zusammengefasst, was sich in den Plots bereits etwas ungenauer dargestellt, gezeigt hat: KryoSheet kann die Wärmeleitpaste nicht schlagen.

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Bisher hab ich also gesehen, dass die Durchläufe mit dem KryoSheet immer zu leicht höheren CPU Temperaturen geführt haben. Jetzt wäre noch zu klären, wie es mit der Leistungsaufnahme aussah, den sollte diese in den Durchläufen beim KryoSheet höher gewesen sein, hätten wir auch einen möglichen Grund für die entsprechend höheren Temperaturen.

Hier sieht es im großen Plot oben so aus, als wäre die Leistungsaufnahme beim Cinebench relativ gleich, aber in Prime mit dem KryoSheet etwas geringer. Nun auch hierzu nochmals die Mittelwerte aller Läufe immer zu den Zeiten gemessen, wenn volle Leistung anlag. Die Unterschiede sind hier 0 W (Cinebench) oder um 2 W (Prime) – auch das hat praktisch keine Bedeutung, war aber auch hier dennoch messbar. Die Plots hab ich oben alle zusammen angeordnet, weil man so besser die Verläufe sehen kann.

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Auch wenn ich jetzt nur 2 x 3 + 3 x 3 einzelne Benchmarks gemacht hab, konnte ich hier nun Unterschiede entdecken. Ich denke jedoch, dass diese Unterschiede immer noch so gering sind, dass sie praktisch kaum bedeutsam sind. In Benchmarks wenns um Punkte und Ränge geht, sind entdeckte Unterschiede zwischen der hier verwendeten Wärmeleitpaste (ALC Apex) und dem KryoSheet relevant. Wenns um Gaming geht, dann sind beide Lösungen super und der Unterschied irrelevant.


Limitations

Hierzu möchte ich mich auch nochmal äußern. Neben den eingangs erwähnten ‚ungünstigen Voraussetzungen‘ fürs KryoSheet kommt noch eine Schwierigkeit dazu: das Sheet musste in einem One-Shot gegen mein ausoptimiertes System antreten.

Ich hatte im Bewerbungsthread zu diesem Test gefragt, ob das Sheet wiederverwertbar sei. Ein Kommentar war hier klar, dass dies nicht der Fall wäre. Also hab ich hier viel Erfahrung mit WLP gegen genau einen sowie ersten Versuch des Auflegens eines KryoSheets antreten lassen – und man kann sagen, das KryoSheet hat sehr knapp gegen die ALC Apex verloren. Aber irgendwo ist das nicht ganz fair.

Für einen wirklich fairen Test – und ich bewege mich beruflich oft im Bereich der Inferenzstatistik, würde ich vielleicht 30 Chargen derselben Wärmeleitpaste und jeweiliger Block-Demontage sowie Repaste gegen 30 Stück KryoSheet antreten lassen und dann mal mit mindestens einem t-Test statistisch vergleichen, ob sich da dann signifikante Unterschiede finden lassen. Das hab ich hier alles nicht gemacht, daher will ich im Urteil auch nicht strenger sein, als es der Test fairer Weise ermöglicht.


Fazit
  • Verpackung: gut gemacht, beim Auspacken aber angeeckt.
  • Installation: ein Traum für alle, die WLP-Kleckerei nicht mögen.
  • Leistung: hier auf Augenhöhe mit der besten Wärmeleitpaste die ich bisher in den Fingern hatte – diese aber nicht geschlagen.
  • Langzeitstabilität: Es darf vermutet werden, dass das KryoSheet nicht so altert, wie es Wärmeleitpaste macht. Genauerers wissen wir aber erst in 1-2 Jahren.
Wie sehen einmal mehr, dass die Zeiten von Revolutionen im PC-Kühlungsbereich vorbei sind – falls es die jemals gegeben hat. Aber es dennoch immer noch Raum für neue Ideen, Technologien und Innovationen gibt!

Edit 1:
Auch im Idle sehe ich an meinem System ca. 1,5°C mehr auf der CPU im Vergleich zur Wärmeleitpaste, wenn ideal aufgetragen.
 

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