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Die Document Foundation will LibreOffice Online einen Neustart ermöglichen und macht damit einen Schritt, den viele in der Community nicht mehr erwartet hatten. Nachdem das Projekt 2022 offiziell eingefroren und das Repository in einen Read-only-Modus versetzt worden war, hat der aktuelle Vorstand die damaligen Beschlüsse nun wieder aufgehoben. Ziel ist es, die webbasierte Version der freien Office-Suite als echte Community-Edition neu aufzustellen – also als ein Online-Office, das Nutzer auf eigener Infrastruktur betreiben, anpassen und weiterentwickeln können. Hintergrund ist die anhaltende Nachfrage nach selbst gehosteten Alternativen zu Cloud-Angeboten wie Microsoft 365 oder Google Docs.
In einem Blogbeitrag erläutert die Vorsitzende Eliane Domingos, man wolle einen Prozess zur Freigabe des Projekts starten, um den Weg hin zu einer Online-Version "durch die Community und für die Community" zu ebnen. Konkret bedeutet das, dass zunächst das bisher archivierte Git-Repository bei der Document Foundation wieder geöffnet wird. Gleichzeitig sollen deutlich sichtbare Hinweise auf den experimentellen und technisch überholten Zustand des Codes angebracht werden, bis ein Entwicklerteam und die Community den Stand wieder als sicher und sinnvoll einsetzbar einstufen. Parallel dazu will die Stiftung gemeinsam mit Freiwilligen klären, auf welcher technologischen Basis LibreOffice Online künftig weiterentwickelt werden soll.
Wichtig ist die Klarstellung, was der Neustart nicht bedeutet: Die Document Foundation wird LibreOffice Online weder selbst hosten noch kommerziellen Support anbieten. Diese Aufgaben sollen klar im Verantwortungsbereich des bestehenden Ökosystems rund um LibreOffice liegen, zu dem insbesondere Collabora Online gehört. Zwischen der Stiftung und Collabora hatte es in der Vergangenheit Spannungen gegeben, weil die Wiederbelebung von LibreOffice Online als potenzielle Konkurrenz zu Collabora Online wahrgenommen wurde. Mit dem nun eingeschlagenen Kurs versucht die Document Foundation, diese Fronten zu glätten: Die Online-Technik soll ausschließlich als freie Basis für Selbsthoster und Community-Projekte dienen.
Zuletzt hatte die Entwicklung von LibreOffice wieder deutlich an Fahrt aufgenommen. Mit LibreOffice 26.2 hat die Suite Anfang Februar ein größeres Update erhalten, das vordergründig die Performance und die Kompatibilität zu Microsoft-Formaten verbesserte. Ob der Community-Ansatz dieses Mal trägt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich genügend Entwickler finden, die Code, Tests und Konzepte beitragen – die Document Foundation versteht ihre Rolle als Koordinatorin.