Blättert nun in einer neuen Ausgabe von "ebay erfüllt Wünsche". Einen lange gehegten... Die letzten zwei, eher drei Jahre lang war kein solches Board in Reichweite meines Blickwinkel aufgetaucht, daher bot ich bei der erstbesten Auktion mit. Nichtsahnend von dem Zufall, der zwei weitere Exemplare folgen lassen würde - für eine halbe Niere weniger, versteht sich. Deshalb will ich ungern über den Preis reden, lieber über die Fakten einer Kirsche, die nach dreißig Jahren nicht mehr ganz frisch aussieht, aber immer noch schmeckt. 🍒
Cherry G80-5000HAADE aka MX5000 ErgoPlus
Dazu gehört ein Numpad, Modell G80-5
700HAADE (ohne f-row) und leider kein Originalkarton. Auspacken und den klackernden Verstellmechanismus testen macht noch Spaß. Die ersten Tastenanschläge, die vom DIN-AT-Stecker erst über PS/2 und dann in USB übergehen, auch. Trotz MX Brown. Der Blick ins Detail schon nicht mehr, auch der Vorbesitzer dieses Boards stand mit allen Reinigungsmitteln auf Kriegsfuß. Die Seitenwände der Kappen sind voller Flecken und darunter sieht es auch nicht viel besser aus. Mit destilliertem Wasser und einem Rasiererpinsel wird das PCB wieder sauber. Die clip-in stabilizers sind völlig fertig und müssen weichen. Mit 205g0 und XHT-BDZ geschmierte QMX-Stabis finden neben ISO-Enter und Backspace einen Platz. An den Leertasten dagegen nicht, da das PCB keine Bohrungen hat für 2u. Hier müssen die Costar-/MY-Stabis in 3u-Größe, die die zweiteiligen ausziehbaren Leertasten festhalten, leider drin bleiben. Die Kappen gehören mal ersetzt, eine ist krumm wie eine Banane und ließ sich auch mit Heißluft nicht wieder richten. Den Auszieh-Mechanismus braucht man eh nicht unbedingt.
Was auch nicht drin bleibt, sind die Browns. Ich kann das einfach nicht: Der bump ist zu schwach, um sich taktil nennen zu dürfen, aber zu stark, um einen technisch einwandfreien linearen Schalter unter der Kappe zu vermuten.

Ursprünglich waren MX2A als Ersatz geplant und ich hatte dafür extra die
experience box bestellt. Die Farbkombination des Northern Light finde ich ganz nett, doch aus der Masse guter Clones technisch hervorzustechen gelingt nicht mal einem der zehn MX2A. Das betrifft sowohl das Gefühl als auch den Sound, sage ich nach Tests in diversen hot-swappable Boards.
Positiver Nebeneffekt: Auslöten, abgerissene pads und bodge wires bleiben dem dünnen FR2-PCB erspart und die Schalter bleiben zumindest teilweise original, wenn von oben geöffnet. Vor Jahren habe ich mit einer Stecknadel mit U-förmig umgebogener Spitze gearbeitet, das war ein Katapult für's top housing und die Innereien...
Der bessere Weg: Mit einem 1,8mm breiten Schlitzschraubendreher in jeder Hand sind die Schalter in Sekunden offen, ohne wegfliegende Teile. Change my mind, aber plattenloser Aufbau ist einfach ein Segen, sowohl beim Tippen, als auch bei Wartungsarbeiten. Im Gegensatz zu den Brown stems mag ich die 55 cN springs außerordentlich gut leiden, daher blieben die drin. Fertig ist der MX Ergo Black, 5 cN leichter als normal.
Im Vorteil ist, wer im Vorlauf dieser Arbeit richtig zählen kann. Zu dieser Gruppe von Leuten gehöre ich nicht, mittendrin gingen mir die Blacks, die Silent Blacks und auch die MX Linear Grey aus. Die Browns waren natürlich schon alle offen, ein leaf ging dabei drauf... Vielen Dank jedenfalls
@Boggle - der Blacks losgeschickt hat, ohne etwas zu sagen.

Und an Darkwing Thocc von ClackTales, der mir auch noch welche überlassen hat. Die Community ist einfach spitze.

