Nunja, es ist etwas schwierig die Situation zu erklären ohne sämtliche Details zu nennen, was ich aus diversen Gründen nicht möchte. Sowohl Firmeninterne als auch meine persönliche Vergangenheit gehören hier nicht so hin, wenn ihr versteht...
Um es dennoch zu versuchen:
Ich bin seit Jahren GF in einem kl. mittelst. Betrieb. Ein sog. "fremder" GF ohne Firmenanteile. Ich erledige das laufende Geschäft für den Inhaber. Selbiger trifft die strategischen Entscheidungen trotz seines Alters und seiner Erkrankung noch immer selbst (im Klartext: er kann nicht loslassen und in seinen Ruhestand gehen).
Persönlich habe ich aus meiner Vergangenheit Erfahrung gesammelt, wie man gesundheitliche Veränderungen frühzeitig erkennt und sich verhalten sollte, um nicht ernsthaft z.B. in einem Burn-Out zu enden. Ich kann das bei mir und auch bei anderen Menschen sehr gut einschätzen mit dem aktuellen Unterschied, dass ich dies bei mir seit kurzem bewusst beobachte.
Nun gestaltet sich die berufliche Situation so, dass kürzlich Entscheidungen getroffen wurden, die nicht im Sinne des Unternehmens sind. Ich muss jedoch in meiner Funktion damit klarkommen und zukünftige Konsequenzen mitverantworten. Auf die getroffenen Entscheidungen habe ich keinen Einfluss (vergebl. versucht, genauso wie externe Berater, Vertrauenspersonen etc. pp).
Die Kombination aus meiner pers. Erfahrung von früher, der absoluten Fehlhaltung meines Chefs (dem Inhaber) und der aktuell gemachten Unternehmensausrichtung in Richtung Abgrund / Wand hat mich zu dem Entschluss kommen lassen, dass ich diesen Job hinwerfen MUSS.
Entweder ich riskiere im worst case juristische Probleme durch meine Funktion oder mein Privatleben und Familie wird noch mehr belastet als ohnehin schon. Ich bin nicht der Typ, der seinen Kopf nach Feierabend ausschalten kann. Probleme die mich beschäftigen,nehme ich dort hin (leider) mit.
Vermutlich werde ich problemlos einen passablen Ersatzjob finden, jedoch zweifle ich derzeit grundsätzlich am Sinn dessen.
Dieser Gedanke ist schwierig zu erklären und ich glaube Menschen, die weniger emotional ticken und noch nie in ähnl. Positionen waren, werden es nicht nachvollziehen können. Man sitzt regelmäßig in Meetings, kommt sich unheimlich wichtig vor, es werden Summen für Reisen, Wein und Steaks rausgehauen, aber letztlich dreht sich alles nur um das Geld und den eigenen Vorteil. Menschlichkeit ist Fehl am Platze. Ja, ich habe das auch ganz gut drauf, aber ich habs so satt!
Der Unternehmensgewinn stimmt und trotzdem muss rationalisiert werden, um nochmal 0,0001% mehr Gewinn zu schäffeln.
Die meißten Leute streben nach einer solchen Position und sehnen sich nach viel Geld. Aber letztlich steigt nur das materielle Drumherum im Leben, weiter nichts. Vielleicht liegts auch dran, dass ich mittlerweile Familie habe sich mein moralischer Kompass gedreht hat, weil ich so denke. Die Mehrheit meiner "Gegenüber" macht den Job nur um den erreichten privaten Standard zu halten.
Nun überlege ich was mir an Alternativen zur Verfügung stehen. Überspitzt (!!!) formuliert der Klassiker, ein Bauernhof im Ausland als Selbstversorger ohne den täglichen Stress der beruflichen Tretmühle. Sowas halt irgendwie, keine Ahnung. Sowas in der Art machen die sogenannten "Aussteiger". Einige Stories findet man via Google. Natürlich ist vieles Glück oder auch unrealistisch. Aber der reine Gedanke dahin reizt mich momentan.
So, hoffe meine Grundgedanken werden etwas deutlicher.
