Darf man fragen was man an Pflegegeld bekommt?
wenn man sich in deutschland als pflegeeltern beim jugendamt bewirbt, wird man ziemlich satt durchleuchtet. die geben die kinder, die sie durch diverse geschichten ihren familien entnohmen haben, nicht an irgemdwem und irgendwo ab. die kriterien, die gelder und sonstige bestimmungen sind von kreis zu kreis unterschiedlich. auch die kriterien, ob ein kind der familie entnommen wird, ist von kreis zu kreis völlig unterschiedlich.
1.) für unseren kreis sind die zahlungen wie folgt (also das geld, welches vom jugendamt kommt):
lebensunterhalt 520€ für 0-6jahre alter des pflegekindes - darin sind alle kosten enthalten, die ein kind unmittelbar erzeugt. (das ist auch das geld, was man bei der bekannten alimente abdrückt) darin sind zb auch die kosten für ein eigenes zimmer mit drin
2.) erziehungsbeitrag 240€ - das ist quasi die bezahlung für die pflegeeltern
3.) kindergeld 194€ (oder sowas), welches einen als pflegeeltern wie auch bei leiblichen eltern zusteht
4.) - 97€ die hälfte vom kindergeld wird abgezogen, da es bereits im lebensunterhalt inkluiert ist
macht zusammen 850€ als "standardsatz" komplett. damit haben wir anfang letztes jahr auch angefangen. man darf elternzeit nehmen, bekommt aber KEIN elterngeld. je nach jugendamt und natürlich auch kind ist es unterschiedlich, wielange man zu hause bleiben MUSS. (es gibt kreise, da muss man 3jahre vollzeit zuhause bleiben) wo die 850€ erstmal toll klingen, ist das tatsächlich für viele gar nicht machbar, da jeder halbwegs vernünftige facharbeiter deutlich mehr verdient als die 850€, zumal das kind auch geld kostet (siehe lebensunterhalt...). wir haben uns aufgeteilt mit ich 4tage woche und sie 1 tag, so das deutlich! mehr über bleibt als wenn ich 5tage und sie komplett zu hause blieb.
schon nach wenigen wochen fing das theater allerdings so richtig an von den leiblichen eltern, die gerichtlich 3 besuchskontakte pro woche! durchgesetzt haben (üblich ist 1x im monat). wir wohnen in einen ganz anderen kreis, so das ennorme km zu fahren waren. wir drohten damit die sachen zu beenden, weshalb wir für 6jahre befristet (länger geht nicht, da ja mit dem 7 lebensjahr das kind eine stufe höher kommt im lebensunterhalt und eh alles neu berechnet wird) folgendes bekommmen:
5.) zweifacher mehrbedarf 480€ - unter bestimmten bedingungen kann das amt einen mehrbedarf anmelden, welcher quasi den "erziehungsbedarf" erhöht. zweifach heißt also 2x die 240€ aus 2.)
die gerichtsgeschichte ist mittlerweile auch beendet, es ging bis zum oberlandesgericht. hat uns wirklich eine menge stress verursacht und es war nicht leicht.
nun geht der kleine in den kindergarten. das jugendamt zahlt
6.) in unseren kreis 50% der kosten ohne mittag (im lebensunterhalt bereits inkludiert), so das wir vom amt 100€ bekommen
im rahmen der 3 runden am gericht kam halt auch raus, das der kleine eine geistige behinderung hat durch den alkoholkonsum der mutter. das war wirklich nicht leicht mit ihn, meine frau war schon mitten im burnout, so das wir die sachen eigentlich beenden wollten. das jugendamt spendierte uns darauf hin für 1jahr eine 450€ kraft, welche uns entlasten sollte. also
7.) 450€ kraft als "babysitter", welche die eingewöhnung im kindergarten macht und dort hilft, das er was ißt, trinkt und mittags schläft. alles 3 klappt ansonsten nicht...
als pflegeeltern bekommt man weiterhin immer
8.) unfallversicherung für ~145€/jahr bezahlt
9.) 50% einer privaten altersvorsorge, maximal aber 40€/monat (die rendite sind also garantiert top bei 80€ einzahlen, da 40€ schonmal geschenkt sind ^^ )
weiterhin gibt es, je nach kreis allerdings unterschiedlich:
-erstausstattung möbel und andere großgeräte (2x lebensunterhalt, also gute 1000€)
-erstausstattung klamotten (1x lebensunterhalt, also gute 500€)
-urlaubsgeld im sommer, bei uns rund 150€ (antragsfrei)
-weihnachtsgeld in höhe von 10% des lebensunterhalts, also 50€ für weihnachtsgeschenke (antragsfrei)
-zuschuss für fahrrad, einschulung, glaube bei brille und ein paar andere dinge
wir bekommen zusammen gefasst derzeit 1157€ im monat vom jugendamt direkt überwiese +194€ kindergeld (+450€ für die hilfskraft und die jährlich einmaligen zahlungen). weiterhin bekommen wir das oben genannte pflegegeld von der krankenkasse. das alles klingt jetzt mittlerweile auch schon ziemlich ordentlich, immerhin sind das um und bei 2000€.
allerdings sollte man dabei aber auch nicht vergessen, das unser kleiner geistig behindert ist und ennorme defizite hat gegenüber anderen kindern. er ist gegenüber einen gesunden kind deutlichst! anspruchsvoller, fordernder usw... merken wir jetzt natürlich immer mehr, wenn man sich die anderen kinder im kindergarten anguckt oder mit befreundeten eltern nen ferienhaus teilt. weiterhin ist es niemals unser kind. 1 richter genügt und der kleine ist wieder bei seinen leiblichen eltern. die chancen stehen nicht so toll für sie, aber man weiß ja nie. und zu guter letzt: wenn meine frau vollzeit arbeiten gehen würde, hätte sie auch die 2000€ knapp verdient. dafür gibts dann auch echten feierabend...
finanziell "lohnen" wird sich ein pflegekind erst, wenn dieses vernünftig in den kindergarten gehen kann und beide wieder arbeiten können. allerdings kann man 2x arbeiten mit behinderung ziemlich knicken, weshalb man da dann ja diese (auf den papier ordentliche) zahlungen bekommt. und ohne pflegegrad gibts normal auch kein mehrbedarf, so das mit 850€ auch das ende der fahnenstange erreicht ist. dafür muss man 1-3jahre zu hause bleiben, in den man viel geld verliert (verdienstausfall, ggf. sogar jobverlust) und die gefahr besteht, das das pflegekind auch jederzeit wieder zurückgeführt werden kann.
insgesamt "lohnt" es sich aus finanzieller sicht nicht, ein pflegekind aufzunehmen. und das ist auch einer der gründe, weshalb das kaum jemand macht. die meisten pflegeeltern sind tatsächlich selber hartz4 oder hausmütter, die sich so etwas "dazuverdienen" wollen.
hoffe ich konnte einen kleinen einblick in die materie geben. bei fragen einfach los...