Wer Verwendung hat für die Brown slider oder ganze Schalter mit 60 cN springs, gerne melden.
Als Nächstes wird die Adapter-Parade überflüssig gemacht. Die üblichen Schritte halt, Spiralkabel aufschneiden, die Pin-Belegung den Kabelfarben zuordnen, CSC0101A an- und die für das externe Numpad vorgesehene PS/2-Buchse ablöten, denn ihren Platz wird der USB type-C breakout einnehmen. Ist der Pinecil sowieso schon mal heiß, bietet es sich an, gleich noch die verblassten, grünen Status-LED abzunehmen und rote zu verpflanzen.
Das PCB ist bereits sauber, Zeit, dem Dreck der Kappen an den Kragen zu gehen. Auf eine Wäsche im Kochtopf mit heißem Leitungswasser und zwei Gebissreiniger-Tabletten folgt - nach der Nagelbürste und einer Nacht abtrocknen - das Bleichen. Das Behältnis dafür sollte luftdicht verschlossen, aber lichtdurchlässig sein. Zwei meiner gesammelten Pudding-Gläser erwiesen sich als geeignet. Kappen eingefüllt, zu Dreiviertel
Wasserstoffperoxid 12% und zu einem Viertel kaltes Wasser dazu, bis das Glas randvoll ist. In die Sonne stellen, bei Kaffee und Tee abwarten, alle Stunde mal schütteln, damit sich keine Ränder bilden und nach sechs Stunden unter kaltem Wasser abwaschen. Zum Ergebnis ist nur zu sagen, dass das 5700er Numpad als Vergleich herhalten kann, weil es unbehandelt geblieben ist. Mein gemoddetes G80-3700HQADE (mit f-row!) mag ich einfach lieber. Ansonsten dürfte das Ergebnis so ziemlich für sich selbst sprechen.
Ü Die Modifiers sind etwas zu hell geworden, aber andere Versuchsobjekte zeigen mir, dass das relativ egal ist, weil nach einigen Monaten bis Jahren das Material eh wieder nachdunkelt und auch der Gilb irgendwann wieder zum Vorschein kommt. Dann wird auch der obere Gehäuserahmen gebleicht.
Der letzte und dümmste Arbeitsschritt war die Montage der Leertasten, die nicht nur krumm, sondern auch klapprig sind und sich lösen, wenn nicht genau mittig betätigt. Ausgeleierte stems sind wie fast immer die Ursache. Der Vorbesitzer hatte sich beholfen mit etwas, das wie Vliesstoff aussieht, vielleicht von so einem Staubtuch. Leider zu dünn und zu rutschig, ich nehme tesa-Film. Die Stabi-Nocken haben zudem Spiel jenseits von Gut und Böse, viel XHT-BDZ lässt das Geklapper verstummen. Dass die Nocken nur an einer Seite eine Schräge haben und die Richtung Süden zeigen muss, damit der Draht auch nach unten wegklappen und einrasten kann, sollte man vorher erkennen. Das dauert - auf Bild 1 ist es noch falsch.
Sind die Bananen wieder angewachsen, könnte man das Ding ja mal hinstellen und endlich tippen. Welches Geräusch das von sich gibt, ist schnell erzählt: So wie jede andere plattenlose G80 mit Blacks es auch tut - der spezielle Aufbau ändert nichts daran. Das Gefühl ist besonders. Rückwärtsneigung, tilt oder negativer Tippwinkel, oder wie auch immer man es nennen mag, habe ich vor Jahren schon an der Q100 probiert, ist für mich nichts. Aber tent mode ist absolut
GENIAL und super entspannt. Es dauert einen Moment länger,
F und
J zu finden, ist man aber da angekommen, dann ist man sofort zu Hause und tippt flüssig. Ein "starres" Alice-Layout ist ja schon lässig für die Handgelenke, weil man den Knick nicht machen muss, aber die erhöhte Mitte erspart zusätzlich, das Handgelenk zu drehen. Anschaffung und Arbeit haben sich gelohnt, es ist tippen wie Urlaub.
Ach ja,
F13 bis
F17 haben keine eigenen scancodes, diese Tasten geben
F3 bis
F7 aus, als Tastenkombination mit
Shift. Da ist also nichts zu machen, dachte ich zuerst. Aber der Tastatur-Manager von PowerToys ist einfach ein machtvolles Werkzeug für Windows. Einziger Wermutstropfen: Solche Kombinationen wie
Win +
Pause funktionieren nicht, weil
Win in der Konstellation schon eine Tastenkombination ist.